Schrobenhausen ist eine Stadt im oberbayerischen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Sie ist ein Mittelzentrum in der Planungsregion Augsburg.
mini|Das Neue Rathaus am Stadtplatz mit der Jakobskirche im Hintergrund mini|hochkant|Blick vom Lenbachplatz zum Turm der Jakobskirche mini|Karpfenturm – Teil des Stadtwalls von Schrobenhausen mini|Regensburger Straße um 1900
Geographie Lage Schrobenhausen liegt im nördlichen Oberbayern an der Mündung der Weilach in die Paar im tertiären Hügelland. Die nächsten Oberzentren befinden sich im rund 40 km entfernten Ingolstadt und 39 km entfernten Augsburg. Die Landeshauptstadt München liegt rund 50 km entfernt.
Gemeindeteile Es gibt 21 Gemeindeteile, die sich auf sechs Gemarkungen verteilen. Die Gemarkungen entsprechen in ihrer räumlichen Ausdehnung früheren Gemeinden, die von 1971 bis 1978 eingemeindet wurden.
+ Gemarkung Schrobenhausen Steingriff Sandizell Hörzhausen Mühlried Edelshausen Schrobenhausen Steingriff Gut Weil Sommerau Sandizell Gollingkreut Kreuthof Öd Hörzhausen Halsbach Mantelberg Mühlried Altenfurt Aumühle Högenau Königslachen Ried Rinderhof Sandhof Weil Edelshausen Gaishof Linden
mini|hochkant|Lenbachplatz im Stadtzentrum
Geschichte Frühgeschichte und Mittelalter Um 790 n. Chr. wird die Schrobenhausen erstmals in einer Urkunde namentlich als „Scropinhusun“ genannt, als ein Adeliger seinen örtlichen Landbesitz der Domkirche von Freising schenkt. Einige Jahrzehnte später ist es schon eine kleinere Ansiedlung, zum Ende des 9. Jahrhunderts wird eine Kirche erwähnt.
1310 tritt Schrobenhausen in einem Teilungsvertrag zum ersten Mal als Markt in Erscheinung, was auf die zentrale Funktion des Ortes hindeutet. Um 1388 wird es durch den Städtekrieg weitgehend zerstört.
Mit Unterstützung von Herzog Ludwig dem Bärtigen wurde der Markt Schrobenhausen am Anfang des 15. Jahrhunderts erweitert und mit einer Mauer befestigt, die noch immer gut erhalten ist. Zudem wurden neue Kirchen gebaut, darunter die heutige Stadtpfarrkirche St. Jakob. Die Stadtmauer half den Bewohnern, sich in Kriegen gegen Feinde zu verteidigen und in Verhandlungen einzutreten. So konnte Schrobenhausen in der frühen Neuzeit weitgehend vor Zerstörung und Plünderung verschont bleiben.
Ab 1421 befand sich im Ort ein Landgericht. 1447 wurde Schrobenhausen in einer Urkunde Herzog Heinrichs des Reichen erstmals als Stadt bezeichnet.
Weitere Entwicklung mini|Schrobenhausen im 17. Jahrhundert (Stich von Matthäus Merian) Schrobenhausen wurde auf Grund seiner Lage an der wichtigen Straße zwischen den Reichsstädten Augsburg und Regensburg häufig durch Kriegsheere in Mitleidenschaft gezogen, beispielsweise im Schmalkaldischen Krieg 1546, als mehrere zehntausend Landsknechte durch die Gegend zogen.Berndt Herrmann: Von Petinmoos zu Pöttmes. In: Donaukurier. 17. April 2008 (donaukurier.de). Im Dreißigjährigen Krieg lag das Gebiet 1632 und 1633 mehrere Monate lang im Frontgebiet zwischen dem schwedischen Heer und dem kaiserlichen Heer des Generals Wallenstein.Chronik der Gemeinde Langenmosen, besucht am 28. April 2009. Zuletzt zogen 1799 im Zweiten Koalitionskrieg die Reste einer russischen Armee unter Alexander Suworow durch Schrobenhausen. mini|Schrobenhausen im Jahr 1812 Schrobenhausen kam bei der Neueinteilung des Königreichs Bayern nach Verwaltungsbezirken im Jahr 1808 zum Lechkreis, 1810 zum Isarkreis, 1817 zum Oberdonaukreis und 1837 schließlich zu Oberbayern. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden in Schrobenhausen Unternehmen der Papier- und Metallverarbeitung. Am 1. März 1868 wurde der Kreditverein Schrobenhausen gegründet.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde in Schrobenhausen das Sprengstoff-Vorprodukt Pentaerythrit von der Paraxol GmbH hergestellt. Das Werk wurde von 1938 bis 1942 erbaut und trug den Tarnnamen „Hiag“ (kurz für Holzverkohlungs-Industrie AG). Für die Errichtung waren 800 Bauarbeiter im Einsatz, im Werk waren 210 Mitarbeiter beschäftigt. Am 1. Oktober 1942 begann die Produktion. Etwa Dreiviertel der Beschäftigten in der Produktion waren Zwangsarbeiter aus Frankreich, Italien und der Ukraine. Zwangsarbeiter wurden auch bei einer Flachsröste eingesetzt.
