zentriert|340px|Gustav Stresemann auf der Generalversammlung des Völkerbundes Außenminister Gustav Stresemann auf der Generalversammlung des Völkerbundes. Deutschland wird am 8. September in den Völkerbund aufgenommen. Am 10. Dezember erhält Stresemann gemeinsam mit Aristide Briand den Friedensnobelpreis. zentriert|170px|Gertrude Ederle Gertrude Ederle durchschwimmt als erste Frau den Ärmelkanal. zentriert|170px|Józef Piłsudski in Warschau Aufstand in Polen. Józef Piłsudski erringt durch den Maiputsch die Macht. 170px|Aristide Briand Friedensnobelpreisträger Aristide Briand.

Ereignisse Politik und Weltgeschehen

Weimarer Republik

20. Januar: Dem im Dezember wegen der Regierungskrise nach Unterzeichnung der Verträge von Locarno zurückgetretenen Kabinett Luther I folgt das Kabinett Luther II. 26. Januar: Entgegen den Bestimmungen des Versailler Vertrags wird im Deutschen Reich vom Heereswaffenamt eine Organisation zur geheimen Rüstungsplanung unter dem Tarnnamen Statistische Gesellschaft gegründet. Offiziell ist sie als privater und gemeinnütziger Verein getarnt, der für Interessenten statistische und technische Feststellungen durchführt. In Wirklichkeit soll sie die potentiellen Rüstungskapazitäten statistisch erfassen. 8. Februar: Deutschland beantragt die Aufnahme in den Völkerbund. 14. Februar: Auf der Bamberger Führertagung beansprucht Adolf Hitler die alleinige, kompromisslose Führung innerhalb der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, die er im Verlauf des Jahres auch vollständig durchsetzen kann. 24. April: Als Fortsetzung des Vertrags von Rapallo wird der Berliner Freundschaftsvertrag zwischen der Weimarer Republik und der Sowjetunion geschlossen. Der Vertrag enthält Vereinbarungen über den Handel und über die bereits bestehende militärische Zusammenarbeit, die im Dezember vom Manchester Guardian aufgedeckt wird. Die Weimarer Republik sichert der Sowjetunion zu, im Falle eines Krieges der Sowjetunion gegen einen Drittstaat neutral zu bleiben. 18. Mai: Misstrauensvotum gegen Hans Luther im Reichstag wegen des Flaggenstreits. Ihm folgt das Kabinett Marx III. 8. September: Einstimmige Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund 10. Dezember: Der deutsche Außenminister Gustav Stresemann erhält gemeinsam mit seinem französischen Amtskollegen Aristide Briand den Friedensnobelpreis. 23. Dezember: Durch das Arbeitsgerichtsgesetz wird in der Weimarer Republik das Reichsarbeitsgericht geschaffen und die Tätigkeit der Justiz in Arbeitssachen geregelt.

Österreich

4. Mai: Als Abspaltung von der österreichischen DNSAP gründen Richard Suchenwirth und Josef Leopold in Wien den Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterverein. Dieser unterstellt sich als Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei Österreichs – Hitlerbewegung organisatorisch am 11. Mai der Münchner NSDAP Zentrale, übernimmt das 25-Punkte-Programm und erkennt Hitler als Führer an. Am 15. Juli versichert in München auch der Führer der österreichischen SA, Hermann Reschny, Hitler seine „uneingeschränkte Loyalität“. Hitler fordert am 12. August auf einer Versammlung in Passau von den beiden rivalisierenden Gruppen eine Erklärung über ihre bedingungslose Unterwerfung oder deren Verweigerung. Während die bisherige Partei eine Erklärung veröffentlicht, wonach sie die organisatorische Selbständigkeit beibehalten werde, akzeptierten Vertreter der Hitlerbewegung die Forderung noch am selben Tag. Postsparkassenskandal in Österreich

Italien/Balkan

mini|Verhaftungsfotos von Violet Gibson nach dem Attentat auf Mussolini 7. April: Wenige Tage nachdem sie vom Tod ihrer Mutter erfahren hat, verübt die Engländerin Violet Gibson mitten auf der Piazza del Campidoglio in Rom mit einem Revolver ein Attentat auf Benito Mussolini. Die Polizei kann sie festnehmen, bevor sie von der Menge gelyncht wird. Mit Verweis auf ihren Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik wird sie in Öffentlichkeit und Presse als „verrückte“ und „verwirrte“ Einzeltäterin dargestellt und nach einiger Zeit ohne Gerichtsverfahren nach Großbritannien abgeschoben. 31. Oktober: In Bologna versucht der fünfzehnjährige Anteo Zamboni den faschistischen Ministerpräsidenten Benito Mussolini bei einer Gedenkparade an den Marsch auf Rom zu erschießen. Der Attentäter wird von umstehenden Faschisten attackiert und gelyncht. Er stirbt am selben Tag. 27. November: Die Regierung Albaniens schließt den ersten Tiranapakt mit Italien und erhält im Gegenzug Finanzhilfen und Unterstützung beim Aufbau der Polizei. Präsident Ahmet Zogu stärkt mit dem Vertrag seine innenpolitische Stellung.

