Währing ist der 18. Wiener Gemeindebezirk und liegt im Nordwesten Wiens am Rande des Wienerwaldes. 1892 wurden die ehemaligen Vororte Währing, Weinhaus, Gersthof, Pötzleinsdorf, Neustift am Walde und Salmannsdorf eingemeindet und aus ihnen der neue Bezirk gebildet. 1938 wurden die Bezirksteile Neustift am Walde und Salmannsdorf jedoch großteils zum Bezirk Döbling geschlagen. Währing gilt heute auf Grund zahlreicher Villen (beispielsweise Cottageviertel) neben Hietzing und Döbling als bürgerlicher Nobelbezirk. Dennoch weist Währing einen beträchtlichen Anteil von so genannten Gründerzeitquartieren, vor allem nahe dem Gürtel südlich der Gentzgasse, auf („Kreuzgassenviertel“).

Geographie Lage mini|Währinger Gürtel, die Ostgrenze des Gemeindebezirks; im Vordergrund die Gleisverbindung von der Straßenbahn zur U6

Währing liegt im Nordwesten Wiens und dehnt sich auf 6,28 km² über die Abhänge des Wienerwaldes zwischen dem Gürtel und der Höhenstraße aus. Der Bezirk liegt zu beiden Seiten des heute kanalisierten Währinger Bachs, von dessen Ufern steile Anhöhen ansteigen. Die Grenze des Bezirkes Währing verläuft im Norden, zum 19. Bezirk, Döbling, im Wesentlichen entlang der Linie Sommerhaidenweg – Starkfriedgasse – Peter-Jordan-Straße – Hasenauerstraße. Im Osten grenzt Währing an den Bezirk Alsergrund, wobei die Grenze seit 1905 entlang des Wiener Gürtels verläuft (bis dahin verlief sie etwa einen Häuserblock östlich des Gürtels). Die Grenze zum südlich gelegenen 17. Bezirk, Hernals, verläuft vom Gürtel in nordwestlicher Richtung durch verbautes Gebiet und danach oberhalb des Hernalser Friedhofs entlang des sogenannten Alsrückens bis zum Schafberg. Im Westen wird die Grenze zu Hernals im Norden von der Höhenstraße gebildet, im Süden verläuft sie entlang des Michaelerbergs und durch den Michaelerwald.

Geologie Währing ist von zwei Höhenrücken im Norden und Süden begrenzt. Die Gebirgszüge des Schafbergs und des Michaelerbergs sind Nebenzüge des Wienerwaldes und bilden den Gebirgsrand gegen das Wiener Becken. Die Berge Währings bestehen aus mehrfach geschichtetem Sandstein, der sich mit Mergel abwechselt. Die Höhen von Pötzleinsdorf und der Türkenschanze bestehen hingegen aus Sanden, in den tieferen Lagen Währings finden sich Ablagerungen von Tegel, in höheren Lagen meist harte Sande, Gesteine und Geröll. In der Schafberggasse wurde bei Kanalbauarbeiten auch Kalkstein aufgedeckt. Durch die ehemalige Lage an der Tethys finden sich in den Sanden und Ablagerungen des Bezirkes auch verschiedenste Überreste von Meeresbewohnern. In den zahlreichen Sandgruben des Bezirksgebietes wurde jahrhundertelang Baumaterial gewonnen.

Berge mini|Michaelerberg und Schafberg gesehen vom Schwarzenbergpark

Währing wird von zwei langgestreckten Höhenrücken eingeschlossen, die sich von Nordwesten nach Süden erstrecken und das Tal des Währingerbaches bilden. Im Süden liegt der Schafbergzug, der ausgehend vom Schafberg in den Kleinen Schafberg (305 Meter), den Mitterberg und den Ganserlberg übergeht und sich bis über den Gürtel erstreckt. Der großteils mit Wald bedeckte Schafberg ist mit 390 Metern Höhe auch die höchste Erhebung Währings und liegt im Südwesten des Bezirksgebietes an der Grenze zu Hernals. Im Norden wird das Bezirksgebiet von den Ausläufern des Michaelerbergs begrenzt. Der Michaelerberg, an der westlichen Grenze zu Hernals gelegen, ist mit 387 Metern nur unwesentlich niedriger als der Schafberg und ist durch den Michaeler und den Dorotheer Wald praktisch völlig von Wald bedeckt. Die Ausläufer des Michaelerberges gehen in die Pötzleinsdorfer Höhe und die Windmühlhöhe über und erreichen im Südosten schließlich das Plateau der Türkenschanze. Die Ladenburghöhe, die den Pötzleinsdorfer Schlosspark gegen Süden begrenzt, liegt zwischen den beiden Höhenrücken und schließt sich nordöstlich des Schafberges an. Sie trennt den Quellbach der Dürwaring vom nördlich entspringenden Währingerbach.Karl Fenzl: Ein Landschaftsbild des 18. Bezirkes. Die Landschaft und ihre Grundlage. In: Währing. Ein Heimatbuch des 18. Wiener Gemeindebezirkes. Wien 1923

