zentriert|174px|Gustav Stresemann, Austen Chamberlain und Aristide Briand bei den Verhandlungen in Locarno Gustav Stresemann, Austen Chamberlain und Aristide Briand verhandeln dieVerträge von Locarno. zentriert|165px|Mein Kampf Adolf Hitler veröffentlicht Band 1 von Mein Kampf 174px|zentriert|Paul von Hindenburg Paul von Hindenburg wird zum Reichspräsidenten gewählt 166px|zentriert|Krönung von Reza Schah Pahlavi Reza Schah Pahlavi wird Schah des Iran.
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Internationale Verträge und Organisationen
17. Juni: Das Genfer Protokoll zur Ächtung von chemischen und biologischen Waffen wird von 36 Nationen unterzeichnet. Der völkerrechtliche Vertrag verbietet den Gebrauch chemischer und biologischer Waffen, enthält allerdings keine Vorgaben zu deren Entwicklung, Herstellung und Lagerung. Er tritt am 8. Februar 1928 in Kraft. Der Handelsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion vom 12. Oktober 1925 dient der Absicht, die Handelsbeziehungen mit dem Ziel eines reibungslosen Warenverkehrs zu fördern und orientiert an wirtschaftlichen Gesichtspunkten beim Güteraustausch zu einem Stand entsprechend der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg aufzuschließen. 15. Oktober: In Genf wird von Vertretern ethnischer Minderheiten aus zwölf europäischen Staaten der Europäische Nationalitätenkongress gegründet. 1. Dezember: Die Verträge von Locarno, sieben völkerrechtliche Vereinbarungen, die vom 5. bis 16. Oktober in Locarno in der Schweiz verhandelt wurden, werden in London unterzeichnet. Deutschland einerseits, Frankreich und Belgien andererseits verzichten auf eine gewaltsame Veränderung ihrer im Friedensvertrag von Versailles gezogenen Grenzen, für die Großbritannien und Italien die Garantie übernehmen. Eine Revision der Ostgrenzen behält Deutschland sich vor. Für Deutschland sind Reichskanzler Hans Luther und Außenminister Gustav Stresemann an den Verhandlungen beteiligt.
Weimarer Republik
4. Januar: Adolf Hitler verspricht Bayerns Ministerpräsidenten Heinrich Held, er werde nur noch auf legale Weise Politik machen und der Regierung im Kampf gegen den Kommunismus helfen. Daraufhin hebt Held das NSDAP-Verbot zum 16. Februar auf.
mini|links|Reichskabinett Luther I 15./16. Januar: Das Kabinett Luther I mit Hans Luther als Reichskanzler löst das Kabinett Marx II unter Wilhelm Marx ab. Erstmals ist die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) an der Regierung beteiligt.
27. Februar: Im Münchner Bürgerbräukeller wird die NSDAP neu gegründet und deutschlandweit organisiert. Adolf Hitler hat seinen ersten Auftritt nach seiner Haft. Er appelliert an die Einigkeit der völkischen Bewegung im Kampf gegen Judentum und Marxismus, nicht gegen den in Bayern starken Katholizismus. Damit grenzt er sich gegen Erich Ludendorff ab, der den Vorsitz der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung am 12. Februar niederlegt und so deren Auflösung einleitet. Hitler erreicht, dass die während des NSDAP-Verbots entstandenen konkurrierenden Splittergruppen Großdeutsche Volksgemeinschaft, Deutsche Partei, Völkisch-Sozialer Block und die Deutschvölkische Freiheitspartei wieder oder neu in die NSDAP eintreten. Die neu organisierte SA lässt er nur noch als Hilfstruppe der NSDAP, nicht mehr als eigenständige paramilitärische Organisation zu, sodass Ernst Röhm ihre Führung ebenso wie die des Frontbanns am 1. Mai abgibt.
mini|links|Trauerzug für den verstorbenen Friedrich Ebert 28. Februar: Friedrich Ebert, Reichspräsident der Weimarer Republik, stirbt überraschend an einer durch eine Appendixperforation verursachten Peritonitis. Er hat die Behandlung hinausgezögert, um sich in Magdeburg in zweiter Instanz gerichtlich gegen Verleumdungen von deutschvölkischer, republikfeindlicher Seite zur Wehr zu setzen. Die Trauerfeierlichkeiten finden deutschlandweit am 4. und 5. März statt.
