zentriert|350px|Eisenbahnattentat während der Märzkämpfe Linksradikale Kräfte entfachen dieMärzkämpfe in Mitteldeutschland. zentriert|168px|Amtseinführung von Warren G. Harding Warren G. Harding wird als Nachfolger von Woodrow Wilson als US-Präsident vereidigt. zentriert|173px|Der neue Grenzverlauf nach dem Polnisch-Sowjetischen Krieg Mit dem Frieden von Riga wird der Polnisch-Sowjetische Krieg offiziell beendet.

Ereignisse Politik und Weltgeschehen

Deutsches Reich/Polen

Auf den Konferenzen in Paris und London werden Anfang des Jahres die Gesamthöhe und Modalitäten der deutschen Reparationszahlungen diskutiert. Reichskanzler Constantin Fehrenbach protestiert mit seinem Außenminister Walter Simons gegen die Politik der Siegermächte. 5. Januar: Anlässlich drohender Streiks erhöht die deutsche Reichsregierung die Bezüge der Eisenbahner um 55 bis 70 %. 8. März: Franzosen und Belgier besetzen die Städte Duisburg und Düsseldorf und sichern sich diese als Pfand für die Zahlung der Reparationen. 19. März: Preußische Polizei wird zur Wiederherstellung der Ordnung in Mansfeld, Hettstedt und Eisleben eingesetzt. Die Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands verlegt deswegen einen ohnehin geplanten Aufstand vor. Die Märzkämpfe in Mitteldeutschland setzen ein. 20. März: Volksabstimmungen infolge des Versailler Vertrags: Die Volksabstimmung in Oberschlesien ergibt überraschend eine Mehrheit von fast 60 % für Deutschland. 30. März: Der populäre kommunistische Obermaschinist und Gewerkschafter Wilhelm Sült wird von Polizeibeamten der Abteilung I A aus einer Vertrauensleuteversammlung heraus „in Schutzhaft genommen“. Zwei Tage später stirbt er an den Folgen einer im Berliner Polizeipräsidium Alexanderplatz erlittenen Schussverletzung. 3. Mai: Beginn des dritten polnischen Korfanty-Aufstandes in Oberschlesien 10. Mai: Joseph Wirth, bis dahin Finanzminister, wird nach dem Rücktritt Constantin Fehrenbachs aufgrund des Londoner Ultimatums in der Reparationsfrage neuer Reichskanzler der Weimarer Republik. 11. Mai: Die deutsche Reichsregierung unter Reichskanzler Joseph Wirth befolgt das unter der Drohung einer Ruhrgebietsbesetzung stehende Londoner Ultimatum der Alliierten vom 5. Mai, das Anlass zum Rücktritt des Kabinetts Fehrenbach war. Die deutschen Reparationen sollen 132 Milliarden Goldmark ausmachen, wie auf der Londoner Konferenz von den Siegern gegen starken deutschen Protest geregelt. 21. Mai: Deutsche Truppen stürmen unter Generalleutnant Karl Hoefer und britischer Aufsicht den von polnischen Aufständischen besetzten Wallfahrtsort St. Annaberg in Oberschlesien. 8. Juni: Der Zeppelin LZ 121 Nordstern macht seine Jungfernfahrt, bevor er an Frankreich ausgeliefert wird. 9. Juni: Karl Gareis, Fraktionsvorsitzender der USPD im bayerischen Landtag, fällt wie zahlreiche andere einem Fememord zum Opfer. 3. Juli: Der Zeppelin LZ 120 Bodensee wird, wie von den Alliierten gefordert, als Reparation an Italien überführt. 29. Juli: Adolf Hitler wird durch Mitgliederversammlung zum Parteivorsitzenden der NSDAP gewählt. Er bekommt diktatorische Macht und propagiert die Durchsetzung politischer Ziele mitunter auch mit Gewalt. 12. August: In Berlin wird nach einem Hilfeaufruf Lenins die KPD-nahe Internationale Arbeiterhilfe gegründet, die in Notlagen aus ihrem Spendenaufkommen Unterstützungen leistet. 25. August: Anstelle des durch den Kongress der Vereinigten Staaten abgelehnten Friedensvertrags von Versailles schließen die USA mit dem Berliner Vertrag einen Separatfrieden mit Deutschland. Wichtigste Folge ist, dass die Reparationsleistungen von den Vereinigten Staaten nicht einseitig gegen Deutschland festgesetzt werden, wie es der Versailler Vertrag vorgesehen hat. Vielmehr wird die Feststellung von Reparationen und Schadensersatz einem bilateralen Schiedsgericht überlassen, der German American Mixed Claims Commission. 26. August: Der Reichsfinanzminister Matthias Erzberger wird bei Bad Griesbach im Schwarzwald von Mitgliedern der rechtsterroristischen Organisation Consul ermordet, nachdem er auf Basis der Dolchstoßlegende als „Novemberverbrecher“ verunglimpft wurde. Die Attentäter Heinrich Tillessen und Heinrich Schulz können mit Hilfe ihres Abteilungschefs Manfred von Killinger nach Ungarn entkommen. Nationale Kreise nehmen den Mord mit Befriedigung zur Kenntnis. Die Rechtspresse entschuldigt den Mord mit dem angeblichen Schaden, den Erzberger dem Vaterland zugefügt habe. 29. August/28. September: Reichspräsident Friedrich Ebert erlässt zwei Republikschutz-Verordnungen als Maßnahmen zur „Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“.

