zentriert|350px|Französische Truppen beim Verlassen von Dortmund Nach Beendigung der Ruhrbesetzungdurch französische und belgische Truppenverlassen die letzten französischen Soldaten Dortmund. zentriert|168px|Lenins letztes Photo 1923 in Gorki, von mehreren Schlaganfällen gezeichnet Nach Lenins Tod beginnen innerparteiliche Kämpfe um die Macht in der Sowjetunion. zentriert|172px|Fritz Haarmann Der Serienmörder Fritz Haarmann wird zum Tode verurteilt.
Ereignisse Politik und Weltgeschehen Völkerbund
2. Oktober: Der Völkerbund in Genf verabschiedet einstimmig ein Protokoll, das den Angriffskrieg ächtet. Das Genfer Protokoll von 1924 tritt allerdings nie in Kraft, nachdem Großbritannien die Ratifizierung verweigert.
Deutsches Reich
mini|links|Leiche von Heinz Orbis, Polizeiaufnahme vom Tatort 9. Januar: Ein rechtsextremer Trupp unter dem Kommando Edgar Jungs ermordet mit Billigung der bayerischen Regierung in Speyer den pfälzischen Separatisten Heinz-Orbis. Bei diesem Anschlag werden außer Heinz auch der Trierer Separatist Nikolaus Fußhöller und ein Unbeteiligter, der Würzburger Matthias Sand, erschossen. Während die Attentäter fliehen, kommt es zu einem Schusswechsel mit Anhängern von Heinz. Dabei werden zwei der Attentäter, Franz Hellinger und Ferdinand Wiesmann, tödlich verletzt. Die Ermordung von Heinz wird in der Propaganda der politischen Rechten in den nachfolgenden Jahren zu einer heroischen vaterländischen Tat verklärt. Der Bischof von Speyer, Ludwig Sebastian, verweigert Heinz-Orbis am 14. Januar bei seinem Begräbnis eine katholische Trauerfeier, weil Heinz als „Revolutionär gegen die gottgegebene Ordnung“ aufgetreten sei. 15. Januar: Die auf Anweisung Adolf Hitlers von Alfred Rosenberg und Hans Jacob gegründete Großdeutsche Volksgemeinschaft wird als Ersatzorganisation für die nach dem Fehlschlag des Hitlerputsches in München verbotene NSDAP ins Vereinsregister eingetragen. Als Geschäftsführer fungiert Philipp Bouhler. In den ersten Monaten eher unbedeutend, gewinnt die GVG durch den Beitritt von Julius Streicher und Hermann Esser im Frühjahr an Attraktivität für die versprengten NSDAP-Anhänger.
12. Februar: Mit dem Sturm auf das Bezirksamt in Pirmasens endet die separatistische Episode in der Pfalz. Das Gebäude wird zuerst in Brand gesteckt und dann erstürmt. Dabei werden alle dort noch verschanzten Separatisten gelyncht. Es kommen insgesamt 23 Menschen auf beiden Seiten zu Tode, es gibt viele Verletzte 24. Februar: In Magdeburg wird durch eine Initiative aus den drei Parteien der Weimarer Koalition (SPD, Zentrum, DDP) das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold als Organisation aller republiktreuen Frontkämpfer gegründet. Das Reichsbanner soll dem Schutz der Weimarer Republik gegen ihre radikalen Feinde dienen.
mini|links|Passkontrollen in der Umgebung der Infanterieschule (Februar 1924) 26. Februar: Der Hitler-Prozess wegen des gescheiterten Putschversuchs vom 9. November 1923 beginnt im Hauptlesesaal der Infanterieschule mit 368 Zeugen, Korrespondenten aus aller Welt und Hunderten von Zuschauern mit reservierten Sitzen. Zwei Bataillone der Landespolizei riegeln mit Stacheldraht und Spanischen Reitern die Mars- und Blutenburgstraße ab. Die zehn von Staatsanwalt Ludwig Stenglein Angeklagten sind Adolf Hitler, Erich Ludendorff, Heinz Pernet, Friedrich Weber, Hermann Kriebel, Ernst Röhm, Ernst Pöhner, Wilhelm Frick, Wilhelm Brückner und Robert Wagner. Rudolf Heß ist zunächst untergetaucht und stellt sich später dem Gericht, Hermann Göring hat sich ins Ausland abgesetzt. Die Prozessführung durch den Vorsitzenden Richter Georg Neithardt, der den Angeklagten größtes Wohlwollen entgegenbringt, wird bereits von Zeitgenossen als Justizskandal gewertet. Hitler wird in dem Verfahren erlaubt, sich als selbstloser, von edelsten patriotischen Zielen motivierter Politiker zu stilisieren. Dies steigert auch außerhalb Bayerns seine Popularität in antidemokratischen, republikfeindlichen Kreisen und trägt wesentlich dazu bei, dass er sich später als unumstrittener Anführer der Völkischen Bewegung durchsetzen kann. 25 Tage nehmen Zeugenaussagen und Diskussionen in Anspruch, von denen die Öffentlichkeit und die Presse großenteils „aus Gründen der Sicherheit“ ausgeschlossen sind. Am 27. März dürfen die Angeklagten abschließende Erklärungen abgeben. 29. März: Der Freistaat Bayern schließt ein Konkordat mit dem Heiligen Stuhl.
