Die Kansas, auch USS Kansas (Kennung: BB-21), war ein Schlachtschiff (Einheitslinienschiff) der United States Navy aus dem frühen 20. Jahrhundert. Das Schiff, nur wenige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg in Dienst genommen, gehörte der aus insgesamt sechs Schiffen bestehenden Connecticut-Klasse an und wurde als fünfte Einheit dieser Klasse in Dienst genommen. Namensgeber des Schiffes war der US-Bundesstaat Kansas; das Schlachtschiff war, nach einem Kanonenboot aus der Zeit des Sezessionskrieges, das zweite Schiff in der Geschichte der US-Marine, das den Namen dieses Bundesstaates trug. Das Schiff wurde am 10. Februar 1904 auf der Werft der New York Shipbuilding Company in Camden im US-Bundesstaat New Jersey auf Kiel gelegt, der Stapellauf fand am 12. August 1905 statt. Die Schiffstaufe erfolgte durch Anna Hoch, die Tochter des damaligen Gouverneurs von Kansas, Edward W. Hoch, wobei jedoch bei der Taufe eine Wasserflasche und keine Alkoholflasche benutzt wurde, da Kansas zu jener Zeit ein Prohibitionsstaat war. Die Indienststellung erfolgte am 18. April 1907. Erster Kommandant des Schiffes war Captain Charles B. Vreeland.

Technische Aspekte Die maximale Länge des Schiffes betrug 139,11 Metern, die größte Breite des Rumpfes lag bei 23,22 Metern. Der Tiefgang maß etwa 7,50 Meter. Die Wasserverdrängung gemäß der Konstruktionsplanungen lag bei rund 16.500 ts, im voll ausgerüsteten Zustand betrug sie rund 18.000 ts.Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1905–1970, S. 212. Zwölf kohlenbefeuerte Babcock & Wilcox-Kessel und zwei 4-Zylinder-Dreifach-Expansionsmaschinen, welche maximal 16.500 PSi auf zwei Wellen leistete, ermöglichte der Kansas eine Höchstgeschwindigkeit von rund 18,8 Knoten (ca. 35 km/h). Mit einem maximalen Kohlenvorrat von etwa 2600 Tonnen und bei einer sparsameren Marschfahrt von zehn Knoten besaß das Schlachtschiff eine Reichweite von circa 7600 Seemeilen.Herder: US Navy Battleships 1895–1908, S. 28.

Artilleristisch betrachtet waren die Kansas und ihre Schwesterschiffe, auch wenn eine vergleichsweise starke Mittelartillerie vorhanden und eine sogenannte halbschwere Artillerie zwischen Mittel- und Hauptartillerie eingeschoben worden war, noch dem Schema der Einheitslinienschiffe jener Zeit zuzurechnen. Einige Fachquellen betrachten die Schiffe dieses Typs wegen der starken Bewaffnung auch als eine der konsequentesten und leistungsstärksten Umsetzungen des Konzeptes des „Vor-Dreadnought-Linienschiffes“. Die Hauptartillerie setzte sich aus vier 30,5-cm-Geschützen Mark 5 L/45 in zwei je 434 Tonnen schweren Doppeltürmen zusammen, wobei je ein Turm vor und hinter den Aufbauten in Mittschiffslinien stand. Daneben befanden sich als halbschwere Artillerie acht 20,3-cm-Geschütze Mark 6 L/45 in vier Doppeltürmen an Bord. Diese je 151 Tonnen wiegenden Türme waren zu beiden Seiten der Aufbauten angeordnet, so dass bei einer Breitseite je vier Kanonen zum Tragen gebracht werden konnten. Zudem verfügte die Kansas auf beiden Rumpfseiten über jeweils sechs 17,8-cm-Geschütze Mark 1 L/44 in Kasematten. Diese Vielfalt an Geschützkalibern verursachte jedoch auch Probleme, da die Schießergebnisse infolge der Ähnlichkeit der Aufschlagbilder, vor allem der 20,3-cm- und der 17,8-cm-Geschütze, und damit der Verwechslungswahrscheinlichkeit eher mäßig waren. Dieses Manko war allerdings fast allen Kriegsschiffen beschieden, die mit halbschweren Kalibern ausgerüstet waren und die als Zwischenstufe zwischen dem Einheitslinienschiff und den späteren Dreadnought-Typen fungierten.

Zur Abwehr von Torpedobooten besaß die Kansas außerdem noch 20 7,6-cm-Geschütze, wobei von diesen 14 in Kasematten und sechs in offener Lafettenaufstellung an Oberdeck installiert waren. Im Jahr 1909 wurden ferner vier Torpedorohre im Kaliber 53,3 cm nachgerüstet, wobei je zwei Rohre nach Steuerbord und nach Backbord ausgerichtet waren.

