mini|Graffiti mit ETA-Symbolen im Baskenland

Die Euskadi ta Askatasuna, kurz ETA, (baskisch für „Baskenland zur Freiheit“ oder „Freiheit für die baskische Heimat“, „Baskenland und [dessen/seine] Freiheit“) war bis zu ihrer Selbstauflösung am 2. Mai 2018Eta gibt Auflösung bekannt. Spiegel online vom 2. Mai 2018 eine marxistisch-leninistische, separatistische baskisch-nationalistische Terrororganisation. Sie wurde 1959 als Widerstandsbewegung gegen die Franco-Diktatur gegründet und bediente sich vorwiegend terroristischer Mittel, obwohl ihr auch mehrere politische Parteien im Kampf für die baskische Autonomie zur Seite standen. Insgesamt wurden von der ETA rund 830 Menschen ermordet. Der erste Mord der ETA wurde am 28. Juni 1960 verübt.Seit 50 Jahren tötet die ETA. Wissen.de823 Todesopfer in 5 Jahrzehnten. In: WienerzeitungEl Mundo: Todas las víctimas de ETA. In: El Mundo

Die Organisation verfolgte das Ziel eines von Spanien unabhängigen, sozialistisch geprägten baskischen Staates, der die spanischen autonomen Regionen Baskenland und Navarra sowie das französische Baskenland umfassen sollte, und führte ihren Kampf auch nach dem Übergang Spaniens von der Franco-Diktatur zur Demokratie noch verstärkt weiter.

In den Jahren des Übergangs wurden viele Untersuchungen eingestellt, als ein Amnestiegesetz nicht nur die Schergen des Franco-Regimes, sondern auch ETA-Gefangene begnadigte.Auf den Terror folgt Schweigen, NZZ, 22. Mai 2018

Nachdem im November 2011 ein Waffenstillstand vereinbart worden war, erklärte sich die Euskadi Ta Askatasuna ein Jahr später zur Auflösung und Entwaffnung bereit, falls ihre Forderungen von der spanischen Regierung ausgeführt würden.ETA zur Auflösung bereit. ntv Die Terroranschläge wurden im November 2011 gemäß den Bedingungen, die Spanien für das Einhalten des Waffenstillstandes gestellt hatte, eingestellt. Am 8. April 2017 begann die ETA mit der Übergabe ihrer Waffen an die Behörden. Von Mittelsmännern wurden der französischen Polizei etwa 3,5 Tonnen Waffen, Sprengstoff und andere gefährliche Materialien übergeben.Frankreich stellt ETA-Waffenarsenal sicher, Luxemburger Wort, 8. April 2017.

Am 2. April 2018 verlautete, dass sich die ETA Ende Mai/Anfang Juni endgültig auflösen wollte. Die ETA unternahm diesen Schritt nach einer Befragung der rund 287 in Frankreich und Spanien inhaftierten Mitglieder in den letzten Monaten. Nur zehn Prozent sollen gegen die Auflösung gestimmt haben.Baskische Terrororganisation ETA will sich bis Juni auflösen orf.at, 2. April 2018, abgerufen am 2. April 2018. Anfang Mai gab sie durch das Zentrum für humanitären Dialog bekannt, nach einer internen Abstimmung mit 93 Prozent Zustimmung alle ihre Strukturen aufgelöst zu haben und auf einem Friedenskongress einen Schlussstrich unter die Gewalt zu ziehen. Die Opferverbände warfen der spanischen Regierung vor, sich von der ETA das Drehbuch vorgeben zu lassen, das Zentrum für humanitären Dialog sprach von einem bevorstehenden langen Zeitraum für das Verheilen von Wunden.ETA gibt Auflösung in Genf bekannt, NZZ, 3. Mai 2018«Unsere Rolle war diskret, aber wirkungsvoll», NZZ, 3. Mai 2018

Ziele und Ideologie mini|Lage des Baskenlandes in Spanien und Frankreich

Ziel der ETA war die Etablierung eines sozialistisch geprägten baskisch-nationalistischen Staates, in dem das baskische Volk soziale und politische Souveränität ausüben sollte. In: El correo gallego Dieses Modell eines linksnationalistischen Staates wurde als Euskal Herria bezeichnet und sah die komplette Selbstbestimmung der Basken vor, mittels einer eigenen, sozialistischen Regierung und eigener Streitkräfte.Javato Gonzalez, Víctor Manuel: ETA. Orígen e ideología. In: Ab Initio, Nr. 3 (2011), S. 155.

