Pink Floyd war eine 1965 gegründete englische Rockband. Mit ihrer Musik und der visuellen Gestaltung ihrer Schallplatten und Bühnenauftritte schuf sie einen neuartigen Stil. Der Name geht auf die Vornamen der Bluesmusiker Pink Anderson und Floyd Council zurück.
Die Gruppe verkaufte über 300 Millionen Tonträger und gehört damit zu den erfolgreichsten Bands aller Zeiten. Das Konzeptalbum The Dark Side of the Moon (1973) ist das weltweit zweitmeistverkaufte Album und das Konzeptalbum The Wall (1979) das meistverkaufte Doppelalbum.
Unter der Leitung des ersten Sängers und Gitarristen Syd Barrett gehörte die Band zunächst zur britischen Bewegung des Psychedelic Rock. Barrett begann zunehmend unter durch Drogenkonsum verursachten psychischen Problemen zu leiden und musste die Band 1968 verlassen. Danach entwickelte die Gruppe in der Besetzung Roger Waters, David Gilmour, Richard Wright und Nick Mason einen eigenständigen Stil mit Einflüssen aus Progressive Rock, Blues, Jazz sowie klassischer und Neuer Musik. Der Schlagzeuger Mason ist das einzige Gruppenmitglied, das an sämtlichen Alben der Band mitgewirkt hat. Die Texte, die von 1973 (The Dark Side of the Moon) bis 1983 (The Final Cut) komplett von Waters, der 1985 die Band verließ, geschrieben wurden, setzen sich oft kritisch mit sozialen und politischen Themen auseinander.
Geschichte Vorgeschichte Die Wurzeln der Band gehen zurück auf die Schulzeit von Syd Barrett, Roger Waters und David Gilmour in Cambridge. Barrett und Waters besuchten das Hills Road Sixth Form College, Gilmour die Perse School in derselben Straße. 1963 ging Barrett nach London. Gilmour gründete die Band Joker’s WildNicholas Schaffner: Pink Floyd. Vom Underground zur Supergroup. Heyne, München 1994, ISBN 3-453-07526-9, S. 49–51. und zog ab 1966 mit einer weiteren Band relativ erfolglos durch Spanien und Frankreich.
Die Ära Syd Barrett: 1965 bis 1968 mini|Syd Barrett 1964 kam Roger Waters nach London und lernte bei seinem Architekturstudium an der Polytechnischen Hochschule den Schlagzeuger Nick Mason und den Pianisten und Organisten Richard „Rick“ Wright kennen. Sie gründeten die Coverband Sigma 6 und interpretierten aktuelle Blues- und Beatsongs. Mitglieder der sich zunächst als Rhythm-and-Blues-Band verstehenden Gruppe waren auch die Sängerin und spätere Ehefrau von Rick Wright, Juliette Gale, der Bassist Clive Metcalf und der Sänger Keith Noble.Nicholas Schaffner: Pink Floyd. Vom Underground zur Supergroup. Heyne, München 1992, S. 34 f. Sie änderten den Namen in The Tea Set, und Gitarrist Bob Klose kam hinzu.
1965 trat der exzentrische Kunststudent Syd Barrett als Sänger und Gitarrist der Band bei. Gale, Metcalf und Noble traten bald darauf aus, und Waters stieg von Gitarre auf E-Bass um. Barrett gab der Band den Namen The Pink Floyd Sound, abgeleitet von den Vornamen seiner beiden Lieblings-Bluesmusiker Pink Anderson und Floyd Council. Nach Aufnahme der Demos Lucy Leave und I’m a King Bee verließ auch Bob Klose die Gruppe.The complete guide to the music of Pink Floyd. ISBN 0-7119-4301-X. Der Name wurde auf The Pink Floyd und 1967 ab der zweiten Single schließlich zu Pink Floyd verkürzt.Nicholas Schaffner: Pink Floyd. Vom Underground zur Supergroup. Heyne, München 1994, ISBN 3-453-07526-9, S. 53–59.
Ab 1966 spielte Pink Floyd im Londoner Untergrundclub UFO und wurde dort zur Hausband. Die ersten Erwähnungen der sich unter Barrett zur führenden Londoner Underground-Band entwickelnden Gruppe in der Presse erfolgten in der Untergrundzeitung International Times sowie in der Sunday Times im Oktober 1966; in beiden Artikeln wurde über ihren Auftritt im Londoner Roundhouse berichtet.Vernon Fitch: Pink Floyd – The Press Report. Collector’s Guide Publishing, Ontario, ISBN 1-896522-72-6, S. 9.