In Schrobenhausen befand sich darüber hinaus während des Krieges ein Reservelazarett der Wehrmacht, in dem unter anderem Hans Scholl, Widerstandskämpfer der Weißen Rose, im Frühjahr 1942 ein mehrwöchiges Praktikum im Rahmen seines Medizinstudiums ableistete.
Die bis zum Kriegsende weitgehend unversehrt gebliebene Stadt wurde schließlich am 27. April 1945 Ziel von Artilleriefeuer. Am Tag darauf rückten vormittags von Westen amerikanische Panzer auf Schrobenhausen vor und besetzten die Stadt nach Gefechten mit der Waffen-SS, die auch die Sprengung von Brücken über die Paar durchführen sollte.
Durch den Einsatz einiger Stadtbewohner, darunter der spätere Bürgermeister Fritz Stocker, konnte die südliche Brücke an der Donaumühle gerettet werden. Sie verhinderten die erste Sprengung, indem sie die Sprengladungen entfernten und die Zündschnüre zerschnitten. Die SS führte als Reaktion eine Durchsuchung der unteren Vorstadt durch, um die Saboteure ausfindig zu machen, welche aber erfolglos blieb. Anschließend wurde ein zweiter Versuch durch inszeniertes Geschrei Stockers („Die Amerikaner kommen!“) vereitelt, da die Soldaten daraufhin die Flucht ergriffen. Die nördliche Brücke wurde trotz Protest der Bewohner vor ihrem Abzug von der SS zerstört.
Am 1. Juli 1972 entstand der neue Landkreis Neuburg an der Donau, der am 1. Mai 1973 den Namen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen erhielt, aus den Großteilen der bisherigen Landkreise Neuburg an der Donau und Schrobenhausen. Erster Landrat dieses Kreises war von 1972 bis 1984 Walter Asam aus Schrobenhausen.
Eingemeindungen und Ausgliederungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1971 die Gemeinde Steingriff eingegliedert. Am 1. Januar 1972 kam Sandizell hinzu. Hörzhausen folgte am 1. Juli 1972. Mit Mühlried, in das mit Wirkung vom 1. Januar 1972 Edelshausen eingegliedert worden war, wurde die Reihe der Eingemeindungen im Jahr 1978 abgeschlossen.Die Ortsteile auf schrobenhausen.de, abgerufen am 2. November 2020
Am 1. Januar 1974 wurde ein Teilgebiet mit etwas mehr als 200 Einwohnern an Klingsmoos abgetreten.
Demographie
Bevölkerung Das Durchschnittsalter lag im Jahr 2020 bei 44,5 Jahren.https://www.statistik.bayern.de/mam/produkte/statistik_kommunal/2021/09185158.pdf Wegen der geringen Kriegsschäden nahm Schrobenhausen nach 1945 vergleichsweise viele Heimatvertriebene auf, die Bevölkerung wuchs dabei um mehr als 50 %. +Einwohnerentwicklung18401871190019251939195019611970198720112016202020233.9444.6015.4856.6918.07312.72513.32115.15514.61815.91016.93617.38118.199
Konfessionsstatistik Laut der Volkszählung 2011 waren im Jahr 2011 9,0 % der Einwohner evangelisch, 68,9 % mehrheitlich römisch-katholisch und 22,1 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Stadt Schrobenhausen Religion, Zensus 2011 Die Zahl der Katholiken und der Protestanten ist seitdem gesunken. Derzeit (Stand 31. Dezember 2019) sind 59,6 % (10.446) der Einwohner römisch-katholisch, 7,8 % (1.373) evangelisch und 32,6 % (5.718) gehören entweder einer anderen Religion an oder sind konfessionslos.Stadt Schrobenhausen im Spiegel der Zahlen, abgerufen am 10. November 2020
Im Jahr 2025 gab es 148 Kirchenaustritte, im Jahr 2024 gab es 178 Kirchenaustritte, 2023 waren dies 281.
Ausländer und Migration Der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen betreibt in Schrobenhausen zwei Containeranlagen für Flüchtlinge, die derzeit von über 400 Menschen bewohnt werden. Ende 2024 wurde bekannt, dass die zusätzliche Unterbringung von 80 Flüchtlingen in einer dritten Unterkunft in der historischen Altstadt von der Regierung von Oberbayern vorgesehen war. Nach Protesten, unter anderem vom zuständigen Landrat Peter von der Grün, der daraufhin eigenmächtig einen Aufnahmestopp für Flüchtlinge im Landkreis ankündigte, wurden die Pläne wieder aufgegeben.
