zentriert|340px|Explosion von Ivy Mike, der ersten Wasserstoffbombe Explosion von Ivy Mike, der ersten Wasserstoffbombe zentriert|140px|Fulgencio Batista 1952 Fulgencio Batista putscht auf Kuba 200px|zentriert|Comet 1 der BOAC am London Heathrow Airport Die unfallgeplagte De Havilland Comet ist das erste Düsenverkehrsflugzeug zentriert|340px|Großdemonstration vor dem alten Opernhaus in Kairo Die „Revolution des 23. Juli“ führt im Königreich Ägypten zum Sturz von König Faruq und verändert das Machtgefüge der gesamten Region

Das Jahr 1952 war vom nach wie vor andauernden Koreakrieg geprägt. In Europa wird mit der Montanunion die Grundlage der späteren Europäischen Gemeinschaft gelegt, die Bundesrepublik wird damit weiter in Westeuropa eingegliedert.

Überblick Ostasien/Koreakrieg mini|Eine B-29 der US Air Force beim Flächenbombardement über Korea

Der weiterhin andauernde Koreakrieg entwickelte sich zu einem Stellungskrieg entlang des 38. Breitengrades; auch massive Bombardements auf die Infrastruktur Nordkoreas änderten daran wenig. Die USA waren an der Stärkung ihrer Position in Fernost interessiert und waren maßgeblich daran beteiligt, dass mit Japan ein Friedensvertrag abgeschlossen wurde, der das Besatzungsregime offiziell beendete. Zugleich demonstrierten die USA mit der Zündung ihrer ersten Wasserstoffbombe ihre militärische Stärke gegenüber dem Ostblock; an dieser festen Haltung änderte auch die Wahl des Republikaners Dwight D. Eisenhower zum US-Präsidenten nichts, der den Demokraten Harry S. Truman ablöste.

Bundesrepublik Deutschland mini|Gründungsmitglieder der EGKS

In der Deutschlandfrage setzte die CDU-Regierung Adenauers gegen den Widerstand der SPD konsequent auf die Westintegration. Die Sowjetunion versuchte dieser Entwicklung gegenzusteuern, indem sie mit der Stalin-Note das Angebot eines wiedervereinigten, aber neutralen Deutschlands machte. Damit konnte Stalin jedoch nicht verhindern, dass sich die Bonner Regierung für den Beitritt zur Europäischen Verteidigungsgemeinschaft entschloss.

Die am 18. April 1951 durch den Vertrag von Paris gegründete Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (= „Montanunion“: Bundesrepublik, Benelux-Staaten, Frankreich und Italien) trat am 23. Juli 1952 in Kraft.

DDR Am 24. Juli 1952 wurden die Kreisreformen in der DDR durchgesetzt. Das bedeutete eine Neuaufteilung durch Gebietsreformen in Bezirke und Kreise. Ebenfalls fand im Juli 1952 in der Werner-Seelenbinder-Halle in Ost-Berlin die 2. Parteikonferenz der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) statt. Unter der von Walter Ulbricht geprägten Formel des „planmäßigen Aufbaus des Sozialismus“ wurde eine „Sowjetisierung“ der Gesellschaft und eine Stärkung der Staatsmacht nach sowjetischem Vorbild eingeführt.

Naher Osten Der Nahe Osten wurde vor allem durch zwei Staatsstreiche erschüttert: Im Juli wurde König Faruq in Ägypten durch das Militär gestürzt und dessen minderjähriger Sohn Fu'ād II. formal zum König gekrönt; wenig später entmachtete in Jordanien das Militär König Talal, an dessen Stelle König Hussein I. trat. Israel vereinbarte unterdessen mit der Bundesrepublik ein Wiedergutmachungsabkommen, das vor allem von Seiten der Holocaust-Hinterbliebenen auf Kritik stieß.

Lateinamerika In den Staaten Lateinamerikas sind vor allem der Putsch von Fulgencio Batista auf Kuba und die Machtübernahme von Víctor Paz Estenssoro in Bolivien erwähnenswert; Letzterer erweckte durch seine Sozialisierungspolitik das Misstrauen konservativer Kreise in Amerika.

Afrika In Afrika dauerte die Kolonialherrschaft, vor allem der Briten und Franzosen, weiter an; mit dem Mau-Mau-Aufstand in Kenia meldete sich aber bereits deutlich eine erste schlagkräftige Unabhängigkeitsbewegung zu Wort, der die Briten die Verhängung des Kriegsrechts entgegensetzten.

