Bad Segeberg (bis 1910 Segeberg, niederdeutsch Sebarg) ist eine deutsche Kleinstadt im Land Schleswig-Holstein. Sie ist Kreisstadt des Kreises Segeberg.

Geographie Geographische Lage Der zentrale Siedlungsbereich von Bad Segeberg hat sich am südwestlichen Ufer des Großen Segeberger Sees entwickelt. Das Gemeindegebiet erstreckt sich dabei im Westen und Nordwesten bis an den hier von Osten kommenden und nach Süden einschwenkenden Flusslauf der Trave. Der Bereich wird landschaftlich zur Großlandschaft Schleswig-Holsteinisches Hügelland gezählt, der wenige Kilometer weiter westlich in den Landschaftsraum der holsteinischen Geest übergeht. Innerhalb der Gemarkung befindet sich im Norden der Ihlsee mit dem ebenso benannten angrenzenden Waldareal, die gemeinsam das Naturschutzgebiet Ihlsee und Ihlwald ergeben.

Gliederung des Stadtgebiets Klein Niendorf und Christiansfelde liegen im Stadtgebiet.

Nachbargemeinden Direkt angrenzenden Gemeinden der Stadt Bad Segeberg sind:

Geologie Der Raum um Bad Segeberg weist erdgeschichtlich eine Besonderheit auf. Es handelt sich hier um das einzige Karstgebiet Schleswig-Holsteins, worauf unter anderem Erdfälle in der näheren Umgebung der Stadt hindeuten. Im Stadtgebiet gab es zu früherer Zeit Dolinen, welche heute allerdings größtenteils verfüllt und damit nicht mehr sichtbar sind. Einzige Ausnahme stellt der Kleine Segeberger See dar, welcher als wassergefüllter Erdfall am Fuße des 86,7 Meter hohen Segeberger Kalkbergs gelegen ist. Dieser ist mit seiner 1912Jürgen Hagel: Wer entdeckte die Kalkberghöhle? Heimatkundliches Jahrbuch des Kreises Segeberg, Bd. 44, S. 91–98. entdeckten Kalkberghöhle die erdgeschichtlich herausragendste Erscheinung des Segeberger Karstgebietes. Sie ist ein wichtiges Quartier für Fledermäuse und Heimat für den nur hier vorkommenden Segeberger Höhlenkäfer (Choleva septentrionis holsatica). Westlich der Stadt im Bereich zwischen den Orten Wahlstedt und Hartenholm liegt, bereits im Landschaftsbereich der Geest befindlich, der nach der Stadt benannte Segeberger Forst.

Geschichte miniatur|Arx Segeberga, quondam Aelberga, Wagriam, nobilem Holsatiae Regionem, exornat. – Aus den Civitates orbis terrarum von Braun und Hogenberg, Köln 1588 Anfänge Bad Segeberg verdankt seine Existenz einem Gipsfelsen, dem sogenannten Kalkberg, der nicht erst im Zeitalter des Burgenbaus zur Befestigung im Grenzland zwischen Sachsen und Slawen herausforderte. Knud Lavard erkannte die Wichtigkeit des damals an die ca. 120 Meter hohen Bergs und legte um 1128 in der Absicht, dort eine Burg zu errichten, „mansiunculas“ (Unterkünfte) darauf an. Diese erste mittelalterliche Bergbesatzung wurde jedoch im Auftrag Adolfs I. von Schauenburg und Holstein, der um Macht und Einfluss fürchtete, 1130 wieder beseitigt. Der Mönch und Missionar der Wagrier und Abotriten, Vizelin, machte Kaiser Lothar auf die strategische Bedeutung des Kalkbergs aufmerksam, woraufhin dieser 1134 eine erste Burg darauf errichten ließ, die den Namen Siegesburg (daher Segeberg) erhielt. Unweit des Berges wurden eine erste Kirche und frühe Klosteranlagen errichtet. Doch als wenige Jahre darauf Kaiser Lothar starb, „nutzte Pribislaw von Lübeck die Gelegenheit, raffte eine Räuberbande zusammen und zerstörte den Burgflecken Segeberg und alle umliegenden Orte, wo Sachsen wohnten, gründlich“ (Helmold von Bosau). Erst 1143 wurde die Burg von Adolf II. wiederhergestellt. Vizelin verlegte das nach Neumünster/Faldera ausgewichene Kloster nach Högersdorf, slawisch Cuzalina, und widmete sich verstärkt der Missionstätigkeit. Seit 1152 war südlich der Stadt, bei Gieschenhagen, ein mittelalterliches Hospital für Leprakranke nachweisbar, das St. Jürgenshof genannt wurde.Siehe Daten der Gesellschaft für Leprakunde unter

In den 1230er Jahren erhielt Segeberg das Lübische Stadtrecht.

