zentriert|110px|Konrad Adenauer Konrad Adenauer, erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland zentriert|220px|Feierlichkeiten zur Gründung der DDR Walter Ulbricht, Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl bei den Feierlichkeiten zur Gründung der DDR 330px|Ausrufung der Volksrepublik China durch Mao Zedong Mao Zedong ruft auf dem Tian’anmen-Platz in Peking die Volksrepublik China aus.

Im Jahr 1949 stehen vor allem die Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik sowie die Proklamation der Volksrepublik China im Mittelpunkt des Weltgeschehens.

Überblick Europa Die Bildung internationaler Zusammenschlüsse setzt die Vertiefung der Spaltung Europas fort. Zwölf Länder unterzeichnen im April den NATO-Vertrag und gründen so das militärische Verteidigungssbündnis NATO. Daneben wird der Europarat als politische Dachorganisation der westeuropäischen Staaten mit Sitz in Straßburg gegründet. In Osteuropa entsteht als Wirtschaftsbündnis der Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe, auch Comecon genannt.

Deutschland/Bundesrepublik/DDR

Die Gründungsphase der beiden deutschen Staaten wird begleitet von der Krise um West-Berlin, das mit Hilfe der Berliner Luftbrücke durch die West-Alliierten der Berlin-Blockade trotzt. Die Berlin-Frage spielt auch bei der Ausarbeitung des Grundgesetzes durch den Parlamentarischen Rat eine wesentliche Rolle, da die deutschen Väter und Mütter des Grundgesetzes Berlin gerne den Status eines gleichberechtigten Bundeslandes der Bundesrepublik zugestehen wollen. Die Alliierten bestehen jedoch auf ihren Vorrechten, zu denen auch der Viermächte-Status Berlins gehört, sodass etwa die von Berlin entsandten Bundestagsabgeordneten nicht an der bundesdeutschen Gesetzgebung mitwirken dürfen. Auch in Fragen der Außenvertretung, der Demontagen und der Ruhrkontrolle sieht das Besatzungsstatut Einspruchsrechte der Alliierten vor. Als die Sowjetunion erkennt, dass die Berlin-Blockade nicht zum Erfolg führt, wird diese nach fast einem Jahr aufgegeben.

Am 12. Mai 1949 genehmigen die drei westlichen Militärgouverneure das Grundgesetz. Im Oktober wird die DDR gegründet. Die westliche Welt verweigert der DDR die Anerkennung (siehe auch Hallstein-Doktrin).

Österreich Während die Blöcke sich in der Deutschlandfrage unversöhnlich gegenüberstehen, sorgen die Außenministerkonferenzen der vier Siegermächte in der Frage einer Regelung für Österreich für Fortschritte; hier werden die Grundzüge des späteren Friedensvertrags bereits 1949 ausgehandelt.

Ungarn

Bei der Parlamentswahl am 15. Mai 1949, einer Scheinwahl, erhält die Einheitsliste der Partei der Ungarischen Werktätigen 95,6 % Ja-Stimmen. Am 20. August 1949 tritt eine neue Verfassung in Kraft,Volltext (Übersetzung) die der sowjetischen Verfassung von 1936 nachempfunden ist. Damit wird aus Ungarn ein Arbeiter-und-Bauern-Staat, die Gewaltenteilung wird aufgehoben und ein 21-köpfiger Präsidialrat als kollektives Staatsoberhaupt eingeführt, der zwischen den Sitzungen des Parlaments dessen Befugnisse hat. Mátyás Rákosi und sein Regime praktizieren einen stalinistischen Kurs. Die politische Polizei verbreitet eine Atmosphäre des Terrors und betreibt zahlreiche Schauprozessen gegen politische Gegner, darunter gegen Kardinal Mindszenty. Diesen Prozessen fallen auch kommunistische Parteimitglieder und Mitglieder der Regierung zum Opfer, so etwa der im Oktober 1949 hingerichtete frühere Außenminister László Rajk.

Jugoslawien Eine Sonderrolle spielt Jugoslawien, das sich zwar als sozialistischer Staat versteht, sich aber eine Eigenständigkeit gegenüber dem Ostblock bewahrt, der daraufhin die Tito-Regierung politisch wie wirtschaftlich ausgrenzt.

Griechenland In Griechenland führt der Bürgerkrieg zur Niederlage der kommunistischen Verbände, die sich ins Exil begeben müssen.

