Titus Munatius Plancus Bursa († nach 43 v. Chr.) war ein im 1. Jahrhundert v. Chr. lebendes Mitglied des römischen plebejischen Geschlechts der Munatier. Er war als Volkstribun 52 v. Chr. ein entschiedener Gegner Milos und Ciceros, wurde später Anhänger Caesars und kämpfte 43 v. Chr. als Parteigänger des Marcus Antonius wenig erfolgreich im Mutinensischen Krieg.

Leben Herkunft; Volkstribunat Titus Munatius Plancus Bursa war ein Bruder des Konsuls von 42 v. Chr., Lucius Munatius Plancus.Asconius Pedianus, Kommentar zu Cicero, Pro T. Annio Milone 31, Edition Stangl. Das zweite Cognomen Bursa wird nur vom Redner Cicero überliefert.Cicero, Epistulae ad familiares 7, 2, 2 und 9, 10, 2; Cicero, Epistulae ad Atticum 6, 1, 10.

Für 52 v. Chr. wurde Plancus zum Volkstribun gewählt. Wie üblich trat er diese Magistratur bereits etwas früher, am 10. Dezember 53 v. Chr., an. Zusammen mit seinen Amtskollegen, dem späteren Geschichtsschreiber Sallust sowie Quintus Pompeius Rufus, stand er im Dienst des Triumvirn Gnaeus Pompeius Magnus. Da die Wahlen der übrigen hohen öffentlichen Amtsträger u. a. aufgrund der Quertreibereien des Publius Clodius Pulcher nicht zustande kamen, herrschten mit dem Beginn des neuen Jahres 52 v. Chr. in Rom anarchische Zustände. In den folgenden Parteikämpfen trat Plancus im Interesse des Pompeius gemeinsam mit seinen Amtskollegen für die sich um das Konsulat bewerbenden Politiker Quintus Caecilius Metellus Pius Scipio und Publius Plautius Hypsaeus ein. Hingegen befehdeten sie den ebenfalls für das Konsulat kandidierenden Titus Annius Milo.Asconius Pedianus, Kommentar zu Cicero, Pro T. Annio Milone 31 f. und 37, Edition Stangl. Daher verhinderte Plancus in den ersten Januarwochen 52 v. Chr., dass die Patrizier im Senat zusammenkamen, um einen Interrex zu bestimmen.Asconius Pedianus, Kommentar zu Cicero, Pro T. Annio Milone 30, Edition Stangl.

Als Clodius am 18. Januar 52 v. Chr. bei Straßenkämpfen von Gefolgsleuten Milos erschlagen wurde, trat Plancus im Stil eines Demagogen gegen Letzteren auf. Am Morgen nach Clodius’ Ermordung geleitete er mit dem Volkstribun Quintus Pompeius Rufus den Zug der Leute, die Clodius’ Leichnam von dessen Haus zum Forum hinuntertrugen. Dort stellte er den Toten auf der Rostra der Menge zur Schau und heizte mit Pompeius Rufus durch aufreizende Reden den Volkszorn an.Asconius Pedianus, Kommentar zu Cicero, Pro T. Annio Milone 31 f. und 37, Edition Stangl; Cassius Dio, Römische Geschichte 40, 49, 1 f. Der Leichnam wurde auf einem hastig errichteten Scheiterhaufen in der Curia Hostilia verbrannt, doch erfasste das Feuer auch das Gebäude selbst und setzte es und die angrenzende Basilica Porcia in Brand.Cicero, Pro T. Annio Milone 12 mit dem Kommentar von Asconius 37, Edition Stangl; Cassius Dio, Römische Geschichte 40, 49, 2f.

