Siegerland Bundesland: Regierungsbezirk: Arnsberg Fläche: 649,7 km² Einwohner: 241.318 (31. Dez. 2010) Bevölkerungsdichte: 371 Einwohner je km² Höchster Punkt: (Riemen) Niedrigster Punkt: etwa ,Siegtal bei Niederschelden Gliederung: Altkreis Siegen Karte200px|zentriert|Lage des Siegerlandes in Deutschland
Das Siegerland ist ein Landschaftsteil der Region Südwestfalen, der sich in etwa mit dem Altkreis Siegen deckt.
Geographie Lage mini|Wildebachtal bei Salchendorf/Neunkirchen
Das historische Siegerland umfasst den Altkreis Siegen des heutigen Kreises Siegen-Wittgenstein in Nordrhein-Westfalen. Der sogenannte Oberkreis des Landkreises Altenkirchen (Westerwald), der zu Rheinland-Pfalz gehört, ist wirtschaftlich eng mit dem Siegerland verbunden, auch kulturell fällt die Abgrenzung zwischen Siegerland und dem Westerwald schwer. Geografisch gehört der Altenkirchener Oberkreis zum Naturraum Siegerland.
Geologisch gehört das Siegerland zum rechtsrheinischen Teil des Rheinischen Schiefergebirges, dessen wichtigstes Zentrum die Großstadt Siegen ist. Sowohl Regions- als auch Stadtname gehen auf die Sieg zurück, einen Nebenfluss des Rheins, der im Rothaargebirge im Stadtgebiet von Netphen entspringt.
Das Siegerland ist, genau wie das Sauerland, sehr waldreich. Die Berge im Norden des Siegerlandes und im südlichen Burbach sind insgesamt höher als die der restlichen Region. Landschaftlich ist das Gebiet jedoch identisch. Meist kleine Bäche ziehen sich durch die Täler, umrandet von Wiesen und Feldern. Laubwälder sind meist als Hauberg anzutreffen, Nadelwälder haben eine wirtschaftliche Bedeutung in der Holzindustrie.
Die Siegerländer haben für viele Punkte ihrer Heimat ihre eigenen Bezeichnungen. Der Freie Grund zum Beispiel zieht sich von Burbach bis Neunkirchen, bzw. in die andere Richtung bis Wilden. Durch dieses Tal fließt die Heller. Das sogenannte Hellertal zieht sich allerdings flussauf- und -abwärts über den Freien Grund hinaus. Andere Gebiete sind z. B.: Hickengrund (Gebiet im äußersten Süden bei Burbach) Weißtal (Tal an der Weiß) Siegener Kessel (Tal an der Sieg) Johannland (Gebiet um Netphen) Die angrenzenden Regionen sind der Westerwald im Süden, das Sauerland im Norden sowie das Wittgensteiner Land im Nordosten und das Wildenburger und das Bergische Land im Westen.
Berge Das Kern-Siegerland hat die Form einer kreisförmig begrenzten Quellmulde, deren höchste Erhebungen an den Rändern liegen.
Den Osten nimmt das Rothaargebirge ein, wo mit Riemen, Oberster Henn und Jagdberg drei Berge über Höhe erreichen, von denen indes zwei auf der Außengrenze liegen und der dritte den Ausläufer eines auswärtigen, noch höheren Gipfels darstellt.
Im Süden wird der Westerwald berührt bei Höhen von ebenfalls über . Die nordwestlich angrenzenden Landschaften sind zwar insgesamt höher als das Siegerland, überragen dieses jedoch in Gipfellagen nur knapp.