1. April: Das Urteil im Hitler-Prozess wird verkündet. Mit Ausnahme von Ludendorff werden alle Angeklagten für schuldig befunden. Hitler, Weber, Kriebel und Pöhner werden zur Mindeststrafe von fünf Jahren Festungshaft nebst Geldbuße von 200 Goldmark verurteilt. Nach sechs Monaten könne die Strafe wegen guter Führung in Bewährungsfrist umgewandelt werden. Die obligatorische Ausweisung Hitlers nach § 9 Absatz 2 des Republikschutzgesetzes wird unter Verweis darauf, dass Hitler sich als Deutscher betrachte und viereinhalb Jahre im deutschen Heer Kriegsdienst geleistet und sich durch Tapferkeit ausgezeichnet habe, nicht angewandt. 4. Mai: Bei der Reichstagswahl in der Weimarer Republik erringen die republikfeindlichen radikalen Parteien (Kommunisten, Deutschnationale Volkspartei und Nationalsozialisten) starke Gewinne. Dennoch bestätigt Reichspräsident Friedrich Ebert die Regierung von Wilhelm Marx trotz des Ausscheidens der BVP personell unverändert.
mini|links|Erich Ludendorff 1, Oskar Prinz von Preußen 2, Felix Graf von Luckner 3, und Josias von Heeringen während der Feier in Halle 11. Mai: Beim vom Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten dominierten „Deutschen Tag“ in Halle kommt es bei einer von der KPD initiierten Gegendemonstration zu einer Schießerei mit der Polizei, wobei mindestens eine Person ums Leben kommt. 18. Juli: Die KPD gründet den Rotfrontkämpferbund als Gegenorganisation zum Reichsbanner. Führer sind Ernst Thälmann und Willy Leow.
16. August: Auf der Londoner Konferenz werden die unter dem Vorsitz des amerikanischen Finanzexperten Charles G. Dawes ausgearbeiteten Verträge für den Dawes-Plan zur Zahlung der Reparationen durch Deutschland unterschrieben. Diese sollen sich jetzt an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Weimarer Republik orientieren. Zugleich wird eine internationale Anleihe aufgelegt, auf deren Basisdeckung Kredite an die deutsche Wirtschaft vergeben werden können. Die Verträge treten am 1. September in Kraft. Der Dawes-Plan wird vor allem durch Druck aus Amerika und die Politik von Gustav Stresemann möglich und erlaubt es der deutschen Wirtschaft, sich zu erholen. Damit ist Deutschland bis auf weiteres in der Lage, die Reparationen zu zahlen; die Siegermächte wiederum können ihre Kriegskredite an die USA zurückzahlen. Der Dawes-Plan ist einer der ersten außenpolitischen Erfolge Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg und bedeutet die außenpolitische Rückkehr der USA nach Europa. 10./11. Oktober: In Bruchsal findet ein weiterer – von einer Ersatzorganisation der verbotenen NSDAP organisierter – Deutscher Tag statt. Unter den teilnehmenden Gruppen sind verschiedene völkische Organisationen, der Bund Wiking, der Wehrwolf, der Frontkriegerbund sowie der Jugendbund der Mannheimer DNVP. Zu den rund 2000 Teilnehmern zählen die späteren NSDAP-Funktionäre Robert Wagner, Walter Köhler und Franz Moraller. 2. Oktober: Der Liberale Ludwig Landmann von der Deutschen Demokratischen Partei wird in einer Kampfabstimmung gegen seinen Parteikollegen und Amtsinhaber Georg Voigt mit den Stimmen der Sozialdemokraten zum Oberbürgermeister von Frankfurt gewählt. Unter seiner Ägide wird im nächsten Jahr das stadtplanerische Reformprogramm Neues Frankfurt begonnen. Der unterlegene Voigt wird am 22. November Oberbürgermeister von Marburg. Oktober: Die Deutschvölkische Freiheitspartei schließt sich mit den Nationalsozialisten zur Nationalsozialistischen Freiheitspartei zusammen. Der Völkische Block in Bayern schließt sich der NSFB als Landesverband an. Im Herbst überlegt die bayerische Fremdenpolizei, Hitler aus Bayern nach Österreich abzuschieben, falls er vorzeitig aus der Haft entlassen würde. Der österreichische Bundeskanzler Ignaz Seipel will den Putschisten und Unruhestifter nicht wieder in Österreich haben und teilt Bayern mit, Hitler sei durch den Dienst im deutschen Heer Deutscher geworden. Bayern weist zwar nach, dass Österreich in anderen Fällen die österreichische Staatsbürgerschaft deutscher Soldaten anerkannt habe, Seipel beharrt aber auf seiner Rechtsansicht. Hitler bleibt in Deutschland.
