zentriert|150px|Titelseite des Reichsgesetzblatt Teil I Nr. 100: Nürnberger Gesetze Die Nationalsozialisten erlassen die Nürnberger Rassengesetze. zentriert|190px|Paraguayische Maschinengewehrstellung im Chacokrieg Der Chacokrieg endetmit einem Sieg Paraguaysüber Bolivien. zentriert|350px|Verlauf des „Langen Marsches“ In China geht nach fast einem Jahrder Lange Marsch von Mao Zedongs Roter Armee zu Ende. 1935 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1383/84 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1927/28 (11./12. September) Baha'i-Kalender 91/92 (20./21. März) Bengalischer Solarkalender 1339/40 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2478/79 (südlicher Buddhismus); 2477/78 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 77. (78.) Zyklus Jahr des Holz-Schweins 乙亥 (seit 4. Februar, davor Holz-Hund 甲戌) Chuch’e-Ideologie (Nordkorea) Chuch'e 24 Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1297/98 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4268/69 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1313/14 (um den 21. März) Islamischer Kalender 1353/54 (4./5. April) Japanischer Kalender 昭和 Shōwa 10; Kōki 2595 Jüdischer Kalender 5695/96 (27./28. September) Koptischer Kalender 1651/52 (11./12. September) Malayalam-Kalender 1110/11 Minguo-Kalender (China) Jahr 24 der Republik Seleukidische Ära Babylon: 2245/46 (Jahreswechsel April) Syrien: 2246/47 (Jahreswechsel Oktober) Suriyakati-Kalender (Thai-Solar-Kalender) 2477/78 (1. April) Tibetischer Kalender 1681 Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1991/92 (April)
Im Jahr 1935 beginnt das NS-Regime, den Friedensvertrag von Versailles zu unterhöhlen. Reichsluftfahrtminister Hermann Göring gibt die Gründung der Luftwaffe bekannt; die bis dahin bestehende Reichswehr wird in die Wehrmacht umgewandelt. Zur „Wiedererlangung der Wehrhoheit“ wird die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt; mit dem deutsch-britischen Flottenabkommen, bei dem das britische Parlament mittels Austausch diplomatischer Noten umgangen wird, wird die Stärke der deutschen Marine, die von Reichsmarine in Kriegsmarine umbenannt wird, auf maximal 35 % der Royal Navy festgelegt. Dies ist Teil der Aufrüstung der Wehrmacht.
mini|links|Stimmzettel zur Saarabstimmung am 13. Januar 1935
Nach der Saarabstimmung gibt der Völkerbund mit Wirkung zum 1. März das Saargebiet zurück ans Deutsche Reich, was von der NS-Propaganda als „heim ins Reich“ bezeichnet wird. Das Saarland wird direkt der Reichsführung unterstellt und ein Reichskommissar für die Rückgliederung des Saargebietes eingesetzt.
Innenpolitisch wird die Rassenideologie des NS-Regimes in den Nürnberger Gesetzen legistisch festgeschrieben. Erstmals wird der Begriff „Jude“ gesetzlich definiert; mit dem Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre werden die Eheschließung und Sexualkontakte zwischen Juden und Nichtjuden verboten und unter Strafe gestellt. Dieses Verbot der „Rassenschande“ wird in der Folge mittels Verordnung auch auf „Zigeuner, Neger und ihre Bastarde“ ausgeweitet. Mit dem Reichsbürgergesetz wird Juden überdies auch das Bürgerrecht aberkannt. In diesen Gesetzen und in der Verschärfung des § 175 RStGB, der homosexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellt, zeigt sich auch das nationalsozialistische Frauenbild. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wird das bisher föderalistisch strukturierte Gemeindeverfassungsrecht der deutschen Länder zugunsten einer zentralistischen Regelung abgeschafft.
Italien versucht inzwischen, sein Kolonialreich auszubauen. Nachdem ein erster Versuch, das Kaiserreich Abessinien zu erobern, 1896 scheiterte, erklärt das faschistische Regime unter Benito Mussolini Äthiopien neuerlich den Krieg. Grundlage dafür ist das Französisch-Italienische Abkommen, in dem die beiden Kolonialmächte ihre Einflusssphären in Afrika abgrenzen.
In China kommt es während des Bürgerkriegs auf der Konferenz von Zunyi zum Machtkampf innerhalb der Kommunistischen Partei, den Mao Zedong für sich entscheidet, dessen „Langer Marsch“ nach einem Jahr in Yan’an endet.