Politik Bürgermeister 1807–1945 (Seit Einführung der Bayerischen Gemeindeordnung im Jahre 1808) Name Amtszeit Josef Geßl 1807–1817 Sebastian Böhm 1818–1820 Willibald Frisch 1820–1843Wilhelm Linhard1843–1853Rudolph Holzmann1853–1857 August Böhm 1857–1869Reinhard Wäckerle1869–1870Josef Sattler1870–1873 Alexander Höcht 1873–1875Chrysostomus Widmann1876–1887 Ernst von Molo 1888–1890 Georg Leinfelder 1891–1893 Alois Widmann 1894–1919 Ernst Herb 1919–1932 Anton Prücklmair 1932–1933 Ignaz Geßner 1933–1941 August Vogl 1941–1945
Bürgermeister seit 1945 Name Partei AmtszeitFritz StockerSPD1. Mai 1945–31. Mai 1967Albert SchnellSPD1. Juni 1967–30. April 1978Michael FlammensböckCSU1. Mai 1978–30. April 1984Josef HöllbauerPWG1. Mai 1984–30. April 1996Josef PlöcklDU, dann CSU1. Mai 1996–4. Juli 2005Inge EberleCSU4. Juli 2005–31. August 2006Karlheinz StephanCSU1. September 2006–30. April 2020Harald ReisnerFWab 1. Mai 2020 Die letzte Bürgermeisterwahl fand zeitgleich zu den bayerischen Kommunalwahlen am 15. März 2020 statt. Weil kein Kandidat im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen konnte, kam es am 29. März zu einer Stichwahl zwischen dem Amtsinhaber Karlheinz Stephan (CSU) und Harald Reisner (FW). Reisner gewann im zweiten Wahlgang mit 80,2 % der Stimmen, die Wahlbeteiligung lag bei 65,6 %.https://www.schrobenhausen.de/wahlen/buergermeister/
Stadtrat Die Kommunalwahl am 15. März 2020 führte zu folgender Sitzverteilung: Partei / Liste Sitze G/V CSU 6 − 3 SPD 2 − 2 Freie Wähler 6 + 1 ProSOB 2 − 1 Bürgervereinigung Sandizell (BVS) 1 − 1 Die Unabhängigen (DU) 2 + 1 Bündnis 90/Die Grünen 3 + 3 Junge Union (JU) 2 + 2 G/V: Gewinn oder Verlust gegenüber der Wahl 2014
Zusätzlich hat der getrennt gewählte Erste Bürgermeister Sitz und Stimme im Rat. Aus den Reihen des Stadtrats amtieren als 2. Bürgermeister Georg Berger (proSob) und als 3. Bürgermeister Andy Vogl (CSU). Vier Angehörige des Stadtrats sind weiblich (je eine in der CSU, JU, SPD und bei den Grünen/Bündnis 90).
Durch den im Juni 2020 angekündigten Wechsel des Stadtratsmitglieds Dieter Kreisle (DU) verfügt die CSU nunmehr über 7 Stadtratssitze in Fraktionsgemeinschaft mit der JU zusammen 9 Sitze, die DU über einen.
Städtepartnerschaften Seit 1986 sind Schrobenhausen und Thiers in der Region Auvergne-Rhône-Alpes (Frankreich) Partnerstädte. Als weitere Städte kamen 1989 Perg in Oberösterreich und 1992 die englische Stadt Bridgnorth in der Grafschaft Shropshire hinzu. Mit der Stadt Schwetzingen in Baden-Württemberg besteht seit April 2016 ein Patenschaftsverhältnis. Dieses wurde im Hinblick auf die gemeinsame Verbundenheit zum Spargel in den Jahren 2018 und 2019 durch entsprechende Urkundenunterzeichnungen zu einem Partnerschaftsverhältnis ausgebaut.
Wappen
Wirtschaft Industrie mini|Kartoffelstärkefabrik der Südstärke in Schrobenhausen
Die größten Arbeitgeber der Stadt sind die Unternehmen AGFA, Bauer AG, LEIPA Group mit dem Tochterunternehmen LEIPA Georg Leinfelder GmbH, MBDA Deutschland GmbH, Südstärke und Xella.
Eine alte traditionsreiche Firma ist die Prägeanstalt Carl Poellath, für die u. a. der bekannte sächsische Medailleur Friedrich Wilhelm Hörnlein (Signatur meist F. H.) von 1905 bis zu seiner Berufung 1911 als Münzgraveur an der Kgl. Sächsischen Staatsmünze Muldenhütten bei Freiberg Prägestempel für die heute sehr gefragten Medaillen und Plaketten schnitt.
Das Rüstungsunternehmen MBDA Deutschland GmbH baut seit 2024 in Schrobenhausen neue Produktionslinien auf und will dort für mehrere Streitkräfte (Bundeswehr und einige NATO-Partner) 1000 Raketen für das Luftabwehrsystem Patriot bauen. Bis dato wurden diese aus den USA importiert.Mehr Planungssicherheit, weniger "Kleinstaaterei" (tagesschau.de vom 18. November 2024)
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