mini|Altes Rathaus in Oldenburg mit Marktplatz (2015)

Das Alte Rathaus ist ein denkmalgeschütztes Rathausgebäude in der Innenstadt von Oldenburg (Oldb.). Es befindet sich im Bereich des historischen Stadtzentrums und gehört zu den prägenden Bauwerken der Stadtgeschichte.

Der Dreiecksbau wurde 1886 von den beiden Architekten Johann Matthias von Holst und Carl Zaar errichtet und wird als Verwaltungsgebäude genutzt.

Lage und Umgebung mini|Altes Rathaus von der Langen Straße aus gesehen (2017) Das Alte Rathaus steht als freistehendes Gebäude auf dem Marktplatz im Zentrum von Oldenburg in Niedersachsen. Südlich des Rathauses liegt die Lambertikirche, hinter der sich der Kasinoplatz anschließt. An der Ostseite des Gebäudes steht das Degodehaus, welches als das älteste erhaltene Gebäude der Stadt gilt.

Im Nordwesten mündet die Lange Straße, eine der beiden Hauptstraßen der Oldenburger Fußgängerzone, in den Marktplatz. Dort trifft sie auf die Achternstraße, der zweiten Fußgängerstraße. An der Nordseite verläuft die Pistolenstraße als schmale Passage unmittelbar am Rathausgebäude entlang. Westlich befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite des Marktplatzes die Schlosshöfe.

Marktplatz Auf dem Marktplatz finden regelmäßig Veranstaltungen zwischen dem Alten Rathaus, der Lambertikirche und den Schlosshöfen statt, beispielsweise ein Wochenmarkt oder im Dezember der Lambertimarkt.

Von 1933 bis 1978 befand sich die zentrale Umsteigehaltestelle des Oldenburger Nahverkehrs auf dem Marktplatz. Erst anschließend wurde der ZOB am Hauptbahnhof eingerichtet. Am 1. August 1967 wurde die Oldenburger Innenstadt als eine der ersten Innenstädte Deutschlands zur Fußgängerzone erklärt. Seitdem sind Marktplatz und Altes Rathaus nicht mehr für den motorisierten Individualverkehr zugänglich. Die Nutzung des Marktplatzes veränderte sich in der Folge deutlich. Heute prägen insbesondere gastronomische Angebote sein Erscheinungsbild.

Geschichte „Schwerdtfeger-Rathaus“ als Vorgängerbau An der Stelle des heutigen Gebäudes stand ursprünglich ein 1635 auf Betreiben von Graf Anton Günther von Oldenburg errichtetes Rathaus mit einer Fassadengestaltung im Stil der Spätrenaissance. In Anlehnung an seinen Architekten Otto Schwerdtfeger wurde der Bau im Volksmund als „Schwerdtfeger-Rathaus“ bezeichnet. Das Gebäude bestand in dieser Form mehr als zwei Jahrhunderte, bevor es zur Jahreswende 1885/1886 abgerissen wurde.

Für einen Rathausneubau schlug Stadtbaumeister Georg Osthoff vier mögliche Standorte vor:

den Marktplatz mit einem Dreiecksbau an der bisherigen Stelle, den Marktplatz mit einem rechteckigen Gebäude zwischen der Lambertikirche und dem Weber, dem damaligen Standort einer Textilverarbeitung, die westliche Häuserfront des Marktplatzes an der Stelle des heutigen Lambertihofes, den Dobben am heutigen Cäcilienplatz.

Abriss des Vorgängerbaus und Errichtung des Rathauses Nach einem Wettbewerb von 1886 wurde das Gebäude nach Plänen der Berliner Architekten Johann Matthias von Holst und Carl Zaar auf dreieckigem Grundriss in zeitgenössischer historistischer Formensprache errichtet. Der Grundstein wurde am 25. Mai 1886 gelegt. Der historische Rathauskeller des Vorgängerbaus blieb erhalten. Während den Bauarbeiten bezogen der Stadtrat und die Verwaltung übergangsweise ein Gebäude am Cäcilienplatz.

