zentriert|350px|Französische Soldaten während der Ruhrbesetzung Ruhrbesetzung durch französische und belgische Truppen zentriert|168px|Gustav Stresemann Gustav Stresemann wird Reichskanzler und beendet den passiven Widerstand gegen die Ruhrbesetzung. zentriert|173px|Bericht der Bozner Nachrichten am 10. November 1923: Der Hitler-Putsch kläglich zusammengebrochen Der Hitlerputsch in München bricht nach kurzer Zeitkläglich zusammen.
Ereignisse Politik und Weltgeschehen
Weimarer Republik
9. Januar: Die interalliierte Reparationskommission behauptet, die Weimarer Republik halte absichtlich Lieferungen zurück.
mini|links|hochkant|Zweisprachiges Manifest des pro-litauischen Ausschusses zur Errettung des Memelgebietes von 1923 10. Januar: Litauische Freischärler besetzen das unter französischer Verwaltung stehende Memelland. Offiziell wird dies als interner memelländischer Aufstand bezeichnet. Die französischen Truppen leisten kaum Widerstand. Am 19. Januar gibt Hochkommissar Gabriel Petisné sein Amt auf und verlässt mit der gesamten Militärverwaltung das Gebiet. Am 16. Februar erkennt die Botschafterkonferenz die Annexion des Memelgebietes als Faktum an und übergibt die Hoheit über das Gebiet formell an Litauen.
11. Januar: Im Konflikt um die deutschen Reparationsleistungen beginnen französische und belgische Truppen mit der Besetzung des Ruhrgebiets. Die Besetzung löst einen Aufschrei nationaler Empörung aus. Die Reichsregierung unter dem parteilosen Kanzler Wilhelm Cuno ruft die Bevölkerung am 13. Januar zum „passiven Widerstand“ auf. An Frankreich und Belgien werden keine Reparationen mehr gezahlt, Industrie, Verwaltung und Verkehr werden durch Generalstreiks und Sabotageakte teilweise lahmgelegt. Betriebe und Behörden leisten den Anordnungen der Besatzer nicht Folge. Die Beamten und Arbeiter der Deutschen Reichsbahn verweigern den Dienst und verlassen ihre Dienstposten, oft unter Mitnahme aller dienstlichen Unterlagen und Informationen. In vielen Bahnhöfen und Stellwerken werden die Beschriftungen demontiert, Lokomotiven und Wagen in unbesetztes Gebiet abgefahren. Die Besatzungstruppen reagieren darauf mit der Übernahme des Betriebs in den Regiebetrieb durch die sogenannte Régie des Chemins de fer des Territoires occupés. Dies erfordert in erheblichem Umfang den Einsatz französischer und belgischer Eisenbahner. Aufgrund der vielfach fehlenden technischen Dokumentationen sowie der von französischen und belgischen Normen deutlich abweichenden Fahrzeug- und Sicherungstechnik der Reichsbahn führt dies zunächst zu erheblichen Problemen durch Unfälle sowie einer deutlich reduzierten Leistungsfähigkeit des Eisenbahnnetzes. Die Besatzungstruppen reagieren auf den passiven Widerstand mit 150.000 verhängten Strafen, die neben Gefängnisstrafen vor allem bei Eisenbahnern die Ausweisung aus dem besetzten Gebiet bedeuten. Eine weitere Folge des Widerstands ist eine Hyperinflation der Papiermark (s. u.) 11. Januar: In Halle an der Saale wird der nationalistische und republikfeindliche, paramilitärische Wehrverband Wehrwolf gegründet. In der ersten Jahreshälfte breitet sich der Verband mit der Unterstützung des Stahlhelms in Mitteldeutschland, danach im Rest des Deutschen Reichs aus. In Zusammenarbeit mit der Reichswehr beginnt die militärische Ausbildung der Mitglieder. 16. Februar: Mit dem von Gustav Radbruch entworfenen Jugendgerichtsgesetz (RJGG) werden Ideen des Strafrechtlers Franz von Liszt verwirklicht und in Deutschland erstmals ein gesondertes Jugendstrafrecht eingeführt.