Ausbau Segebergs seit dem 15. Jahrhundert mini|Blick vom Kalkberg um 1895, vorn das (alte) Rathaus, im Hintergrund die Marienkirche Von Gerhard II. und Gerhard III. wurde die Befestigungsanlage auf dem Kalkberg ausgebaut, die 1459 in den Besitz Christians I. von Dänemark kam. Lange war Segeberg Sitz des königlich-dänischen Amtmannes. Der bekannteste von ihnen war Heinrich Rantzau im 16. Jahrhundert unter Friedrich II. von Dänemark. Unter Heinrich Rantzau wurde die 1534 während der Grafenfehde vom Lübecker Feldherrn Marx Meyer fast völlig zerstörte Stadt wieder aufgebaut. In der Blütezeit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden in der Folge einige wichtige Bauwerke in Segeberg, zum Beispiel das Rantzau-Palais, die Segeberger Pyramide (von der nur Überreste in der Rantzau-Kapelle erhalten sind) sowie ein Obelisk (von dem die untere Hälfte erhalten ist). Ein wieder aufgebautes Bürgerhaus von 1541 überdauerte als einziges alle nachfolgenden stürmischen Zeiten. Heute befindet sich darin das städtische Museum. Auf der bekannten, gleichfalls von Heinrich Rantzau beauftragten Stadtansicht der Frühen Neuzeit von Braun und Hogenberg sind alle wichtigen Gebäude abgebildet.

Am Ende des Dreißigjährigen Krieges zerstörten 1644 die Schweden als Vergeltungsmaßnahme die weitläufige Burganlage,Das Geschichts-Projekt "Segeberger Schnapphähne" erinnert auf vielfältige Weise an die Umstände der Burgzertörung im Jahre 1644. "Segeberger Schnapphähne" anschließend wurde der Berg erstmals vom Gipfel her zur Gipsgewinnung abgebaut. Nach einem bis 1932 anhaltenden Bergbau ist heute vom einstigen Burgberg nur noch ein kleiner Rest und von der Siegesburg nur noch ein Rest des ursprünglich ca. 84 Meter tiefen Burgbrunnens erhalten. Die Stadt wuchs in der Folgezeit mit der Nachbargemeinde Gieschenhagen zusammen.

Die Segeberger Stadtcollegien beschlossen unter dem seit 1820 amtierenden Bürgermeister Ernst Esmarch, die Schleswig-Holsteinische Erhebung 1848 gegen den dänischen König mitzutragen. Nach dem verlorenen Krieg wurde Esmarch 1852 vom König entlassen. 1840 wurde das Schullehrerseminar für Holstein, das anfangs auch Esmarch leitete, aus Kiel hierher verlegt.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts (1875) bekam Segeberg Bahnanschluss.

Entstehung des Solbades Segeberg miniatur|Prospekt zur Eröffnung des Kurhauses 1885, mit Dampfschifffahrt auf dem See Durch den Abbau von Gips am Kalkberg (er wurde u. a. beim Bau des Lübecker Doms und der Segeberger Marienkirche verwendet) liegt der Gipfel heute nur noch 91 Meter, statt ehemals . Das hier 1868 in einer Tiefe von 152 Meter, später auch in der Feldmark des nahen Stipsdorf erbohrte Steinsalzlager konnte wegen eingedrungenen Wassers nicht abgebaut werden; doch wurde die abfließende Sole mit einem Salzgehalt von etwa 20 bis 25 Prozent einige Zeit später für das Solbad benutzt.

Als Segeberg 1924 das Recht zuerkannt wurde, sich Bad zu nennen, hatte es die beste Zeit seines Curbetriebs bereits hinter sich. 1884 hatte der Kaufmann Heinrich Wickel, der in Helsinki vermögend geworden war, zu Soolbädern in sein Haus Oldesloer Straße 20 eingeladen und damit einen zeittypischen Gründungsrausch ausgelöst, der 1885 zum Bau eines pompösen Kurhauses (Architekten: Vermehren und Dohrn aus Hamburg) am Steilufer des Großen Segeberger Sees führte sowie zur Anlage von 14 Straßen in diesem Bereich und der Nachbargemeinde im Norden, Klein Niendorf, die 1937 eingemeindet wurde. Kurhaus und Park befanden sich in dieser Gemarkung, von wo aus das Unternehmen „Solbadkomplex“ mit der „Gaststätte Bellevue“ seinen Lauf nahm.Walter Kasch: Die Anfänge des Solbades Segeberg. Heimatkundliches Jahrbuch des Kreises Segeberg, Bd. 33, S. 114–144.Hans Siemonsen: Segebergs Erweiterung nach Norden. Heimatkundliches Jahrbuch des Kreises Segeberg, Bd. 7, S. 77–81 in „Segebergs Straßennetz“Hans Siemonsen: Bad Segeberg in neun Jahrhunderten. Verlag C. H. Wäser, Bad Segeberg 1984, S. 48 ff. Der Nachbarstadt Oldesloe, die schon seit 1813 Kurort war, sich aber erst ab 1910 Bad nennen durfte, wurde der Badeinspektor abgeworben. Als das Unternehmen im Strudel eines Betrugsskandals zu versinken drohte, gründeten einflussreiche Segeberger Bürger eine Aktiengesellschaft und führten es in ruhigere Gewässer. Zu den Kurgästen zählte 1885 und 1886 Martha Bernays aus Wandsbek, Braut des später weltberühmten Begründers der Psychoanalyse, Sigmund Freud. miniatur|Das Segeberger Kurhaus 1960