In Thailand dankt König Rama VII. aus Protest gegen die seiner Ansicht nach undemokratischen Handlungen der Regierung ab und wird von seinem neunjährigen Neffen Rama VIII. gefolgt. Die Philippinen werden von der Kolonialmacht USA als Commonwealth in die Unabhängigkeit entlassen. In Südamerika endet der Chacokrieg, infolgedessen der Sieger Paraguay sein Staatsgebiet mit dem Gewinn des Gran Chaco auf Kosten Boliviens fast verdoppelt.
Im Bereich der Wissenschaften bringt der österreichische Nobelpreisträger Erwin Schrödinger zur Demonstration der Unvollständigkeit der Quantenmechanik eine Katze mittels Gedankenexperiment in den gleichzeitigen Zustand von Leben und Tod. In Amerika wird erstmals ein Lügendetektor getestet und Wallace Hume Carothers erhält ein Patent auf das von ihm entwickelte Nylon.
Der US-amerikanische Leichtathlet Jesse Owens stellt innerhalb von 45 Minuten in Ann Arbor, Michigan, fünf neue Weltrekorde auf, einen weiteren egalisiert er. Dies wird als Höhepunkt des Sportjahres rezipiert.
Ereignisse Politik und Weltgeschehen
Deutsches Reich
1. Januar: Der Stadtkreis Duisburg-Hamborn wird in Duisburg umbenannt. 1. Januar: Stichtag für den Einheitswert (in den später so genannten neuen Länder bis 2024 maßgeblich, in den westdeutschen Ländern 1973 durch den Stichtag 1. Januar 1964 abgelöst)
mini|links|Jubel bei der Rückkehr der Berliner Abstimmungsberechtigten nach Berlin 13. Januar: Bei der im Friedensvertrag von Versailles vorgesehenen und vom Völkerbund durchgeführten Volksabstimmung im Saargebiet sind 90,8 % für die Rückgliederung an das Deutsche Reich, 8,8 % für die Selbständigkeit des Saargebietes und 0,4 % für den Anschluss an Frankreich. Nach dem deutlichen Mehrheitsergebnis fliehen vier- bis achttausend Hitlergegner nach Frankreich oder in andere Länder. Das Saargebiet gehört ab dem 1. März wieder uneingeschränkt zum Deutschen Reich. Es wird aber nicht wieder an Preußen oder Bayern zurückgegliedert, sondern bleibt als politische Einheit unter dem neuen Namen Saarland erhalten und wird durch Josef Bürckel ab dem 11. Februar zunächst als Reichskommissar in Saarbrücken verwaltet. 24. Januar: 'Drittes Gesetz zur Überleitung der Rechtspflege auf das Reich'§ 1: "Mit dem 1. April 1935 werden die Justizbehörden der Länder Reichsbehörden, die Justizbeamten der Länder unmittelbare Reichsbeamte; die Angestellten und Arbeiter der Landesjustizbehörden treten in den Dienst des Reichs". des Dritten Gesetzes zur Überleitung der Rechtspflege auf das Reich. Im Reichsgesetzblatt, Teil I Nr. 7 vom 30. Januar 1935, S. 68., Digitalisat. 30. Januar: Die reichseinheitlich konzipierte Deutsche Gemeindeordnung führt auf kommunaler Ebene das Führerprinzip ein. Demokratische Elemente wie die Bürgermeisterwahl oder Abstimmungen im Ratsgremium werden abgeschafft, die maßgebliche Stellung der NSDAP fest verankert. 1. März: Reichsluftfahrtminister Hermann Göring gibt die Existenz einer deutschen Luftwaffe bekannt. Am 14. März wird das erste Geschwader, das Jagdgeschwader Richthofen, aufgestellt. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich noch 90 Prozent aller Flieger in Ausbildung. 16. März: Mit dem „Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht“ wird die Allgemeine Wehrpflicht in Deutschland wiedereingeführt und eine Aufrüstung der deutschen Streitkräfte auf 550.000 Mann beschlossen. 19. Mai: Das erste Teilstück der Reichsautobahn zwischen Frankfurt am Main und Darmstadt wird eröffnet. 1. Juni: Die deutsche Reichsmarine wird in Kriegsmarine umbenannt. Oberbefehlshaber ist Erich Raeder. 18. Juni: Das deutsch-britische Flottenabkommen wird unterzeichnet. Darin gestattet die britische Regierung der deutschen, ihre Marine auf 35 % gemessen an der britischen Stärke auszubauen. Dieses Abkommen, das durch die Methode des diplomatischen Notenaustausches das britische Parlament umgeht, ersetzt de facto die entsprechenden Bestimmungen des Versailler Vertrages. 