Am 10. März 1967 veröffentlichte Pink Floyd ihre erste Single Arnold Layne bei EMI. Ein Londoner Rundfunksender verweigerte die Ausstrahlung, weil sie von einem Unterwäsche stehlenden Transvestiten handelt. Die Quellen sind sich uneins darüber, ob es der Piratensender Wonderful Radio LondonVernon Fitch: The Pink Floyd Encyclopedia. Collector’s Guide Publ., New York 2005, ISBN 1-894959-24-8Nicholas Schaffner: Saucerful of Secrets – The Pink Floyd Odyssey. ISBN 0-385-30684-9. oder BBC Radio London gewesen ist. Am 16. Juni desselben Jahres erschien ihre zweite Single mit dem gleichnamigen Top-Ten-Erfolg See Emily Play.
Die Band experimentierte früh mit einem Multimedia-Konzept.Wieland Harms: Wish You Were Here. In: Wieland Harms: The Unplugged Guitar Book. 20 der schönsten Songs für Akustikgitarre. Gerig Music, ISBN 3-87252-249-3, S. 34–39, hier: S. 34. Barrett war prägend für die frühen Jahre von Pink Floyd,June Bolan: „Er schrieb wundervolle Songs; die Texte waren einfach phantastisch. […] Er war damals der eigentliche kreative Kopf der Gruppe. Wenn er zuhause an einem Song arbeitete, überlegte er sich, was der Drummer spielen, wie der Baß klingen sollte. Er spielte sowohl Rhythmus- als auch Leadgitarre. Bei den Proben ging er zu Nick und sagte: ‚Das musst du so und so spielen‘, und so wurde es dann auch gemacht.“ (Nicholas Schaffner: Pink Floyd. Vom Underground zur Supergroup. Heyne, München 1994, ISBN 3-453-07526-9, S. 68) gab die psychedelische Richtung vor und schrieb fast alle Stücke für das erste Album The Piper at the Gates of Dawn sowie für die ersten drei Singles.Andrew King: „Barrett war bei der Arbeit am Album hundertprozentig kreativ und sehr hart zu sich selbst. Sein Perfektionismus erstreckte sich sogar auf den damals normalerweise stumpfsinnigen Mischprozess, wo er die Regler am Pult offenbar nach Gutdünken rauf und runter schob.“ (Nicholas Schaffner: The British Invasion. McGraw-Hill, New York 1982, ISBN 0-07-055089-1, S. 143) Mit wachsender Popularität der Band verschlechterte sich seine psychische Verfassung allmählich, verstärkt durch maßlosen Drogenkonsum, was die Zusammenarbeit mit ihm zunehmend erschwerte. Teilweise stand Barrett nur noch regungslos auf der Bühne, statt zu spielen.
So kam es, dass Barretts Schulfreund David Gilmour, dessen eigene Gruppe sich gerade auflöste, Anfang 1968 von Roger Waters als fünftes Mitglied aufgenommen wurde; es gibt Fotos, die alle fünf Musiker gemeinsam zeigen. Gilmour sollte Barrett bei Live-Auftritten zunächst nur unterstützen, ersetzte ihn aber ganz. Im März 1968 wurde entschieden, ohne Barrett weiterzumachen. Auf dem zweiten Album A Saucerful of Secrets ist nur noch eine Komposition von Barrett enthalten (Jugband Blues). Seine restlichen Stücke aus dieser Zeit wurden 1970 auf zwei Soloalben Barretts eingespielt, zum Teil unter Mitwirkung von Pink-Floyd-Mitgliedern, sowie in der Box The Early Years 2017 veröffentlicht. Die Auseinandersetzung der restlichen Gruppe mit dem Abgang Barretts und seiner psychischen Erkrankung wurde im späteren Werk der Gruppe – und besonders auf dem Album Wish You Were Here – thematisiert.
Ausprägung eines neuen Stils: 1968 bis 1972 mini|hochkant=1.5|Roger Waters, Nick Mason, David Gilmour und Richard Wright im Jahr 1971. Auftritte der Gruppe, vor allem im Londoner UFO-Club, weckten auch das Interesse von Filmregisseuren. Die Band erhielt mehrere Aufträge zur Mitwirkung an Soundtracks, so bei Zabriskie Point und More. More erschien als Vinyl 1969 etwa zeitgleich mit Ummagumma, das als Doppelalbum eine Studioplatte, die je zu einem Viertel von jedem Bandmitglied stammt, und einen Live-Teil umfasst. Neben dem dort veröffentlichten Live-Programm wurde auch eine Konzeptshow namens The Man and The Journey interpretiert, die vorhandene Stücke sowie Neukompositionen enthielt. Im ersten Teil (The Man) geht es um einen Tagesablauf, im zweiten (The Journey) um eine innere Reise.
