mini|Burg Hohenzollern, erbaut 1850–1867 unter der Leitung Friedrich August Stülers

Hechingen (schwäbisch Hächenga) ist die drittgrößte Stadt im Zollernalbkreis. Die ehemalige hohenzollerische Kreisstadt und ehemalige Residenz der Grafen und späteren Fürsten von Hohenzollern liegt zentral in Baden-Württemberg am Westrand der Schwäbischen Alb etwa 60 Kilometer südlich der Landeshauptstadt Stuttgart und 90 Kilometer nördlich des Bodensees.

Für die umliegenden Gemeinden bildet sie ein Mittelzentrum als Teil der Region Neckar-Alb.

Geographie Geographische Lage mini|Blick auf Hechingen vom Zoller aus, rechts Stetten

Hechingen liegt zentral in Baden-Württemberg, unmittelbar nördlich des Albtraufs im Naturraum Vorland der westlichen Schwäbischen Alb unterhalb der Burg Hohenzollern. Die Starzel fließt vom Killertal nach Schlatt, weiter in die Hechinger Unterstadt und nach Stein; der Reichenbach fließt von Boll über Stetten in die Unterstadt, wo er in die Starzel mündet.

Die Talsohle der Starzel westlich von Stein an der Gemarkungsgrenze zu Rangendingen ist der niedrigste Punkt Hechingens mit . Die Altstadt und der Stadtkern auf einem Bergvorsprung oberhalb der Starzel liegen auf . In der Kernstadt erheben sich der Schlossberg mit der Schlossackersiedlung und der Martinsberg. Der Martinsberg ist nach dem Schutzpatron des Dorfs benannt, das sich früher dort befand.

Im Bereich des Trauffelsens im Raichberggebiet ist die Gemarkungsgrenze von Hechingen-Boll und Albstadt-Onstmettingen. Hier befindet sich der höchste Punkt der Stadt Hechingen mit .

Geologie Der Hohenzollerngraben verläuft in unmittelbarer Nähe des Stadtgebiets. Der Hausberg Hechingens, der Zoller, ist ein Zeugenberg, der seine Existenz härteren, abtragungsresistenteren Gesteinsarten verdankt.

Die Bodenbeschaffenheit ist geprägt durch karge Fruchtbarkeit. Im Stadtgebiet sind vor allem die auf der Schwäbischen Alb häufig vorkommenden Gesteinsfolgen aus Tonmineralen, Sandsteinen, Mergeln und Kalksteinen des Schwarzen, Braunen und Weißen Juras vorhanden.

In Hechingen gibt es eine 1835 entdeckte Schwefelquelle, die allerdings nicht mehr genutzt wird.zeno.org

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Hechingen. Sie werden im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden, genannt und gehören zum Zollernalbkreis beziehungsweise zum Landkreis Tübingen.¹

Bodelshausen¹, Mössingen¹, Burladingen, Jungingen, Albstadt, Bisingen, Grosselfingen, Rangendingen und Hirrlingen.¹

Stadtgliederung Die acht ehemals selbständigen Gemeinden Bechtoldsweiler, Beuren, Boll, Schlatt, Sickingen, Stein, Stetten und Weilheim mit insgesamt 29 Dörfern, Weilern, Höfen und Einzelhäusern bilden die Stadtteile Hechingens. Sie sind Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und einem Ortsvorsteher als Vorsitzenden.

Des Weiteren gehören zur Stadt Wohngebiete mit eigenen Namen und vier (zum Teil nicht amtliche) Stadtteile. Im Einzelnen sind dies: Oberstadt, Unterstadt, Lindich, Weiher, Friedrichsstraße, Auf der Lichtenau, Am Fürstengarten, Hausener Hof, Ziegelbacher Hof, Stockoch, Schlossackersiedlung und Fasanengartensiedlung.

Im Stadtgebiet befanden sich mehrere abgegangene Ortschaften. Spechtshardt im Nordwesten der ehemaligen Gemeinde Beuren wurde 1316 erstmals genannt, bestand im 16. Jahrhundert nur noch als Hof und gehörte wahrscheinlich immer zur Grafschaft Zollern. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Boll lagen die abgegangenen Ortschaften Holzhausen (?), Semdach und Zell. Im Stadtgebiet Hechingens lagen die früheren Ortschaften Appenbach, das 1340 und 1390 erwähnt wurde, und Niederhechingen. In der Nähe von Stein befand sich, nicht mit Sicherheit als Ort belegt, das im 15. Jahrhundert erwähnte Schönrain.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4, S. 222–228. Auf der Gemarkung Stein lag eine im Mittelalter aufgegebene ehemalige römische Siedlung, in dem Wald nahe Stein befinden sich Überreste einer Wallburg.

