Zajezierze () ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es gehört zur Gmina Małdyty im Powiat Ostródzki. mini|Ehemaliges Herrenhaus Seegertswalde in Zajezierze
Geographische Lage Zajezierze liegt im Westen der Woiwodschaft Ermland-Masuren, 14 Kilometer westlich der Stadt Morąg bzw. 26 Kilometer nordwestlich der Kreismetropole Ostróda.
Geschichte Das einstige Sieghardiswalde wurde 1308 gegründet. Es hieß nach 1308 Sejerswalde, um 1785 Seegerswalde und nach 1820 Segertswalde. Als ein weit gestreuter kleiner Ort war das Vorwerk eng verbunden mit dem nahegelegenen Gut Maldeuten.Dietrich Lange: Seegertswalde
Bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts waren Angehörige der Adelsfamilie von Schlieben Besitzer von Seegertswalde. Im Jahre 1655 verkaufte Johann Friedrich von Schlieben (1630–1696) den Besitz an Christoph von Houwald (1601–1661), dessen Nachfahren nach seinem plötzlichen Tod Eigner wurden.Peter Bahl: Der Hof des Großen Kurfürsten, S. 505
Im Jahre 1785 zählte das Dorf 25 Feuerstellen, im Jahre 1820 waren es elf Feuerstellen bei 139 Einwohnern, und im Jahre 1910 waren in Seegertswalde 104 Einwohner gemeldet.Meyers Gazetteer: Seegertswalde
Am 27. Dezember 1905 wurde aus dem Gut Seegertswalde im Gutsbezirk Maldeuten der Gutsbezirk Seegertswalde gebildet und in den seit 1874 bestehenden Amtsbezirk Maldeuten im ostpreußischen Kreis Mohrungen und Regierungsbezirk Königsberg integriert.Rolf Jehke: Amtsbezirk Maldeuten Dem schlossen sich zahlreiche strukturelle Veränderungen an: Am 10. April 1911 wurde aus Teilen des Gutsbezirks Seegertswalde und des Gutsbezirks Maldeuten der Gutsbezirk Figaiken gebildet, und am 4. Juli 1922 wurden Teile des Gutsbezirks Maldeuten sowie der Landgemeinde Linkenau (im Amtsbezirk Hanswalde) in den Gutsbezirk Seegertswalde eingegliedert.
Nur vier Wochen später – am 5. August 1922 – schlossen sich die Gutsbezirke Fiugaiken und Seegertswalde zu einem neuen Gutsbezirk Seegertswalde zusammen,. Am 16. Juni 1925 wiederum wurde der Gutsbezirk Seegertswalde in eine Landgemeinde umgewandelt.
Am 30. September 1928 schließlich integrierte die Landgemeinde Seegertswalde den seine Eigenständigkeit aufgebenden Gutsbezirk Maldeuten. All die Veränderungen schlugen sich naturgemäß in den Einwohnerzahlen von Seegertswalde nieder, die bis 1933 auf 774 bzw. bis 1939 auf 769 anstiegen.Michael Rademacher: Ortsbuch Landkreis Mohrungen
Im Jahre 1945 wurde in Kriegsfolge das gesamte südliche Ostpreußen an Polen abgetreten. In diesem Zusammenhang erhielt Seegertswalde die polnische Namensform „Zajezierze“. Das Dorf ist heute eine Ortschaft im Verbund der Gmina Małdyty im Powiat Ostródzki, von 1975 bis 1998 der Woiwodschaft Olsztyn, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig. Im Jahre 2021 waren in Zajezierze 313 Einwohner registriert.
Religion Kirchengebäude Ein Gotteshaus erhielt die bereits im 15. Jahrhundert bestehende Kirchengemeinde im Jahre 1656.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 62 Es handelte sich um einen schlichten Fachwerkbau mit einem Dachreiter, den der damalige Kirchenpatron Christoph von Houwald errichten ließ. Der Erzpriester in Saalfeld David Kluge nahm die Einweihung vor.Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 184 Altar und Kanzel entstanden im Gründungsjahr der Kirche und waren in Schnitzwerk gestaltet. Das Taufbecken stammnte noch aus der Ordenszeit. Die Kirche hatte eine Orgel „mit fünf Stimmen“ sowie zwei Glocken. Bemerkenswert ist ein Epitaph des Legationsrats und Herrn auf Maldeuten Heinrich von Houwald (1664–1709), das allegorische Figuren aufweist, die der Schule des Isaak Riga nahestehen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden mehrfach Renovierungsmaßnahmen an der Kirche vorgenommen. Ihnen zum Opfer fielen wohl zwei Gewölbe vor dem Altar, die 1853 verschüttet wurden. Im Jahre 1886 fand eine grundlegende Restaurierung statt, die dem Kircheninnern ein neugotisches Gesicht verschafften – was laut offiziellen polnischen Denkmaldaten einem Neubau gleichkam.Zabytek.pl: kościół ewangelicki, ob. rymskokatolicki filiany pw. św.św Piotra i Pawła
In der Kirche wird eine Gedenktafel mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus dem Kirchspiel Seegertswalde aufbewahrt.