Mit Beginn des Abrisses des alten Rathauses veränderte sich das Erscheinungsbild des Marktplatzes deutlich. Durch den Wegfall des Gebäudes wirkte der Platz wesentlich größer. Die dadurch ausgelöste öffentliche Diskussion führte auch zu einer Auseinandersetzung über den Standort des geplanten Rathausneubaus. In der Oldenburger Bevölkerung bildete sich eine Bürgerinitiative, die sich gegen die Errichtung eines neuen Rathauses auf dem Marktplatz aussprach. Daraufhin wurde eine unverbindliche Volksabstimmung initiiert. Von den insgesamt 2312 Stimmberechtigten sprachen sich 1619 Menschen mit ihrer Unterschrift gegen den geplanten Standort aus.

Der Stadtrat hielt dennoch am ursprünglichen Vorhaben fest. In einer Abstimmung lehnte er den Bürgerantrag mit neun gegen acht Stimmen ab. Das neue Rathaus wurde daraufhin auf dem dreieckigen Bauplatz am Marktplatz errichtet. Die Baukosten beliefen sich auf 160.000 Mark. Das Rathaus wurde 1888 fertiggestellt und von Großherzog Nikolaus Friedrich Peter und seiner Ehefrau Elisabeth eröffnet. Am 28. Januar zogen Magistrat und Stadtrat in das neue Gebäude ein.

Nutzungsgeschichte mini|Altes Rathaus vom Osten aus betrachtet (2017) Im Keller eröffnete am 2. November 1887 eine Gastwirtschaft, welche auch 140 Jahre später noch existiert. Bereits zwei Jahrzehnte nach seiner Fertigstellung erwies sich das Rathaus als zu klein für die inzwischen gewachsenen Aufgaben der Stadtverwaltung. In der Folge mussten zusätzliche Gebäude angemietet und für Verwaltungszwecke genutzt werden. Die zunehmende räumliche Verteilung der Stadtverwaltung setzte sich in den folgenden Jahrzehnten fort. Im Jahr 2013 war die Verwaltung mit mehr als 2300 Mitarbeitenden schließlich auf 29 verschiedene Standorte im Stadtgebiet verteilt.

Anfang der 1970er Jahre kam die Diskussion über einen Rathausneubau erneut auf. 1974 wurde ein Beirat für einen Rathausneubau gebildet, welcher sich am 25. Juli 1975 für den Pferdemarkt als Standort aussprach. Der Stadtrat stimmte dieser Entscheidung zu. Daraufhin wurde ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben. Zu den Vorgaben gehörte, die bereits bestehenden historischen Gebäude am Pferdemarkt zu erhalten und den Platz wieder stärker an die Innenstadt anzubinden. Dem Ideenwettbewerb folgte 1980 ein Realisierungswettbewerb, aus dem die Hamburger Architektengruppe „me di um“ als Sieger hervorging. mini|Neues Rathaus am Pferdemarkt Oldenburg (2008) Eine denkmalgeschützte Infanteriekaserne von 1835 wurde anschließend saniert, umgebaut und durch Neubauten ergänzt. Im Jahr 1984 bezogen die ersten städtischen Dienststellen die Räumlichkeiten „Neues Rathaus“. Neben dem Alten und dem Neuen Rathaus besitzt Oldenburg seit dem 12. Dezember 1988 mit dem Technischen Rathaus an der Industriestraße noch ein drittes Gebäudeensemble. Das Alte Rathaus am Marktplatz besteht weiterhin und wird von der Stadtverwaltung genutzt. Es beherbergt das Büro des Oberbürgermeisters. Im Erdgeschoss sind die Fraktionen des Stadtrates untergebracht.

Die Außenfassade des Alten Rathauses wurde von 2004 bis 2007 umfassend saniert. Im Jahr 2023 traten Feuchtigkeitsschäden an der Nordost- und Südseite der historischen Bausubstanz auf.

Architektur Das Alte Rathaus besitzt einen dreieckigen Grundriss. Der aus Ziegeln errichtete Bau weist Sandsteinelemente auf und verbindet Formen der Neorenaissance und der Neugotik. Damit ist das Gebäude dem Historismus des späten 19. Jahrhunderts zuzuordnen.

Besonders prägend sind die beiden Schauseiten des Gebäudes. Die symmetrische Westfassade wird durch das Hauptportal bestimmt, während die asymmetrische Fassade zum Markt durch die großen Fenster des Ratssaals geprägt ist.