Polen

12. Mai: Der Maiputsch in Polen beginnt mit der Besetzung der Brücken in Warschau durch die dortige Garnison unter Marschall Józef Piłsudski; die amtierende Regierung von Wincenty Witos verkündet den Ausnahmezustand. Gegen 17 Uhr kommt es an der Poniatowski-Brücke zu Gesprächen zwischen Piłsudski und dem Staatspräsidenten Stanisław Wojciechowski, die nach etwa zwei Stunden ohne Ergebnis abgebrochen werden. Danach beginnen die ersten Kämpfe zwischen den beiden Lagern, die trotz der Vermittlungsversuche des Erzbischofs Aleksander Kakowski und des Sejmmarschalls Maciej Rataj bis zum 15. Mai andauern. Am 14. Mai schlägt sich die PPS auf die Putschistenseite und ruft zum Generalstreik auf. Angesichts des drohenden Bürgerkrieges geben Wojciechowski und Witos schließlich nach und legen ihre Ämter nieder. Nach dem Putsch wird Piłsudskis Vertrauter Kazimierz Bartel neuer Ministerpräsident, Piłsudski selbst begnügt sich mit dem Posten des Verteidigungsministers. Am 31. Mai wird er allerdings von der Nationalversammlung auch zum Staatspräsidenten gewählt, nimmt jedoch die Wahl nicht an und empfiehlt Ignacy Mościcki, der am nächsten Tag zum Präsident gewählt wird. Die während des Maiputsches gebrauchte Parole Sanacja findet für das in den nächsten Jahren folgende zunehmend autoritäre Regime Verwendung.

Großbritannien und Irland

23. März: In Irland wird von Éamon de Valera die Fianna-Fáil-Partei als Abspaltung von Sinn Féin gegründet. Sie lehnt den Anglo-Irischen Vertrag ab und ändert diese Haltung erst viele Jahre später.

mini|links|Bergarbeiter in Tyldesley, Wigan während des Streiks 4. bis 12. Mai: Bergwerksbesitzer wollen Lohnkürzungen und Arbeitszeitverlängerungen durchsetzen und betreiben Aussperrung; der Gewerkschaftsbund (Trades Union Congress) ruft zu einem landesweiten Generalstreik auf. Dieser wird allgemein befolgt und legt das Land weitgehend lahm. Die Regierung setzt die Armee ein. 19. Oktober bis 23. November: Die Londoner Konferenz von 1926 über das Britische Empire trägt zur Definition der Grundlagen des Commonwealth bei; das Schlussdokument der Konferenz, der Balfour-Bericht, stellt die Gleichrangigkeit der Dominions zum Vereinigten Königreich fest.

Portugal

28. Mai: Der Putsch des Generals Manuel de Oliveira Gomes da Costa führt zum Ende der ersten Republik in Portugal. 30. Mai: Portugal: Nach dem Putsch vom 28. Mai tritt mit Ministerpräsident António Maria da Silva die letzte frei gewählte Regierung zurück. Bereits am 9. Juli führt eine erneute Militärrevolte durch den bisherigen Außenminister General António Óscar de Fragoso Carmona zur Absetzung von Gomes da Costa unter dem Vorwand der Amtsunfähigkeit. Carmona wird Premierminister und Staatspräsident Portugals und erhält diktatorische Vollmachten. Gomes da Costa wird auf die Azoren verbannt.

Sowjetunion

1. Februar: Die zweite Kirgisische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik wird im Rahmen der RSFSR auf dem bisherigen Kara-Kirgisische Autonome Gebiet gegründet. 1. Februar: Die Stadt Nowonikolajewsk wird in Nowosibirsk umbenannt. 15. April: Die UdSSR erklärt unter norwegischen Protesten das gesamte Territorium zwischen dem sowjetischen Festland und dem Nordpol zum sowjetischen Hoheitsgebiet und annektiert den Archipel Franz-Josef-Land. 25. Mai: Scholom Schwartzbard erschießt in Paris den ukrainischen Exilpolitiker Symon Petljura, den er für Judenpogrome während des Russischen Bürgerkriegs verantwortlich macht. 17. August: Erstmals wird der im Vorjahr gestiftete Leninpreis als höchste zivile Auszeichnung der Sowjetunion verliehen, um herausragende Leistungen auf wissenschaftlichem, literarischem, künstlerischem oder musikalischem Gebiet zu würdigen. 31. August: Unterzeichnung des Neutralitäts- und Nichtangriffsvertrages zwischen der UdSSR und Afghanistan mit einer Laufzeit von drei Jahren. 23. Oktober: Ausschluss Leo Trotzkis aus dem Politbüro des ZK der WKP (B).