Die Phase der künstlerischen Neuorientierung setzte sich mit dem nächsten Werk fort. Atom Heart Mother von 1970 war das erste Pink-Floyd-Album, das in Großbritannien den ersten Platz der Albumcharts erreichte. Neben drei Songs, die vom Folk beeinflusst sind, enthält es die 23-minütige Suite Atom Heart Mother, bei der ein Orchester und ein teilweise experimentell eingebrachter Chor zum Einsatz kamen, sowie die 13-minütige Soundcollage Alan’s Psychedelic Breakfast.
Der Nachfolger Meddle (1971) belegte Platz 3. Die zweite Seite der Schallplatte füllt das 23 Minuten lange Echoes aus, das als wegweisend für die anschließende Entwicklung der Band gilt. In den USA blieb der Erfolg zunächst aus – über Platz 55 kam man dort trotz gut besuchter und umfangreicher Tourneen nicht hinaus. Einen Achtungserfolg brachte dort aber der Filmsoundtrack Obscured by Clouds ein, das als erstes ihrer Alben in die amerikanischen Top 50 einstieg.
Im Jahr 1972 begann Pink Floyd die Arbeit an ihrem erfolgreichsten Album The Dark Side of the Moon. Dafür arbeiteten sie sowohl im Studio als auch auf Konzerten im Zuge der zweijährigen The Dark Side of the Moon Tour. Dort spielten, verfeinerten und ersetzten sie nach und nach die Stücke. Dieses Konzept wurde auf ihren Konzerten bis 1975 genutzt.
Weltweite Erfolge: 1973 bis 1975 In den folgenden Jahren wurde Pink Floyd zu einer der erfolgreichsten Rockbands weltweit. Dabei entwickelte sich Roger Waters immer mehr zum Bandleader und hauptsächlichen Songwriter. Ab 1973 schrieb er – bis zu seinem Ausstieg 1985 – sämtliche Songtexte der Band, und auch sein Einfluss auf die Musik wuchs. Auf seinen Ideen basierte das erste Konzeptalbum der Gruppe, The Dark Side of the Moon, das im März 1973 mit Kompositionen aller vier Mitglieder erschien. Von der Kritik zunächst verhalten aufgenommen, avancierte es zu einem Klassiker der Rockmusik. Es war die erste Veröffentlichung der Band, die auch in den USA durchschlagenden Erfolg hatte, dokumentiert durch Platz 1 in den Charts. Im Pop Poll des Jahres 1973 der britischen Musikzeitschrift Melody Maker gewann The Dark Side of the Moon die britische Wertung in der Kategorie Album.
Das Album, das vom Leitmotiv „Wahnsinn“ geprägt war, hielt sich von 1973 bis 1988 740 Wochen in den amerikanischen Billboard-Charts – bis heute ein unübertroffener Rekord (diese Charts umfassen die Top 200-Alben und berücksichtigen nicht nur Verkäufe, sondern auch Radioeinsätze). Als das Album 1983 auf CD erschien, gab es wiederum einen Kaufanstieg, bis das Werk allmählich aus den Billboard-Charts verschwand.Nicholas Schaffner: Pink Floyd. Vom Underground zur Supergroup. 2. Auflage. Hannibal, Höfen 2005, ISBN 3-85445-248-9, S. 209–210.
1974 war die Gruppe für ihre Verhältnisse nur sehr kurz auf Tour. Lediglich einige Konzerte im Juli in Frankreich und eine Tournee im November und Dezember in Großbritannien fanden statt, was dem Erfolg von The Dark Side of the Moon geschuldet war. Auf diesen Tourneen erarbeiteten sie die Stücke Shine On You Crazy Diamond, Raving and Drooling, das auf dem Album Animals zu Sheep wurde, sowie You've Gotta Be Crazy, das auf dem gleichen Album zu Dogs wurde. Außerdem arbeiteten sie an neuem Material, sie versuchten, nur mit Haushaltsgegenständen ein vollständiges Album zu produzieren. Das unter dem Arbeitstitel Household Objects bekanntgewordene Projekt scheiterte allerdings an dem erforderlichen Arbeitsaufwand, der durch den Ehrgeiz der Gruppe auf ein unerreichbares Niveau gehoben wurde.