Langelsheim ist eine Stadt am Harz im Landkreis Goslar in Niedersachsen, Deutschland. Die Stadt liegt rund sieben Kilometer nordwestlich von Goslar an der Bundesstraße 82.

Geographie Geographische Lage Langelsheim liegt am bzw. im Naturpark Harz zwischen Innerste- und Granetalsperre. Der Fluss Innerste und der zum Teil verrohrte Mühlenbach fließen durch das Stadtgebiet.

Geologie Die Stadt liegt am Fuß der Harzpultscholle, die vor etwa 60 Millionen Jahren in der Kreidezeit und dem Tertiär gegenüber dem Harzvorland gehoben wurde (Harznordrandverwerfung). Dabei wurden mesozoische Schichten steilgestellt und zum Teil überkippt. Sie macht den heute so markanten Nordharzrand aus, der direkt am Stadtrand verläuft.

Nachbargemeinden und -gebiete Nachbargemeinden sind die Stadt Seesen im Westen, die Stadt Bockenem (Landkreis Hildesheim) im Nordwesten, die Gemeinde Sehlde (Landkreis Wolfenbüttel) im Norden, die kreisfreie Stadt Salzgitter im Nordosten, die Gemeinde Liebenburg im Osten, die Kreisstadt Goslar im Osten und das gemeindefreie Gebiet Harz (Landkreis Goslar) im Süden.

Stadtgliederung Langelsheim setzt sich aus acht Ortsteilen zusammen (in Klammern die Einwohnerzahl mit Stand 31. Dezember 2021): Abgerufen am 5. Oktober 2022.

Astfeld (2078 Einwohner; inklusive Herzog Juliushütte) Bredelem (426 Einwohner; inklusive Palandsmühle) Hahausen (777 Einwohner; inklusive Neuekrug) Kernstadt Langelsheim (4949 Einwohner) Bergstadt Lautenthal (1490 Einwohner; inklusive Hüttschenthal) Flecken Lutter am Barenberge (1537 Einwohner; inklusive Rhode) mit den Ortsteilen Nauen (305 Einwohner; inklusive Pöbbeckenmühle) und Ostlutter (375 Einwohner) Wallmoden (842 Einwohner) bestehend aus den Ortsteilen Alt Wallmoden (347 Einwohner; inklusive Könneckenrode und Mühle Ringelheim), Bodenstein (222 Einwohner) und Neuwallmoden (273 Einwohner) Wolfshagen im Harz (2201 Einwohner)

Geschichte mini|Partie an der Innerste in Langelsheim Funde aus dem Mesolithikum am Röseckenbrink in der Nähe des Harzeingangs über das Innerstetal lassen auf einen Bestand von Wohnplätzen auf dem Gebiet der Stadt schließen. Überreste aus derselben Epoche fanden sich im Fundgebiet Wedebruch.

Der Ort ist seit dem 10. Jahrhundert unter dem Namen Langenizze oder Langenesse bekannt. Wohl schon zu karolingischer Zeit entstand zum Schutz der am Nordharz verlaufenden Ost-West-Verbindung die oberhalb der Innerste im Stadtgebiet liegende Kansteinburg mit einem 120 mal 150 m großen, fast quadratischen Wallsystem (heute Hindenburg genannt). Sie diente auch als Fluchtburg. Heute sind von der einstigen Anlage nur noch Reste vorhanden, da ein dort befindlicher Steinbruch sie nahezu abgeräumt hat.

Der Ort entwickelte sich seit dem Mittelalter nahezu ausschließlich in südöstlicher Richtung. Dadurch liegt die auf einem – gegenüber dem Innerstetal – leicht erhöhten Platz errichtete St.-Andreas-Kirche heute am nordwestlichen Stadtrand. Zum ehemaligen Ortszentrum gehörte der unterhalb des Kirchberges angesiedelte „Große Hof“, als Bestandteil des Rittergutes Astfeld, das seine Blüte zur Zeit des preußischen Generalfeldmarschalls Carl August Theodor Mackensen von Astfeld erlebte.

mini|hochkant|Langelsheim, Sankt Andreaskirche Im 13. Jahrhundert sind am Fuße des Kansteins mehrere Verhüttungsbetriebe nachgewiesen, in denen unter Nutzung des Wassers der Innerste und Grane sowie der Holzvorräte der naheliegenden Wälder die Erze des Rammelsberges bis 1615 verarbeitet wurden.

Die Erzverhüttung – im Wesentlichen für die Gewinnung von Blei und Zink – wurde im 16. Jahrhundert deutlich ausgebaut (Herzog Juliushütte, Frau-Sophien-Hütte, ab 1913 auch Hans-Heinrich-Hütte). Zeitweise war Langelsheim neben Oker mit der Frau-Marien-Hütte der Schwerpunkt des Hüttenwesens für Erze des Rammelsberges. Mit der Einstellung des Abbaus grobstückiger, kupferhaltiger Erze im Rammelsberg (Goslar) und Konzentration der Unterharzer Hüttenbetriebe in Oker wurde der Betrieb der Frau-Sophien-Hütte 1941 und Herzog Juliushütte 1942 beendet. Langelsheim erhielt im Jahr 1876 verhältnismäßig früh einen Eisenbahnanschluss.