Gewässer Noch im 19. Jahrhundert war das Bezirksgebiet vom Währinger Bach geprägt, der im Pötzleinsdorfer Schlosspark entspringt und Ende des 19. Jahrhunderts vollständig in einen Bachkanal umgewandelt wurde. Der Bach verlief ursprünglich in einem tief eingeschnittenen Tal auf der Linie Pötzleinsdorfer Straße–Gersthofer Straße–Gentzgasse–Aumannplatz und Währinger Straße und mündete im Bezirk Alsergrund in die Als. Mit dem Dürwaringbach hat sich im Bereich des Schafbergbades südlich der Ladenburghöhe ein letzter, offen verlaufender Quellbach des Währinger Baches erhalten.

Flächennutzung Die Baufläche Währings beträgt 53,61 Prozent (Wien-weit 33,32 Prozent), wobei 92,83 Prozent auf Wohnbaugebiet entfallen. Der zweitgrößte Anteil der Bezirksfläche wird von Grünflächen eingenommen: 30,21 Prozent der Bezirksfläche sind von Wäldern (14,42 Prozent), Parkflächen (7,9 Prozent), Wiesen (3,00 Prozent), Kleingärten (2,92 Prozent) und Sportflächen (1,32 Prozent) bedeckt. Der ehemals bedeutende Weinbau spielt keinerlei Rolle mehr, insgesamt werden nur 0,6 Prozent der Bezirksfläche landwirtschaftlich genutzt. Drittwichtigste Nutzungsart auf dem Währinger Bezirksgebiet sind mit 16,2 Prozent der Bezirksfläche Verkehrsflächen, auf Gewässer entfallen lediglich 0,01 Prozent.Magistratsabteilung 5 (MA5): Nutzungsarten nach Bezirken ()

Bezirksteile mini|Altes Ortszentrum von Pötzleinsdorf

Der Bezirk Währing wurde aus sechs ehemals selbstständigen Gemeinden gebildet, wobei Salmannsdorf und Neustift am Walde 1938 an Döbling angegliedert wurden. Bei Währing blieben (von Ost nach West) das namensgebende Währing sowie Weinhaus, Gersthof und Pötzleinsdorf, Orte, die entlang des heute kanalisierten Währinger Bachs liegen. Währing ist im Wesentlichen in vier Katastralgemeinden unterteilt, die grob den Grenzen der ehemaligen Gemeinden entsprechen. Die Katastralgemeinden Währing und Pötzleinsdorf reichen jedoch auch auf das Bezirksgebiet von Döbling, während im Nordwesten Währings ein Teil der Katastralgemeinde Neustift (u. a. Neustifter Friedhof) liegt.

Eine Gliederung des Bezirksgebiets besteht ferner in den Zählbezirken der amtlichen Statistik, in denen die Zählsprengel des Gemeindebezirks zusammengefasst sind. Die fünf Zählbezirke in Währing sind Währinger Cottage, Gentzgasse, Kreuzgasse, Gersthof und Pötzleinsdorf. Die Grenzen der Zählbezirke Gersthof und Pötzleinsdorf stimmen nicht mit jenen der gleichnamigen Katastralgemeinden überein.

Wappen 100px|rechts

Das Wappen von Währing repräsentiert die vier ehemals selbstständigen Gemeinden, aus denen der Bezirk 1892 gebildet wurde. Der zentrale Herzschild zeigt den Heiligen Laurentius, den Schutzheiligen des Bezirksteils Währing. Laurentius trägt eine silberne Alba und eine rote, goldgesäumte Dalmatik. Der Gitterrost in seiner linken Hand symbolisiert sein Martyrium. Der vom Betrachter aus gesehene linke (heraldisch rechte) obere Wappenteil steht für den Bezirksteil Pötzleinsdorf. Er zeigt den Heiligen Ägidius, den Patron der alten Pötzleinsdorfer Kirche. Der rechte Wappenteil zeigt wiederum den Heiligen Johannes Nepomuk, den Kirchenpatron von Gersthof. Nur das Wappen von Weinhaus hat keinen religiösen Hintergrund. Es zeigt zwei Winzer mit einer goldenen Weintraube und steht für den ehemals bedeutenden Weinbau, der Weinhaus zu seinem Namen verhalf.

Geschichte mini|Die Ortschaft Währing um 1850

Nach der Eingemeindung der Vorstädte im Jahr 1850 begann in den 1870er Jahren die Diskussion um die Eingemeindung der Vororte. Die Initiative dazu kam aus Währing. Der Rechtsanwalt Dr. Leopold Florian Meißner richtete eine Petition an den niederösterreichischen Landesausschuss, in dem er die Bildung von „Groß-Wien“ anregte. Fast alle Vororte waren jedoch gegen den Vorschlag.