Sie Seegertswalder Kirche war bis 1945 ein evangelisches Gotteshaus. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung wurde das Gebäude seitens der römisch-katholischen Kirche genutzt. Sie wurde den Aposteln Petrus und Paulus geweiht und ist seit 1990 eine Filialkirche der Pfarrei Małdyty.Parafia Małdyty
Kirchengemeinde Evangelisch Die Kirche in Seegertswalde scheint im 15. Jahrhundert als evangelische Kirche bestanden zu haben.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 465–466 Von 1684 bis 1691 war sie der Kirche in Simnau als Filialkirche zugeordnet und gehörte seit 1691 zur Kirche in Groß Wilmsdorf.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 151 Das Kirchenpatronat war stets adlig und wurde von den Gutsherren auf Maldeuten und auch Zöpel wahrgenommen.
Einst der Inspektion Saalfeld zugeordnet war die dann Vereinigte Kirchengemeinde Groß Wilmsdorf-Seegertswalde (Pfarrsitz Groß Wilmsdorf) bis 1945 Teil des Superintendenturbezirks Saalfeld innerhalb des Kirchenkreises Mohrungen der Kirchenprovinz Ostpreußen in der Kirche der Altpreußischen Union. Zum Sprengel Seegertswalde der vereinigten Kirchengemeinden gehörten im Jahre 1925 720 Gemeindeglieder von 1.222 der Gesamtgemeinde. Sie lebten in den Kirchspielorten Maldeuten, Seegertswalde, Wilhelmshöhe, Zölp und Zöpel.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung in Kriegsfolge machten ein Weiterbestehen der evangelischen Gemeinde in Zajezierze nicht mehr möglich. Heute hier lebende evangelische Einwohner gehören zur Kirchengemeinde in der Stadt Morąg, einer Filialgemeinde von Ostróda in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Römisch-katholisch Vor dem Zweiten Weltkrieg gehörten die römisch-katholischen Einwohner Segertswaldes zur Kirche St. Joseph in der Kreisstadt Mohrungen. Nach 1945 nutzten sie die bisher evangelische Kirche als ihr Gotteshaus, denn die mjeisten Neusiedler hier waren römisch-katholischer Konfession. Am 15. August 1990 errichtete das Bistum Elbląg im Nachbarort Małdyty eine dem Dekanat Morąg zugehörige eigene Pfarrei, der die Kirche in Zajezierzce als Filialkirche zugeordnet wurde. Zu dieser St.-Peter-und-Paul-Kirche orientieren sich die westlich der Schnellstraße S 7 liegenden Pfarreiorte Drynki, Fiugajki, Pleśno, Sople und Zajezierze.
Schule Seit Anfang des 18. Jahrhunderts gab es in Seegertswalde eine Schule. In ihr wurde dreiklassig unterrichtet. Der Schulkindereinzugsbereich umfasste neben Seegertswalde noch Maldeuten, Figaiken, Wilhelmshöhe und Zöpel.
Verkehr Zajezierzce liegt an der polnischen Woiwodschaftsstraße 519 (einstige deutsche Reichsstraße 126), die die Städte Morąg und Zalewo miteinander verbindet und bis nach Stary Dzierzgoń führt. Eine von Bartno über Wielki Dwór und Jarnołtowo kommende Straße endet in Zajezierze.
Die nächste Bahnstation ist Maldeuten. Sie liegt an der Bahnstrecke Olsztyn–Bogaczewo mit Anschluss nach Elbląg. Bis 1999 bzw. 2004 gab es dort die zweite Bahnstrecke Małdyty–Malbork, die inzwischen eingestellt und demontiert worden ist.
Persönlichkeit Horst Janzen (1930–1978), deutscher Künstler (Maler), wurde in Seegertswalde geboren
Weblinks
Bildarchiv Ostpreußen: Slideshow Seegertswalde/Zajezierze
Einzelnachweise
Kategorie:Gegründet 1308 Kategorie:Ort der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Małdyty