Technik In der Technik zeigte sich der Fortschritt unter anderem in der Vorstellung neuer Supercomputer wie dem UNIVAC. Der Einsatz von Düsenflugzeugen (De Havilland DH.106 Comet) setzte sich auch im zivilen Bereich zunehmend durch und ermöglichte Flüge von England nach Südafrika oder die Hin- und Rückreise über den Atlantik am selben Tag. In den beiden deutschen Staaten wurde unterdessen Ende des Jahres das Fernsehen eingeführt.

Sporthöhepunkte Im Sport standen die Olympischen Spiele im Mittelpunkt. Die Winterspiele fanden in Oslo statt, die Sommerspiele, die von den Leistungen Emil Zátopeks dominiert wurden, in Helsinki. Es waren die ersten Olympischen Spiele nach dem Zweiten Weltkrieg, an denen auch deutsche Sportler wieder teilnehmen durften.

Ereignisse Politik und Weltgeschehen Internationale Organisationen

8. Februar: Der Bundestag beschließt in der Großen Wehrdebatte mit 204:156 Stimmen, dass die Bundesrepublik einen militärischen Beitrag an der Seite der Westmächte leisten solle. 18. Februar: Griechenland und Türkei treten der NATO bei. 22. Februar: Nicaragua wird Mitglied in der UNESCO. 10. März: Die Sowjetunion unterbreitet den Westmächten die Stalin-Note. 14. August: Die Bundesrepublik Deutschland wird Mitglied im Internationalen Währungsfonds (IWF). 10. November: Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Trygve Lie, tritt von seinem Amt zurück.

Europäische Organisationen

2. Januar: Gustav Heinemann und Helene Wessel gründen die Notgemeinschaft für den Frieden Europas. 27. Mai: Unterzeichnung des Vertrags zur Gründung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) von Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland, Italien und den drei Benelux-Staaten 23. Juli: Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl tritt in Kraft.

Deutschland

2. Januar: Die DDR verweigert einer UNO-Kommission die Einreise. Sie sollte die Voraussetzungen für mögliche gesamtdeutsche Wahlen klären. 2. Januar: Der evangelische Kirchenpräsident Martin Niemöller reist in die Sowjetunion, um mit der dortigen Führung über die Freilassung deutscher Kriegsgefangener zu sprechen. 11. Januar: Der Bundestag ratifiziert gegen die Stimmen der SPD den Vertrag zur Gründung der Montanunion. 5. Februar: Otto Grotewohl legt den Grundstein für den Wohnungsneubau an der Ost-Berliner Stalinallee, einem der bedeutendsten Prestigeprojekte der DDR. 8. Februar: Laut Angabe des Statistischen Bundesamtes leben 9,6 Millionen Flüchtlinge in der Bundesrepublik. 20. Februar: Der Bundestagsabgeordnete Franz Richter (SRP) wird unter dem Vorwurf, in Wahrheit der ehemalige NSDAP-Gauhauptstellenleiter von Sachsen Fritz Rößler zu sein, im Bundeshaus verhaftet. 1. März: Die Briten geben Helgoland wieder an Deutschland zurück. 27. März: Bei der Explosion eines mit Sprengstoff gefüllten Paketes, das an Bundeskanzler Konrad Adenauer adressiert war, kommt ein Sprengmeister ums Leben.