Geschichte des Schiffes Nach der Indienststellung wurde die Kansas dem 1. Schlachtschiff-Geschwader (1st Battleship Division) der United States Atlantic Fleet zugeteilt. Bei Manöverfahrten vor der Küste von Massachusetts zwischen dem 17. August und dem 24. September 1907 fiel allerdings die Neigung des Schiffes zu Schlingerbewegungen auf, so dass nachfolgend ein Werftaufenthalt bis Anfang Dezember 1907 notwendig wurde, wobei zusätzlicher Ballast an Bord kam. Am 9. Dezember 1907 schloss sich das Schlachtschiff vor Hampton Roads der Great White Fleet an, welche im Anschluss zu einer Erdumfahrung aufbrach. Diese Unternehmung durch insgesamt 16 größere US-Kriegsschiffe, eine politische und maritime Machtdemonstration, dauerte bis Februar 1909, wobei die Schiffe des Verbandes rund 47.000 Seemeilen zurücklegten und unter anderem die Häfen von Port of Spain, Punta Arenas, Manila und Yokohama ansteuerten. mini|links|Die Kansas im Hafen von Brest (1919). Im Hintergrund linkerhand liegt das US-Schlachtschiff New Hampshire. Zwischen 1909 und 1913 unternahm die Kansas zahlreiche Manöver- und Besuchsfahrten, so wurden unter anderem ausgedehnte Reisen nach Europa unternommen, wobei 1910 beispielsweise Cherbourg und Weymouth angelaufen wurden. Im Jahr 1911 folgten Besuche in Kopenhagen, Kronstadt und Kiel. In den Jahren 1912 und 1913 war das Schiff zumeist bei Ausbildungs- und Manövertätigkeiten vor der Küste Neuenglands und im Golf von Mexiko eingesetzt. Im Sommer 1914 war die Kansas, mittlerweile Teil des 2. Schlachtschiff-Geschwaders (2nd Battleship Division), an der zeitweiligen Besetzung von Veracruz infolge des sogenannten Tampico-Zwischenfalls beteiligt; es kam aber zu keinem Waffeneinsatz und das Schiff nahm lediglich Sicherungsaufgaben war. Darüber hinaus verlegte das Schiff im Oktober 1914 vor die Küste von Haiti und lag mehrere Wochen vor Port-au-Prince, wo es zu schweren politischen Unruhen gekommen war. Nach rund acht Wochen kehrte die Kansas zurück in die Vereinigten Staaten, wo erneut eine ereignislose Manöver- und Ausbildungszeit folgte. Im Herbst 1916 wurde das Schiff einer längeren Werftliegezeit und Überholung auf der Philadelphia Naval Shipyard unterzogen.

Nach dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg im April 1917, wurde das Schiff im Juli 1917 zum 4. Schlachtschiff-Geschwader (4th Battleship Division) detachiert, sah aber nachfolgend nur sehr wenige Kriegseinsätze – lediglich im September 1918 erfolgte eine Konvoisicherungsoperation in Richtung Europa – und nahm bis Kriegsende im November 1918 zumeist Ausbildungsaufgaben in der Chesapeake Bay wahr. Nach November 1918 transportierte die Kansas auf fünf Fahrten (zwischen Dezember 1918 und Juni 1919) rund 2.700 US-Soldaten aus Europa in die Heimat zurück. Im Jahr 1919 erfolgte eine teilweise Desarmierung, als die in den Seitenkasematten installierten 17,8-cm-Geschütze an Bord ausgebaut wurden; bis zur Außerdienstnahme wurden diese nicht mehr wieder eingebaut.

Im Juni 1920 lief das Schiff zu einer mehrmonatigen Ausbildungsreise durch die Karibik und den Pazifik aus, dabei wurden im Sommer 1920 auch der Panamakanal passiert und Hawaii angelaufen. Nach der Rückkehr aus dem Pazifik folgte im Sommer 1921 noch eine kurze Fahrt nach Europa, Zielhäfen waren unter anderem Gibraltar und Lissabon. Im Anschluss an diese Reise wurde die Kansas dann am 16. Dezember 1921 in Philadelphia außer Dienst gestellt.

Verbleib Aufgrund der Bestimmungen des 1922 unterzeichneten Washingtoner Flottenvertrages über maritime Rüstungsbegrenzungen erging am 1. November 1923 schließlich die Order, das Schiff abzuwracken. Am 10. November 1923 wurde die Kansas auf Abbruch verkauft. Die Abwrackarbeiten, die durch die Philadelphia Naval Shipyard durchgeführt wurden, waren im Laufe des Jahres 1924 abgeschlossen.

Literatur Breyer, Siegfried: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1905–1970. Verlag J. F. Lehmanns. München 1970. Friedman, Norman: US Battleships: An Illustrated Design History. U. S. Naval Institute Press. Annapolis (MD) 1985. Herder, Brian L.: US Navy Battleships 1895–1908. The Great White Fleet and the Beginning of US Global Naval Power. Osprey Publishing. Oxford, New York 2020.

Weblinks

Die Kansas beim Naval History and Heritage Command (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Connecticut-Klasse Kategorie:Schiff im Ersten Weltkrieg