Ottakring ist der 16. Wiener Gemeindebezirk und wurde 1892 aus den selbständigen Gemeinden Ottakring und Neulerchenfeld gebildet. Der noch in der Nachkriegszeit Verslumungstendenzen aufweisende Bezirk im Westen der Hauptstadt erfuhr seit der Jahrtausendwende einen Aufschwung. Die zentrumsnahen Bezirksteile profitierten von einer Revitalisierung öffentlicher Räume und der Etablierung eines regen Kulturbetriebs, während die Eröffnung der U3-Endstation in Alt-Ottakring einen für die äußeren Bezirksteile wichtigen Impuls brachte. Als charakteristisch für den traditionellen Arbeiterwohn- und Industriebezirk Ottakring wird heute seine Multikulturalität und wachsende Urbanität gesehen.
Geographie mini|Blick vom Gallitzinberg auf Ottakring
Lage Der Bezirk Ottakring liegt im Westen Wiens, eingebettet zwischen dem Lerchenfelder Gürtel und den Wienerwald-Hügeln. Im Norden grenzt Ottakring an Hernals, im Osten an die Josefstadt und Neubau und im Süden an Rudolfsheim-Fünfhaus und Penzing.
Topographie Höchste Erhebung ist mit 449 Metern der Gallitzinberg, auch Wilhelminenberg genannt, auf dem die Jubiläumswarte steht. An der Ostschulter des Gallitzinbergs entspringt im Liebhartstal der heute kanalisierte Ottakringer Bach. Er floss ursprünglich entlang der heutigen Linie Ottakringer-Straße/Abelegasse/Thaliastraße und erreichte über die Lerchenfelder Straße, den Minoritenplatz und den Tiefen Graben den heutigen Donaukanal. Ebenfalls am Gallitzinberg liegt der Ursprung des Rosenbachs, der weiter durch den Nachbarbezirk Penzing verläuft. Die Bebauung des Bezirkes weist große Unterschiede auf. So befindet sich in Gürtelnähe ein dicht bebautes, schachbrettartiges Arbeiter- und Angestellten-Wohnviertel, während sich um die Vorortelinie Industriebetriebe und Werkstätten angesiedelt haben. Etwas höher liegt das Villenviertel mit dem Ottakringer Friedhof, darüber eine ausgedehnte Laubwaldzone.
Flächennutzung Der Bezirk besteht zu 36,7 % aus Grünflächen, darunter 22 % Wald. 45,4 % sind Baufläche, 17,9 % Verkehrsflächen, wobei die Hauptverkehrsachse und wichtigste Einkaufsstraße die Thaliastraße ist. Landwirtschaftliche Nutzung gibt es mit insgesamt 1,23 % der Bezirksfläche kaum noch. Der ehemals bedeutende Weinbau ist fast verschwunden. Weingärten befinden sich nur mehr beim Schloss Wilhelminenberg und an der Grenze zu Penzing.
Gewässer Durch den sogenannten „Ottakringer Wald“ fließen einige Bäche, darunter der Moosgraben und der Rosenbach. Beide münden schließlich in Penzing in den Wienfluss. Bei der Otto-König-Warte befindet sich der Jubiläumswarteteich und bei der Savoyenstraße, gegenüber dem Schloss Wilhelminenberg, der, öffentlich nicht zugängliche, Salvatorteich.
Grünflächen mini|Das Kongressbad, das mit dem Kongresspark 1928 eröffnet wurde und nach dem Wiener Kongress benannt ist
Der gesamte Westen des 16. Wiener Gemeindebezirks wird vom sogenannten „Ottakringer Wald“ eingenommen. Er bedeckt weite Teile des Gallitzinbergs. Die zwei bedeutendsten Wiesenflächen im Ottakringer Wald sind die Steinbruchwiese und die Kreuzeichenwiese. An der, durch das Waldgebiet führenden, Johann-Staud-Straße befinden sich die zwei Aussichtswarten Otto-König-Warte und die (auf dem Gallitzinberg befindliche) Jubiläumswarte.
Eine beliebte Parkanlage ist der Yppenpark mit Yppenplatz und Brunnenmarkt in unmittelbarer Umgebung. Eine weitere Parkanlage ist der Kongresspark mit dem daneben befindlichen denkmalgeschützten Freibad Kongressbad.
Bezirksteile Der Gemeindebezirk besteht aus den Katastralgemeinden Ottakring und Neulerchenfeld. Eine weitere Gliederung des Bezirksgebiets besteht in den Zählbezirken der amtlichen Statistik, in denen die Zählsprengel des Gemeindebezirks zusammengefasst sind. Die zehn Zählbezirke in Ottakring sind Neulerchenfeld, Ludo-Hartmann-Platz, Herbststraße-Vorortelinie, Alt-Ottakring, Wilhelminenstraße, Sandleiten, Joachimsthaler-Platz, Wilhelminenspital, Wilhelminenberg und Richard Wagner-Platz.