Bei der Eröffnung des Türkenschanzparks 1888 hielt Kaiser Franz Joseph I., wahrscheinlich auf Vorschlag von Ministerpräsident Eduard Taaffe (siehe Ministerium Taaffe II), eine Aufsehen erregende Rede, in der er die baldige Vereinigung der Vororte mit der Reichshaupt- und Residenzstadt Wien erhoffte. Daraufhin beschloss der niederösterreichische Landtag 1890 die Vereinigung von 34 Vororten mit Wien.Landes-Gesetz- und Verordnungsblatt für das Erzherzogthum Österreich unter der Enns, Nr. 35 / 1890 (= S. 55 ff.) Das Gesetz trat noch im Dezember 1890 in Kraft; bis zum 1. Jänner 1892 war die Vereinigung dieser Vororte mit Wien komplett umzusetzen. Das mit dem Gesetz publizierte Gemeindestatut vereinte Währing, Gersthof, Pötzleinsdorf, Weinhaus, Neustift am Walde und Teile von Salmannsdorf zum 18. Wiener Gemeindebezirk, Währing. Das Währinger Rathaus, dessen ursprünglicher Zweck bis heute an der prominenten Bauform ablesbar ist, wurde zum Magistratischen Bezirksamt.

1905 trat am Gürtel eine kleine Veränderung des Bezirksgebietes ein. Bis dahin war die Grenze zwischen 9. und 18. Bezirk von der Währinger Straße nordwärts nicht am Gürtel, sondern einen Häuserblock weiter östlich durch die Lustkandlgasse verlaufen, so dass die heutige Volksoper zum 18. Bezirk gehörte. Ein Ende 1904 erlassenes Landesgesetz und eine am 7. Juni 1905 publizierte Kundmachung des k.k. niederösterreichischen StatthaltersLandes-Gesetz- und Verordnungsblatt für das Erzherzogtum Österreich unter der Enns, Wien, Nr. 104 / 1905 bewirkten die Verlegung der Bezirksgrenze an die westliche Kante der Stadtbahntrasse.

mini|links|Gentz-Schlössel an der Währinger Straße, 1918

Von 1894 bis 1918 war Anton Baumann Bezirksvorsteher von Währing. 1925 wurde die Wiener Elektrische Stadtbahn im Tarifverbund mit der Straßenbahn in Betrieb genommen (seit 1989 U-Bahn-Linie U6). Währing ist mit der U-Bahn-Station Währinger Straße – Volksoper und mit der U-Bahn-Station Nußdorfer Straße an dieses Verkehrsmittel angebunden, seit 1989 weiters mit der U-Bahn-Station Michelbeuern, wo sich ein Betriebsbahnhof befindet, seit 1925 mit Gleisverbindung zum Straßenbahnnetz.

Am 15. Oktober 1938, nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich, wurden Neustift am Walde sowie Salmannsdorf per Reichsgesetz von Währing abgetrennt und dem 19. Bezirk, Döbling, zugeschlagen.

Währing war auch Zentrum der vom Gersthofer Kaplan und Religionslehrer der Albertus-Magnus-Schule, Heinrich Maier, gegründeten Widerstandsgruppe Maier-Messner-Caldonazzi. Franz Josef Messner, der Generaldirektor der kriegswichtigen Semperit-Werke, wohnte in der Hasenauerstraße 61. Diese katholisch-konservative Gruppe wird „als die vielleicht spektakulärste Einzelgruppe des österreichischen Widerstandes“ bezeichnet.Fritz Molden: Die Feuer in der Nacht. Opfer und Sinn des österreichischen Widerstandes 1938–1945. Amalthea, Wien 1988, S. 122.Franz Loidl: Kaplan Heinrich Maier – ein Opfer des nationalsozialistischen Gewaltsystems in: Herbert Schambeck (Hrsg.): Kirche und Staat. Fritz Eckert zum 65. Geburtstag. Duncker & Humblot, Wien 1976, S. 271–292. Ziel der Gruppe war es, schnellstmöglich das Ende des Schreckensregimes durch eine militärische Niederlage herbeizuführen und die Wiedererrichtung eines freien und demokratischen Österreichs zu realisieren. Die Gruppe übermittelte dazu streng geheime Baupläne der V-2-Rakete bzw. des Tigerpanzers und Lagepläne von geheimen Produktionsanlagen und Rüstungsindustrie an die Alliierten. Die meisten Mitglieder dieser erfolgreichen Widerstandsgruppe wurden hingerichtet.Vgl. u. a. Hansjakob Stehle: Die Spione aus dem Pfarrhaus. In. Die Zeit vom 5. Januar 1996; Urteil des Volksgerichtshof GZ 5H 96/44 u. a., S. 7ff.

Im April 1945 wie ganz Wien von der Roten Armee erobert, befand sich der 18. Bezirk vom 1. September 1945 bis zum 27. Juli 1955 im amerikanischen Sektor Wiens (siehe: Besetztes Nachkriegsösterreich). 1973 führte eine Kontroverse um die geplante Verbauung des Sternwarteparks zum Rücktritt von Bürgermeister Felix Slavik.

mini|links|Station Gersthof vor der Sanierung der Vorortelinie, 1979