mini|Eingangsbereich Die Thermen von Bagnoli () sind eine ehemalige römische Badeanlage in der Stadt Capo d’Orlando auf Sizilien. Archäologische Funde belegen eine Besiedlung des Bauplatzes seit dem 4. oder 3. Jahrhundert v. Chr. In unmittelbarer Nähe befinden sich die bislang nicht datierten Reste des Steinbruchs Cave di Mercadante, Spuren eines griechischen Brunnens aus dem 5. Jahrhundert vor Christi sowie einer Anlegestelle, deren Nutzung im 2. bis 5. Jahrhundert v. Chr. begann.

Für die im 3. Jahrhundert nach Christi errichteten Thermen selbst sind mindestens drei Nutzungsphasen nachgewiesen. Ursprünglich gehörten sie möglicherweise zu einer römischen Villa oder waren Teil einer Raststation an der Via Valeria.

Nach dem Ende des Badebetriebs diente das Gebäude zeitweise als Töpferwerkstatt und später als Wohnraum. Während der arabischen Eroberung Siziliens wurde die Anlage vermutlich endgültig aufgegeben. Heute ist ein Teil der Therme als archäologische Zone zugänglich, während andere Bereiche überbaut sind.

Lage und Entdeckung mini|Plan des freigelegten Areals.Grau: Bauten aus der römischen Kaiserzeit (vor dem Bau der Thermen errichtet).Rot: Thermenkomplex aus der römischen KaiserzeitDunkelrot: Byzantinische Siedlungsphase Die Thermen von Bagnoli befinden sich rund drei Kilometer nordöstlich des Zentrums von Capo d’Orlando in den Ortsteilen Bagnoli und San Gregorio. Sie liegen am Fuß einer Hügelkette nahe der Küste und wurden 1986 zufällig bei Erdarbeiten für einen Parkplatz entdeckt.

Deutung Da bislang nur ein Teil des Areals archäologisch untersucht werden konnte, sind die genaue Ausdehnung und die ursprüngliche Nutzung des Komplexes nicht abschließend geklärt.

Eine Hypothese besagt, dass es sich um eine kleinere öffentliche Thermenanlage handelte, die zu einem Rastplatz (mansio) an der Via Valeria gehörte,Umberto Spigo, Annunziata Ollà, Claudio Capelli: La ceramica di produzione locale dalle terme di Bagnoli-S. Gregorio a Capo d’Orlando (ME). In: Daniele Malfatana, Jeroen Poblome und John Lund: Old pottery in a new century. Innovating perspectives on Roman pottery studies. Catania 2006. ISBN 88-89375-03-5. S. 451–464 (online) die Messina über Palermo mit Lilybaion verband. Die Thermen von Bagnoli lagen verkehrsgünstig in der Nähe eines antiken Anlegeplatzes, der im Bereich des heutigen Hafens von Capo d’Orlando (San Gregorio) vermutet wird. Dieser fungierte wahrscheinlich als Hafen für das westlich gelegene städtische Zentrum von Agathyrnum (dem heutigen Capo d'Orlando). Gegen diese Nutzung sprechen die geringe Höhe der Räume und die begrenzte Größe der Thermen.

Alternativ wird in der Forschung eine Zugehörigkeit zu einer römischen Villa (villa maritima) diskutiert. Die villa maritima war eine Sonderform der Villa urbana und diente wohlhabenden Römern als Sommerresidenz. Diese wurden oft direkt am Meer errichtet. An der Küste des Tyrrhenisches Meeres sind sie besonders häufig zu finden.

Der Fundkomplex könnte in Zusammenhang mit mehreren römischen Villen aus dem 3.–4. Jahrhundert n. Chr. stehen, die an der Nordküste Siziliens standen. Sie waren allesamt luxuriöse ländliche Residenzen für Angehörige der römischen Aristokratie und lagen verkehrsgünstig in der Nähe der Via Valeria. Bislang wurden in Bagnoli jedoch keine Baustrukturen gefunden, die sich eindeutig einer Villa zuordnen lassen.

Geschichte mini|Blick über die Anlage mini|Mögliche Erdbebenschäden zeigen sich in Raum 4, wo Risse in Ost-West-Richtung bis in die Innenwände verlaufen. mini|Spuren der Byzantinischen Bauphase: Erhöhter Bodenbereich mit Steinpflasterung in Raum 5. Das Areal, auf dem heute die Reste der Thermen stehen, wurde von der hellenistischen Zeit bis in das 7. Jahrhundert n. Chr. genutzt. Älteste Funde sind zwei in Syrakus unter Dionysios I. und Hieron II. geprägte Bronzemünzen sowie eine Amphore aus den ersten Jahrzehnten des 3. Jahrhunderts v. Chr. Letztere ähnelt Funden aus der Nekropole an der Via Vittorio Veneto im nahe gelegenen Capo d’Orlando, wo entsprechende Gefäße als Grabbeigaben dienten. Unterhalb der Therme befinden sich ältere Siedlungsspuren, die in die frühe oder mittlere Kaiserzeit datiert werden.

Die Bauzeit der Thermen lässt sich anhand von Keramik- und Münzfunden sowie der Mosaike auf die ersten Jahrzehnte des 3. Jahrhunderts n. Chr. eingrenzen. Im 4. Jahrhundert war die Anlage möglicherweise schon aufgegeben worden, bevor sie vermutlich bei dem schweren Erdbeben vom 21. Juli 365 n. Chr., das Ost- und Nordsizilien einschließlich der Äolischen Inseln verwüstete, schwer beschädigt wurde. Ein zweites Beben könnte die Anlage im 5. Jahrhundert weiter beschädigt haben. Anhand der Schäden wird die Intensität des Erdbebens auf die Stufe IX der Mercalliskala geschätzt.