Im volkstümlichen Verständnis gibt es auch Grätzln mit eigenem Charakter, die sich teilweise auch von den Pfarrsprengeln herleiten (siehe Abschnitt Religionsgemeinschaften).
Wappen rahmenlos|rechts|hochkant=0.5|Bezirkswappen Ottakring
Die vom Betrachter aus gesehen linke (heraldisch rechte) Hälfte des Wappens symbolisiert die ehemalige selbständige Gemeinde Ottakring. Bei den symbolisierten Bergen handelt es sich vermutlich um die drei wichtigsten Erhebungen Ottakrings: Jubiläumswarte, Gallitzinberg und Predigtstuhl. Das Kreuzschild mit Mitra steht hingegen für den ehemaligen Grundherren, das Stift Klosterneuburg. Die rechte (heraldisch linke) Hälfte des Wappens symbolisiert die unklare Namensherleitung der ehemaligen, selbständigen Gemeinde Neulerchenfeld. Ein auf einem Feld stehender Baum (allerdings keine Lärche) mit darüber kreisenden Vögeln (evtl. Lerchen) weist auf die möglichen Ursprünge des Namens hin.
Geschichte mini|Ottakring und Umgebung um 1872 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme) mini|Erste Bezirkskarte von Ottakring, 1892
Der Name Ottakring stammt, so wie viele andere Ortsbezeichnungen in Wien, von den Baiern, die im 8. Jahrhundert die Gegend um Wien besiedelten. Oft existieren in Bayern selbst Orte mit ähnlicher Schreibung, wie etwa Ottaring.{https://www.orte-in-deutschland.de/123402-gemeinde-ottering-vils.html}
In einer Rede äußerte Kaiser Franz Joseph 1888 den Wunsch, Wien mit seinen Vororten zu vereinigen. Daraufhin beschloss der niederösterreichische Landesausschuss im Jahr 1890 die Eingemeindung der Vororte zu Wien. Das Gesetz trat am 1. Jänner 1892 in Kraft. Trotz des Widerstandes gegen die Eingemeindung wurden daraufhin die vorher selbständigen Gemeinden Ottakring und Neulerchenfeld zum 16. Wiener Gemeindebezirk Ottakring vereinigt. Der neue Bezirk beherbergte nun 106.861 Einwohner.
Nach der Eingemeindung verstärkte sich das Wachstum des Gebietes noch mehr. 1910 wohnten in Ottakring bereits 177.687 Menschen. Während der Anteil der Angestellten und Beamten gering war, war der Anteil der Arbeiter extrem hoch. Dies wurde durch die Ansiedlung weiterer Industriebetriebe noch verstärkt. Am 17. September 1911 kam es zu massiven Unruhen aufgrund schlechter Wohnsituation und Preissteigerungen. Erst nach Militäreinsatz mit mehreren Toten konnten diese beendet werden. Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg wurde insbesondere vom boomenden sozialen Wohnbau geprägt. Zwischen 1922 und 1934 wurden in Ottakring 28 Gemeindebauanlagen mit 4517 Wohnungen errichtet, die die prekäre Wohnsituation im Bezirk deutlich milderten. Unter den Neubauten war auch die mit 1587 Wohnungen größte Wohnhausanlage (Sandleitenhof), die die Gemeinde Wien in der Ersten Republik eröffnete. Die Wirtschaftskrise Anfang der 1930er führte jedoch zu großem Elend im Bezirk, zeitweise waren mehr als 50 % der Arbeitswilligen arbeitslos. Der Februaraufstand 1934 führte schließlich auch in Ottakring zu schweren Kämpfen. Der Rückzug der Schutzbündler aus Sandleiten auf Grund der Übermacht von Heimwehr und Militär verschonte zumindest diese Wohnanlage. Heftige Kämpfe gab es jedoch um das Arbeiterheim Ottakring in der Kreitnergasse.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Ottakring zur französischen Besatzungszone. Der Wiederaufbau gestaltete sich schwierig; es gelang aber, schließlich auch die ältesten Teile von Ottakring zu sanieren. Das sogenannte „Negerdörfel“, eine Barackensiedlung, wurde durch den Franz-Novy-Hof ersetzt. Weitere Wohnbauten folgten.
