mini|Festung von Çıraqqala Çıraqqala (eingedeutscht Tschiraqqala) ist eine Festung und ein architektonisches Denkmal aus dem frühen Mittelalter in der Provinz Şabran im Nordosten Aserbaidschans.
Geschichte Die Festung wurde im 6. Jahrhundert n. Chr. errichtet. Nach Einschätzung von Historikern diente sie vermutlich als Beobachtungs- und Wachposten. Aufgrund ihrer exponierten Lage bot sie einen weiten Blick über das umliegende Gebiet und ermöglichte es, vor herannahenden Gefahren zu warnen. Hierzu wurden auf den Türmen Signalfeuer entzündet. Wahrscheinlich geht auch der Name Çıraqqala, sinngemäß „Leuchtenfestung“ oder „Festung des Lichts“, auf diese Funktion zurück.
Gemeinsam mit den Befestigungsanlagen von Baku und Derbent war Çıraqqala Teil eines weitreichenden Verteidigungssystems entlang der Westküste des Kaspischen Meeres. Innerhalb dieses Systems bildete die Festung einen wichtigen Bestandteil der Gilgilçay-Verteidigungsmauer. Ihre militärische Funktion behielt sie bis ins 18. Jahrhundert bei. In den darauffolgenden zwei Jahrhunderten verfiel die Anlage weitgehend, sodass heute nur noch Teile der ursprünglichen Bausubstanz erhalten sind.
Erste Untersuchungen der Festungsanlage fanden 1931, weitere in den Jahren 1963–1964 sowie 1980 statt. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die oberen Bereiche der Festung teilweise restauriert.
Architektur Der Grundriss des Bauwerks bildet ein unregelmäßiges Rechteck. An ihrer Nordostseite fällt das Gelände über steile Felsabbrüche ab. Bei der Errichtung wurden die natürlichen Gegebenheiten des Geländes gezielt in das Verteidigungskonzept einbezogen.
Die Mauern und Türme bestehen überwiegend aus unbehauenen, unterschiedlich großen Steinquadern sowie kleineren, nur grob bearbeiteten Steinblöcken. Im Mauerwerk finden sich außerdem gebrannte Ziegel, die späteren Bauphasen zuzuordnen sind. Die Befestigungsanlage umfasste einen Hauptturm und 16 weitere Türme. Mit Ausnahme des Hauptturms und der unmittelbar an ihn angrenzenden Bauteile sind die Türme nicht mehr in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten, sondern lediglich in Fragmenten überliefert. Zwischen dem zweiten, dritten und vierten Turm haben sich zudem Reste eines in die Befestigungsmauer integrierten Turms erhalten.
Von den Türmen eröffnet sich ein weiträumiger Blick über die umgebende Landschaft, der sich über mehrere Dutzend Kilometer erstreckt. Vom Hauptturm aus ist unter anderem der markante Berg „Beşbarmaq“ (Beschbarmag, „Fünf Finger“) deutlich zu erkennen. Nach einer von den Archäologen vertretenen Auffassung könnte die Festung einst mit einer ständigen militärischen Besatzung belegt gewesen sein.
In ihrer Silhouette, dem Wechsel von Stein- und Ziegelmauerwerk sowie der charakteristischen Gliederung ihrer Außenflächen weist die Hauptturmanlage architektonische Ähnlichkeiten mit dem Jungfrauenturm in Baku auf. Die unteren Partien der Festungsanlage zeigen darüber hinaus Merkmale, die sich auch bei einigen frühmittelalterlichen Baudenkmälern Transkaukasiens und Zentralasiens finden.
Moderne Die Festung wurde von der aserbaidschanischen Regierung in das Verzeichnis der Baudenkmäler von internationaler Bedeutung aufgenommen.
Im Jahr 2019 wurden das Gebiet von Çıraqqala und die historische Stadt Şabran auf Anordnung des Präsidenten der Republik Aserbaidschan zu einem gemeinsamen staatlichen historisch-kulturellen Schutzgebiet erklärt.
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Literatur und Einzelnachweise
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