25. Juni: Der „Führer des NSDStB“, Albert Derichsweiler erlässt Richtlinien für die weltanschauliche Schulung in den Korporationen. 26. Juni: Mit dem Gesetz für den Reichsarbeitsdienst wird für Männer und Frauen zwischen 18 und 25 die halbjährige Reichsarbeitsdienstpflicht eingeführt. Der Reichsarbeitsdienst wird dem Reichsinnenminister unterstellt; die Befehlsgewalt liegt beim Reichsarbeitsführer Konstantin Hierl. 7. Juli: Reichsjugendführer Baldur von Schirach verbietet Angehörigen der Hitlerjugend die Mitgliedschaft in einer studentischen Verbindung. Auslöser ist die „Verächtlichmachung des Führers“ beim Spargelessen durch das Heidelberger Corps Saxo Borussia. ab dem 15. Juli: Beim Kurfürstendamm-Krawall von 1935 kommt es über mehrere Tage zu antisemitischen Übergriffen, die der nationalsozialistischen Regierung wegen ihrer negativen außenpolitischen Wirkung nicht genehm sind und nach Intervention von Joseph Goebbels als Gauleiter von Berlin zur Ablösung des Berliner Polizeipräsidenten Magnus von Levetzow führen. 8. August: Das deutsche Reichsinnenministerium löst alle Freimaurerlogen auf und zieht deren Vermögen ein 1. September: Der verschärfte Paragraf 175, der sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellt, tritt in Kraft. Er bleibt in dieser Fassung bis 1969 bestehen.
15. September: Mit der Verabschiedung der Nürnberger Rassengesetze – bestehend aus dem Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre und dem Reichsbürgergesetz – auf dem 7. Reichsparteitag institutionalisieren die Nationalsozialisten ihre antisemitische Ideologie auf juristischer Grundlage. 15. September: Die Hakenkreuzflagge wird mit dem Reichsflaggengesetz als einzig gültige Nationalflagge für das Deutsche Reich bestimmt. Im Zuge dessen wird am 7. November auch eine neue Kriegsflagge eingeführt, die von der Gestaltung her wieder an die kaiserliche Kriegsflagge angelehnt ist. Der Entwurf für die neue Flagge stammt offenbar von Adolf Hitler selbst. 12. Dezember: Auf Veranlassung Heinrich Himmlers wird der Verein Lebensborn zur Umsetzung der nationalsozialistischen Rassenhygiene gegründet.
Tschechoslowakei
16. Mai: Die Sowjetunion und die Tschechoslowakei schließen ein Beistandsabkommen, das dem Muster des gleichartigen Vertrags zwischen der UdSSR und Frankreich zwei Wochen zuvor folgt.Vertrag über gegenseitigen Beistand zwischen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und der Tschechoslowakischen Republik Mai: Bei den Parlamentswahlen wird die Sudetendeutsche Partei von Konrad Henlein zur stimmenstärksten Partei.
Frankreich
17. März: Das loi Painlevé (ein Gesetz aus dem Jahr 1928) wird geändert: Die Dauer der Wehrpflicht (bis dahin 1 Jahr) wird angesichts besonderer Umstände bis 1939 auf zwei Jahre festgelegt. 11. bis 14. April: Auf der Konferenz von Stresa in Norditalien finden sich Großbritannien, Frankreich und Italien zu der Stresa-Konferenz zusammen und verpflichten sich, allen weiteren Vertragsbrüchen Deutschlands gemeinsam entgegenzutreten. Großbritannien verstößt schon nach zwei Monaten dagegen, indem es am 18. Juni das deutsch-britische Flottenabkommen abschließt. 2. Mai: Frankreich schließt einen Beistandsvertrag mit der Sowjetunion. 5./12. Mai: Kommunalwahlen 31. Mai: Ministerpräsident Pierre-Étienne Flandin wird durch Misstrauensvotum gestürzt. Parlamentspräsident Fernand Bouisson wird interimistisch sein Nachfolger; dann 7. Juni: Pierre Laval wird zum zweiten Mal Ministerpräsident. Seine Regierung (sie besteht 229 Tage) erhält umfassende Vollmachten, um den Franc zu verteidigen und gegen Spekulationen vorzugehen. 14. Juli (Nationalfeiertag): Die Front Populaire organisiert in Paris eine riesige Massenkundgebung (Motto: « pain, paix et liberté » (Brot, Frieden und Freiheit)) 15. September: In Paris startet Radio Cité den Sendebetrieb.Radio Coité - histoire