mini|Luftbild von Schmallenberg, Altstadt mini|Luftbild aus 8000 m Höhe

Schmallenberg ist eine Mittelstadt im Hochsauerlandkreis. Mit 303 Quadratkilometern ist sie die flächengrößte kreisangehörige Stadt Nordrhein-Westfalens.

Die Handelsstadt an der Lenne war im Mittelalter Mitglied der Hanse. Nachweislich gab es in der Kernstadt seit dem 15. Jahrhundert Textilgewerbe. Vierhundert Jahre später wurde die Stadt mit dem Produktionsschwerpunkt Strumpfwaren zum Zentrum der Sauerländer Textilindustrie. Dies brachte Schmallenberg den Beinamen Strumpfstadt ein. Heute dominieren neben der Textilindustrie auch mittelständische Unternehmen vor allem in Industrie und Handwerk. Eine wichtige Bedeutung haben aufgrund der wald- und bergreichen Lage auch die Holz- und die Tourismuswirtschaft.

Die Struktur der heutigen Stadt geht auf die kommunale Neugliederung durch das Sauerland/Paderborn-Gesetz von 1975 zurück. Damals wurden die Stadt Fredeburg und die Stadt Schmallenberg sowie eine Reihe von weiteren Gemeinden zu einer neuen Stadt zusammengeschlossen. Bis zur kommunalen Neugliederung gehörte Schmallenberg zum Kreis Meschede.

Geographie mini|Karte der Stadt Schmallenberg

Geographische Lage Die Stadt Schmallenberg liegt südlich der Kreisstadt Meschede an der Südgrenze des Hochsauerlandkreises. Die typische Mittelgebirgslandschaft Schmallenbergs wird im Süden durch den Hauptkamm des Rothaargebirges, im Südwesten durch die Saalhauser Berge und im Nordosten durch den Höhenzug der Hunau geprägt.Topografische Karte 1:25.000.

Der Hauptkamm des Rothaargebirges bildet, ausgehend vom Kahlen Asten, die südliche Stadtgrenze. Der hohe Gipfel liegt etwa 200 m östlich der Stadtgrenze auf dem Gebiet von Winterberg. Am Kahlen Asten entspringt, ebenfalls auf Winterberger Gebiet, die Lenne, der größte Fluss des Stadtgebiets. Auch die mit höchste Stelle im Stadtgebiet liegt am Kahlen Asten. Der Hauptkamm des Rothaargebirges bildet einen Abschnitt der Rhein-Weser-Wasserscheide: Nördlich des Hauptkamms fließen die Gewässer über Lenne und Ruhr in den Rhein, südlich davon über Eder und Fulda in die Weser. Am Hauptkamm des Rothaargebirges befinden sich mit dem Hömberg (), Ennest (), Albrechtsberg (), Saukopf (), Großen Kopf () einige der höchsten Berge des Stadtgebietes. Südlich von Schmallenberg erhebt sich zwischen Lenne und Latrop die Schmallenberger Höhe ().

Die Lenne fließt nördlich vom Hauptkamm des Rothaargebirges rund 29,8 km durch das Stadtgebiet in überwiegend westliche Richtungen. Dabei nimmt sie rechts- und linksseitig zahlreiche kürzere Wasserläufe auf. Wichtigste Nebenflüsse der Lenne im Stadtgebiet sind Schwarzes Siepen (5,1 km), Nesselbach (7,4 km), Sorpe (10,3 km), Gleierbach (7,1 km), Grafschaft (6,4 km), Latrop (11,0 km) und Uentrop (5,8 km). Die Lenne verlässt südwestlich von Hundesossen auf einer Höhe von das Schmallenberger Stadtgebiet.Landesvermessungsamt NRW

Im Westen liegen nördlich der Lenne die östlichen Ausläufer der Saalhauser Berge. Über die dazugehörenden Erhebungen Hülsberg (), Auergang (), Ösenberg () und Hohen Hagen () verläuft die Ruhr-Lenne-Wasserscheide, die im Stadtgebiet von der Hunau () bis hierher verläuft. Die nördlich dieser Wasserscheide im Stadtgebiet entspringenden Flüsse Wenne (31,1 km), Henne (Fluss) (22,5 km), Valme (19,7 km) und Elpe (18,7 km) fließen in nördlicher Richtung ab und sind direkte Nebenflüsse der Ruhr. Die bei Bad Fredeburg entspringende Leiße (13,9 km), ein Nebenfluss der Wenne, passiert auf die Stadtgrenze. Das ist der tiefste Punkt im Stadtgebiet.

Das südliche Stadtgebiet des staatlich anerkannten Luftkurortes gehört zum Naturpark Sauerland-Rothaargebirge.

Geologie Die Gesteine im Umfeld von Schmallenberg entstanden vor allem während des Unter- und Mitteldevons. Gesteine des jüngeren Unterkarbons sind vor allem im Südwesten bei Attendorn und Elspe in der Attendorn-Elsper Mulde verbreitet. Die Ablagerungen südlich des Lennetals gehörten noch dem Unterdevon an. Die Talzüge des Grafschafter Baches und der Lenne, etwa bis Fleckenberg aufwärts verlaufend, sind aus Gesteinen des Mitteldevons aufgebaut.

