mini|hochkant=1.2|Schloss Lohm II um 1881/83, Sammlung Alexander Duncker

Zernitz-Lohm ist eine Gemeinde im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg. Sie wird vom Amt Neustadt (Dosse) mit Sitz in der gleichnamigen Stadt verwaltet.

Geographie Die Gemeinde liegt im äußersten Osten der Prignitz, etwa 7 km nordwestlich von Neustadt (Dosse).

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet untergliedert sich in die bewohnten Gemeindeteile Bahnhof Zernitz, Goldbeck, Koppenbrück, Lohm, Neuendorf und Zernitz sowie die Wohnplätze Kahlschlag, Krüllenkempe und Neu-Koppenbrück. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg.

Geschichte Die Gemeinde entstand am 31. Dezember 1997 aus dem freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Zernitz und Lohm.Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997. StBA.

Zernitz wurde urkundlich erstmals 1324 als „Cernitz“ erwähnt und gehört zu den ältesten Orten in der Prignitz. Der Ortsname ist wendischen Ursprungs und geht auf „Cern“ zurück, was etwa mit „Schwarze“ zu übersetzen ist. Um 1490 war Zernitz ein Teil der im Kern reichsunmittelbaren Herrschaft Ruppin unter der Landesherrschaft der Grafen von Lindow-Ruppin.

Die erste urkundliche Erwähnung von Lohm als „tu Deme Luome“ erfolgte nur wenig später, im Jahr 1336. Der Ortsname von Lohm kommt wie bei vielen anderen Orten der Region aus dem Slawischen und bedeutet wahrscheinlich „Wind“ oder „Windbruch“. 1337 belehnte Markgraf Ludwig I. von Brandenburg die Brüder Heinrich und Jordan von Kröcher mit den Dörfern Lohm und Dreetz. Bis 1945 blieben die Kröchers ununterbrochen als Guts- und Patronatsherren mit der Geschichte von Lohm verbunden und bewohnten hier im Spätmittelalter zeitweise mehrere Rittersitze, von denen sich im Verlaufe des 18. Jahrhunderts die Anteile Lohm I und Lohm II mit jeweils einem Rittersitz dauerhaft etablierten und auf denen dann eigenständige Wohnhöfe mit entsprechenden Bauten entstanden. Kurzzeitig bestanden vier Rittergüter vor Ort.

1737 errichtete der Besitzer von Lohm I, Georg Volrath von Kröcher (1678–1748), der mit Sophie Charlotte von Winterfeld verheiratet war, das noch heute erhaltene barocke Herrenhaus Lohm I am nördlichen Ende des Dorfes, einen rechteckigen, zweigeschossigen Putzbau mit Walmdach und beidseitigen Anbauten. Sein Vetter Caspar Joachim von Kröcher, der das Anteilgut Lohm II besaß, erbaute 1740 das etwas größere barocke Gutshaus Lohm II am südlichen Ortseingang. Auch dieses Herrenhaus ist erhalten, ein zweistöckiges Corps de Logis mit Mansarddach und zwei kleinen Kavaliershäusern. Die aus einem Raum des Herrenhauses Lohm II 1968 geborgene Leinwandtapete mit Rokoko-Malereien ist heute Bestandteil der Raumdekoration des Schlosses Friedrichsfelde in Berlin; im Herrenhaus Lohm II wurde jüngst eine Kopie angebracht.

Aus Lohm stammen auch die beiden Domherren zu Havelberg, Caspar Joachim von Kröcher und Hans Ernst Wilhelm von Kröcher (* 1755; † 1798), Vater und Sohn. Sie begannen ihre standesgemäße Karriere auf dem Adelsinternat der Ritterakademie Brandenburg.

Die Familie von Kröcher konnte Lohm II nur bis 1924 halten und verkaufte es an die Deutsche Kultur- und Siedlungsgesellschaft in Berlin. Letzter Vertreter war der General Adolf von Kröcher (* 1846; † 1922). Das Restgut Lohm II mit der geringen Größe von 175 ha gelangte an den Potsdamer Polizeipräsidenten Wilhelm Graf von Wedel und nach dessen Tod 1941 käuflich an den Bauunternehmer Friedrich Kotzbau, der im Zuge der Bodenreform 1945 enteignet wurde. Die letzte Besitzerin von Lohm I, Ella von Kröcher, geborene Freiin von Münchhausen (1875–1965), wurde 1947 durch die Bodenreform enteignet und aus Lohm ausgewiesen. Das Herrenhaus Lohm I wurde nach 1945 mit Mietwohnungen und öffentlicher Nutzung (Kindergarten) belegt; 2016 wurde es an ein Architektenpaar verkauft, das eine Sanierung beabsichtigt.Website Gemeinde Zernitz-Lohm Lohm II war nach 1945 bis 2002 Schule und wurde 2009 an ein Ehepaar verkauft, welches das Haus saniert hat, es für Veranstaltungen vermietet und in den Kavalierhäusern eine Pension betreibt.Website Schloss Lohm