Das Siegerland wird von den folgenden Bergen eingerahmt – mit Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN):(Berge auf der Grenze zu Nachbarregionen sind mit einem Stern gekennzeichnet) Westumrahmung(von Norden nach Süden, d. h. im Gegenuhrzeigersinn) Südsauerländer Bergland* Fahlenscheid* (an der Nordostgrenze Kreuztals zu Olpe bis hoch), Oberbigge-Riegel* (an der Westgrenze Kreuztals zu Olpe und Wenden bis hoch) Oberbigge-Hochfläche* (an der Westgrenze Kreuztals zu Wenden bis gut hoch) (Naturräumliches) Siegerland Freudenberger Bergland Ischeroth () – Norden Freudenbergs Löffelberg* (), Asdorfquelle (als Weibe); Nordgrenze Freudenbergs zu Wenden an der Nahtstelle zur Oberbigge-Hochfläche Giebelwald* Giebelberg* (), südlich knapp außerhalb Freudenbergs in der Verbandsgemeinde Kirchen (Sieg), Rheinland-Pfalz Hellerbergland* Pfannenberg (, Pfannenbergturm) – Südgrenze Siegens zu Neunkirchen Mahlscheid (Malscheid)* () – Westgrenze Neunkirchens zu Herdorf, Rheinland-Pfalz Hohenseelbachskopf* () – Südwestgrenze Neunkirchens zur Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf, Rheinland-Pfalz Lipper Nürr* () – Südwestgrenze Burbachs zur Verbandsgemeinde Daaden-Herdorf Im Hellerbergland liegen außerdem, deutlich innerhalb des historischen Siegerlandes, auf Burbacher Gemarkung, die Erhebungen Die Höh () und Die Burg ().Ostumrahmung(von Norden nach Süden, d. h. im Uhrzeigersinn) Rothaargebirge (östliche Umrahmung) Wolfshorn* (, nördlich knapp außerhalb Kreuztals in Kirchhundem) Hoher Wald* (, Grenze zu Kirchhundem) Riemen* (), an der Grenze Hilchenbachs zu Kirchhundem und nahe der zu Erndtebrück (Dreiherrenstein) Pfaffenhain (, Aussichtsturm Gillerturm am Westgipfel Giller, an der Grenze Hilchenbachs zu Netphen) Oberste Henn* (), mit südlich vorgelagertem Ederkopf* (; Ederquelle) – Ostgrenze Netphens zu Erndtebrück Aukopf () Jägerhain (; Siegquelle) – Ostgrenze Netphens zu Bad Laasphe Stiegelburg (), mit nordöstlich vorgelagertem Lahnkopf (; Lahnquelle), Osten Netphens Jagdberg () – Südwest-Ausläufer des noch höheren, jedoch auf Laaspher Gemarkung liegenden Kompass () im Südosten Netphens, nahe dem „Dreiländereck“ mit Wittgenstein (Laasphe) und Hessen (Dietzhölztal) Dillkopf* () – Dillquelle; Südostgrenze Netphens zu Haiger Tiefenrother Höhe* () – Ostgrenze Wilnsdorfs zu Haiger Kalteiche () – Süden Wilnsdorfs Donnerhain* () – Hellerquelle; Ostgrenze Burbachs zu Haiger Hoher Westerwald Auf dem Kreuz () – Südosten Burbachs Lipper Höhe () – Süden Burbachs
Weitere Berge im Siegerland sind der Kindelsberg ( Höhe; mit Aussichtsturm) und die Martinshardt (), beides Südausläufer des Hohen Waldes (Rothaar) bei Kreuztal, ferner der dem Pfaffenhain nebst Giller nordwestlich vorgelagerte Schlossberg mit der Burgruine Ginsburg (Siegerländer Rothaar-Vorhöhen, ) und die Eisernhardt () im Süden Siegens.
Gewässer Talsperren mini|Die Obernautalsperre bei Netphen-Brauersdorf
Die Obernautalsperre ist die größere der beiden Talsperren des Wasserverbandes Siegen-Wittgenstein. Sie liegt östlich von Netphen und grenzt an den Netphener Stadtteil Brauersdorf. Die Talsperre wurde von 1967 bis 1972 gebaut und dient der Trinkwasserversorgung von Siegen und Umgebung sowie dem Hochwasserschutz. Sie hat ein Volumen von 14,8 Mio. m³. Die gestauten Bäche sind die Obernau und der Nauholzbach. Wenige Kilometer unterhalb der Talsperre mündet die Obernau in die Sieg. Die Orte Obernau und Nauholz sowie ein Teil des Dorfes Brauersdorf mussten dem Stausee weichen bzw. wurden durch das aufgestaute Wasser überflutet.
Die kleinere Talsperre ist die Breitenbachtalsperre bei Hilchenbach. Sie dient ebenfalls zur Trinkwasserversorgung und zum Hochwasserschutz. Sie wurde zwischen 1953 und 1956 gebaut und fasst 7,8 Mio. m³ Wasser.
Flüsse mini|Die Siegquelle bei Walpersdorf
Das Siegerland besteht in der Hauptsache aus dem Einzugsgebiet des Oberlaufes der Sieg, deren wichtigsten Nebenflüsse hier die Heller, die Ferndorf nebst Littfe, die Asdorf (im Siegerland Weibe genannt) und die Weiß sind. →Tabellarische Aufstellung der Sieg-Nebenflüsse im Siegerland
Unweit der Siegquelle entspringen auch die gänzlich außerhalb verlaufenden Flüsse Eder (nördlich) und Lahn (südlich), noch weiter südlich deren Nebenfluss Dill, an deren Einzugsgebiet das Siegerland über den Haigerbach einen kleinen Anteil hat.