Die Ausdehnung des Baskenlandes war politisch und gesellschaftlich umstritten und stand im Spannungsfeld von baskischem, spanischem und französischem Nationalismus. Der baskische Nationalismus, erstmals vom sozialdemokratischen Politiker Sabino Arana Goiri 1895 theoretisiert, forderte die kulturelle, politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und geographische Unabhängigkeit des Baskenlandes, das sich seit 1076, dem Jahr der Auflösung des Königreiches von Pamplona, unter spanischer Herrschaft befindet. Seit den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts wurden Arana Goiris politische Theorien von vielen Basken aufgegriffen, wobei die nationalistische Partido Nacionalista Vasco (PNV), Anfang des Jahrhunderts von ihm und weiteren Autonomisten gegründet, stärkste politische Kraft im Baskenland wurde (s. Abschnitt Vorgeschichte). Die zunehmende Radikalisierung des Nationalismus und die Aufnahme sozialkommunistischer Ideen durch autonomistische Arbeiter- und Studentenorganisationen führten zur Geburt der ETA.Josemari Lorenzo Espinosa, über einen Text von Federico Krutwig: Der revolutionäre Nationalismus – historische Analyse eines 1966 in der Zeitschrift Branka herausgegebenen Text von Federico Krutwig. Originalausgabe (PDF)

Die nationalistische Idee der ETA ging zum Teil gegen die Ideale des traditionellen Nationalismus der PNV und der Intellektuellen um Arana Goiri, der eine archaische und ländliche Vorstellung der kulturellen und sozialen Herkunft des baskischen Volkes hat. Kepa Bilbao Ariztimuño Für die baskischen Linksnationalisten, deren radikalste Front die ETA darstellte, war das Konzept einer baskischen Herkunft eher historisch durch die baskische Sprache charakterisiert, das Euskera.Javato Gonzalez, Víctor Manuel: ETA. Orígen e ideología. In: Ab Initio, Nr. 3 (2011), S. 156. Zudem wollen die Abertzales („Patrioten“), wie die sozialkommunistischen Autonomisten (unter ihnen die ETA) genannt werden, diese Interpretation der traditionellen nationalistischen Idee mit der sozialen Realität einer modernen Gesellschaft vereinigen, d. h. sie mittels der marxistischen Forderungen der Arbeiter- und Studentenformationen sowie der revolutionären Konzepte der linken intellektuellen Elite aktualisieren. Die Ideologie der Abertzale-Linken und der ETA bestand deswegen in einer Mischung aus traditionellem Nationalismus, vor allem aus dessen sprachlicher und kultureller Seite, und marxistisch-revolutionären Perspektiven.Javato Gonzalez, Víctor Manuel: ETA. Orígen e ideología. In: Ab Initio, Nr. 3 (2011), S. 157. In diesem Umfeld entwickelte sich die ETA innerhalb der Abertzale-Linken zu einer nationalrevolutionären Bewegung, die sowohl baskisch-nationalistische Konzepte als auch marxistisch-leninistische Ideale aufnahm. Wie von Führungsmitglied Federico Krutwig während der dritten ETA-Versammlung ausgedrückt:

Nach einer Einschätzung in der Neuen Zürcher Zeitung durch Werner J. Marti vom Frühjahr 2018 hatte die ETA mit ihrem Terror keines ihrer Ziele erreicht.

Innere Struktur Militärische Organisation Die oberste Kommandostufe der ETA bestand aus dem Armeerat (baskisch: Zuzendaritza Batzordea, kurz Zuba), dem 6 bis 11 Personen angehörten.Wayne Anderson: The Eta: Spain’s Basque Terrorists. New York 2003, S. 41–47. Unter diesen wurde der Präsident des Zubas gewählt, der somit auch zum Führer der gesamten Organisation wurde: von 2006 bis zu ihrer Verhaftung teilten Mikel Garikoitz Aspiazu Rubina (Txeroki) und Francisco Javier López Peña (Thierry) sich diesen Platz, ihnen folgten Gurbita, Joan Martitegi und Josu Ternera. Der Armeerat gliederte sich weiterhin in elf kleinere Strukturen, die für Logistik, Politik, Kollaboration mit anderen Organisationen, militärische Operationen, Nachschub, Unterstützung der inhaftierten Mitglieder, Aufklärung und Spionage, Geldeintreibung, Rekrutierung sowie Verhandlung mit der spanischen Regierung verantwortlich waren. Militärische Aktionen wurden von Kommandos (baskisch: Taldes) durchgeführt, die aus 3 bis 4 Mitgliedern bestanden und den Active Service Units der irischen Provisional IRA glichen. Zur Unterstützung der Taldes existierten in baskischen und spanischen Ortschaften zahlreiche versteckte Räume (baskisch: Zulos), in denen Waffen, Munition, Sprengstoff, Dokumente oder entführte Opfer versteckt wurden. Gesuchte Mitglieder der Taldes übernachteten oder versteckten sich in Zulos oder in sicheren Häusern, die meist Sympathisanten der ETA oder der Organisation selbst gehörten. Zudem beschäftigte sich eine Gruppe von Mitgliedern und Intellektuellen damit, die Zeitung und das Bulletin der Organisation, genannt Kolonne (baskisch: Zutabe), herauszugeben.