29. März: Bei der ersten direkten Reichspräsidentenwahl der Weimarer Republik erreicht kein Kandidat die absolute Mehrheit – die meisten Stimmen erhält der DVP-Politiker Karl Jarres. Neben zahlreichen anderen kandidieren auch der Sozialdemokrat Otto Braun, der Zentrums-Politiker Wilhelm Marx und Ernst Thälmann von der KPD. Erich Ludendorff erhält 1,1 Prozent der Stimmen für die NSDAP. 4. April: Julius Schreck gründet im Auftrag Adolf Hitlers einen Saalschutz als Nachfolgeorganisation des 1924 verbotenen Stoßtrupp Adolf Hitler. Diese aus Schreck, Ulrich Graf, Christian Weber, Emil Maurice, Julius Schaub und Erhard Heiden bestehende „Stabswache“ hat am 16. April während des Begräbnisses von Ernst Pöhner ihren ersten Auftritt. Über verschiedene Namensstufen wie Saal-Schutz, Schutzkommando und Sturmstaffel wird schließlich der Name Schutzstaffel offiziell eingeführt, den der ehemalige SA-Führer Hermann Göring in Anlehnung an eine Fliegerbegleitstaffel Manfred von Richthofens vorgeschlagen hat. 7. April: Hitler stellt ein Ersuchen um Entlassung aus der österreichischen Staatsangehörigkeit, dem am 30. April gegen eine Gebühr von 7,50 Schilling stattgegeben wird. Ab diesem Zeitpunkt lebt er als Staatenloser in Deutschland. Bis 1932 folgen zahlreiche vergebliche Versuche Hitlers, die deutsche Staatsangehörigkeit zu erlangen.
mini|links|Hindenburgbüste auf einem Lastwagen als Wahlpropaganda
26. April: Der im ersten Wahlgang nicht angetretene Monarchist Paul von Hindenburg wird im zweiten Wahlgang gegen den Zentrums-Kandidaten Wilhelm Marx zum Reichspräsidenten gewählt, u. a. auch mit den Stimmen der Mitte-Parteien DVP und BVP. Am 12. Mai wird er vereidigt. 16. Juni: Die Volkszählung in Deutschland ergibt 62,5 Millionen Einwohner ohne das Saargebiet. 18. Juni: Das Reichsgericht hebt die einzige beschlossene Fürstenenteignung in der Weimarer Republik auf. Das entsprechende Landesgesetz im Freistaat Sachsen-Gotha über die Einziehung von Besitz des Fürstenhauses Sachsen-Coburg und Gotha sei nicht verfassungsgemäß. 18. Juli: Adolf Hitler veröffentlicht im Franz-Eher-Verlag den ersten Band seines Buches Mein Kampf. Die politisch-ideologische Programmschrift enthält seine stark stilisierte Autobiografie, die seinen Werdegang als Politiker und die Entwicklung seiner Weltanschauung schildert, ist aber in der Hauptsache eine wenig faktenbasierte Kampf- und Propagandaschrift, die dem Neuaufbau der NSDAP als zentral gelenkter Partei unter seiner Führung dienen soll. Juli/August: Die französischen und belgischen Truppen beenden die Ruhrbesetzung und räumen das Ruhrgebiet, Duisburg und Düsseldorf. 26. August: Paul von Hindenburg hebt das von Reichspräsident Friedrich Ebert 1921 verfügte Verbot, in der Öffentlichkeit Uniform zu tragen, auf. 13. September: In Heidelberg beginnt der 33. Parteitag der SPD. Am 18. September beschließt sie das unter anderen von Rudolf Hilferding und Karl Kautsky ausgearbeitete Heidelberger Programm, das das Görlitzer Programm von 1921 ablöst. Als erste größere Partei in Europa erhebt sie darin die Forderung nach Verwirklichung der Vereinigten Staaten von Europa und wendet sich damit wieder stärker dem Marxismus und dem Internationalismus zu. 17. bis 19. Oktober: Der Kyffhäuserbund führt den ersten deutschen Reichskriegertag in Leipzig durch. 29. Oktober: Die Vereinbarungen der Verträge von Locarno führen zu einer Regierungskrise im Kabinett Luther I. Die Deutschnationale Volkspartei tritt aus der Regierungskoalition aus. Hans Luther bildet eine bürgerliche Minderheitsregierung und kündigt an, nach der Unterzeichnung der Verträge zurückzutreten. 4. November: Hitlers erste Rede in Braunschweig. In Bayern, Hamburg und Preußen sind Hitlerreden verboten. 20. November: Der Münchner Dolchstoßprozess endet im Gerichtsurteil mit der Erkenntnis, dass der beklagte Paul Nikolaus Cossmann bei der Verbreitung der Dolchstoßlegende einem Irrtum erlegen sei. 30. November: Die Besatzungsmächte beginnen, die „Kölner Zone“ im besetzten Rheinland zu räumen. 5. Dezember: Die Verträge von Locarno werden mit den Stimmen der Regierungsparteien und der SPD ratifiziert. Das Kabinett Luther tritt im Anschluss wie angekündigt zurück. 31. Dezember: Verwaltungsgliederung des Deutschen Reichs 1925
