Floridsdorf ist der 21. Wiener Gemeindebezirk. Er entstand im Jahr 1904 durch Eingemeindung der Gemeinde Floridsdorf und einiger umliegender Dörfer, von denen manche später in den 22. Bezirk Donaustadt wechselten. Floridsdorf ist nach Fläche der zweitgrößte und der drittbevölkerungsreichste Wiener Gemeindebezirk. Er bildet gemeinsam mit der Donaustadt den links der Donau liegenden Teil Wiens.
Geographie mini|hochkant=1.5|Blick vom Donauturm auf Floridsdorf Berge und Gewässer Im Norden von Floridsdorf dominieren die südlichen Ausläufer des Bisambergs das Relief des Gemeindebezirks. Während sich der Gipfel des Bisambergs () bereits in Niederösterreich befindet, stellt dessen Seitengipfel Falkenberg () den höchsten Punkt Floridsdorfs dar.
Die Donau bildet die südwestliche Bezirksgrenze. Ein Teil der Neuen Donau und ein Abschnitt der Donauinsel liegen in Floridsdorf, während sich die Wasserfläche unmittelbar jenseits der Donauinsel bereits auf Döblinger Bezirksgebiet befindet. Die Wiener Donaubrücken auf Floridsdorfer Gebiet sind – gereiht in Fließrichtung der Donau – die Jedleseer Brücke, die Nordbrücke (zuvor Nordwestbahnbrücke), der Steinitzsteg, die Floridsdorfer Brücke, die Nordbahnbrücke, der Georg-Danzer-Steg und die Brigittenauer Brücke. In Floridsdorf befindet sich ferner das nördlichste Viertel der Alten Donau. 1992 wurde der Marchfeldkanal in Betrieb genommen, der das Bezirksgebiet quert.
Bezirksteile Der Gemeindebezirk besteht aus sieben auf ehemals eigenständige Gemeinden zurückgehenden Bezirksteilen, die – sofern nicht anders angegeben – heute Wiener Katastralgemeinden sind, sowie der Katastralgemeinde Schwarze Lackenau, die keine eigenständige Gemeinde war. Der namensgebende Bezirksteil Floridsdorf ist der flächenmäßig kleinste. Den größten Bezirksteil bildet Stammersdorf im Norden des Bezirks. An Stammersdorf grenzen Strebersdorf sowie Großjedlersdorf, das aus den beiden Katastralgemeinden Großjedlersdorf I und Großjedlersdorf II besteht. Östlich davon, an der Grenze zum 22. Gemeindebezirk, liegen die Leopoldau und Donaufeld. Jedlesee liegt im Westen des Bezirks, weiter donauaufwärts liegt die Katastralgemeinde Schwarze Lackenau. Zusätzlich zu den schon genannten Katastralgemeinden befinden sich in Floridsdorf kleine Teile der Katastralgemeinden (nicht der heutigen Bezirksteile) Kagran und Kaisermühlen, die als Katastralgemeinden zum Großteil, als Bezirksteile zur Gänze im Gemeindebezirk Donaustadt liegen.
Eine weitere, der Allgemeinheit kaum bekannte Gliederung des Bezirksgebiets besteht in den 28 Zählbezirken der amtlichen Statistik, in denen die Zählsprengel des Gemeindebezirks zusammengefasst sind. Obwohl sie gleich oder zumindest annähernd gleich lautende Bezeichnungen wie die entsprechenden Katastralgemeinden führen, weisen die Zählbezirke Donaufeld, Groß-Jedlersdorf, Alt-Jedlesee, Neu-Jedlesee, Leopoldau, Schwarzlackenau, Stammersdorf und Strebersdorf einen sich von jenen jeweils unterscheidenden Grenzverlauf auf. An Siedlungen und Flurnamen orientieren sich die Zählbezirke Hirschfeld, Nordrandsiedlung, Großfeldsiedlung, Schotterfeld, Siedlung Siemensstraße, Jochbergen, Donaufelder Gärtnergebiet, Mühlschüttel, Bruckhaufen und Industriegelände Bahndreieck. An die größte militärische Automobilwerkstätte (Austro-Fiat) der Donaumonarchie erinnert der Zählbezirk Autokader, an das 1911 in Betrieb genommene städtische Gaswerk der Zählbezirk Gaswerk Leopoldau. Die übrigen Floridsdorfer Zählbezirke führen Straßenbezeichnungen im Namen. Es sind dies die Zählbezirke Stammersdorf-Brünner Straße, Leopoldauer Straße-Siemensstraße, Strebersdorf-Pragerstraße, Koloniestraße, Shuttleworthstraße, Floridsdorf-Brünnerstraße, Floridsdorf-Am Spitz und Donaufeld-Leopoldauer Straße.