Wappen 40px|Wappen 40px|Wappen 40px|Wappen 40px|Wappen 40px|Wappen 40px|Wappen 40px|Wappen 40px|Wappen 40px|Wappen Stadtteil Kernstadt Bechtoldsweiler Beuren Boll Schlatt Sickingen Stein Stetten Weilheim Einwohner (2007) 12.962 699 123 1.189 858 1.042 992 1.864 752 Einwohner (2009) 11.678 711 183 1.292 852 1.018 991 1.854 757Einwohner (2013) – 703 160 1.272 799 1.036 978 1.885 719Einwohner (2015) – 729 169 1.256 798 1.071 995 1.903 717

Klima Hechingen liegt auf 453 bis 854 Meter über N.N. in der gemäßigten Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur, gemessen an der Station Hechingen, 520 Meter über N.N., beträgt 8,3 °C, die mittlere jährliche Niederschlagsmenge 837 Millimeter. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 17,3 °C, der kälteste der Januar mit −0,5 °C im Durchschnitt. Der meiste Niederschlag fällt im Juli mit durchschnittlich 105, die geringste Menge im Januar mit durchschnittlich 48 Millimetern.

Schutzgebiete

mini|Naturschutzgebiet Beurener Heide

In Hechingen gibt es vier Naturschutzgebiete. Zwischen Bechtoldsweiler und Stein liegen das Naturschutzgebiet Winterhalde und das Natur- und Landschaftsschutzgebiet Lauchhalde. Östlich von Beuren befindet sich das Naturschutzgebiet Beurener Heide und südlich von Weilheim das Naturschutzgebiet Hessenbol. Der Osten des Stadtgebiets gehört zum Landschaftsschutzgebiet Oberes Starzeltal und Zollerberg, im Westen befindet sich das Landschaftsschutzgebiet Mittleres Starzeltal.

Die Stadt hat Anteil an insgesamt fünf FFH-Gebieten: dem FFH-Gebiet Reichenbach und Killertal zwischen Hechingen und Burladingen, dem Albvorland bei Mössingen und Reutlingen, den Gebieten zwischen Bisingen, Haigerloch und Rosenfeld, dem Rammert und den Gebieten um Albstadt. Zudem liegt im Westen des Stadtgebiets das Vogelschutzgebiet Südwestalb und Oberes Donautal.

Geschichte Vorgeschichte mini|Rekonstruiertes Hauptgebäude im Römischen Freilichtmuseum im Stadtteil Stein

Eine erste, durch Funde beim Ausbau der Bundesstraße 27 belegte Besiedlung ist um etwa 1500 v. Chr. datiert. Ein Zeugnis der frühen römischen Besiedlung ist der römische Gutshof im Stadtteil Stein. Neuesten Erkenntnissen zufolge soll die Schlacht von Solicinium im Raum Hechingen/Beuren stattgefunden haben. Laufend getätigte Entdeckungen und Ausgrabungen in Stein ließen den Schluss zu, dass die „Villa rustica“ weder ein gewöhnlicher Gutshof noch eine einfache Siedlung war, sondern Teil der verschollenen römischen Stadt Solicinium sein könnte.

Hechingen selbst wurde als alemannisches Dorf gegründet. Es wird angenommen, dass sich im sechsten oder siebten Jahrhundert ein Hacho mit seinen Söhnen dort niederließ.Diese Auffassung, dass sich solche Ortsnamen auf -ingen aus den Namen alemannischer Sippenführer herleiten, ist umstritten. Vgl. Der Ortsname Neuching aus sprachwissenschaftlicher Sicht Spuren der eigentlichen Altstadt sind mit Ausnahme der Klosterkirche St. Luzen nicht vorhanden.

Erstmals wurde Hahhingum mit abgegangener Martinskirche, westlich der heutigen Stadt am Martinsberg gelegen, im Jahr 786 in einer Urkunde des Klosters St. Gallen erwähnt. Es gingen noch zwei weitere Dörfer der Stadtgründung durch die Zollerngrafen voraus: Oberhechingen mit der sanktgallischen Missionskirche St. Luzen und das seit dem 18. Jahrhundert genannte Schadenweiler am Fuß der mittelalterlichen Stadt.Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 6: Baden-Württemberg (= Kröners Taschenausgabe. Band 276). 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-27602-X, S. 297.