25. Februar: Die Existenz der Mikronation Freistaat Flaschenhals wird durch marokkanische Hilfstruppen der französischen Armee nach vier Jahren beendet. Der Lorcher Bürgermeister Edmund Pnischeck wird festgenommen und zu einer Haftstrafe verurteilt, ebenso Marcus Krüsmann, der Bürgermeister von Limburg an der Lahn. Auch die Einwohner des Flaschenhalses leisten passiven Widerstand.
mini|links|Arbeiterversammlung auf dem Gelände der Krupp-Werke in Essen am 31. März 31. März: Beim Essener Blutsamstag, einem Zusammenstoß zwischen französischen Besatzungstruppen und Arbeitern der Krupp-Werke, werden 13 Arbeiter erschossen und viele verletzt. 2. Mai: Von Angehörigen der verbotenen terroristischen Organisation Consul wird in München der Wehrverband Bund Wiking als Nachfolgeorganisation und Wehrverband gegründet. Der Bund beteiligt sich an den Vorbereitungen zum Sturz der Weimarer Reichsregierung (Kabinett Cuno) und betreibt eine intensive militärische Schulung. 31. Mai: Beim Parchimer Fememord wird der Volksschullehrer und Mitglied der rechtsradikalen Deutschvölkischen Freiheitspartei (DVFP) Walter Kadow von Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Roßbach ermordet. An dem Fememord sind unter anderem Rudolf Höß und Martin Bormann beteiligt. 12. August: Nach einer Streikwelle gegen Reichskanzler Wilhelm Cuno tritt das Kabinett Cuno zurück. 13. August: Gustav Stresemann (DVP) wird neuer Reichskanzler mit dem Kabinett Stresemann I. 30. August: Martialische Einweihung des Fliegerdenkmals auf der Wasserkuppe in der Rhön durch den Ring der Flieger e. V.. 26. September: Gustav Stresemann erklärt das Ende des passiven Widerstands. Dies nimmt die bayerische Staatsregierung unter Führung Eugen von Knillings zum Anlass, den Ausnahmezustand auszurufen und Gustav von Kahr zum Generalstaatskommissar mit diktatorischen Vollmachten nach Artikel 64 der Bamberger Verfassung zu ernennen, was einen offenen Bruch mit dem Deutschen Reich bedeutet. Als Reaktion darauf erklärt Reichspräsident Friedrich Ebert den Ausnahmezustand im gesamten Reich und überträgt die vollziehende Gewalt dem Reichswehrminister Otto Geßler. 29. September: Gustav von Kahr setzt den Vollzug des Republikschutzgesetzes, das nach der Ermordung des liberalen Außenministers Walter Rathenau erlassen worden ist, in Bayern außer Kraft. Mit Otto von Lossow, Landeskommandant der Reichswehr in Bayern und Befehlshaber des Wehrkreises VII (München), und Hans von Seißer, Kommandeur der Bayerischen Landespolizei, bildet Kahr ein „Triumvirat“, dessen Ziel es ist, eine „nationale Diktatur“ nach dem Vorbild von Benito Mussolini zu errichten, dessen Anhänger ein Jahr zuvor auf Rom marschierten und dort die Macht übertragen bekommen haben. Ab Mitte Oktober lässt Kahr mehrere hundert jüdische Familien, die Jahrzehnte zuvor aus Osteuropa eingewandert sind, aus Bayern ausweisen, um die Unterstützung der extremen Rechten um Adolf Hitler und des Deutschen Kampfbundes zu erhalten. 20. Oktober: Als Reichswehrminister Geßler von Lossow wegen Befehlsverweigerung seiner Ämter enthebt, setzt ihn Kahr als bayerischen Landeskommandanten wieder ein und betraut ihn „mit der Führung des bayerischen Teils des Reichsheeres“. Trotz dieser offen reichsfeindlichen Akte verhängt die Reichsregierung keine Reichsexekution gegen Bayern, weil die Reichswehr unter General Hans von Seeckt nicht bereit wäre, diese umzusetzen. 21. Oktober: In Aachen und Koblenz wird die „Rheinische Republik“ ausgerufen. 22. Oktober: Die Duisburger Gruppe des Rheinischen Unabhängigkeitsbundes ruft die „Rheinische Republik“ aus. 23. Oktober: Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Johannes Hoffmann erklärt sich mit einigen Sozialdemokraten bereit, einen unabhängigen Pfälzischen Staat innerhalb des Deutschen Reiches zu gründen. Der Vorschlag stößt bei der Beamtenschaft und den Parteien auf Ablehnung. Auch die pfälzische Sozialdemokratie distanziert sich von Hoffmann. 23. Oktober: Deutscher Oktober: Beginn des Hamburger Aufstandes der KPD in Hamburg und Schleswig-Holstein 29. Oktober: Reichsexekution gegen Sachsen wegen der Regierungsbeteiligung der KPD unter Ministerpräsident Erich Zeigner (SPD) 6. November: Reichsexekution gegen Thüringen wegen der Regierungsbeteiligung der KPD unter Ministerpräsident August Frölich (SPD)