Wappen mini|197x197px|Wappen von Floridsdorf Auf dem sechsgeteilten Wappenschild wurden die Wappen der früher selbstständigen Gemeinden zusammengeführt:
Floridsdorf: Das Wappen in der Mitte zeigt eine zweihenkelige Vase mit drei roten Blumen an grünen Stielen zwischen acht grünen Blättern auf silbernem Hintergrund. Leopoldau: Das vom Betrachter aus gesehen linke (heraldisch rechte) obere Wappen stellt eine braun bekleideten rechten Arm, fünf goldene Ähren haltend, auf blauem Hintergrund dar. Stammersdorf: Das rechte, obere Wappen zeigt einen Laubbaum und drei Nadelbäume auf einer grünen Wiese, auf silbernem Hintergrund. Jedlesee: Das linke, untere Wappen stellt das golden gekleidete, mit Perlenschnüren und Edelsteinen verzierte, gekrönte Gnadenbild der Jungfrau Maria zu Loretto mit dem Jesuskind, beseitet von den roten Buchstaben M und L für „Maria Loretto“, auf silbernem Hintergrund dar. Strebersdorf: Das rechte, untere Wappen zeigt einen rotbedachten schwarzgeöffneten Turm mit zwei runden Fensteröffnungen und zwei roten Fähnchen mit goldenem Knauf auf dem Dachfirst auf einer grünen Wiese mit blauem Hintergrund. Groß Jedlersdorf: Das mittlere, untere Wappen zeigt zwei gekreuzte zugeschnürte Säcke auf rotem Hintergrund.
Natur mini|hochkant|Bunt-Schwertlilien (Iris variegata) auf den Alten Schanzen Floridsdorf gehört aus floristischer Sicht der Pannonischen Florenprovinz an und lässt sich in vier Naturräume gliedern:
Im Nordwesten erstreckt sich ein Teil des hauptsächlich in Niederösterreich gelegenen Bisambergs in den Bezirk. Dieser Einheit ist zudem das östlich des Bisambergs und nördlich der Stammersdorfer, Dr.-Nekowitsch-, Anton-Böck- und Langenzersdorfer Straße gelegene Areal zuzurechnen. Das Gebiet ist durch Weingärten und Äcker sowie durch Siedlungen mit teilweise noch dörflichem Charakter geprägt. Nördlich von Stammersdorf wurden während des Preußischen Krieges 1866 Schanzen als Verteidigungsanlagen zur Sicherung Wiens gegen die aus dem Marchfeld anrückenden preußischen Truppen errichtet. Heute wachsen auf den ehemaligen, inzwischen unter Naturschutz gestellten Alten Schanzen Halbtrocken- und Trockenrasen und Verbuschungsstadien mit bemerkenswerter Flora und Fauna. Gemeinsam mit dem Bisamberg gehören die Schanzen zu einem Natura-2000-Schutzgebiet.Wolfgang Adler, Alexander Ch. Mrkvicka (Hrsg.): Die Flora Wiens – gestern und heute. Die wildwachsenden Farn- und Blütenpflanzen in der Stadt Wien von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Jahrtausendwende, Wien 2003, S. 71ff, ISBN 978-3-900275-96-9
Der Raum zwischen Donau, Prager Straße und Alter Donau wurde früher durch alljährliche Hochwässer und Altarmsysteme geprägt. Erst die Donauregulierung in den 1870er Jahren erlaubte eine Besiedlung. In der Schwarzlackenau und im Floridsdorfer Aupark sind noch kleine Reste der ehemaligen Pappel-Au vorhanden. Als Gewässer zu nennen sind die Schönungsteiche des Marchfeldkanals sowie die Alte Donau. Im Gebiet treten einige in Wien vom Aussterben bedrohte Arten, wie das Acker- und Steppen-Mannsschild auf.
In Donaufeld herrschen durch die Donaunähe frischere Böden vor und die Landschaft ist teilweise noch durch Gärtnereien und Gemüsekulturen mit interessanter Segetalflora geprägt. Durch den Siedlungsdruck geht die Anzahl der offenen Flächen aber in den letzten Jahren ständig zurück.
Auch im Kernbereich des Bezirks – in Floridsdorf, Jedlersdorf, Leopoldau und Strebersdorf – finden sich neben alten Ortskernen und vielen Neubauten noch Äcker und Brachen. Diese sind wegen ihrer Segetalflora bemerkenswert, unter anderem findet man hier die gefährdeten Arten Acker-Schwarzkümmel und Gelb-Günsel sowie die stark gefährdete Spatzenzunge. Der Marchfeldkanal durchzieht das Gebiet als grünes Band. Aus botanischer Sicht sind die ausgedehnten Bahnanlagen interessant, so treten hier Sand-Mohn und Gedrungen-Ampfer auf.
Geschichte Zur Geschichte der ehemaligen Gemeinde Floridsdorf siehe auch: Floridsdorf (Wiener Bezirksteil). Zur Geschichte von 1906 bis 1958 im Verhältnis zum heutigen Bezirk Donaustadt und zu benachbarten Gemeinden in Niederösterreich siehe auch: Bezirk Floridsdorf-Umgebung
mini|Floridsdorf und seine Umgebung um 1872 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme) mini|Floridsdorf (1912)
Vorzeit und Mittelalter Die ersten Besiedlungen in diesem Gebiet gab es in der Jüngeren Steinzeit (ca. 4000 bis 2000 v. Chr.) Es wurden Steinbeile und Topfreste aus dieser Zeit gefunden und man geht davon aus, dass es Jäger waren, die erstmals in diesem Gebiet siedelten.