Pompeius stellte mit einer rasch angeworbenen Truppenmacht die Ruhe in Rom wieder einigermaßen her und erreichte sein Ziel, zum alleinigen Konsul gewählt zu werden. Der Senat beschloss, ein Gerichtsverfahren gegen Clodius’ Mörder einzuleiten. Im März 52 v. Chr. versuchte Plancus, das Volk weiter gegen Milo und auch gegen dessen Verteidiger Cicero aufzuhetzen.Cicero, Pro T. Annio Milone 12; Cicero, Epistulae ad familiares 7, 2, 3; Asconius Pedianus, Kommentar zu Cicero, Pro T. Annio Milone 34 f. und 43, Edition Stangl. Er stellte dem Volk auch mehrere Belastungszeugen gegen Milo vor und stiftete gemeinsam mit seinen Amtskollegen Sallust und Rufus den Konsul Pompeius dazu an, dass dieser im Senat die Besorgnis äußerte, dass Milo sein Leben bedrohe.Asconius Pedianus, Kommentar zu Cicero, Pro T. Annio Milone 34 f. und 43, Edition Stangl. Der Prozess gegen Milo fand vom 4. bis zum 8. April 52 v. Chr. statt. Am Abend des 7. April ermunterte Plancus das Volk, am nächsten Tag vor dem anstehenden Urteilsspruch dem Gerichtshof seine Meinung kundzutun.Asconius Pedianus, Kommentar zu Cicero, Pro T. Annio Milone 36 und 44, Edition Stangl. Tatsächlich wurde Milo verurteilt und ging in die Verbannung nach Massilia.

Spätere Laufbahn Unmittelbar nach Ablauf seiner Amtszeit als Volkstribun (10. Dezember 52 v. Chr.) wurde Plancus von Cicero wegen seiner Beteiligung an der Niederbrennung der Curia Hostilia auf Grund der Lex Pompeia de vi angeklagt, einem Gesetz, an dessen Verabschiedung er selbst maßgeblich mitgewirkt hatte. Er wurde etwa im Januar 51 v. Chr. einstimmig verurteilt,Cicero, Epistulae ad familiares 7, 2, 2 f.; Cicero, Philippische Reden 6, 10 und 13, 27. obwohl Pompeius ein Leumundszeugnis für ihn abgab und der dagegen Einspruch erhebende Cato von ihm als Geschworener abgelehnt wurde.Plutarch, Pompeius 55, 4 und Cato der Jüngere 48, 3; Cassius Dio, Römische Geschichte 40, 55, 1–4; Valerius Maximus, Facta et dicta memorabilia 6, 2, 5. Cicero war über seinen Sieg hocherfreut und schrieb an seinen Freund Marcus Marius, die Verurteilung des Plancus habe ihm eine größere Genugtuung bereitet als der Tod des Clodius.Cicero, Epistulae ad familiares 7, 2, 2 f.

Nach dem Schuldspruch begab sich Plancus nach Ravenna in der römischen Provinz Gallia cisalpina und wurde hier von Caesar freundlich aufgenommen.Caelius an Cicero, Epistulae ad familiares 8, 1, 4 (Brief vom 24. Mai 51 v. Chr.). Kurz nach Ausbruch des Bürgerkriegs zwischen Caesar und Pompeius wurde Plancus 49 v. Chr. von Caesar nach Italien zurückberufen und erhielt seine Bürgerrechte zurück.Cicero, Philippische Reden 6, 10; 10, 22; 11, 14; 13, 27. Fortan lebte er in Rom und beteiligte sich offenbar nicht am Bürgerkrieg. Ende September 46 v. Chr. war er Mitorganisator der Feiern, die Caesar anlässlich der Abhaltung seines Triumphs ausrichtete.Cicero, Epistulae ad familiares 12, 18, 2.

Nach der Ermordung Caesars (März 44 v. Chr.) kämpfte Plancus im Mutinensischen Krieg auf Seiten des Konsuls Marcus Antonius.Cicero, Philippische Reden 6, 10; 10, 22; 11, 14; 12, 20; 13, 2; 13, 27. Er besetzte im Februar 43 v. Chr. Pollentia in Ligurien und versuchte vielleicht von hier aus im Auftrag des Antonius, mit seinem in Gallien befindlichen Bruder Lucius Munatius Plancus Kontakt aufzunehmen. Er unterlag aber in einem Gefecht dem Caesarmörder Lucius Pontius Aquila, einem Unterfeldherrn des Decimus Iunius Brutus Albinus, musste Pollentia räumen und brach sich auf der Flucht ein Bein.Cicero, Philippische Reden 11, 14 und 13, 27; Cassius Dio, Römische Geschichte 46, 38, 3. Über sein weiteres Leben liegt keine Überlieferung vor.

Literatur

Anmerkungen

Kategorie:Volkstribun Kategorie:Geboren im 1. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Gestorben im 1. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Mann Kategorie:Politiker (Römische Republik) Kategorie:Römer