Die Münzschätze von Qäbälä (aserbaidschanisch Qəbələ dəfinələri) umfassen mehrere Münzfunde, die in den 1950er- bis 1970er-Jahren nahe den Ruinen der antiken Stadt Qəbələ im heutigen Aserbaidschan, der einstigen Hauptstadt des Kaukasischen Albaniens, entdeckt wurden.

Münzschätze Der erste Münzschatz wurde in den 1950er-Jahren entdeckt. Er umfasst Prägungen aus der Regierungszeit des Sassaniden-Herrschers Kavadh I. (488–531). Ein weiterer bedeutender Fund kam 1964 zutage. Der Schatz enthielt eine Drachme des parthischen Herrschers Gotarzes II., Denare des römischen Kaisers Otho sowie Münzen aus der Regierungszeit der Kaiser Vespasian, Trajan und Hadrian. Hinzu kamen mehr als 150 Prägungen des sassanidischen Herrschers Bahram II. (274–291).

Besonders umfangreich war der 1966 entdeckte dritte Münzschatz mit rund 700 hellenistischen Silbermünzen, darunter etwa 170 auswärtige Prägungen. Zu den bemerkenswertesten Stücken zählen sieben Drachmen Alexanders des Großen sowie Drachmen der parthischen Herrscher Arsakes I., Mithridates I. und Phraates II. Vertreten waren außerdem Prägungen des thrakischen Herrschers Lysimachos, der seleukidischen Könige und der Herrscher des Griechisch-Baktrischen Königreichs. Der Schatz wurde vermutlich um 120 v. Chr. verborgen und bei der Gewinnung von Bausteinen zufällig entdeckt. Ein Teil der in den ersten drei Schatzfunden vertretenen Münztypen war im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. im Kaukasischen Albanien im Umlauf.

Der vierte Münzschatz, der 1976 entdeckt wurde, war vermutlich in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts verborgen worden. Er umfasst 53 vollständig erhaltene sowie 1.298 fragmentierte Münzen aus der Zeit der Rawadiden, Schaddadiden und Schirwanschahs.

Einer der Schatzfunde stammt aus einem Grabhügel etwa zwei Kilometer südöstlich von Qəbələ, am rechten Ufer des Flusses Karatschai. Bei Erdarbeiten wurde der Grabhügel durch Baumaschinen aufgewühlt, wodurch sich die Münzen über seinen gesamten südlichen Bereich verteilten.

Neben Prägungen verschiedener hellenistischer Staaten kamen in dem Schatz mehr als 500 einheimische Münzen zutage. Die außergewöhnliche Vielfalt der Funde spiegelt die weitreichenden wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen von Qəbələ in unterschiedlichen historischen Epochen wider.

Die ältesten Münzen Zu den ältesten Münzen der Qəbələ-Funde zählen Drachmen Alexanders des Großen, die gegen Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. in der kleinasiatischen Stadt Kolophon geprägt wurden. Ebenfalls zu den frühesten Stücken gehören Tetradrachmen des Lysimachos, eines Feldherrn Alexanders, der später als König über Thrakien herrschte. Aufgrund ihres langen und intensiven Umlaufs weisen diese Münzen deutliche Abnutzungsspuren auf.

Die im Namen Alexanders des Großen geprägten Drachmen zeigen auf der Vorderseite den Kopf des Herakles, der mit dem Fell des Nemeischen Löwen dargestellt ist. Die Rückseite zeigt Zeus auf einem Thron sitzend; in seinen Händen hält er einen Adler und ein Zepter. Auf den im Namen des Lysimachos geprägten Tetradrachmen erscheint auf der Vorderseite das idealisierte Porträt Alexanders des Großen mit Diadem und dem charakteristischen Ammonshorn. Die Rückseite zeigt die Göttin Athena, mit einem hoch bebuschten Helm und auf einem Thron sitzend.

Die in Qəbələ entdeckten Münzschätze belegen, dass im Kaukasischen Albanien seit dem ausgehenden 4. beziehungsweise beginnenden 3. Jahrhundert v. Chr. Münzen nach dem Vorbild der Prägungen Alexanders des Großen hergestellt wurden. Seleukidische Münzen gelangten hingegen erst später in den Geldumlauf. Ihr Auftreten auf den dortigen Märkten lässt sich seit den 80er-Jahren des 2. Jahrhunderts v. Chr. nachweisen.

Literatur und Einzelnachweise

Kategorie:Münzfund Kategorie:Archäologischer Fund (Asien) Kategorie:Qəbələ (Stadt)