mini|Friedrich Ebert im Wahllokal 7. Dezember: Sieben Monate nach der letzten Wahl finden im Deutschen Reich eine neuerliche Reichstagswahl statt. Sie endet im Vergleich mit der Wahl vom Mai mit einer gewissen Stabilisierung der staatstragenden Parteien und bedeuteten eine klare Niederlage für die extreme Rechte und Linke. 20. Dezember: Adolf Hitler wird auf Bewährung aus der Festungshaftanstalt Landsberg am Lech entlassen.
Sowjetunion
1. Januar: Die sowjetische Militärzeitung Krasnaja Swesda wird gegründet. 21. Januar: Nach dem Tod von Wladimir Iljitsch Lenin kommt es in der Sowjetunion zu einem Machtkampf zwischen dem herrschenden Triumvirat, bestehend aus Josef Stalin, Grigori Jewsejewitsch Sinowjew und Lew Borissowitsch Kamenew auf der einen Seite und Leo Trotzki und seinen Anhängern auf der anderen Seite. Dem Triumvirat gelingt es, die Wirkung von Lenins Testament, in dem er die Ablöse Stalins als Generalsekretär der Kommunistischen Partei fordert, zunichtezumachen, indem es nicht allgemein vorgelesen, sondern nur den einzelnen Delegationen zur Kenntnis gebracht wird. Der Machtkampf zwischen Trotzki und Stalin wird vordergründig als Auseinandersetzung zwischen zwei revolutionären Konzepten ausgefochten: Stalin vertritt den „Sozialismus in einem Land“, während Trotzki weiterhin auf die „Weltrevolution“ setzt. 26. Januar: Die Stadt Petrograd wird vom zweiten Räte-Kongress der UdSSR in Leningrad umbenannt. Man will damit den verstorbenen Revolutionär und Staatsgründer Lenin dauerhaft ehren. Das Machtzentrum der Sowjetunion verschiebt sich dennoch immer mehr nach Moskau.
mini|Georgische Rebellen unter dem Kommando von Kakuza Tscholoqaschwili 28. August: Der August-Aufstand in Georgien beginnt. Die letzte größere Rebellion gegen die Herrschaft der Bolschewiki im Südkaukasus wird unter Führung von Stalin und Grigori Konstantinowitsch Ordschonikidse sowie Lawrenti Beria als Chef der Tscheka bis Mitte September niedergeschlagen. Die Führung des aufständischen Damkom wird zwischen dem 29. August und 5. September verhaftet, muss ein Papier unterzeichnen, in dem sie die Idee des Aufstandes widerruft und wird anschließend liquidiert. In den folgenden Wochen werden etwa 7.000 ihrer Anhänger erschossen. Mehrere zehntausend Menschen, darunter ganze Familien, werden nach Sibirien oder Zentralasien verbannt. Einzelne Widerstandskämpfer, wie Kakuza Tscholoqaschwili oder der kachetische Partisanenführer Micheil Laschkaraschwili, können sich ins Ausland retten. 15. September: In Tatarbunary im südlichen Bessarabien beginnt ein von Bolschewisten initiierter pro-sowjetischer Aufstand. Die am Donez gelegene Stadt Jusowka wird in Stalino umbenannt. Es ist die erste Stadt im Rahmen des beginnenden Personenkults um Josef Stalin, die seinen Namen erhält.
Großbritannien
mini|hochkant|Ramsay MacDonald (um 1923)