Geologische Entwicklung Im Zeitalter des Devon bedeckte ein ausgedehntes Meer das Rhenoherzynikum (auch rhenoherzynische Zone genannt) und damit auch das Gebiet des späteren Rheinischen Schiefergebirges, dessen nordöstlichen Teil das Sauerland einnimmt. Gewaltige Kräfte pressten im oberen Karbon während der Variszischen Orogenese die ursprünglich horizontal abgelagerten Gesteinsschichten zu Falten.Horst Müller: Ein Streifzug durch die geologische Vergangenheit der Stadt Schmallenberg, Geologisches Landesamt Krefeld, Schmallenberger Heimatblätter, 45./46. Ausgabe, 1976, S. 14. Die gefalteten Schichten wurden während und nach der Faltung durch Bruchstörungen überprägt. Das aufgefaltete Gebirge wurde geologisch rasch durch die Verwitterung wieder eingeebnet und war lange Zeit ein nur leicht welliges, hügeliges Flachland.

Seit etwa einer Million Jahre steigt das Gebiet des heutigen Schiefergebirges wieder auf, so dass sich Flüsse und Bäche einschneiden konnten, um das heutige Mittelgebirge auszubilden. Erosion und Verwitterung durch Wasser und Frost schufen die heutigen Oberflächenformen. Die Flüsse bildeten Täler im weicheren Gestein. Sichtbare Kuppen und steile Hänge blieben stehen, so etwa der von Kuppen gekrönte Rücken, der im Westen mit dem Wilzenberg beginnt und sich östlich bis in den Raum Altastenberg fortsetzt.

Gesteine Obwohl die Bezeichnung Schiefergebirge zur Annahme verleitet, dass im Rheinischen Schiefergebirge besonders viel und fast überall Schiefer vorkommt, trifft dies nur eingeschränkt zu. Geschieferte sandige Tonsteine, Sandsteine, Grauwacken, Quarzite, Kalkstein und Schiefer sind die am häufigsten vorkommenden Gesteine. Der als Baumaterial beliebte Dachschiefer ist nur in begrenzten Bereichen aufgeschlossen. Im Gebiet um Schmallenberg ist Schiefer neben Sandstein jedoch das vorherrschende Gestein. Der Geologe Johannes Wolburg, der in den 1930er Jahren das obere Lennetal untersuchte, unterteilte die mächtigen Schieferzüge in Schmallenberger und Fredeburger Schiefer, in Robbeke- und Wilzenberger Schichten und eine fünfte nördliche Schicht, die sich jenseits der Linie Berghausen – Heiminghausen – Fredeburg – Rehsiepen erstreckt. Im Schmallenberger Schiefer fand er bei seinen Untersuchungen unter anderem einen Armfüßer (Brachiopode) und benannte das Tier nach seinem Fundort Leptostrophia schmallenbergensis.Carl-Josef Fretter: Vom Werden und Wesen des Hochsauerlandes – Ein Versuch, Erdgeschichte zu erzählen, in: Beiträge zur Geschichte der Stadt Schmallenberg 1244–1969, Schmallenberg 1969, S. 159 ff.

Teile des Sauerlandes zeugen von mehreren Phasen vulkanischer Tätigkeiten zur Zeit des Devon. So ist beispielsweise der Rinsleyfelsen bei Saalhausen oder der Burgfelsen von Bilstein ein unterdevonisches Ergussgestein. Unterschiedlich dicke Lagen vulkanischer Tuffe breiten sich beidseitig des Lennetals bis nach Lenne aus und ziehen sich südöstlich bei Werntrop auf der Südseite der Lenne bis Milchenbach und vom Großen Heidkopf bei Jagdhaus bis nach Schanze hin. Die ältesten dieser Keratophyr-Tuff-Lagen sind bis zu 25 Meter mächtig, während die jüngeren, meist grünlich oder beige gefärbten dichten Gesteine, die von Winkhausen, Niedersorpe, Oberkirchen und Lengenbeck bekannt sind, oft nur wenige Zentimeter, in Ausnahmefällen bis zu zwei Meter mächtig sind.

Geologische Struktur Die Gesteine des Devons sind in enge Spezialfalten und große Faltenzüge gelegt, die durch Überschiebungen und Querstörungen gegliedert werden. Die im Gebiet vorkommenden vorherrschenden Tonsteine wurden durch die Gebirgsbildung im Karbon in Schiefer umgewandelt, härtere Gesteine wie Sandstein oder Quarzit erhielten eine mehr oder weniger gut ausgebildete Klüftung.