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs hielt ein Zug auf dem Bahnhof Zernitz, mit dem jüdische Frauen und Mädchen aus dem KZ Theresienstadt nach Hamburg gebracht werden sollten. Der Zug wurde von alliierten Tieffliegern beschossen, viele Frauen versuchten sich zu verstecken, wurden verwundet oder erschossen. Einige wurden von Einwohnern versorgt, bevor sie von SS-Mannschaften zusammengetrieben und wieder in die Waggons verfrachtet wurden. Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Für die 48 Toten der Luftangriffe wurde 1945 Am Bahnhof eine Ehrengrabanlage mit zwei Gedenksteinen errichtet, von denen einer an die jüdischen Häftlinge und der zweite an den jüdischen Rechtsanwalt Theodor Steigerwald erinnert, der hier 1947 an den gesundheitlichen Schäden seiner erlittenen Verfolgung verstarb.

Zernitz und Lohm gehörten bis 1952 zum Kreis Ostprignitz im Land Brandenburg. 1952 wurden beide in den neu gebildeten Kreis Kyritz im DDR-Bezirk Potsdam eingegliedert. Seit 1993 liegen sie im brandenburgischen Kreis Ostprignitz-Ruppin.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Zernitz Lohm Jahr Zernitz-Lohm 1875 597 272 1997 1058 1910 663 205 2000 1027 1939 674 304 2005 977 1946 1163 565 2010 916 1950 1148 579 2015 873 1971 890 390 2020 911 1990 845 297 2021 897 1995 823 264 2022 917 1996 816 257 2023 914 2024 888 2025 875

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Landkreis Ostprignitz-Ruppin. (PDF) Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005, S. 26–29Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember) ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Zernitz-Lohm besteht aus zehn Gemeindevertretern und der ehrenamtlichen Bürgermeisterin. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Wählergruppe Zernitzer Sportverein 60,3 % 6 53,1 % 6 Bündnis 90/Die Grünen 28,8 % 3 19,9 % 2 CDU 10,9 % 1 16,1 % 1 Einzelbewerber Stephan Srugies – – 11,0 % 1 Insgesamt 100 % 10 100 % 10

Bürgermeister 1998–2014: Jörg Kusserow seit 2014: Sigrid Schumacher (Bündnis 90/Die Grünen)

Schumacher wurde bei der Wahl des ehrenamtlichen Bürgermeisters am 9. Juni 2024 ohne Gegenkandidat mit 75,9 % der gültigen Stimmen erneut in ihrem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 Ihre Amtszeit beträgt fünf Jahre.§ 73 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes

Wappen Das Wappen wurde am 2. September 2013 genehmigt.

Blasonierung: „Geteilt von Rot und Silber über silbernem Wellenschildfuß mit acht Wellen, oben acht schräglinke silberne Eichenblätter, unten eine zweibogige rote Steinbrücke mit achtfenstrigem gemauertem Geländer.“Wappenangaben. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg.

Sehenswürdigkeiten mini|Dorfkirche Zernitz In der Liste der Baudenkmale in Zernitz-Lohm stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

Verkehr Zernitz-Lohm liegt an den Landesstraßen L 14 von Kyritz nach Großderschau und L 141 von Breddin nach Neustadt (Dosse). 5 km östlich der Gemeinde verläuft die B 5, 10 km südöstlich die B 102. Die nächste Autobahnanschlussstelle ist Neuruppin an der A 24 Berlin–Hamburg. Sie liegt etwa 30 km östlich von Zernitz-Lohm.

Von 1846 bis 1995 war der Bahnhof Zernitz an der Bahnstrecke Berlin–Hamburg für den Personenverkehr in Betrieb.

Persönlichkeiten Wilhelm von Kröcher (1782–1861), Gutsbesitzer, in Lohm geboren Hans von Kröcher (1783–1852), Landrat im Landkreis Ostprignitz, in Lohm geboren Bernhard Rose (1865–1927), Schauspieler und Theaterdirektor, in Lohm geboren Peter Heller (* 1989), Moderator, in Zernitz-Lohm aufgewachsen

Literatur Ina-Lyn Reif: Die zwei Herrenhäuser in Lohm. In: Schlösser und Gärten der Mark, Heft Nr. 127, Deutsche Gesellschaft, Berlin 2013.

Oliver Hermann, Edzard Rust: Lohm. In: Peter Michael Hahn, Hellmut Lorenz: Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz. Nicolaische Verlagsbuchhandlung Beuermann, Berlin 2000, ISBN 3-87584-024-0, S. 360–363; gesamt 2 Bände: Einführung und Katalog. Kommentierte Neuausgabe des Ansichtenwerks von Alexander Duncker (1857–1883), 856 S., 275 farbige, 825 SW-Abb.

Weblinks

Gemeinde Zernitz-Lohm Gemeinde Zernitz-Lohm. Website des Amtes Neustadt (Dosse). Lohm. In: Reihe „Landschleicher“ des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg, 25. August 2002.

Einzelnachweise

Kategorie:Gemeindegründung 1997