Naher Osten Im Nahen Osten kann sich das im Jahr zuvor gegründete Israel im Unabhängigkeitskrieg gegen seine arabischen Nachbarn behaupten und gegenüber dem ursprünglichen UN-Teilungsplan deutlich an Boden gewinnen; die Frontlinie verfestigt sich durch die Waffenstillstandsabkommen von 1949 als „Grüne Linie“ faktisch zur neuen Staatsgrenze, während der Gazastreifen und das Westjordanland von Ägypten bzw. Jordanien beansprucht werden. Ein schwieriges Erbe des Krieges bilden die hunderttausenden von vertriebenen Palästinensern, die seither überwiegend in Flüchtlingslagern in den Nachbarländern auf die Gründung eines eigenen Palästinenserstaates warten.

Indien Anfang des Jahres einigen sich Indien und Pakistan im Kaschmir auf einen Waffenstillstand, wo eine Demarkationslinie den Status quo festschreibt. Am 26. November 1949 konstituiert sich Indien als Republik (→ Geschichte Indiens#Republik Indien, Verfassung Indiens).

China In China gelingt der Volksbefreiungsarmee unter Mao Zedong im Bürgerkrieg gegen die nationalchinesischen Truppen des Chiang Kai-shek die entscheidende Endoffensive, die zunächst zur Einnahme Tianjins und Pekings im Norden und nach Überschreiten des Jangtsekiangs auch des Südens Chinas führt. Die nationalchinesische Regierung muss sich daher von Chongqing nach Taiwan zurückziehen, kann aber einige Inseln vor der Küste des Festlandes behaupten. Am 1. Oktober 1949 proklamiert Mao Zedong die Volksrepublik China und errichtet einen kommunistischen Staat.

USA In den USA tritt Harry S. Truman seine zweite Amtszeit als Präsident an. Die Erfolge der Kommunisten in China und die Zündung der ersten sowjetischen Atombombe sorgen für eine zunehmend antikommunistische Stimmung in den USA, die sich unter anderem in Angriffen des Senators MacCarthy gegen das Außenministerium äußert, das ihm zufolge kommunistisch unterwandert sei und die Preisgabe Chinas verschuldet habe. Echte und vermeintliche Sympathisanten der Kommunisten werden vor Untersuchungsausschüsse zitiert und bei Verdacht auf „unamerikanische“, also pro-kommunistische Aktivitäten müssen diese mit Repressalien rechnen.

Ereignisse Politik und Weltgeschehen Januar 1. Januar: Ernst Nobs wird Bundespräsident der Schweiz. 1. Januar: Die vom Wirtschaftsrat erlassene Kraftfahrzeug-Benutzungsverordnung tritt in Kraft, womit Ausflugs- und Vergnügungsfahrten verboten sind. 1. Januar: Österreich erhält von Großbritannien die Kontrolle über die Grenze zu Italien zurück.siehe auch Besetztes Nachkriegsösterreich#Britische Zone 1. Januar: Juan Manuel Gálvez tritt sein Amt als Staatspräsident von Honduras an. 1. Januar: Indien und Pakistan vereinbaren einen Waffenstillstand zur Beilegung des Kaschmir-Konfliktes. 1. Januar: Thailand wird Mitglied in der UNESCO. 2. Januar: Die Regierung von Südkorea (Ministerpräsident: Rhee Syng-man) wird von den Vereinigten Staaten anerkannt. 7. Januar: Dean Acheson löst George C. Marshall als US-Außenminister ab. 15. Januar: Nach heftigen Kämpfen erobern die chinesischen Kommunisten die Stadt Tianjin. 19. Januar: Gründung der südafrikanischen Regierungskommission für Eingeborenenbildung (Eiselen Commission) unter der Leitung von Werner Willi Max Eiselen. 20. Januar: Der wiedergewählte US-Präsident Harry S. Truman wird für seine zweite Amtszeit vereidigt. 24. Januar: Die chinesische Volksbefreiungsarmee erreicht das Nordufer des Jangtsekiang. 25. Januar: Wahlen zur ersten Knesset. 25. Januar: Gründung des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (Comecon). 28. Januar: Schweiz wird Mitglied der UNESCO. 31. Januar: Kommunistische Truppen ziehen in Peking ein; die Stadt, bislang Beiping genannt, wird offiziell in Beijing umbenannt.

Februar 4. Februar: Attentat auf Schah Mohammad Reza Pahlavi. 8. Februar: Kardinal József Mindszenty wird von einem ungarischen Volksgericht nach einem Schauprozess zu lebenslanger Haft verurteilt. 14. Februar: David Ben-Gurion wird erster Ministerpräsident Israels. 14. Februar: António Óscar de Fragoso Carmona wird ohne Gegenkandidat als Präsident von Portugal wiedergewählt. 16. Februar: Chaim Weizmann wird zum Staatspräsidenten Israels gewählt. 24. Februar: Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und Ägypten nach dem Israelischen Unabhängigkeitskrieg (23. März mit dem Libanon, 3. April mit Transjordanien, 20. Juli mit Syrien).