Türkei

1. Januar: In der Türkei beginnt die Zeitrechnung nach dem Gregorianischen Kalender. 18. Februar: Die türkische Regierung beschließt, die Vielehe und das Haremssystem abzuschaffen und das Schweizer Zivilgesetzbuch (ZGB) zu übernehmen. 16. Mai: In der neu gegründeten Republik Türkei beginnt der erste Ararat-Aufstand kurdischer Nationalisten. Ein in Izmir aufgedecktes Mordkomplott dreier Verschwörer gegen den Präsidenten wird von Mustafa Kemal als Gelegenheit genutzt, mit den Häuptern der Opposition als vermeintliche Drahtzieher des geplanten Anschlags im Rahmen eines Schauprozesses vor einem „Unabhängigkeitsgericht“ (İstiklâl mahkemesi) abzurechnen. Die Republik nimmt Züge einer Diktatur an.

Weitere Ereignisse in Europa

1. Januar: Heinrich Häberlin wird Bundespräsident der Schweiz. 20. April: Der amerikanische Finanzminister Andrew W. Mellon und der französische Botschafter in Washington, Henri Bérénger, schließen ein Fundierungsabkommen über Frankreichs interalliierte Kriegsschulden aus dem Ersten Weltkrieg.

15. bis 17. Mai: Bei der Parlamentswahl in Estland, bei der erstmals eine Sperrklausel wirksam wird, geht die sozialdemokratische Estnische Sozialistische Arbeiterpartei als Sieger hervor. Zehn Parteien statt bisher vierzehn sind im 3. Reichstag vertreten. Am 15. Juni wird Karl Einbund vom Bund der Landwirte zum Parlamentspräsidenten gewählt. Sein Parteikollege Jaan Teemant bildet wie bisher eine konservative Regierung.

Afrika

25. Mai: In der nur für Weiße offenen ersten Parlamentswahl im seit 1919 als Mandatsgebiet von Südafrika verwalteten Südwestafrika gehen sieben von zwölf Sitzen an den von Deutschnamibiern gegründeten Deutschen Bund. 27. Mai: Französisch-Spanische Truppen zerschlagen die Rif-Republik. Damit endet der Rifkrieg. Er hat 1921 begonnen; zwischen Juli 1923 und Kriegsende verschossen bzw. warfen die Spanier über 10.000 Senfgas-Behälter. Abd al-Karim, der Anführer der Rifkabylen, wird auf die Insel Réunion im Indischen Ozean in die Verbannung verbracht. Oktober: Im Kolonialkrieg in Italienisch-Somaliland wird das erste Kriegsverbrechen des faschistischen Italien begangen, als italienische Truppen in Merka einhundert Menschen in einer Moschee ermorden.

Iran

miniatur|links|hochkant|Ali-Akbar Davar als Justizminister März: Der iranische Justizminister Ali-Akbar Davar löst mit Zustimmung des Parlaments in einer in der Geschichte des Rechtswesens einmaligen Aktion den gesamten Justizapparat des Iran auf und beginnt das Rechtssystem von Grund auf zu reformieren. Die Richter, die bis dahin lediglich an theologischen Rechtsschulen ausgebildet worden sind, werden entlassen und neue, junge Juristen werden in Kompaktkursen in westlichen Rechtsgrundsätzen geschult. Ein neu entworfenes bürgerliches Gesetzbuch nach dem Vorbild des französischen Code civil wird in Zusammenarbeit mit islamischen Rechtsexperten erarbeitet. Dieses neue Gesetz berücksichtigt sowohl westliche wie islamische Rechtsgrundsätze und ist mit nur kleinen Veränderungen auch heute noch im Iran gültig.

mini|hochkant|Krönungsfoto von Reza Pahlavi mit der Pahlavi-Krone 25. April: In Teheran wird Reza Pahlavi zum neuen Schah Irans gekrönt. Sein Sohn Mohammad Reza Pahlavi ist bereits am 27. Januar per Dekret zum Kronprinzen bestimmt worden. Für die Krönung wird eigens die neue Pahlavi-Krone angefertigt.