Das Sauerland im Gebiet der oberen Lenne weist von Nordwesten nach Südosten drei tektonische Großelemente auf: den Latrop-Züschener Sattel, die Attendorn-Elsper Doppelmulde und das Nordostende des Siegerländer Hauptsattels.Johannes Wolburg: Das Devon im Gebiet der oberen Lenne, Preußischen Geologischen Landesanstalt, Heft 151, Berlin 1933, S. 31. Im Stadtgebiet Schmallenberg sind einzelne Spezialsättel und -mulden ausgebildet, deren Faltenachsen nach Osten und Nordosten fächerförmig ausstrahlen.

Ausdehnung des Stadtgebiets Das Stadtgebiet von Schmallenberg erstreckt sich über etwa 22 km in Nord-Süd-Richtung, vom Forst Brabecke im Norden bis zum Hauptkamm des Rothaargebirges beim Großen Kopf südlich von Latrop. In West-Ost-Richtung erstreckt es sich über etwa 25 km von der Stadtgrenze bei Hebbecke in den Saalhauser Bergen bis zum Kahlen Asten.

Flächenverteilung des 303 km² Stadtgebiets:Landesamt für Information und Technik; Stand 31. Dezember 2008.

59,03 % Waldfläche 30,29 % Landwirtschaftsfläche 6,08 % Verkehrsfläche 3,46 % Gebäude- und Freifläche 0,53 % Wasserfläche 0,46 % Erholungsfläche 0,76 % Betriebsfläche 0,06 % übrige Nutzfläche

Im Mittelalter gab es eine größere Anzahl später wüst gefallener Siedlungen.

Nachbargemeinden Schmallenberg liegt im Süden des Hochsauerlandkreises und grenzt im Süden an den Kreis Siegen-Wittgenstein sowie im Südwesten an den Kreis Olpe.

Stadtgliederung mini|Schmallenberg (Blick auf die römisch-katholische Kirche St. Alexander) Zum Stadtgebiet Schmallenberg gehören seit der kommunalen Neugliederung 83 Ortschaften unterschiedlichster Größe. Von 25.299 mit Erstwohnsitz angemeldeten Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2013) entfallen auf die Kernstadt mit 6.119 Einwohnern rund ein Viertel, auf Bad Fredeburg mit 3.866 knapp ein Sechstel. Neun weitere Ortsteile haben Einwohnerzahlen zwischen etwa 500 und 1600, 45 Ortsteile sind kleiner als 100 Einwohner.Einwohnerzahlen Schmallenbergs nach Stadtteilen, Stand 31. Dezember 2013 (PDF; 130 kB).

→ Siehe auch: Liste der Ortsteile der Stadt Schmallenberg

Ortsteile der Stadt Schmallenberg

Die Stadt wird nach der Hauptsatzung in 22 nummerierte Bezirke unterteilt. Diese Bezirke umfassen meist eine ehemalige Gemeinde oder einen Teil davon. Zum Bezirk Schmallenberg gehört im Norden ein Teil der Gemeinde Wormbach, im Süden gehört Waidmannsruh nun zum Bezirk Fleckenberg. Altenhof (Gemeinde Wormbach) wurde dem Bezirk Bad Fredeburg und Menkhausen (Gemeinde Berghausen) dem Bezirk Dorlar zugeordnet. Im Bezirk Bödefeld wurden zwei ehemalige Gemeinden zusammengefasst. Der Stadtrat bildet in sechs Stadtbezirken fünf Bezirksausschüsse (Bezirke Schmallenberg, Bad Fredeburg, Bödefeld, Grafschaft und Oberkirchen/Westfeld). Für die übrigen 16 Stadtbezirke werden Ortsvorsteher gewählt.Stadt Schmallenberg, Hauptsatzung (PDF; 30 kB); abgerufen am 24. August 2014.

Klima In Schmallenberg herrscht typisches Mittelgebirgsklima. Das Klima wird durch den im Rothaargebirge vorherrschenden Übergangsbereich zwischen dem ozeanischen und dem kontinentalen Klima geprägt. Die Sommer waren in einigen Jahren trocken-warm mit Spitzenwerten von über 35 °C, manchmal aber auch feucht-kühl. Im Winter sind, in einer der schneereichsten Regionen Nordrhein-Westfalens, Tiefstwerte von unter −20 °C gemessen worden.

Die Durchschnittstemperatur lag in den Jahren 1971–2000 im Jahresmittel bei 7,7 °C. Die Jahresniederschlagsmenge lag im gleichen Zeitraum bei durchschnittlich 1181 mm pro Jahr. Die Monatsdaten können dem Klimadiagramm entnommen werden. Im Stadtgebiet gibt es ein staatlich anerkanntes Kneippheilbad, einen staatlich anerkannten Heilklimatischen Kurort und zwei staatlich anerkannte Luftkurorte. Eine überregionale Wetterstation steht in Westernbödefeld. mini|750px|zentriert|Panoramabild von Schmallenberg

Geschichte mini|Kapelle Auf dem Werth von 1682 und vermutlicher Standort der „Smalen Burg“ im Hintergrund Kloster Grafschaft In diesem Abschnitt wird im Wesentlichen die Geschichte der Kernstadt Schmallenberg dargestellt. Die Schmallenberger Ortsteilartikel enthalten mehrheitlich eigene Geschichtsabschnitte.