Die Schlacht bei Erlaa fand zwischen 29. Mai und 2. Juni 1601 während des Schwedisch-Polnischen Krieges (1600–1611) zwischen der Polnisch-Litauischen Union und dem Schwedischen Reich statt.
Vorgeschichte Trotz der Siege der polnisch-litauischen Truppen in den Gefechten bei Limbaži und in der Schlacht bei Wenden war die neue Winteroffensive der Schweden insgesamt ein voller Erfolg. Die wenigen, um ihren Sold gebrachten Streitkräfte der Polnisch-Litauischen Republik zerfielen dagegen zusehends und verstreuten sich über das Land, wo sie nach Nahrung suchten und die Bevölkerung ausplünderten. Der überwiegend evangelische, deutschstämmige livländische Adel leistete den Schweden meist keinen Widerstand und wechselte nicht selten auf ihre Seite.Leszek Podhorodecki S. 39
Gleichzeitig erzielten die Schweden Erfolge bei der Eroberung von Festungen nördlich der Düna. Am 6. Januar kapitulierte Dorpat (Tartu)Stanislaw Herbst S. 67, am 10. Februar WolmarStanislaw Herbst S. 68. Zudem versammelte sich der livländische Adel in Marienburg (Alūksne) und beschloss, auf die schwedische Seite überzutretenStanislaw Herbst S. 68. Im polnisch-litauischen Heer kam es unterdessen zu einem Konflikt: Einer der Befehlshaber, Wejher, verließ am 8. Februar den Konzentrationsort der Truppen, Wenden (Cēsis). Als am 13. Februar die Nachricht vom Fall von Wolmar (Valmiera) eintraf, verließ nahezu der gesamte Rest des Heeres Wenden. Lediglich Dembiński blieb mit knapp hundert Soldaten zurück und verschanzte sich in der Burg von Wenden.Stanislaw Herbst S. 69 Als die schwedischen Truppen am 17. Februar vor Wenden eintrafen, kapitulierte die unverteidigte Stadt unverzüglich. Dembiński versuchte daraufhin, mit 70 Mann aus der Burg zu entkommen, wurde jedoch von der schwedischen Kavallerie eingeholt und in Gefangenschaft genommen.Stanislaw Herbst S. 70
Dies führte zu weiteren Kapitulationen von Festungen und Städten. In der ersten Hälfte des März 1601 befand sich nördlich der Düna keine einzige Festung mehr in polnischer Hand. Dennoch beschlossen die Bürger von Riga, Widerstand zu leisten, nachdem ihnen die Polnisch-Litauische Republik am 4. März 1601 zusätzliche Privilegien gewährt hatteStanislaw Herbst S. 71.
Zur Verteidigung von Riga wurden 550 reguläre Soldaten entsandt. Die Stadt stellte zusätzlich 800 Infanteristen auf, und die Bürger verpflichteten sich zur Verteidigung der Stadt. Das Kommando übernahm Jan Ostrowski. Verstärkt wurde auch die Festung Kokenhausen (Koknese), die ebenfalls an der Düna lag und von 600 Berufssoldaten verteidigt wurde.Stanislaw Herbst S. 73–74
Während der gesamten Monate März und April versuchten die Schweden, die an der Düna gelegenen Festungen zu erobern. Zwischen dem 28. März und dem 13. April kam es zur blutigen Belagerung der Festung Kokenhausen, die persönlich vom schwedischen Reichsverweser Karl von Södermanland (Karl IX.) geführt wurde. Die schwedischen Truppen, die durch schwere Verluste demoralisiert und von Krankheiten dezimiert waren, waren nicht in der Lage, den hartnäckigen Widerstand der polnisch-litauischen Verteidiger von Kokenhausen zu brechen. Karl IX. beschloss daher, den Feldzug abzubrechen, und ließ lediglich 7.000 Mann zurück, um die Festung weiterhin zu blockieren.Stanislaw Herbst S. 75–77
Gleichzeitig beschloss der polnische Sejm im Februar 1601 die Erhebung von Steuern zur Finanzierung des Krieges gegen Schweden. Die Republik ergriff jedoch erst im Mai die Initiative. Einerseits entsandte der litauische Großhetman Krzysztof Mikołaj Radziwiłł Entsatztruppen für die noch immer von den Schweden blockierte Besatzung der Burg von Kokenhausen. Die Schweden wurden ihrerseits in der Stadt Kokenhausen von den neu eingetroffenen Kräften eingeschlossen, denen es gelang, Verbindung mit der Burgbesatzung aufzunehmen. Zu diesen vorausgesandten Truppen wollte Großhetman Radziwiłł stoßen – am 24. Mai erreichte er die DünaStanislaw Herbst S. 87–89.