Im Jahre 1913 heißt es in einem Bäderführer für Schleswig-Holstein und Lauenburg, Artikel Sol- und Moorbad Segeberg: „Das eigentliche Solbad liegt prächtig. Die Anlage besteht aus dem Badehause, dem Kurhotel und dem Logierhause. Alle Gebäude sind durch vollständig geschlossene Wandelbahnen miteinander verbunden und bilden einen monumentalen Bau von ragender Schönheit. Unmittelbar am See, auf einer 20 Meter hohen Terrasse gelegen, ist der Anblick des erleuchteten Kurhauses von geradezu feenhafter Wirkung.“ Im Ersten Weltkrieg brach der Kurbetrieb weitgehend zusammen und erholte sich in der folgenden krisenhaften Zeit nicht wieder. 1932 wurde die kränkelnde Aktiengesellschaft von der städtischen Solbad-GmbH übernommen, die freilich auch nicht verhindern konnte, dass das Kurhaus 1968 als nicht mehr wirtschaftlich abgerissen wurde; seine Trümmer wurden in einer sauren Wiese am Großen Segeberger See verklappt. An die Stelle des einstigen Kurhauses sind Gastronomie- und Klinikhochbauten getreten.

Zeit des Nationalsozialismus Bereits am 27. August 1929 gründete sich eine NSDAP-Ortsgruppe im Hotel Germania in Bad Segeberg. In der Folge bilden sich weitere Ortsgruppen im Kreis.Bad Segeberg in der Zeit des Nationalsozialismus, Stadt Bad Segeberg; aufgerufen: 29. März 2024. Im Kreis Segeberg gelangen der NSDAP frühe Wahlsiege ab 1930. Der später führende Deutsche Christ, später Kommandeur in der Einsatzgruppe C, Ernst Szymanowski war ab Oktober 1933 durch Einflussnahme der lokalen Naziführer Propst in Bad Segeberg. Am 30. Juni 1933 wurde der Ortsgruppenleiter der NSDAP und SA-Führer Edgar Jeran bis September 1934 auch kommissarischer Bürgermeister und entließ jüdische Mitarbeiter (Grund für den Selbstmord Melanie Anuschats) segeberg.de.

Am Ende hinterließ er der Stadt eine „inzwischen irreversible und in der Bevölkerung längst ungeliebte, offene Großbaustelle“. Er hatte im Februar 1934 ohne Ratsbeschluss die Anlage der Nordmark-Feierstätte in der durch den Gipsabbau am Kalkberg entstandenen Grube initiiert. Für die Genehmigung des auch als Arbeitsbeschaffung gedachten Projektes wandte Jeran sich an das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, das diese noch im März 1934 erteilte. Den 1934 bis 1937 nach Plänen des Regierungsbaumeisters Fritz Schaller vom Nationalsozialistischen Arbeitsdienst, ab 1935 vom Reichsarbeitsdienst zur Nordmarkfeierstätte ausgebauten Thingplatz eröffnete 1937 Joseph Goebbels.Vor 80 Jahren: Kalkberg wird NS-Kultstätte ndr.de Für den Transport der Arbeiter aus dem 10 km entfernten Arbeitsdienst-Lager Schafhaus wurden umständlich durch die Gemeinde zur propagandistisch verkündeten Kosteneinsparung ca. 90 Fahrräder angeschafft, um einen LKW-Transport zu vermeiden. Dennoch stiegen die fahrlässig unterschätzten Baukosten von ca. 20.000 RM auf ca. 110.000 RM. Seine Ersetzung durch einen ordentlichen Bürgermeister im September 1934 könnte außer mit seinem Finanzchaos mit der Zurückdrängung der radikalen SA nach dem angeblichen Röhm-Putsch zusammenhängen.