mini|Stoßtrupp Hitlers (mit Hakenkreuz-Armbinden) mit festgenommenen sozialistischen Stadträten 8. November: Hitler-Ludendorff-Putsch: Adolf Hitler besetzt mit Erich Ludendorff, Hermann Göring und anderen Nationalsozialisten den Bürgerbräukeller in München und verkündet, die „nationale Revolution“ sei ausgebrochen und die Reichsregierung der Weimarer Republik abgesetzt. 9. November: Hitler und seine Anhänger versuchen einen Sturm auf die Feldherrnhalle in München. Der Marsch wird von der Landespolizei gestoppt, 16 Putschisten, ein Zivilist und vier Polizisten kommen im Gefecht um. 12. November: Heinz Orbis proklamiert in Speyer die Autonome Pfälzische Republik. 14./15. November: Höhepunkt der bewaffneten Auseinandersetzungen im Siebengebirge im Zusammenhang mit der Rheinischen Republik. 23. November: General Hans von Seeckt verbietet nach Aufstandsversuchen in Deutschland die KPD, die NSDAP und die Deutschvölkische Freiheitspartei. 27. November Die Regierung der Rheinischen Republik löst sich in Koblenz auf. 30. November: Wilhelm Marx, Mitglied der Zentrumspartei, wird Reichskanzler mit dem Kabinett Marx I Übernahme des bayerischen Heeres in die Reichswehr
Osmanisches Reich/Türkische Republik
30. Januar: Die Türkei und Griechenland schließen in Lausanne die Konvention über den „Bevölkerungsaustausch“ (die wechselseitige Vertreibung) zwischen Türkei und Griechenland. Als Folge dieses Vertrags werden etwa 1,6 Millionen Personen (etwa 1,2 Millionen anatolische Griechen und 400.000 Muslime in Griechenland) zwangsumgesiedelt oder vertrieben. 24. Juli: Die Türkei schließt mit Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan, Griechenland, Rumänien und dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen im Palais de Rumine den Vertrag von Lausanne. Darin erreicht sie eine teilweise Revision des Vertrags von Sèvres. Die aktuelle Grenze zwischen Griechenland und der Türkei hat ihren Ursprung in diesem Vertrag.
mini|hochkant|Mustafa Kemal Pascha 13. Oktober: Per Gesetz wird Ankara anstelle von Istanbul zur neuen Hauptstadt der Türkei bestimmt. 29. Oktober: Die Große Nationalversammlung der Türkei ruft als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs die Republik Türkei aus, obwohl Abdülmecid II. formell noch Kalif ist. Mustafa Kemal Pascha wird Staatspräsident, İsmet Pascha Ministerpräsident.
Schweiz/Sowjetunion
1. Januar: Karl Scheurer wird Bundespräsident der Schweiz.
mini|links|Überführung von Worowskis Leichnam nach Moskau 10. Mai: Am Rande der Verhandlungen zum Vertrag von Lausanne erschießt der aus St. Petersburg in die Schweiz geflohene Moritz Conradi im Hotel Cécil in Lausanne den sowjetischen Diplomaten Wazlaw Worowski. Der Mordanschlag ist ein Racheakt als Folge der Entrechtung der Familie, der Verstaatlichung des Familienbesitzes und des folgenden Todes seines Vaters an Hunger und Krankheit. Da der getötete Diplomat bei der Meerengen-Konferenz keine offizielle Akkreditierung besitzt, wird der Mordfall von der Justiz des Kantons Waadt als normale Strafsache beurteilt. Im Prozess wird der von Théodore Aubert verteidigte Conradi unter Zustimmung der Öffentlichkeit von den Geschworenen freigesprochen. Obwohl der Bundesrat das Urteil kritisiert, schadet es der Schweiz als Völkerbund-Sitz und als Gastgeberin diverser internationaler Konferenzen. Zudem verschlechtern sich die Beziehungen der Schweiz zur Sowjetunion.
mini|Flagge der Burjatischen ASSR 30. Mai: Durch Zusammenschluss mehrerer Oblaste wird die Burjatische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik mit der Hauptstadt Ulan-Ude gegründet. Die Schweiz und Liechtenstein schließen einen Zollanschlussvertrag, der Liechtenstein ab dem 1. Januar 1924 an das schweizerische Wirtschafts- und Zollgebiet anschließt.
Iberische Halbinsel
13. September: General Miguel Primo de Rivera errichtet mit Einverständnis von König Alfons XIII. eine Militärdiktatur in Spanien.
mini|Amtsantritt der Regierung unter Premierminister António Ginestal Machado am 15. November 1923