Klima Das Siegerland ist geprägt von viel Niederschlag. Da Deutschland in der Westwindzone liegt und das Siegerland an der Luvseite des von der Kölner Bucht im Westen bis zum Rothaargebirge im Osten stetig ansteigenden Süderberglandes liegt, kommt es dort oft zu Steigungsregen mit erheblichen Niederschlagsmengen. Während im Talkessel der Sieg (im Lee des Biggehochlands), z. B. in Siegen im Jahr nur etwa 900 mm erwartet werden, steigen die Niederschläge im Ederhochland bis auf 1250 mm an. Die Sonnenscheindauer ist daher verhältnismäßig niedrig. Durch die Hügellandschaft treten bei windstillen, klaren Nächten Inversionswetterlagen und Kaltluftseen auf. Dort können empfindlich tiefe Temperaturen erreicht werden, wie z. B. in Netphen.Einführung in den Naturraum Siegerland (Klima, Geologie, Böden) (PDF; 1,5 MB), Seite 2
Städte und Gemeinden Die Region um die Stadt Siegen zählt zu den Ballungsgebieten der Bundesrepublik Deutschland. Zum Verdichtungsraum des historischen Siegerland gehören die Städte Hilchenbach, Netphen, Kreuztal, Freudenberg, Siegen, sowie die Gemeinden Wilnsdorf, Burbach und Neunkirchen. In diesem Gebiet leben zusammengenommen ca. 240.000 Einwohner.
Geschichte Wirtschaftsgeschichte Bergbau mini|Der längste Stollen im Siegerländer Erzrevier mit über 7.500 Metern mini|Siegen – Auszug aus der Topographia Hassiae (1655)
Eisengewinnung und Erzbergbau seit 2500 Jahren
Die ersten Spuren des Bergbaus stammen aus der Zeit der Kelten, Zeuge davon ist ein Ofen in Wilnsdorf-Obersdorf aus der Latènezeit um 500 v. Chr. Das Siegerland, das am 13. November 1351 erstmals nachweisbar unter dieser Bezeichnung (als „Sygernlant“) geführt wurde,"Zurückgeblättert...", Siegener Zeitung vom 4. Dezember 2010 war lange von der Gewinnung von Eisenerz und dessen Weiterverarbeitung geprägt.
Mit der Zeit hat sich auch hier der Bergbau verändert. Ab etwa dem 10. Jahrhundert wurde mit dem Stollenbau begonnen, der Schachtbau folgte erst im 15. Jahrhundert. Eine der ältesten urkundlich erwähnten Siegerländer Gruben war Ratzenscheid in Wilnsdorf im Jahr 1298. Ausgrabungen auf dem Altenberg, einer Passhöhe zwischen Littfeld und Müsen, beweisen allerdings einschlägig, dass dort bereits weit vor der Zeit des Bergbaues in Wilnsdorf Schachtbau betrieben wurde. Umfassende Grabungsberichte sowie eine eigens dafür eingerichtete Ausstellung im Deutschen Bergbaumuseum in Bochum geben eindeutiges Zeugnis. Ebenso darf das Bergbaurevier Müsen als eines der ältesten und umfangreichsten im Siegerland angesehen werden („Ich gab dir mein Eisen wohl 1000 Jahr“).
Eine der wohl bekanntesten Gruben dort war der „Stahlberg“ mit seinem einzigartigen Eisenerzvorkommen. Von 1489 bis 1865 gab es verschiedenste Bergordnungen im Siegerländer Erzrevier. Ab den 1850er Jahren wurden Dampfmaschinen eingesetzt, die zur Schachtförderung in größeren Teufen notwendig waren. Ab den 1860ern wurden die Pferdetransporte durch Eisenbahnen ersetzt. Das Siegerländer Erzrevier zog Arbeitskräfte aus der näheren und weiteren Umgebung an und gab vielen Pendlern (auch Wochen-Pendler) Arbeit und Brot.
Der Erzbergbau im Siegerland endete 1965
Mit der Schließung der Gruben Georg in Willroth und Füsseberg in Biersdorf bei Daaden endeten am 31. März 1965 über 2000 Jahre Erzbergbau im Siegerland. Heute ist außer vereinzelten, verschlossenen Stolleneingängen und Schlackehalden in den Wäldern nicht mehr viel zu sehen. Es gibt nur ein paar Ausnahmen, z. B. die Reste der Peterszeche im Buchhellertal zwischen Burbach und Lippe, die bereits 1907 geschlossen wurde. Der Bergbau ist trotzdem heute noch zu spüren, meist in Form von Tagesbrüchen, die z. B. 2003 auf dem Steimel in Neunkirchen und 2004 am Rosterberg in Siegen aufgetreten sind. Der Bergbau war mit zehntausenden Arbeitsplätzen Arbeitgeber Nummer eins.
Das Siegerländer Erzrevier reicht von Hilchenbach bis Neuwied in den Landschaften von Siegerland, Westerwald und teils auch dem südlichen Sauerland. Hier wurden schätzungsweise knapp 175 Mio. Tonnen Eisenerz in fast 5000 Gruben abgebaut. Die meisten und die tiefsten waren im Gebiet um Siegen. Neben Eisenerz gehörten Blei, Kupfer und Zink nicht selten dazu, im Gegensatz zu z. B. Silber, das nur in wenigen Gruben gefördert wurde. Die tiefste Grube war Eisenzecher Zug in Eiserfeld von 1495 bis 1960 mit einer Gesamtteufe von 1343,33 Metern.
Die Stahlerzeugung und -verarbeitung war und ist noch immer ein wesentlicher Bestandteil der heimischen Industrie.
Eisen- und Stahlerzeugung