Österreich/Ungarn

26. Januar: Deutsch-Westungarn, das seit über 1000 Jahren die überwiegende Zeit zum Königreich Ungarn gehörte, wird entsprechend dem Vertrag von Saint-Germain als Bundesland Burgenland in die Republik Österreich eingegliedert. Bad Sauerbrunn wird provisorischer Sitz der Landesregierung. Die Landnahme des Burgenlandes scheitert im Lauf des Jahres mehrmals. Ende März: Zu Ostern unternimmt der frühere Kaiser Karl I. von seinem Exil in der Schweiz aus einen Restaurationsversuch im Königreich Ungarn. Er fährt auf Anraten von Oberst Anton Lehár incognito mit dem Auto durch Österreich nach Budapest und fordert Reichsverweser Miklós Horthy zum Rücktritt auf. Erst nach einem Aufenthalt von einer Woche in Szombathely in Westungarn kann er von der Aussichtslosigkeit seiner Bemühungen überzeugt werden und reist zurück in die Schweiz. 24. April: Volksabstimmung in Tirol: 98,5 % Stimmen für den Anschluss an das Deutsche Reich. Die Abstimmung hat jedoch keine Folgen. 29. Mai: Volksabstimmung in Salzburg: 99,5 % Stimmen für den Anschluss an das Deutsche Reich. Die Abstimmung hat jedoch keine Folgen. 4. Oktober: Ungarische Freischärler proklamieren die Republik Lajtabánság. Sie existiert bis zum 5. Dezember. 13. Oktober: Auf Vermittlung Italiens unterzeichnen der österreichische Bundeskanzler Johann Schober und die ungarische Delegation das Protokoll von Venedig.

mini|Zweiter Restaurationsversuch Kaiser Karls in Ungarn; Karl beim Abschreiten der Ehrenkompanie am Bahnhof in Ödenburg am 21. Oktober 20. Oktober: Karl I. unternimmt einen zweiten Restaurationsversuch in Ungarn. Er fliegt mit seiner Familie nach Sopron, wo er von Freischärlertruppen unter Julius von Ostenburg-Morawek erwartet wird. Der Abmarsch nach Budapest verzögert sich jedoch, was Horthy Zeit gibt, ebenfalls Truppen zusammenzuziehen. Nach einem Scharmützel am 23. Oktober, bei dem 19 Soldaten ums Leben kommen, gibt Karl seine Restaurationsversuche auf. Nach einer kurzen Internierung in der Abtei Tihany am Balaton wird er am 1. November mit seiner Frau Zita an Bord des britischen Donauschiffes Glowworm bis zum Schwarzen Meer und dann über Gibraltar auf die portugiesische Insel Madeira gebracht. 6. November: Mit der Entthronung der Habsburger aufgrund eines Parlamentsbeschlusses wird Ungarn zum Königreich ohne König. Dem schon 1920 provisorisch bestellten Reichsverweser Miklós Horthy wächst endgültig die Funktion des Staatsoberhauptes zu. 13. November bis 6. Dezember: Die Landnahme des Burgenlandes durch das österreichische Bundesheer wird abgeschlossen.

mini|links|Britische, französische und italienische Militärs treffen am 14. Dezember 1921 zur Durchführung der Volksabstimmung in Sopron ein 14. bis 16. Dezember: Bei der Volksabstimmung in Sopron/Ödenburg entscheidet sich die Stadt Ödenburg für Ungarn.

Schweiz 1. Januar: Edmund Schulthess wird erneut Bundespräsident der Schweiz. 30. Januar: In der Schweiz wird eine Volksinitiative für obligatorische Referenden bei Staatsverträgen angenommen.