Mitte des 5. Jahrhunderts entstand in der Thermenanlage eine Töpferwerkstatt, die Amphoren und unbemaltes Kochgeschirr herstellte. Dafür verfüllte man die Haupträume und nutzte den instand gesetzten Heizraum als Töpferofen. Das ehemalige Tepidarium diente als Lagerraum. Dort fanden sich bei den Grabungskampagnen Keramikfragmente, die mehr als 700 Kisten füllten. In den ersten Jahrzehnten des 6. Jahrhunderts endete die Töpferproduktion. Möglicherweise geschah dies nach einem erneuten Erdbeben. Anhand des Fundmaterials und der Stratigraphie datieren die Autoren einer Publikation aus dem Jahr 2008 die Aufgabe und Zerstörung der Anlage in den Zeitraum zwischen 525/550 n. Chr. und wahrscheinlich vor 644/647 n. Chr.

Im 7. Jahrhundert n. Chr. wurde der Komplex einer neuen Nutzung zugeführt. Die Räume des Caldariums wurden instand gesetzt und gepflastert. Anschließend dienten sie als Wohnräume. Die umgenutzten Thermen gehörten zu einer Siedlung, der wohl auch ein kleiner Friedhof mit fünf einfachen Gräbern etwa 70 Meter westlich der Anlage zuzuordnen ist. Keramik- und Münzfunde sowie eine byzantinische Fibel aus vergoldeter Bronze belegen eine Nutzung vom 7. bis möglicherweise zum Beginn des 8. Jahrhunderts. Danach gaben die Bewohner die Siedlung endgültig auf. Möglicherweise geschah dies im Zusammenhang mit der arabischen Eroberung Siziliens. Die Thermen verfielen. Schließlich stürzte das Gewölbe des Tepidariums ein. Später bedeckte Erde die Anlage.Vulcanologia, Istituto & Roma, Sezione & Roma, & Carla, Bottari & Carveni, Pietro & Messina, Archaeological & Messina, & Italy, & Messina, Archaeological & Catania, Archaeological. (2008):: Investigation of Archaeological Evidence for a Possible 6th-7th Century AD Earthquake in Capo d'Orlando (NE Sicily). In: Environmental Semeiotics (2008) 1(1), 55–69, (online)

Beschreibung Der Gesamtkomplex der Anlage von Bagnoli bestand ursprünglich möglicherweise aus den freigelegten Thermen und einem luxuriösen Wohnbereich und erstreckte sich von der Hügelkette nach Norden in Richtung der Küste. Der vermutete Wohnbereich konnte bislang nicht untersucht werden, da er von modernen Gebäuden sowie der Staatsstraße überbaut ist.

Der freigelegte Teil der Thermen erstreckt sich über eine Länge von etwa 32 Metern und eine Breite von sieben Metern. Er umfasst ein Frigidarium, ein Tepidarium und ein Caldarium. Südlich davon, in Richtung des Festlands, wurden Strukturen entdeckt, die vermutlich zu einer älteren Bebauung gehören.

mini|Reste der Mauern mit grob behauenen Blöcken aus lokalem Sandstein. Die Mauerreste sind bis zu 0,9 Meter hoch erhalten. Sie bestehen aus unregelmäßig zugeschnittenen, meist nur grob behauenen Blöcken aus lokalem Sandstein, dem sogenannten Capo-d’Orlando-Flysch. Der weiß-gelbe Wandputz imitierte eine kostspielige Marmorverkleidung.

Das Frigidarium (Kaltbad) bestand aus drei Räumen. Daran schloss sich das Tepidarium an, ein mäßig beheizter Bereich, der den Übergang zum Caldarium bildete. Das Calidarium umfasste zwei Räume. Einer davon besaß ein Warmwasserbecken, das für Heiß- oder Dampfbäder genutzt wurde.

Die Anlage verfügte über eine klassische Warmluftheizung (Hypokausten) mit Schwebeböden (suspensurae) und in den Wänden verlegten Hohlziegeln (tubuli). Das Tepidarium besaß ein Tonnengewölbe aus römischem Beton (Opus caementicium).

mini|Detailaufnahme eines Mosaiks mit geometrischen Formen Bodenmosaike in Schwarz und Weiß mit roten Einsätzen sind im Tepidarium und in den beiden Räumen des Caldariums erhalten. Ihre im Opus tessellatum ausgeführten geometrischen Muster weisen deutliche Parallelen zu zeitgenössischen nordafrikanischen Arbeiten auf. Aufgrund der nur teilweise erhaltenen Böden ist nicht auszuschließen, dass die Mosaikböden ursprünglich auch figürliche Motive (Emblemata) enthielten.

Archäologische Zone und Museum Die Archäologische Zone Capo d’Orlando (italienisch Area archeologica di Capo d’Orlando) umfasst die freigelegten Teile der Thermen. Das Gelände ist eingezäunt. Die Thermen können jedoch täglich von 9:00 bis 18:30 Uhr besichtigt werden. Ein Teil der Funde ist im Archäologischen Museum Agatirnide in Capo d’Orlando ausgestellt.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Sizilien Kategorie:Capo d’Orlando Kategorie:Römisches Bad in Italien Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Europa Kategorie:Erbaut im 3. Jahrhundert