Italien
mini|hochkant|Benito Mussolini um 1925 3. Januar: Benito Mussolini übernimmt in einer Rede vor dem Abgeordnetenhaus die volle „moralische, politische und historische Verantwortung“ für den Mord an Giacomo Matteotti im Vorjahr, ohne jedoch eine direkte Verbindung zu erwähnen. Der Aufforderung, ihn für das Verbrechen anzuklagen, kommen seine Gegner aufgrund der Aussichtslosigkeit eines solchen Unterfangens nicht nach. Noch am selben Tag weisen Mussolini und Innenminister Luigi Federzoni die Präfekten an, politische Versammlungen und Demonstrationen fortan zu unterbinden und aktiv gegen alle „die Macht des Staates untergrabenden“ Organisationen vorzugehen. Den Abgeordneten der Oppositionsparteien wird die Rückkehr in die Kammer, die bis dahin zumindest theoretisch möglich gewesen wäre, von diesem Tag an verweigert. Die Pressezensur wird nach einer Verordnung vom 10. Januar noch strenger als zuvor gehandhabt; während die Presseorgane der politischen Linken schrittweise in den Untergrund gedrängt werden, entlassen die großen liberalen Zeitungen im Laufe des Jahres die wenigen oppositionellen Redakteure, bevor im Dezember ein repressives Pressegesetz in Kraft tritt. 29./30. März: In Bologna findet die Konferenz über faschistische Kultur statt. Im Anschluss verfasst Giovanni Gentile das Manifest der faschistischen Intellektuellen, das am 21. April in den meisten italienischen Zeitungen veröffentlicht wird. Dieses stellt eine politische und ideologische Begründung des italienischen Faschismus dar und rechtfertigt die Gewalt der paramilitärischen Schwarzhemden der Nationalen Faschistischen Partei als revolutionären Akt zur Verwirklichung des italienischen Faschismus. Damit legitimiert es das autoritäre Regime Mussolinis. Benedetto Croce verfasst auf Anregung von Giovanni Amendola als Antwort darauf das Manifest der antifaschistischen Intellektuellen, das am 1. Mai in Il Mondo und Il Popolo veröffentlicht wird. 4. November: Tito Zaniboni wird bei den Vorbereitungen zu einem Attentat auf Benito Mussolini verhaftet. Der Partito Socialista Unitario, dem Zaniboni angehört, wird daraufhin verboten.
mini|Persönliche Flagge Mussolinis als diktatorischer Capo del governo Am 24. Dezember beseitigt ein Gesetz über die „Kompetenzen und Vorrechte des Regierungschefs“ die formal noch immer bestehende Abhängigkeit der Regierung vom Parlament. Als Capo del Governo vertritt Mussolini die Regierung nun allein gegenüber dem König, ist ausschließlich diesem verantwortlich und hat das Recht, Gesetze zu dekretieren, über die die Abgeordneten lediglich noch „diskutieren“ können.
Portugal
11. Februar: Die Regierung unter Ministerpräsident José Domingues dos Santos, die erst seit November im Amt ist, wird durch ein Misstrauensvotum gestürzt und muss vier Tage später zurücktreten. Neuer Ministerpräsident wird Vitorino de Carvalho Guimarães, bleibt aber auch nur rund vier Monate im Amt. 18. April: Ein Putschversuch von Teilen der Armee unter Sinel de Cordes scheitert.
mini|hochkant|António Maria da Silva 1. Juli: António Maria da Silva wird Ministerpräsident Portugals und gleichzeitig Kriegsminister. 1. August: Domingos Leite Pereira, der ebenso wie da Silva dem Partido Democrático angehört, wird zum dritten Mal Ministerpräsident Portugals. 11. Dezember: Staatspräsident Manuel Teixeira Gomes muss wegen einer von da Silva geführten Diffamierungskampagne gegen ihn zurücktreten und verlässt am nächsten Tag das Land. Sein Nachfolger ist Bernardino Machado. Die Republik befindet sich zu diesem Zeitpunkt bereits in Auflösung. Die Parteienlandschaft zersplittert immer mehr. 18. Dezember: António Maria da Silva wird letzter Ministerpräsident der ersten Republik in Portugal.
Sowjetunion
10. April: Die Stadt Zarizyn an der Wolga wird in Stalingrad umbenannt.