Im Jahre 1951 erhielt Langelsheim die Stadtrechte.

Wegen der Hochwassergefahr am Unterlauf der Innerste wurde 1963 bis 1969 die Innerstetalsperre angelegt.

Im Mai 1971 fand das größte Rockfestival der Harz-Region in Langelsheim statt.Erinnerungen an das größte Rockfestival aller Zeiten der Harz-Region.

Bis in die jüngste Vergangenheit wurden in und um Langelsheim Steinbrüche für unterkarbonischen Diabas am Junkernberg und mitteldevonischen Diabas am Großen Sülteberg betrieben. Bis heute wird am Kanstein Kalkstein (Oberkreidepläner) abgebaut.

Langelsheim ist ein wichtiger Standort der chemischen Industrie (OT Innerstetal und Heubach). Der Fremdenverkehr hat in den Ortsteilen Wolfshagen und Lautenthal Bedeutung.

Zur Entwicklung der Postgeschichte siehe: Postgeschichte von Langelsheim

Eingemeindungen Am 1. Juli 1972 wurden im Rahmen einer Gemeindegebietsreform die umliegenden Ortschaften Astfeld, Bredelem, Lautenthal (Bergstadt) und Wolfshagen im Harz eingegliedert.

Zum 1. November 2021 hat die Samtgemeinde Lutter am Barenberge mit der Stadt Langelsheim fusioniert, so dass Hahausen, Lutter am Barenberge und Wallmoden Ortsteile Langelsheims wurden.Goslarsche Zeitung: . 29. November 2019.Gesetz über die Vereinigung der Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Lutter am Barenberge und der Stadt Langelsheim, Landkreis Goslar. In: Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt. 11. November 2020, Nr. 40/2020, S. 391.

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Langelsheim von 1821 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle

Jahr Einwohner 1821 5900 1848 6873 1871 7290 1885 8314 1905 9707 1925 9643 1933 9829 Jahr Einwohner 1939 10.090 1946 15.427 1950 16.321 1956 15.061 1961 14.243 1968 14.448 1970 14.340 Jahr Einwohner 1975 14.929 1980 14.542 1985 13.967 1990 13.892 1995 13.962 2000 13.619 2005 13.068 Jahr Einwohner 2010 12.232 2015 11.697 2016 11.684 2017 11.536 2018 11.361 2019 11.285 2020 11.245

(ab 1968 Stand jeweils zum 31. Dezember)

Politik

Rat

Der Rat der Stadt Langelsheim besteht aus 38 Ratsfrauen und Ratsherren. Die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 15.001 und 20.000 Einwohnern beträgt normalerweise 32 Ratsmitglieder. 17. Dezember 2010, abgerufen am 7. Februar 2015. Auf Beschluss des Rates wurde diese Zahl für die aktuelle Wahlperiode aufgrund der Eingemeindung der Samtgemeinde Lutter am Barenberge um 6 auf 38 erhöht. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.

Stimmberechtigt im Rat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister.

Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:

Bürgermeister Seit dem 1. November 2013 ist Ingo Henze (SPD) Bürgermeister. Bei der Wahl am 22. September 2013 erhielt er im ersten Wahlgang 51,83 Prozent der abgegebenen Stimmen. Er folgte damit auf Henning Schrader (SPD), der seit November 2006 im Amt war. Bei der Bürgermeisterwahl am 12. September 2021 erhielt Ingo Henze (SPD) 78,04 Prozent der gültigen Stimmen.

Ortsrat Der Ortsrat, der den gleichnamigen Ortsteil Langelsheim vertritt, setzt sich aus neun Mitgliedern zusammen. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.

Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:

Wappen Der Entwurf des Kommunalwappens von Langelsheim stammt von der dortigen Gemeinde. Gezeichnet hat ihn der Heraldiker und Wappenmaler Gustav Völker, der sämtliche Wappen in der Region Hannover entworfen hat. Das Wappen wurde im Frühjahr 1948 beschlossen und die Genehmigung wurde am 3. Juni 1949 durch den Niedersächsischen Minister des Innern erteilt. Durch eine Gebietsreform, die die Stadt wesentlich vergrößerte, wurde das Wappen am 12. Dezember 1972 durch einen Ratsbeschluss unverändert weitergeführt.

