Das Zentrum Nummer 522 zur Identifizierung der Toten (russisch 522-j Zentr prijoma, obrabotki i otprawki pogibschich) in Rostow dient aktuell der Identifikation der Leichen der im Ukrainekrieg gefallenen russischen Soldaten. Es ist dem Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation unterstellt.

Das Zentrum wurde 1995 gegründet, als die Leichname aus dem Ersten Tschetschenienkrieg dort identifiziert werden mussten. Es ist dem örtlichen Militärkrankenhaus zugeordnet und war diesem ursprünglich auch räumlich angeschlossen. Während des Zweiten Tschetschenienkriegs war es die einzige Leichenhalle des Militärs, in der DNA-Tests durchgeführt werden konnten; Stand 2018 soll sie Kühlplätze für 400 Leichen gehabt haben. Im April 2024 wurde das Zentrum an einen größeren Standort am Stadtrand verlagert, wo zunächst Zelte, dann Container für die Identifikation der Leichen, die Entgegennahme von Identifizierungsanträgen und die Betreuung von Angehörigen errichtet wurden. Stand 2025 sollen über 100 Militärangehörige auf dem Gelände arbeiten. Sind Tote identifiziert, werden sie in ihre Heimat überführt.

Familien gefallener und vermisster russischer Soldaten können im Zentrum durch persönliche Angaben zur Identifikation ihrer Angehörigen beitragen. Stand 2025 wenden sich täglich 500 bis 600 Angehörige an das Zentrum, um Auskunft zu erhalten. In Sozialen Netzwerken klagen Angehörige häufig über mangelnde Auskunft. Das Zentrum kommuniziert mit den Angehörigen auch über geschlossene Telegram-Chatgruppen; bis Sommer 2024 sollen über 127.000 vermisste Soldaten auf diese Weise identifiziert worden sein.

Von 2022 bis 2024 half eine Einwohnerin von Rostwo, Jekaterina Snigirew, Angehörigen, die nicht nach Rostow reisen konnten, vermisste Soldaten in der Leichenhalle zu identifizieren. Als 2024 ein neuer Kommandeur das Zentrum übernahm, verbot er Snigirew, die Leichenhalle zu betreten. Dies führte zu Protest durch die Angehörigen; Snigirew erlangte aufgrund ihrer Tätigkeit russlandweite Bekanntheit.

Weil seit dem Ukrainekrieg die Identifizierung der Soldaten lange dauert, diskutiert die Duma eine Gesetzesänderung, um die Identifizierung der Leichen in der Leichenhalle zu beschleunigen. Medien berichteten wiederholt, dass die Leichenhalle völlig überfüllt sei, so dass Leichen ohne Kühlung und auf dem Boden liegend gelagert werden.

Die einzige vergleichbare Einheit existiert in den USA mit den Mortuary Affairs.

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