mini|hochkant|Der neue Südweststaat

25. April: Gründung des Bundeslandes Baden-Württemberg durch Vereinigung der Länder Baden, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern. Der FDP-Politiker Reinhold Maier wird erster Ministerpräsident des Landes an der Spitze einer sozial-liberalen Regierung; die CDU verliert ihre Mehrheit im Bundesrat. 6. Mai: Bundespräsident Theodor Heuss spricht sich dafür aus, die 3. Strophe des Deutschlandliedes als deutsche Nationalhymne zu verwenden. 11. Mai: Auf dem „Essener Blutsonntag“ wird der Kommunist Philipp Müller bei einer Demonstration von der Polizei erschossen. 26./27. Mai: In der DDR beginnt die Einrichtung einer fünf Kilometer breiten Sperrzone entlang der innerdeutschen Grenze zur Bundesrepublik Deutschland. Damit startet mit der „Aktion Ungeziefer“ die Zwangsumsiedlung von über 12.000 Anwohnern. Auf Anordnung der SED werden am 27. Mai die Telefonleitungen zwischen West-Berlin und der DDR gekappt. 1. Juni: West-Berliner dürfen die DDR nur noch mit Genehmigung betreten. 30. Juni: Ende der Marshall-Plan-Hilfe. 8. Juli: In München werden für Fußgänger die ersten Zebrastreifen in Deutschland angelegt. 9. Juli: Der SED-Generalsekretär Walter Ulbricht verkündet den Beschluss der II. Parteikonferenz, dass in der DDR „der Sozialismus planmäßig aufgebaut werde“, damit Beginn der Sowjetisierung der DDR. 16. Juli: Am Werbellinsee weiht DDR-Präsident Wilhelm Pieck das Pionierlager der Pionierrepublik Wilhelm Pieck ein. 23. Juli: Die Volkskammer der DDR beschließt die Auflösung der fünf mitteldeutschen Länder zu Gunsten von 14 Bezirken. 10. September: Im Luxemburger Abkommen verpflichtet sich die Bundesrepublik Deutschland zu Entschädigungszahlungen an jüdische NS-Opfer in Höhe von 3,5 Mrd. DM. 28. September: Erich Ollenhauer wird Nachfolger des verstorbenen Kurt Schumacher als Vorsitzender der SPD. 17. Oktober: Walter Freitag wird neuer DGB-Vorsitzender als Nachfolger von Christian Fette. 23. Oktober: In der Bundesrepublik Deutschland wird die SRP verboten. 29. November: Gründung der Gesamtdeutschen Volkspartei (GVP) durch die Bundestagsabgeordneten Thea Arnold, Helene Wessel (beide Deutsche Zentrumspartei), Hans Bodensteiner (CSU) und Hermann Etzel (Bayernpartei) sowie die späteren Bundespräsidenten Gustav Heinemann und Johannes Rau. 25. Dezember: Bei einem Grenzzwischenfall in Berlin-Frohnau wird ein West-Berliner Wachtmeister von sowjetischen Soldaten erschossen.

Frankreich

20. Januar: Edgar Faure wird neuer französischer Premierminister als Nachfolger des am 7. Januar zurückgetretenen René Pleven. 29. Februar: Edgar Faure tritt nach nur sechs Wochen Amtszeit als Premierminister Frankreichs zurück; sein Nachfolger wird Antoine Pinay.

Großbritannien und das Commonwealth

mini|hochkant|Krönungsporträt von Königin Elisabeth II. und dem Duke of Edinburgh 6. Februar: Elisabeth II. wird nach dem Tod ihres Vaters Georg VI. Königin und Staatsoberhaupt des Vereinigten Königreichs und verschiedener anderer Länder des Commonwealth. Sie erfährt davon, nachdem sie in Kenia die Nacht im Treetops Hotel verbracht hat.

Die Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten

13. Juni: Sowjetische Jagdflugzeuge schießen über der Ostsee eine schwedische Militärmaschine ab. 12. August: Etwa 30 russisch-jiddische Schriftsteller, Künstler und Intellektuelle werden in der Moskauer Lubjanka in der „Nacht der ermordeten Poeten“ hingerichtet, die genaue Zahl der Opfer ist unsicher. Viele von ihnen standen in Verbindung mit dem Jüdischen Antifaschistischen Komitee, darunter waren Itzik Feffer, Leib Kwitko, Solomon Abramowitsch Losowski und Perez Markisch. 5. bis 14. Oktober: XIX. Parteitag der KPdSU 21. November: In der Tschechoslowakei kommt es zu Schauprozessen gegen parteiinterne Gegner von Ministerpräsident Gottwald. Im Slánský-Prozess werden elf Todesurteile verhängt.

Weitere Ereignisse in Europa

1. Januar: Karl Kobelt wird erneut Bundespräsident der Schweiz. 1. Januar: Die neue Verfassung Griechenlands tritt in Kraft und regelt die Verteilung von Grundbesitz neu.

Ägypten

26. Januar: In Kairo kommt es, nachdem die britischen Besatzungstruppen in der Kanalzone ein ägyptisches Regierungsgebäude in Ismailia belagert und beschossen hatten, zu den Ereignissen des „Schwarzen Samstags“. Bei den Ausschreitungen gehen westliche Einrichtungen wie Hotels oder Kinos in Flammen auf, auch Büros der Muslimbrüder werden angegriffen. 23. Juli: Staatsstreich in Ägypten: Inhaftierung des Königs Faruq durch General Muhammad Nagib 26. Juli: Abdankung von Faruq. Proklamation von Fu'ād II. zum letzten ägyptisch-sudanesischen König 24. August: Britische Truppen evakuieren den Sueskanal. 10. Dezember: Außerkraftsetzung der Verfassung des Königreichs Ägypten von 1923 durch die Militärregierung von Nagib

Südafrika