Die Serra-do-Mar-Grasmaus (Castoria angustidens) ist eine Nagerart aus der Familie der Wühler, die im südlichen Brasilien von Espirito Santo bis Rio Grande do Sul und im nordöstlichen Argentinien in der Provinz Misiones vorkommt.
Merkmale Die Serra-do-Mar-Grasmaus erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 8,4 bis 11,9 Zentimeter, dazu kommt ein 7 bis 10 Zentimeter langer Schwanz. Das Gewicht beträgt 15 bis 60 Gramm, die Hinterfußlänge beträgt 2,2 bis 2,8 Zentimeter und die Ohren sind 1,1 bis 2,3 Zentimeter lang. Der Schwanz ist damit kürzer ist als die Kopf-Rumpf-Länge. Männchen sind etwas größer und schwerer als Weibchen. Sowohl auf dem Rücken als auch am Bauch ist das dicke, weiche Fell dunkel und subtil voneinander abgegrenzt. Das Rückenfell ist dunkel gelblich-braun bis orange-braun, das Bauchfell beige oder gelbbraun mit dunkelgrauen Haaransätzen. Die Augen sind klein. Die Vibrissen reichen nach hinten gelegt nicht wesentlich über die Basis der Ohrmuscheln hinaus. Die runden Ohren sind mittelgroß und innen wie außen mit braunem Haar bedeckt. Vorder- und Hinterpfoten sind mit kurzen Haaren bedeckt, die an der Basis braun und an den Spitzen weißlich sind. Die Sohlen der Pfoten sind pigmentiert und leicht schuppig. Die Krallen sind von weißlichen oder dunkleren Haaren bedeckt und überragen diese nur leicht. Der Schwanz ist einfarbig dunkelbraun, beschuppt und spärlich behaart. Pro Schuppe sind drei borstige Haare vorhanden. Eine Quaste am Schwanzende ist nicht vorhanden. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 46, FN = 46.
Lebensraum und Lebensweise Die Serra-do-Mar-Grasmaus lebt in Waldfragmenten in Höhen von 300 bis 1200 Metern entlang der Küste des südlichen Brasiliens. Die meisten nachgewiesenen Fundorte befinden sich in den Küstenwäldern der Serra do Mar und im Süden auch in feuchten Araukarienwäldern (Araucaria angustifolia). Über ihre Lebensweise ist kaum etwas bekannt. Sie ist nachtaktiv, bodenbewohnend und lebt in flachen Tunneln unter verflochtenen Wurzeln, Moosschichten und Laubhaufen, sowie in Dickichten der Bambusgattung Chusquea. Serra-do-Mar-Grasmäuse ernähren sich wahrscheinlich vor allem von Insekten oder sind Allesfresser. In Gefangenschaft gehaltene Exemplare fraßen kleine bis mittelgroße Samen einer Vielzahl von Pflanzenarten aus dem Atlantischen Regenwald und Früchte. Über ihre Fortpflanzungsbiologie liegen keine Informationen vor.
Systematik Im Jahr 1888 beschrieb der dänische Zoologe Herluf Winge fragmentarische fossile Überreste eines kleinen Nagers, die der dänische Paläontologe Peter Wilhelm Lund in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in einer Höhle im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais gefunden hatte und gab der Art die wissenschaftliche Bezeichnung Habrothrix angustidens. Habrothrix ist eine vom deutschen Zoologen Johann Andreas Wagner vorgeschlagene alternative Schreibweise für Abrothrix (Anden-Feldmäuse), die heute als Synonym von Abrothrix gilt. Der britische Säugetierkundler Oldfield Thomas beschrieb 1902 einen rezenten Nager aus dem Serra do Mar-Gebirgszug im Südosten Brasiliens als Akodon serrensis. Der US-amerikanische Zoologe Robert S. Voss untersuchte das Typusmaterial beider Formen und erkannte 2008, dass beide zur gleichen Gattung gehören müssen. Eine weitere Untersuchung vor allem der Schädel ergab, dass beide Formen nicht zu unterscheiden sind. 2016 wurde deshalb die Gattung Castoria eingeführt und Castoria angustidens ist aufgrund der Prioritätsregel der gültige wissenschaftliche Name der Serra-do-Mar-Grasmaus. Ob es tatsächlich nur eine Art in der Gattung gibt ist bis heute ungeklärt. Der brasilianische Zoologe Alípio de Miranda-Ribeiro beschrieb 1905 eine Unterart mit einem eher olivfarbenen Rücken, einem gelblich-ockerfarbenen Bauch und einem schmalen, weißen Band im unteren Bereich zwischen Kinn und Vorderbeinen als Akodon serrensis, var. leucogula. In der Familie der Wühler gehört die Gattung Castoria zur Unterfamilie Sigmodontinae und zur Tribus Akodontini.
Einzelnachweise Don E. Wilson, Russell A. Mittermeier & Thomas E. Lacher (2017): Cricetidae, S. 204-535 in Don E. Wilson, Thomas E. Lacher, Jr. & Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Vol. 7. Rodents II. Lynx Edicions, Barcelone 2017, ISBN 978-84-16728-04-6. Alípio de Miranda-Ribeiro (1905): Vertebrados do Itatiaya (Peixes, Serpentes, Sáurios, Aves e Mammíferos). Arquivos de Museu Nacional, Rio de Janeiro 13:163-190. Ulyses FJ Pardiñas, Lena Geise, Karen Ventura und Gisele Lessa (2016): A new genus for Habrothrix angustidens and Akodon serrensis (Rodentia, Cricetidae): again paleontology meets neontology in the legacy of Lund. Mastozoología Neotropical 23(1):93-115. Oldfield Thomas (1902): On mammals from the Serra do Mar, Parana, collected by Mr. Alphonse Robert. Annals and Magazine of Natural History, series 7, 9:59-64 Herluf Winge (1888): Jordfundne og nulevende Gnavere (Rodentia) fra Lagoa Santa, Minas Geraes, Brasilian. Med Udsigt over Gnavernes indbyrdes Slægtskab. E Museo Lundii 1(3):1-200.
Kategorie:Wühler