Großbritannien und Irland 3. Januar: In London wird ein Abkommen, das die Rückgabe beziehungsweise Vergütung von britischem Eigentum sicherstellt, das während des Ersten Weltkriegs beschlagnahmt wurde, vom deutschen Botschafter Friedrich Sthamer und dem britischen Außenminister Lord Curzon unterzeichnet.

mini|hochkant|Ein Minister zur beliebigen Verwendung. Die Karikatur von 1921 spielt darauf an, dass Churchill seine Ministerien wechselte „wie andere Leute Hüte“. Den Spiegel haltend: David Lloyd George.

13. Februar: Winston Churchill, bis dahin Kriegsminister, wird britischer Kolonialminister in der Regierung Lloyd George. Er löst damit den amtierenden Alfred Milner, 1. Viscount Milner, ab. 6. Dezember: Unterzeichnung des Anglo-irischen Vertrags in London. Großbritannien gewährt Irland innere Autonomie (Irischer Freistaat), behält aber die Nordprovinz Ulster

Baltikum

4. Januar: Der im Vorjahr gewählte 1. Riigikogu der Republik Estland tritt erstmals zusammen. Die Plenarsitzungen finden zunächst im Weißen Saal des Schlosses auf dem Tallinner Domberg statt. Zum ersten Parlamentspräsidenten wird der ehemalige Ministerpräsident Otto Strandman von der Estnischen Arbeitspartei gewählt. Ihm folgt am 18. November sein Parteikollege Juhan Kukk. 25. Januar: Der Konservative Konstantin Päts bildet eine Koalitionsregierung und löst damit Ants Piip als Ministerpräsident Estlands ab.

Sowjetunion und die Konflikte mit ihren Nachbarn

mini|links|Die Sowjetische Gebirgsrepublik bei ihrer Gründung 20. Januar: Die Sowjetische Gebirgsrepublik wird gegründet. 21. Februar: Die Demokratische Republik Georgien verabschiedet eine Verfassung nach dem Vorbild der Schweiz. Darin ist auch das Frauenwahlrecht verankert. 25. Februar: Sowjetrussland besetzt Georgien und proklamiert die Georgische Sozialistische Sowjetrepublik. Die Regierung unter Noe Schordania flieht aus Tiflis und geht am 18. März ins Exil. 28. Februar: Ein Freundschaftsvertrag zwischen der RSFSR und Afghanistan wird geschlossen, der militärische und politische Abkommen mit Dritten ausschließt. Afghanistan erhält von Sowjetrussland finanzielle und technische Hilfe.

mini|Die Schlachtschiffe Petropawlowsk und Sewastopol im Hafen von Kronstadt (1921) 28. Februar: Matrosen der Schlachtschiffe Petropawlowsk und Sewastopol beschließen die Petropawlowsk-Resolution, woraufhin sich einen Tag später 16.000 Aufständische dem Kronstädter Matrosenaufstand anschließen. 8. bis 16. März: Auf dem X. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion erfolgt die Abkehr vom Kriegskommunismus. Lenin verkündet die Neue Ökonomische Politik. 13. März: In der Äußeren Mongolei wird eine unabhängige Monarchie ausgerufen. Der deutschbaltische Baron Roman von Ungern-Sternberg setzt als nominelles Oberhaupt Bogd Khan ein.

mini|links|Opfer der Niederschlagung des Aufstands (20. März 1921) 18. März: Der Kronstädter Matrosenaufstand in Kronstadt bei Sankt Petersburg wird blutig niedergeschlagen. 18. März: Sowjetrussland und Polen unterzeichnen in Riga einen Friedensvertrag zur Beendigung des Polnisch-Sowjetischen Kriegs. Im Frühjahr führt Alexander Stepanowitsch Antonow die Wehrpflicht in den aufständischen Gebieten des Bauernaufstands von Tambow ein. Daraufhin steigt die Stärke der Rebellenarmee auf 20.000 bis 50.000 Mann. Im Mai wird Michail Tuchatschewski auf Befehl Lenins als militärischer Oberbefehlshaber für die Niederschlagung des Aufstandes nach Tambow beordert. Bis Juni wird Antonows Armee eingekreist und vernichtet. Anfang September operieren nur noch versprengte Gruppen von Aufständischen, die zusammen auf rund 1.000 Bewaffnete geschätzt werden.

mini|hochkant|Delegierte beim III. Weltkongress der Komintern 22. Juni bis 12. Juli: Die Kommunistische Internationale hält ihren III. Weltkongress ab. 11. Juli: Die UdSSR installiert in der Äußeren Mongolei eine Marionettenregierung und bereitet damit die Gründung der Mongolische Volksrepublik vor, die bis 1990 ein Satellitenstaat der Sowjetunion bleibt. 1. September: Von der Sowjetischen Gebirgsrepublik wird das Gebiet der Kabardiner abgetrennt. Es bildet 1922 gemeinsam mit dem Gebiet der Balkaren die Kabardino-Balkarische Autonome Oblast.