Im Herzogtum Schwaben gehörte das Gebiet Hechingens zur großen Berchtoldsbaar. Nach deren Auflösung, zur Zeit Karls des Großen, kam das Gebiet zum Gau Hattenhuntare. Vor der hohenzollerischen Landannahme im 11. Jahrhundert gehörte das Gebiet um den Zollerberg den Herren von Zell, welche die Ahnen der berühmten Adelsfamilie von Stauffenberg waren. Es wird vermutet, dass Zell der ursprüngliche Name der Stauffenberger gewesen ist. Seit die Stauffenberger das erbliche Schenkenamt bei den Grafen von Zollern innehatten, wurde „Schenk“ zum Bestandteil ihres Nachnamens.

An der Stelle des späteren Stadtschlosses befand sich ein befestigter Herrensitz mit einer Handwerker- und Gesindesiedlung, an die die Grafen von Zollern die planmäßige Stadtanlage anschlossen. In einer Urkunde des Zollerngrafen Friedrich V. vom 31. Dezember 1255 auf der Burg Hohenzollern ist als Zeuge erstmals ein „sculteto de haechingen“ erwähnt. Die Existenz dieses Schultheißen, eines höchstrichterlichen Beamten, ist der Beleg dafür, dass Hechingen das Stadtrecht schon damals innehatte.

Mittelalter

Hechingen lag bereits im Mittelalter an einer Reichsstraße, die vom mittleren Neckarraum nach Süden über Rottweil zum Hochrhein und zu den Alpenpässen führte. Die Grafschaft wurde durch Erbverträge immer wieder geschwächt. Die Grafen hatten erhebliche finanzielle Probleme, sodass 1388 eine Belagerung stattfand und in der Folgezeit Graf Eberhard II. von Württemberg die Pfandschaft über die Stadt erwarb. Die Zollergrafen verpflichteten sich, in den folgenden sechs Jahren seine Parteigänger zu sein und ihm die Stadt und ihre Stammburg zu öffnen. Nach dem großen Stadtbrand von 1401 lockten die Grafen neue Bürger mit Privilegien und Sonderrechten an. Die Stadt entwickelte sich fortan zum Mittelpunkt der Grafschaft. Die Kosten des Wiederaufbaus führten dazu, dass Friedrich von Zollern, genannt der Öttinger, 1415 seinen gesamten Besitz an Württemberg verkaufte. Dies reichte jedoch nicht aus, um seine Gläubiger zu befriedigen. Das Rottweiler Hofgericht sprach deshalb die Acht über ihn aus. Ein Vermittlungsversuch der brandenburgischen Vettern scheiterte. Die schwäbischen Reichsstädte und Gräfin Henriette von Württemberg vollstreckten 1423 die Acht, indem sie die Burg Hohenzollern eroberten und zerstörten. Nach seiner Freilassung aus der Gefangenschaft starb Friedrich von Zollern auf einer Fahrt ins Heilige Land. Auch sein Bruder Eitel Friedrich verpfändete seinen Anteil der Grafschaft an Württemberg und erkannte dessen Erbfolge an, falls er selber keinen Sohn bekommen sollte. 1433 zeugte er dann aber fast 50-jährig seinen Erben Jos Niklaus, und bis zu seinem Tode im Jahr 1439 gelang es ihm, die Hälfte seines Besitzes zurückzuerwerben. Graf Jos Niklaus von Hohenzollern konnte gegen den Widerstand des Schwäbischen Städtebundes beim Kaiser die Erlaubnis zum Wiederaufbau der Burg erwirken. Außerdem gelang es ihm, den Erbvertrag mit Württemberg aufzulösen. Damit blieb die Stadt Hechingen dauerhaft im Besitz der Zollern. Infolge dieser Auseinandersetzungen veränderte sich der Charakter der Stadt zu dem einer Ackerbürgerstadt.

Renaissance und Reformationszeit mini|hochkant|Einziges erhaltenes Stadttor, um 1579 erbaut

Graf Eitel Friedrich IV. (1576–1605) machte Hechingen zu einem Zentrum der Kunst und Musikpflege und der Renaissancearchitektur. Zahlreiche von ihm initiierte Bauten prägen das Stadtbild: die Klosterkirche St. Luzen, das Spital und der Untere Turm als eines der letzten Zeugnisse der ehemaligen Stadtbefestigung. Das ebenfalls unter Eitel Friedrich erbaute Renaissanceschloss, die Friedrichsburg, wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts abgebrochen und durch das Neue Schloss ersetzt.

Durch die Erbteilung im Jahre 1576 entstanden die Grafschaften Hohenzollern-Hechingen, Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Haigerloch (das ab 1634 zu Hohenzollern-Sigmaringen gehörte). Hechingen war fortan Residenz der Grafen von Hohenzollern-Hechingen. Dieses Territorium, das aus der Stadt Hechingen und 26 Dörfern bestand, veränderte sich bis ins 19. Jahrhundert nicht mehr grundlegend.