In der Gegend von Leopoldau wurden Waffen und Schmuck aus Bronze gefunden, die auf eine Besiedlung hindeuten. Diverse Gegenstände sind im Bezirksmuseum zu besichtigen.
Um 500 v. Chr. kamen Kelten in das Gebiet des heutigen Floridsdorf, verloren aber, als die Römer kamen, wieder ihren Einfluss. Lange Zeit war das Gebiet Niemandsland, eine Pufferzone zwischen Römern und Germanen, und es kam hier auch immer wieder zu Kämpfen zwischen beiden Völkern.
Nach dem Ende der Römerherrschaft zog es Langobarden, Awaren und Slawen in dieses Gebiet. Die Awaren wurden später von Karl dem Großen besiegt und so zogen Bayern in das Land, um wiederum von den Magyaren vertrieben zu werden. Um das Jahr 1000 wurden die Babenberger in diesem Gebiet wieder eingesetzt und es gab 1014 die erste urkundliche Erwähnung des Floridsdorfer Stadtteils Jedlesee, damals Outcinesse (See des Uz) genannt.
Entstehen von Floridsdorf Lange Zeit konnte die Donau nur mit Fähren überquert werden; erst um 1500 wurde die erste Donaubrücke errichtet. An der Stelle der heutigen Floridsdorfer Hauptstraße beim Wasserpark wurde die erste Holzbrücke (Taborbrücke) errichtet, über einen weiteren kleinen Donauarm führte das Kuhbrückl. Dort wurden 1728–1736 Prager und Brünner Straße zu Poststraßen ausgebaut. Diese beiden wichtigen Verbindungen nach Böhmen und Mähren laufen Am Spitz zusammen, der danach benannt ist.Neue Topograph Karte der K. K. Haupt und Residenz Stadt Wien. Mauer, P. N. 1783 Wien und Umgebung Auch heute bildet der Bereich Am Spitz einen zentralen Ort in Floridsdorf, es befindet sich das Amtshaus des 21. Bezirks dort. An dieser Gabelung wuchs die neue Ansiedlung Jedlersdorf am Spitz. 1782 wurden Grundstücke für Siedler zur Verfügung gestellt.Dehio Wien Vororte 1996, S. 631. Eine weitere kleine Siedlung entstand 1786 weiter östlich im Bereich der heutigen Schlosshofer Straße. Propst Floridus Leeb vom Stift Klosterneuburg hatte Liegenschaften des Klosters an 26 Siedlerfamilien abgegeben, im Gegenzug wurde die Siedlung nach ihm benannt. Die beiden Siedlungen wuchsen rasch zusammen und wurden ab 1850 gemeinsam verwaltet (wenn auch erst 1874 formell vereinigt).
mini|Erinnerungsplatte im Bahnhof Wien Floridsdorf Eine Erinnerungsplatte im Bahnhof Wien Floridsdorf zeigt, dass am 23. November 1837 mit der Eröffnung des ersten Teilstückes der Kaiser Ferdinands-Nordbahn zwischen Floridsdorf und Deutsch-Wagram das Eisenbahnzeitalter in Österreich begann. Ab 1841 trug die Nordwestbahn, vorerst nach Stockerau, ebenfalls zur Industrialisierung bei, ab 1886 auch die Dampftramway-Gesellschaft vormals Krauss & Comp. als Vorläuferin der heutigen Straßenbahn.
Durch die Industrialisierung wandelte sich das ursprünglich stark von der Landwirtschaft geprägte Floridsdorf in kurzer Zeit zu einer Industriestadt. Dafür stehen beispielsweise die Vereinigten Chemischen Fabriken, die 1910 aus der Zusammenlegung zweier chemischer Betriebe (ansässig ab ca. 1894) in der Sebastian-Kohl-Gasse entstanden und Arbeitsplätze schufen. Der Gewerbepark wurde ab den neunziger Jahren zu einem Eventareal umgestaltet.
Wesentlich für diese Entwicklung war die Erste Wiener Donauregulierung der 1870er Jahre. Sie band die vorher nur über mehrere nicht hochwassersichere Brücken erreichbare Siedlung Floridsdorf nicht nur stärker an die Stadt Wien, sondern ermöglichte auch durch die Schaffung neuen, hochwassersicheren Baulandes das Wachstum. Das zeigt deutlich ein Vergleich der Situation 1820 – heute auf einer Kartenmontage Kartenmontage Floridsdorf 1820 zur heutigen Situation – von Johann Orth Bezirksmuseum Floridsdorf des ehemaligen Kustoses im Floridsdorfer Bezirksmuseum Johann Orth.
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