Mitglieder mini|Mitglied des Armeerates der ETA sowie Abgeordneter der Batasuna Arnaldo Otegi auf einer Demonstration, 2006

ETA-Kämpfer (baskisch: Etarra) wurden von der Organisation in drei Kategorien eingestuft: Legale Mitglieder (baskisch: Legalak) hatten keine Vorstrafen, lebten ein normales Leben und wurden von den Sicherheitsorganen nicht verdächtigt, Militante der Organisation zu sein. Aufgabe der Legalaks war meist, Waffen und weiteres Material sowie vogelfreie Etarras unterzubringen. Illegale und polizeilich gesuchte Mitglieder (baskisch: Erretako) wurden von der ETA in Zulos oder sicheren Wohnungen von Legalaks und Sympathisanten versteckt, bekamen eine Monatsrente und führten die bewaffneten Aktionen durch. Inhaftierte und aus der Haft befreite Mitglieder (baskisch: Kaleratu) bekamen ebenfalls eine Monatsrente, beteiligten sich jedoch nicht an bewaffneten Aktionen.

1970 schätzte die spanische Regierung die Zahl der ETA-Mitglieder auf mehr als 300 aktive Kämpfer. 1975 wurden in Folge der Infiltration eines spanischen Geheimagenten des SECIDEl Lobo – entre la tradicion y la heroicidad. In: El País mehr als 150 Mitglieder der ETA in Spanien und im Baskenland festgenommen,El dia en que Franco gastò sus ultimas balas. Foro por la Memoria doch die meisten wurden wenige Monate später durch die Generalamnestie des Prinzen Juan Carlos I. begnadigt. Nach diesen Festnahmen steigerte die Organisation ihre interne Sicherheit, indem sie zahlreiche Personen, die von ihr der Spionage verdächtigt wurden, eliminierte und direkten Kontakt zwischen den Etarras verschiedener Taldes verbot. 1980 wurde die Mitgliederschaft der ETA wieder auf mehr als 200 Kämpfer geschätzt. Nach der Gründung der Batasuna verließen viele Etarras die Organisation und somit den aktiven Dienst, um in der Partei zu arbeiten und den Kampf auf politischem Weg fortzusetzen.

2011 bestand die ETA aus etwa 100 Mitgliedern.

Soziale Zusammensetzung Die meisten der Etarras, die zwischen 1965 und 1980 im aktiven Dienst der Organisation standen und sich an bewaffneten Aktionen beteiligten, stammten aus Familien der baskischen Mittelschicht, wobei sie meist aus größeren Städten kamen.John Sullivan: ETA and Basque Nationalism: The Flight from Euskadi, 1890–1986. London, New York 1988, ISBN 0-415-00366-0, S. 47–52 Nur etwa 25 % der 2005 mitinhaftierten Personen waren Frauen, doch es gibt wenige Daten über die Anwesenheit von Frauen im Zuba: Nur eine Frau, Iratxe Sorzabal Diaz, konnte für wenige Monate die oberste Führung der ETA übernehmen,Carrie Hamilton: Why do women become ETA terrorists. In: The Daily Telegraph, 21. Oktober 2009. und eine weitere, Izaskun Lesaka, wurde 2012 zur Koordinatorin der bewaffneten Kommandos der Organisation und kontrollierte deren gesamtes Arsenal.Mónica Ceberio Belaza: La dirigente de ETA detenida controlaba armas y explosivos. In: El País 28. Oktober 2012. Über die soziale Zusammensetzung der ETA sind jedoch keine präzisen Quellen vorhanden.