Horgen ist eine politische Gemeinde und seit 1831 der Hauptort des gleichnamigen Bezirks im Kanton Zürich in der Schweiz. Sie liegt am linken, westlichen Ufer des Zürichsees (pop. «Pfnüselküschte») und ist etwa 15 km von der Kantonshauptstadt Zürich entfernt. Horgen zählt zur Agglomeration Zürich. Der Mundartname lautet Hoorge, die Einwohner nennen sich Hoorgner. Zu Horgen gehören Hirzel, Spitzen, der Horgenberg, der Sihlwald und Sihlbrugg Station. Die neolithische Horgener Kultur ist nach Horgen benannt.

Geographie mini|Horgen aus 800 m, im Jahr 1919, Walter MittelholzerHorgen liegt im Südwesten des Kantons Zürich und ist mit 30,83 km² die zweitgrösste Gemeinde im Bezirk.Nach Gemeindezusammenschluss Wädenswil-Schönenberg-Hütten vom 1. Januar 2019. Die Landschaft wird bestimmt durch den Zimmerberg, eine Seitenmoräne, welche der Linthgletscher bei seinem Vorstoss nach der letzten Eiszeit geformt hat, und den Albis-Höhenzug. Das Gemeindegebiet erstreckt sich vom linken Seeufer über das Sihltal hinweg bis zum Albisgrat und nach Süden bis zum Sihlsprung.

Ein grosser Teil von Horgen ist von Wald bedeckt und umfasst 39,6 % des Gemeindegebietes. Weitere 38,4 % werden landwirtschaftlich genutzt, 12,5 % für Siedlungen, 6,3 % für Verkehr, 1,5 % sind unproduktive Fläche, und 1,7 % sind Gewässeranteil (Stand 2018).

Gewässer Bestimmender Wasserlauf im Gemeindegebiet von Horgen ist die Sihl, die am Drusberg im Kanton Schwyz entspringt, in Zürich in die Limmat mündet und die Gemeinde auf etwa 11 km Länge durchquert. Der Dorfbach und Bäche wie der Tannenbach, der Aabach und der Meilibach fliessen zum Zürichsee; einige kleinere sind teilweise eingedolt. Auf dem Gemeindegebiet von Horgen liegt der Bergweiher mit einer Fläche von 4,2 ha. Die Länge des Seeanstosses an den Zürichsee beträgt ungefähr 4 km.

Ortsteile und Quartiere In der Gemeinde Horgen weisen verschiedene grössere Siedlungen den Charakter von Ortsteilen oder Quartieren auf. Da darüber kein offizielles Verzeichnis existiert, erhebt nachfolgende Aufzählung von Ortsteilen resp. Quartieren keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Viele dieser Siedlungen existieren seit langer Zeit. Deren Namen gehören zum immateriellen Kulturerbe mit grosser Bedeutung für die Sprach- und Geschichtswissenschaft. Die Plattform ortsnamen.chOrtsnamendatenbank ortsnamen.ch mit Fundstellen von gedeuteten Siedlungsnamen der Gemeinde Horgen gibt Auskunft über die Herkunft und Bedeutung von Siedlungsnamen.

Dorf Das Dorf Horgen. Statistisches Amt des Kantons Zürich, abgerufen am 7. November 2019. ist das Zentrum () von Horgen. In ihm finden sich auf kleinem Raum die gesamte Verwaltung von Gemeinde und Bezirk sowie die Schauplätze des kulturellen und sozialen Lebens, die wichtigsten Einkaufsmöglichkeiten und der Verkehrsknotenpunkt Bahnhof See. Die vorherrschende Architektur ist modern städtisch. Ausser einigen älteren Gebäuden und Gassen ist kein einheitlicher alter Kern erhalten.

Arn Arn () liegt am südlichen Zipfel des Gemeindegebietes. Das Schulhaus beherbergt zwei Primarschulklassen, einen Kindergarten sowie eine Logopädie. Etwas Bekanntheit erlangte der Ortsteil im Jahr 1804, als im Gefecht bei der Bocken die Aufständischen unter Hans Jakob Willi siegten. Elisabeth Lenhardt war hier von 1934 bis 1973 gewählte Lehrerin.

Hirzel mini|Hirzel im Jahr 1946

Seit der Fusion am 1. Januar 2018 gehört der Hirzel nach mehr als 240 Jahren wieder zu Horgen. Der Hirzel liegt auf dem Zimmerberg auf rund und an seinem westlichen Abhang gegen die Sihl. Er bildet den südlichen Gemeindeteil und ist landwirtschaftlich geprägt. Der Hirzelpass zerschneidet den Ortsteil und ist seit je seine Lebensader.