Städtepartnerschaften Emmer-Compascuum, Gemeinde Emmen, Niederlande Nieuw-Weerdinge, Gemeinde Emmen, Niederlande Roswinkel, Gemeinde Emmen, Niederlande

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen mini|Heimatmuseum Langelsheim im Gebäude der ehemaligen Realschule Heimatmuseum Bergbaumuseum Lautenthals Glück in Lautenthal Brauereimuseum in Lautenthal

Musik Musiziert wird in den Concordia Chören (Männer-, Frauen- und Kinderchor) und im Kirchenchor der evangelischen Kirche. Des Weiteren wird im Spielmannszug und dem Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr sowie im Musikkorps Hans-Heinrich-Hütte Langelsheim sowohl moderne als auch Volkstümliche Musik angeboten.

Bei dem Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr sowie dem Musikkorps Hans-Heinrich-Hütte Langelsheim handelt es sich genau um dieselbe Besetzung, nur wird je nach Anlass unter dem einen oder dem anderen Namen aufgetreten.

Kirchengebäude mini|hochkant|St. Andreaskirche mini|Herz-Mariä-Kirche In Langelsheim existieren zwei Kirchengebäude. Die evangelische St. Andreas-Kirche ist wegen ihres eindrucksvollen geschnitzten Altars des Goslarer Meisters Jobst Heinrich Lessen aus dem Jahr 1680 hervorzuheben. Ihr Turm ist aus romanischer Zeit. Daneben besteht seit 1951 die katholische Herz-Mariä-Kirche, heute Filialkirche der Pfarrei in Liebenburg.

Sonstige Bauwerke

Neben der Andreaskirche sind noch einige gut erhaltene Fachwerkhäuser im Ortskern sowie der spätgotische Adelshof hervorzuheben. Zwei Talsperren, die Innerstetalsperre zwischen Langelsheim und dem Ortsteil Lautenthal sowie die Granetalsperre zwischen Langelsheim und dem Ortsteil Astfeld gehören ebenso zu den Sehenswürdigkeiten, wie die noch erhaltenen Anlagen des ehemaligen Erzbergbaus im Ortsteil Lautenthal.

Sportvereine Zu den Sportvereinen der Stadt gehören der VfR Langelsheim e. V., SV Emekspor Langelsheim e. V. (u. a. Fußball), der MTV Langelsheim e. V. (u. a. Leichtathletik, Ballsport, darunter auch die HSG Langelsheim/Astfeld (Handball)) der SC 77 Langelsheim e. V. und der TC Kalkrösecke e. V. (Tennis).

Sport- und Freizeiteinrichtungen Wassersportmöglichkeiten auf dem Innerstestausee Harzstadion mit zwei Fußballfeldern und Leichtathletikbahn Ballsporthalle am Schulzentrum Freibad Verlauf des Europaradweg R1

Regelmäßige Veranstaltungen Fahrraderlebnistag Heinrich-Steinweg-Konzert Landesjugendfeuerwehrzeltlager Rosenfest

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaftszweige: chemische Industrie (insbesondere Kunststoffprodukte und Farben), Metallverarbeitung, Gewerbe, Touristik

Chemische Industrie In Langelsheim sind Albemarle (vormals Rockwood Lithium), PPM Pure Metals (Recylex), Chemetall, Kömmerling, Synthomer, Heubach sowie die Logistikfirma DP World auf dem Gelände der früheren Hans-Heinrich-Hütte ansässig. Sie beschäftigen insgesamt etwa 1200 Mitarbeiter. In: www.rockwoodlithium.de. Abgerufen am 25. April 2019.

Fremdenverkehr Für Camper bietet der Campingplatz „Am Krähenberg“ (65.000 Quadratmeter) ganzjährig ein Zuhause. Neben kleineren Pensionen existiert ein Gasthof mit Hotelbetrieb. Weitere Hotels gibt es in den Ortsteilen Lautenthal und Wolfshagen.

Verkehr Zur Entwicklung des Postwesens in Langelsheim siehe: Postroute Braunschweig-Göttingen.

Straßenverkehr Langelsheim liegt an der Bundesstraße B 82, über die in Richtung Goslar Anschluss an die (vierspurige) B 6 (Hannover–Halle (Saale)), die Bundesautobahn A 395 (Braunschweig–Vienenburg) sowie in Richtung Seesen an die Bundesautobahn A 7 besteht.

Öffentlicher Busverkehr Es verkehren Busse des ÖPNV nach Goslar und Clausthal-Zellerfeld.

Schienenverkehr Der Bahnhof Langelsheim befindet sich südöstlich des Ortskerns an der Bahnstrecke Neuekrug-Hahausen–Goslar, seine Passagieranlagen wurden in den Jahren 2021/22 vollständig neu aufgebaut. Bis 1976 zweigte hier die Innerstetalbahn ab, die von hier aus durch den Oberharz nach Altenau führte.

Auf dem Stadtgebiet Langelsheim existierten historisch folgende Bahnhöfe: Herzog Juliushütte (Astfeld) Bahnhof Lautenthal (Lautenthal)