März 3. März: Die westalliierten Militärgouverneure fordern Nachbesserungen am Verfassungsentwurf des Parlamentarischen Rates. Insbesondere soll das Grundgesetz nicht unmittelbar auch für Berlin gelten und die Gesetzgebungskompetenzen der Länder sollen gestärkt werden. 4. März: Andrej Wyschinski wird neuer Außenminister der Sowjetunion. Er löst Wjatscheslaw Molotow ab. 8. März: Frankreich erkennt die Unabhängigkeit Vietnams unter der antikommunistischen Regierung von Bảo Đại an. 10. März: Israelische Truppen dringen bis Eilat vor und sichern Israel den Zugang zum Roten Meer. 28. März: Der US-Verteidigungsminister James V. Forrestal tritt überraschend zurück; er stirbt zwei Monate später in einem Krankenhaus, offenbar durch Selbstmord. 30. März: In Syrien kommt Stabschef Husni az-Za'im durch einen Putsch an die Macht. 31. März: Im Königsteiner Staatsabkommen einigen sich in Deutschland Bund und Länder auf die Finanzierung wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen.

April 4. April: Vertreter von zwölf Staaten unterzeichnen in Washington den NATO-Vertrag. Mit diesem völkerrechtlichen Vertrag wird die NATO gegründet. Der Vertrag tritt am 24. August 1949 in Kraft. 8. April: Die französische Besatzungszone tritt der Bizone bei. Dadurch wird diese zur Trizone. Die drei Außenminister der West-Alliierten beschließen in Washington, D.C. das Besatzungsstatut; darin geben sie der Gründung der Bundesrepublik ihre Zustimmung, behalten sich jedoch Reservatrechte und Einspruchsrechte insbesondere in den Bereichen Ruhrkontrolle und Demontage vor. 8. April: In Burma kommt es zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Milizen der Karen. 13. April: Im Wilhelmstraßen-Prozess, dem letzten der Nürnberger Prozesse, werden gegen Angehörige des Auswärtigen Amtes des Dritten Reiches überwiegend langjährige Haftstrafen ausgesprochen; die Urteile werden später (teils schon nach wenigen Monaten) deutlich abgemildert. 11. April: der syrische Generalstabschef Husni al-Za'im, Anführer des Putsches vom 30. März 1949, ernennt sich selbst zum Präsident Syriens. 13. April: Die Kämpfe zwischen Israel und Syrien werden eingestellt. Dies ist ein Schritt hin zum Ende des Palästinakrieges (siehe hier). 15. April: Papst Pius XII. plädiert in der Enzyklika Redemptoris nostri cruciatus für die Internationalisierung Jerusalems auf der Basis des UN-Teilungsplans, das Rückkehrrecht der Flüchtlinge und den Schutz der Heiligen Orte und Stätten in Palästina. 16. April: Flugzeuge bringen an diesem Tag eine Rekordmenge Versorgungsgüter (12.849 Tonnen) in das blockierte Berlin. Die Berliner Luftbrücke veranlasst die stalinistische Sowjetunion, am 12. Mai 1949 die Berlin-Blockade aufzuheben. 18. April: Irland scheidet aus dem Verband des Commonwealth aus und konstituiert sich als eigene Republik Éire. 23. April: Niederländische Annexionspläne nach dem Zweiten Weltkrieg werden umgesetzt, als im grenznahen Selfkant- und Elten-Gebiet sowie im Landkreis Grafschaft Bentheim kleinere Gebietsabtrennungen vorkommen. Die deutsche Kommune Selfkant wird als Ausgleich für die im Zweiten Weltkrieg erlittenen Schäden unter niederländische Verwaltung gestellt. 23. April: Truppen der chinesischen Volksbefreiungsarmee nehmen Nanking ein. 23. April: In Hamburg endet der aufsehenerregende Prozess gegen Veit Harlan, den Regisseur des antisemitischen Propagandafilms Jud Süß, mit einem Freispruch. 23. April: Nur fünf Tage nach der Kiellegung der United States stellt US-Verteidigungsminister Louis A. Johnson den Bau des ersten „Supercarriers“ ein. Das führt zur Eskalation des schwelenden „Aufstands der Admirale“ gegen die aus ihrer Sicht die US Air Force begünstigende Militärpolitik der Regierung Truman.