Horgenberg Der Horgenberg liegt im westlichen Teil des Gemeindegebietes auf dem Zimmerbergrücken oberhalb der Autobahn A3. Er besteht aus den verstreut liegenden Weilern Wührenbach (), Moorschwand (), Chlausen (), Widenbach (), Tableten () und anderen. Durch die eigene Primarschule mit zwei Klassen und das vielfältig genutzte Mehrzweckgebäude hat sich der Horgenberg eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt.

Der landwirtschaftlich geprägte Naherholungsraum im Horgenberg, vor allem die Gegend um den Bergweiher, wird von der Dorfbevölkerung sehr geschätzt. mini|Sicht auf den Horgenberg (Wührenbach) von Osten, Winter 2021

Käpfnach

Der Ortsteil Käpfnach liegt im südöstlichen Teil des Gemeindegebietes von Horgen. Der Aabach durchschneidet Käpfnach sowie das Allmendhölzli und bildete im See ein kleines Delta. In der ehemals von Landwirtschaft und Weinbau geprägten Landschaft wurden einige grosse Wohnprojekte realisiert. Grosse Bedeutung erreichte Käpfnach durch den Abbau im Bergwerk Käpfnach.

Oberdorf Mit dem Bau der Eisenbahn Zürich–Zug und der Ansiedlung einiger Industriebetriebe entwickelte sich im Oberdorf (Bahnhof ) ein kleiner Ortskern. Sein Zentrum ist der Bergli-Platz mit dem markanten Brunnen. Mit der Ausweitung der Industriezone im Spätz, nach Westen Richtung Autobahn A3, gewann dieser Ortsteil in den 1960er Jahren vermehrt Bedeutung. Der Zunahme der Bevölkerung in diesem Gebiet wurde 1972 durch den Bau des Schulhauses Bergli und des Altersheims der Gemeinde Rechnung getragen.

Sihlbrugg Station Sihlbrugg Station () liegt zwischen dem Zimmerbergtunnel und dem Albistunnel der SBB. Es war bis 2006 der Endpunkt der normalspurigen Sihltalbahn. Mit dem Fahrplanwechsel 2012 wurde mit der S21 auch der letzte Zugshalt eingestellt. Es liegt drei Kilometer vom Strassenverkehrsknotenpunkt Sihlbrugg entfernt im Sihltal.

Sihlwald Im Sihltal beim Weiler Sihlwald und dem Bahnhof Sihlwald () der Sihltalbahn gelegen, liegen das Forsthaus und das ehemalige Naturzentrum Sihlwald, der heutige Wildnispark Zürich. Im ehemaligen Primarschulhaus war bis 2011 das Projekt «Waldschule Sihlwald» beheimatet.

Der stark bewaldete Zimmerbergrücken nach Westen bis zum Albis bildet eine einzigartige Waldlandschaft. So sah in früherer Zeit das ganze Gebiet von Zürich bis zum Etzel aus. Der sich zum grossen Teil im Besitz der Stadt Zürich befindende Sihlwald und die angrenzenden Wälder bilden das grösste zusammenhängende Waldgebiet im Schweizer Mittelland.

Tannenbach Der nördlichste Ortsteil Horgens grenzt an Oberrieden, wobei das Bächlein «Tannenbach» die Grenze bildet. Dessen Name () ist eine Verballhornung von «tosender Bach» (ursprünglich: «tenndender Bach»). Das Bächlein verursachte im Frühjahr oftmals Überschwemmungen bei den anliegenden Grundstücken.

Das Quartier war bis vor etwa 100 Jahren vom Rebbau geprägt. Der einzige Industriebetrieb war die bis 2006 betriebene Papierfabrik direkt am See. Neben der ehemaligen Papierfabrik liegt die Kläranlage von Horgen.

Im Quartier Tannenbach befindet sich das Spital Zimmerberg. Seit 2006 ist eine Altersresidenz «Tertianum» direkt neben dem Spital in Betrieb. Das «Pflegeheim Amalia Widmer» ist eine Stiftung der Bauerntochter Amalia Widmer, die auf diese Weise für das Fortbestehen ihres Namens sorgen wollte. Das Land für das Primarschulhaus Tannenbach wurde ebenso von Fräulein Widmer gestiftet. Neuerdings steht eine Kirche im Quartier. Die Neuapostolische Gemeinde errichtete sie neben den denkmalgeschützten Häusern beim Ortseingang (welche sich im Besitz der Neuapostolen befinden).

Waldegg In den 1970er Jahren entstand an der Stelle des ehemaligen Bauernhofes Waldegg ein Neubauquartier mit Einkaufszentrum (), Schul- und Sportanlagen.