Der Große Sitzungssaal ist aufwendig ausgestattet. Zu den historischen Ausstattungsmerkmalen gehören die hölzerne Tonnendecke mit ihren Tragkonsolen, die Wandvertäfelungen, der Parkettfußboden, eine Loggia mit Balkon sowie die Saaltüren. An der Stirnseite des Ratssaals befinden sich das Wappen der Stadt Oldenburg und das großherzogliche Wappen. An der westlichen Wand sind zudem die Wappen der Städte Vechta, Friesoythe, Jever, Varel, Wildeshausen und Delmenhorst angebracht. Sie verweisen auf die historische Verbindung mit den bedeutenden Städten des Oldenburger Landes.

Ausstattung Wandmalereien im Großen Sitzungssaal Im Frühjahr 2004 brachten restauratorische Untersuchungen im Großen Sitzungssaal Teile der ursprünglichen Wandmalereien zum Vorschein. Die Wandgestaltung mit Wappen und Blumenmotiven war 1887 vom Maler Friedrich Wilhelm Adels und seinem Sohn Heinrich innerhalb von 24 Tagen für 800 Mark ausgeführt worden. Zu einem nicht näher bestimmten Zeitpunkt wurden die Malereien überstrichen, wodurch die historische Gestaltung des Saales weitgehend verdeckt wurde. Der Saal konnte infolgedessen restauriert und die historische Wandbemalung rekonstruiert werden. Die Restaurierungsarbeiten wurden Ende 2005 abgeschlossen, die ursprüngliche Wandgestaltung ist seitdem wieder sichtbar.

Glockenspiel Im Jahr 1995 wurde anlässlich des 650-jährigen Stadtjubiläums ein Glockenspiel an der Außenfassade des Alten Rathauses angebracht. Es spielt viermal täglich verschiedene Lieder. Neben der dem Großherzogtum gewidmete Oldenburg-Hymne „Heil dir, o Oldenburg“ sind etwa dreißig weitere, an die jeweilige Jahreszeit angepasste Melodien eingespielt worden. Die Einspielungen wurden vom Kirchenmusikdirektor Ricklef Orth (1929–2010) vorgenommen. Finanziert wurde das Projekt durch eine vom langjährigen Veranstalter des Oldenburger Stadtfests Klaus Enke (1930–2005) organisierte Tombola.

Während der COVID-19-Pandemie wurde das Glockenspiel abgeschaltet, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Nach längerer Stilllegung war die Anlage jedoch nicht mehr funktionsfähig und konnte mehrere Monate nicht betrieben werden. Im August 2023 konnte das Glockenspiel wieder in Betrieb genommen werden.

Beflaggung Vor der Ostfassade des Alten Rathauses befindet sich ein großer Fahnenmast. Die Beflaggung richtet sich nach den Beflaggungsanordnungen des Landes Niedersachsen. Zu den regelmäßig vorgeschriebenen Anlässen gehören unter anderem der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar, der Tag der Arbeit am 1. Mai, der Europatag am 9. Mai, der Tag des Grundgesetzes am 23. Mai, der Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober sowie der Volkstrauertag. An einzelnen Gedenktagen wird halbmast beflaggt. Auch an Tagen allgemeiner Wahlen ist eine Beflaggung vorgesehen.

Anlassbezogene zusätzliche Beflaggungen sind an weiteren Tagen möglich. Die Stadt Oldenburg kann hierfür insbesondere bei Veranstaltungen mit einem städtischen Interesse eine Beflaggung genehmigen. Genannt werden unter anderem das Internationale Filmfest, die Kinder- und Jugendbuchmesse KIBUM, die Charta der Vielfalt, die Inklusionswoche sowie der CSD Oldenburg.

Als Beispiel für eine besondere Beflaggung nennt die Nordwest-Zeitung den 7. Oktober 2023. Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel ließ Oberbürgermeister Jürgen Krogmann die israelische Flagge vor dem Rathaus als Zeichen der Solidarität hissen. Die Stadt verfügte nach eigenen Angaben allerdings nicht über alle Nationalflaggen im Bestand, sodass die israelische Flagge zunächst beschafft werden musste.

Literatur G. Weiß, K. Eichwalder, G. Dehio, und E. Gall: Bremen, Niedersachsen. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Deutscher Kunstverlag., München, 1992. S. 1024–1025.

Weblinks

360-Grad-Ansichten des Alten Rathauses

Einzelnachweise

Kategorie:Rathaus in Niedersachsen Altes Rathaus Altes Rathaus Kategorie:Backsteinbauwerk des Historismus Kategorie:Neorenaissancebauwerk in Niedersachsen Kategorie:Erbaut 1888