Zur Unterstützung der sich in Kokenhausen verteidigenden Schweden zog Carl Carlsson Gyllenhielm an der Spitze von etwa 2000 bis 2400 Mann aus. Er entwickelte einen Plan, der vorsah, mit dem Heer und einer Herde Ochsen nach Kokenhausen vorzurücken, während mit Proviant beladene Schiffe über die Düna nach Kokenhausen gelangen sollten.
Als die polnisch-litauischen Truppen, die die Schweden in Kokenhausen belagerten, am Morgen des 29. Mai von Gyllenhielms Herannahen erfuhren, beschlossen sie, ihm eine abgesonderte Truppenabteilung entgegenzusenden. Etwa eine Meile vor der Stadt Kokenhausen trafen die beiden Verbände aufeinander.Stanislaw Herbst S. 90
Die Schlacht Der erste Angriff, geführt von der Kosakenreiterei, wurde zurückgeschlagen, und die Schweden hielten weiterhin ihre Stellungen. Erst als gegen 19 Uhr polnische Infanterie auf dem Schlachtfeld eintraf, begannen die Schweden, sich in ihr Lager zurückzuziehen. Gleichzeitig setzte der alarmierte Großhetman Radziwiłł über die Düna. Genau zu diesem Zeitpunkt näherte sich auf dem Fluss ein schwedischer Provianttransport. Der Transport wurde abgefangen, wobei die Schweden 150 Mann verloren – die Verluste der Truppen der Polnisch-Litauischen Republik beliefen sich dagegen auf lediglich 17 Soldaten.
Am Morgen des 30. Mai entsandte der Großhetman die Hälfte seiner etwa 2000 Mann starken Streitmacht unter dem Kommando von Siciński. Dieser traf die Schweden jedoch nicht an dem erwarteten Ort an. Von einheimischen Bauern erfuhr er stattdessen, dass sich Gyllenhielm nach Erlaa zurückgezogen hatte. Dort traf Siciński am 2. Juni ein.Stanislaw Herbst S. 91–92
Aus Furcht vor dem Gegner errichtete Gyllenhielm an der Straße zwischen Kokenhausen und der Burg Erlaa einen starken Vorposten. Gegen Abend stießen die Truppen Sicińskis auf diese Stellung und zwangen sie zum Rückzug. Daraufhin entsandte Gyllenhielm eine Kavallerieabteilung von mehr als 500 Mann und ließ gleichzeitig den Rückzugsweg zur Burg mit Trosswagen versperren. Siciński setzte daraufhin die Hussaria (Flügelhusaren) ein, die die schwedische Reiterei zerstreute. Die sich zurückziehenden Schweden durchbrachen dabei selbst die aus Wagen errichtete Sperre. Anschließend griffen die Husaren die bei der Burg stationierte Kavallerie an, töteten deren Befehlshaber und brachten die schwedische Reiterei zur Flucht.
Auch die polnisch-litauische Infanterie erbeutete den schwedischen Tross. Als Gyllenhielm dies bemerkte, leitete er einen Gegenangriff seiner Infanterie ein, der die polnisch-litauischen Fußtruppen zum Rückzug zwang. Schließlich entschied sich Gyllenhielm, mit der Kavallerie den Rückzug anzutreten, während er die Infanterie zusammen mit den Geschützen in der Burg Erlaa verschanzte. Die Soldaten der Republik drängten darauf, die Burg zu stürmen, doch mangels Artillerie befahl Siciński den Rückmarsch nach Kokenhausen.Stanislaw Herbst S. 92–93
Folgen Mitte Juni schickten beide Seiten Verstärkungen nach Kokenhausen. Dort kam es am 23. Juni 1601 zur Schlacht bei Kokenhausen, die mit einem Sieg für die Polnisch-Litauische Republik endete.
Literatur Henryk Wisner: "Zygmunt III. Waza", Kraków 1984, ISBN 83-02-02089-3 Stanislaw Herbst: "Wojna inflancka 1600–1602", Zabrze 2006, ISBN 83-89943-14-X Leszek Podhorodecki: "Rapier i koncerz", Książka i Wiedza, Warszawa 1985
Einzelnachweise
Erlaa Erlaa Kategorie:Konflikt 1601 Kategorie:Polnisch-Schwedischer Krieg (1600–1629) Kategorie:Bezirk Madona