Nachbargemeinden Seit der Verselbständigung der Aussenwacht Oberrieden am 13. Mai 1773 ist diese, zusammen mit Wädenswil, Langnau am Albis, Hausen am Albis und Thalwil, die Nachbargemeinde. Durch die Fusion mit Hirzel kamen ausserdem die Gemeinden Menzingen und Neuheim im Kanton Zug dazu.

Gemeinschaftliche Aufgaben sind in den regionalen Zweckverbänden geregelt. Die wichtigsten sind Kehrichtverwertung,Gemeinde Horgen (Hrsg.): Abfallentsorgung 1992. In: Horgner Jahrheft 1992. Abwasserentsorgung, Seewasseraufbereitung und das Spital Zimmerberg, welches 2011 mit dem Spital Sanitas aus Kilchberg zum See-Spital mit zwei Standorten fusionierte.

Geschichte mini|Horgen auf der ältesten Schweizer Karte, erstellt von Konrad Türst 1495/1496 mini|Horgen auf der Gygerkarte von 1667 mini|Horgen 1794 auf einem Stich von Heinrich Brupbacher thumb|Deutsche Heereskarte, Schweiz Horgen, 1944

Die Ur- und Frühgeschichte von Horgen ist bislang noch nicht intensiv untersucht worden. Im Käpfnacher Kohleflöz sind Versteinerungen von Farnen und Mastodon erhalten geblieben.

Die frühesten Siedlungen im Gemeindegebiet sind die Seeufersiedlungen der Pfahlbauer. Die ältesten jungneolithischen Siedlungsreste wurden beim heutigen Schiffssteg gefunden und der Pfyner Kultur zugeordnet. Sie entstanden 3900 bis 3500 v. Chr. Die Menschen der nach ihrem Fundort benannten Horgener Kultur (ungefähr zwischen 3500 und 2800 v. Chr.) hatten ihren Siedlungsplatz im «Scheller» nahe der Grenze zu Oberrieden. Bei den Grabungen 1987 bis 1990 wurde dendrochronologisch die Entstehung der sieben getrennten Kulturschichten im «Scheller» in die Jahre 3100 bis 3000 v. Chr. datiert. Die Horgener Siedlungen standen in Verbindung mit zeitgenössischen Siedlungen an anderen Schweizer Seen.

Aus dem 2. Jahrhundert stammen die beiden keltischen Frauengräber im Thalacker. Für die Zeit der Völkerwanderung im 7. Jahrhundert sind alamannische Gräber bei der Kapelle an der Stockerstrasse, im «Entweder» und im «Bätbur» belegt.

In der Urkunde, durch die König Otto I. am 1. März 952 umfangreiche Ländereien in der Gegend von Horgen dem Kloster Fraumünster in Zürich schenkte, wurde Horgen als Horga zum ersten Mal erwähnt. Der Name geht auf einen althochdeutschen Flurnamen zurück, der etwa *ze horwun (‹Bei der Sumpflandschaft›) lautete.

Horgen erlebte seit dem späten Mittelalter als Warenumschlagplatz einen Aufschwung. Um 1437 wurde Horgen Obervogtei, als die Zürcher Regierung es mit der Vogtei Thalwil und nach der Reformation mit dem Hof Rufers in Adliswil vereinigte. Das Gebiet der Obervogtei reichte von Wollishofen bis zur Grenze zu Wädenswil., abgerufen am 6. April 2014. Im Alten Zürichkrieg, während der Zürcher Reformation durch Huldrych Zwingli und der Gegenreformation war das Gebiet der Gemeinde Horgen ein Vorposten gegen die katholische Innerschweiz.

Religiöse Auseinandersetzungen gab es ab 1585 zwischen der Herrschaft in der Stadt und der Täufergemeinde im Horgenberg. Im Zug dieser Ereignisse wurde Hans Landis am 30. September 1614 in Zürich enthauptet.Paul Kläui: Geschichte der Gemeinde Horgen. Horgen 1952, S. 185–193. 1637 wurde auch Hans Meyli gefangen genommen, er konnte aber fliehen.Peter Hoover: Feuertaufe. Das radikale Leben der Täufer – eine Provokation. Down to Earth, Berlin 2006, ISBN 3-935992-23-8, S. 26–30.

Die napoleonischen Wirren, die Helvetik 1798–1803 und die Auseinandersetzungen um die Mediationsverfassung 1803 gipfelten 1804 im Bockenkrieg. In der Helvetik und Mediation blieb Horgen Distrikthauptort. Die Regenerationsverfassung von 1831 legte die Grundlage zum heutigen Bezirk Horgen.Johannes Wild: Karte des Kantons Zürich im Masstab von 1:25 000 (nach den in den Jahren 1843–1851 gemachten Aufnahmen von 1852 bis 1865 in Stein gravirt im topographischen Bureau in Zürich). Topographisches Bureau (Zürich) (doi:10.3931/e-rara-23705).