Sieversdorf-Hohenofen ist eine Gemeinde im Landkreis Ostprignitz-Ruppin im Nordwesten Brandenburgs (Deutschland). Sie wird vom Amt Neustadt (Dosse) verwaltet.

Geografie Sieversdorf-Hohenofen liegt zwischen Neustadt (Dosse) und Rhinow im Dossebruch.

Gemeindegliederung Zu Sieversdorf-Hohenofen gehören die Gemeindeteile Hohenofen und Sieversdorf sowie der Wohnplatz Neu Amerika.

Geschichte Die Gemeinde entstand am 31. Dezember 1997 aus dem freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Sieversdorf und Hohenofen.Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997. StBA.

Sieversdorf und Hohenofen gehörten seit dem 14. Jahrhundert zur Herrschaft Ruppin, seit 1524 zum Kreis Ruppin in der Mark Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Kyritz im DDR-Bezirk Potsdam. Seit 1993 liegen beide Orte im brandenburgischen Kreis Ostprignitz-Ruppin.

Sieversdorf Die erste Nachricht über Sieversdorf stammt aus einer Urkunde von 1334.Riedel: Cod. dipl. 1. Hauptabth. Band IV. S. 50. Die Grafen von Lindow und Herren zu Ruppin, die Brüder Günther und Ulrich und die Brüder Adolph und Busso, bekennen, dass sie von ihrem Fürsten, dem Markgrafen Ludwig von Brandenburg die Stadt Wusterhausen/Dosse mit allen Dörfern und Gütern, welche dazugehören, und namentlich die Dörfer „Brunne (Brunn), Driplatz (Trieplatz), Syuerdestorp (Sieversdorf), Blankenburg, Plonitz (Plänitz), Cernitz (Zernitz), Gardiz (Garz/Temnitztal) und Dannenuelde (Dannenwalde)“, und außerdem Stadt und Land Gransee mit allen Dörfern und Gütern, für eine Forderung von 7000 Mark Brandenburgisch zum Pfand erhalten haben und besitzen.

Hohenofen mini|Teilansicht der Papierfabrik Hohenofen, heute unter Denkmalschutz Die Geschichte Hohenofens geht zurück auf die Gründung einer Eisenhütte im Jahr 1693, die der in brandenburgischen Diensten stehende Landgraf Friedrich von Hessen-Homburg hier anlegen ließ. Der Landgraf hatte von seinem Besitzvorgänger, dem Grafen von Königsmark, den Rittmeister Liborius Eck als Amtsverweser übernommen. Dieser untersuchte die Gegend, welche bis dahin Vierhütten hieß, und fand in vier Schlackenbergen den Beweis, dass dort Eisenhütten gestanden haben müssen. Eine Eisenverhüttung in Vierhütten hatte schon zur „Slawenzeit“ vor 1250 stattgefunden, wie der Name vermuten lässt. Eck entdeckte bald auch den Eisenstein, den roten Eisenschlamm in den Wiesen, und der Landgraf beschloss, das Eisenwerk wiederherzustellen. Es musste Wasserkraft zum Betrieb der Gebläse gewonnen werden. Dazu wurde ein Kanal von Neustadt aus angelegt, der zum Hauptlauf der Dosse wurde. Für den „Hohen Ofen“ wurde der bis zu sechs Fuß mächtige Raseneisenstein benötigt. Nach zehn Jahren waren die Raseneisensteinvorkommen und die Holzvorräte in der näheren Umgebung erschöpft. 1702 wurde die Eisenhütte Hohenofen in ein Seiger-Hüttenwerk umgewandelt (Silber-Kupfer-Scheidung). Die Kupfererze und Brennstoffe wurden auf dem Wasserweg aus dem Magdeburgischen transportiert. Im Jahre 1836 wurde aus dem Hüttenwerk eine Papierfabrik, welche die Königliche Seehandlung anlegte. Die Papierfabrik wurde nach der Wende im Jahr 1992 geschlossen. Heute wird das Gelände als Industriedenkmal und kultureller Ort genutzt.