mini|links|Hochhaus Endstation U3 Ottakring
Nach dem Abzug der Besatzungstruppen kam es insgesamt sechsmal zu Änderungen bei den Bezirksgrenzen. 1992 wurde die Grenze zu Hernals geringfügig verschoben.Gesetz über eine geringfügige Änderung der Grenze zwischen dem 16. und 17. Bezirk (LGBl. für Wien 10/1992), ausgegeben am 9. März 1992 1995 erfolgten Grenzänderungen zu Neubau und Rudolfsheim-Fünfhaus,Gesetz über eine Änderung der Grenzen zwischen dem 7., 15. und 16. Bezirk (LGBl. für Wien 15/1995), ausgegeben am 20. März 1995 zu Penzing und Rudolfsheim-FünfhausGesetz über eine Änderung der Grenzen zwischen dem 14., 15. und 16. Bezirk (LGBl. für Wien 19/1995), ausgegeben am 20. März 1995 sowie zu Penzing im Bereich der Johann-Staud-Straße.Gesetz über eine Änderung der Grenze zwischen dem 14. und 16. Bezirk (LGBl. für Wien 69/1995), ausgegeben am 5. Oktober 1995 Die Bezirksgrenze zu Hernals wurde erneut 1998 (im Bereich der Spinozagasse)Gesetz über eine Änderung der Grenzen zwischen dem 16. und 17. Bezirk (LGBl. für Wien 6/1998), ausgegeben am 30. Jänner 1998 und zuletzt 2001 (im Bereich des Kongressparks)Gesetz über eine Änderung der Grenze zwischen dem 16. und 17. Bezirk (LGBl. für Wien 124/2001), ausgegeben am 14. Dezember 2001 verschoben. Bei diesen sechs Grenzänderungen waren im Wesentlichen keine Wohngebiete, sondern Verkehrsbauwerke, Parks und Sportanlagen betroffen.
Im Zuge der Weiterführung der U-Bahn-Linie U3 im Jahr 1998 bis nach Ottakring wurde auch mit einer Revitalisierung der Bereiche um die neue Endstation begonnen. Es entstand Ottakrings markantestes Hochhaus, aufgrund seiner Funktion als Wohnheim für medizinisch Bedienstete auch als „Schwesternturm“ bezeichnet. Die leerstehenden alten Fabrikhallen der Tabakfabrik Ottakring wurden zu einer HTL umgebaut (siehe HTL Wien West) und die lange Zeit unbenutzten Schnellbahnbögen mit Geschäftsräumen belegt. Das Zentrum von Wien ist durch die U-Bahnanbindung in ungefähr 13 Minuten erreichbar.
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung
Bevölkerungsentwicklung Das heutige Bezirksgebiet von Ottakring umfasste 1869 mit den Orten Ottakring und Neulerchenfeld 31.383 Einwohner. Zur Zeit der Eingemeindung hatte Ottakring 1890 mit 106.892 Einwohnern seine Bevölkerungszahl bereits verdreifacht und war das am schnellsten wachsende Gebiet in und um Wien. Das Wachstum bremste sich in der Folge etwas ein, dennoch stieg Ottakring 1900 zum bevölkerungsreichsten Bezirks Wiens auf und hielt diesen Status bis in die 1920er Jahre. Den Einwohnerhöchststand hatte Ottakring 1910 mit 179.045 Einwohnern erreicht. Nach dem Ersten Weltkrieg sank die Einwohnerzahl Ottakrings sukzessive, wobei insbesondere der gesteigerte Wohnraumbedarf eine Rolle spielte. Bis in die 80er Jahre ging die Einwohnerzahl auf rund die Hälfte des einstigen Höchststandes zurück, danach stagnierte die Bevölkerung bei rund 88.000 Einwohnern. Nach einem Tiefststand zur Jahrtausendwende begann die Bezirksbevölkerung im wienweiten Trend wieder zu wachsen. Anfang 2026 lag die Einwohnerzahl bei 101.599 Menschen.
Bevölkerungsstruktur Die Altersstruktur der Bezirksbevölkerung war 2005 leicht jünger als der Wiener Durchschnitt. Die Zahl der Kinder unter 15 Jahren lag mit 14,7 % leicht über dem Bereich Gesamtwiens (14,6 %). Der Anteil der Bevölkerung zwischen 15 und 59 Jahren war mit 64,7 % (Wien: 63,4 %) deutlicher über dem Durchschnitt, während der Anteil der Menschen im Alter von 60 oder mehr Jahren mit 20,6 % (Wien: 22,0 %) deutlich darunter lag. Die Geschlechterverteilung lag im Bezirksgebiet 2001 bei 47,5 % Männern und 52,5 % Frauen, die Anzahl der verheirateten Bevölkerung war mit einem Anteil von 41,5 % gegenüber 41,2 % leicht über dem Durchschnitt Wiens.Statistik Austria (Volkszählung 2001) (PDF; 10 kB) (PDF; 11 kB)MA 5 Wohnbevölkerung nach Altersgruppen und Bezirken 2005
Herkunft und Sprache