Ehemalige Ortsteile 1622 gab es zwei Dörfer mit zwei Schulzen: Klein-Sieversdorf und Groß-Sieversdorf. Die Dörfer trennte ein Dossearm, an dem bis 1673 eine Wassermühle stand, der heutige Mühlengraben.

Noch 1841 bestand das heutige Sieversdorf aus Klein-Sieversdorf, Groß-Sieversdorf und dem Büttner-Sand.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Sieversdorf Hohenofen Jahr Sieversdorf-Hohenofen 1875 1508 562 1997 928 1910 1122 462 2000 903 1939 1019 414 2005 869 1946 1510 533 2010 813 1950 1491 546 2015 706 1971 882 453 2020 702 1990 671 359 2021 708 1995 644 289 2022 693 1996 652 349 2023 682 2024 673 2025 664

Gebietsstand des jeweiligen Jahres: Stand 31. Dezember (ab 1991)Landkreis Ostprignitz-Ruppin. (PDF) In: Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005, statistik-berlin-brandenburg.de, S. 22–25.Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden. statistik-berlin-brandenburg.de, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember) ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Sieversdorf-Hohenofen besteht aus acht Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 09. Juni 2024. wahlen.neustadt-dosse.de

Wählergruppe Stimmenanteil Sitze Wählergruppe FÜR Sieversdorf-Hohenofen 61,3 % 5 Wählergruppe Sieversdorf-Hohenofen 17,7 % 1Christlich Demokratische Union (CDU)14,1 %1 Einzelbewerber Volker Brenig 7,0 % 1

Bürgermeister 1998–2003: Hansjürgen Kuhlbars 2003–2019: Hermann Haacke (Wählergruppe Sieversdorf-Hohenofen)Kommunalwahlen 26.10.2003. Bürgermeisterwahlen. (PDF) statistik-berlin-brandenburg.de, S. 29. 2019–2024: Thilo Christ (Wählergruppe Sieversdorf-Hohenofen) seit 2024: Thomas Leitert (Wählergruppe FÜR Sieversdorf-Hohenofen)

Thomas Leitert wurde in der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 mit 61,8 % der gültigen Stimmen im ersten Wahlgang für eine Amtszeit von fünf JahrenBrandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1). bravors.brandenburg.de gewählt und setzte sich dabei gegen Sascha Sommer (Einzelwahlvorschlag, 19,3 %) und Thilo Christ (Wählergruppe Sieversdorf-Hohenofen, 18,8 %) durch.

Wappen

Flagge „Die Flagge ist Rot-Weiß (1:1) gestreift und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.“

Sehenswürdigkeiten In der Liste der Baudenkmale in Sieversdorf-Hohenofen stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale. Sieversdorf zeichnet sich unter anderem durch mehrere denkmalgeschützte fränkische Ernhäuser aus, die saniert und wieder mit traditionellen Reetdächern gedeckt wurden.

Verkehr Sieversdorf-Hohenofen liegt an der Bundesstraße 102 zwischen Neustadt (Dosse) und Rhinow. Sieversdorf (bei Neustadt/D) ist der Name des örtlichen Bahnhofes an der Strecke Neustadt–Rathenow. 2003 wurde die Verbindung stillgelegt.

Persönlichkeiten Franz Arndt (1848–1917), Pfarrer, in Sieversdorf geboren

Literatur Johannes Schultze: Die Herrschaft Ruppin und ihre Bevölkerung nach dem 30jährigen Kriege. Historischer Verein der Grafschaft Ruppin, Neuruppin 1925. Johannes Schultze: Die Hofbesitzer in den Dörfern des Landes Ruppin 1491 bis 1700. Stein, Neuruppin 1937

Weblinks

Gemeinde Sieversdorf-Hohenofen Gemeinde Sieversdorf-Hohenofen beim Amt Neustadt (Dosse) Sieversdorf. Rundfunk Berlin-Brandenburg, Reihe „Landschleicher“, 13. Juli 2003. Hohenofen. Rundfunk Berlin-Brandenburg, Reihe „Landschleicher“, 25. Januar 2009.

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Havelland Kategorie:Gemeindegründung 1997