Die Zyklonsaison im Nordindik 1996 war eine überdurchschnittlich aktive und sehr folgenreiche Saison. Das India Meteorological Department (IMD) erfasste neun tropische Tiefdrucksysteme, darunter eine über Land entstandene Depression. Fünf Systeme erreichten die Stärke eines zyklonischen Sturms. Das Joint Typhoon Warning Center (JTWC) führte zusätzlich den im Juni vom Golf von Aden nach Oman ziehenden tropischen Sturm 02A.

Mehrere Systeme trafen dicht besiedelte Küstengebiete Indiens und Bangladeschs. Der stärkste und tödlichste Sturm war BOB 05, der im November in Andhra Pradesh auf Land traf und 1077 Menschenleben forderte. Einschließlich der Überschwemmungen in Oman und Jemen kamen während der Saison mehr als 2000 Menschen ums Leben; die bekannten Schäden beliefen sich auf mehr als 1,9 Milliarden US-Dollar.

Stürme Deep Depression BOB 01

Eine durch einen Westwindschub ausgelöste Störung entstand Anfang Mai nordwestlich von Sumatra. Das IMD klassifizierte sie am 7. Mai rund 400 km südlich von Kalkutta als Depression. Auf einer nordöstlichen Zugbahn verstärkte sich das System zur Deep Depression und traf am 8. Mai im Distrikt Cox’s Bazar auf Bangladesch. Noch am selben Tag löste es sich über dem nördlichen Myanmar auf.

Die Depression verursachte in Südostbangladesch Regen, hohe Wellen und Küstenüberschwemmungen. Ein Mädchen wurde von den Wellen fortgerissen; 140 Fischer auf zehn Booten galten nach dem Sturm als vermisst.

Tropischer Sturm 02A

Ende Mai bestand im Golf von Aden eine schwache Zirkulation, die ostnordostwärts entlang der Küste Jemens und Omans zog. Über dem offenen Arabischen Meer nahm die Gewittertätigkeit zu. Das JTWC stufte das System am 11. Juni kurz vor der Küste Omans als tropischen Sturm 02A ein. Es traf noch am selben Tag im Südosten Omans auf Land und löste sich am 12. Juni auf. Das IMD führte den Sturm nicht.

Im Oman beschädigten Wind und hoher Seegang Schiffe, Gebäude und Straßen; drei Menschen starben. Die Zirkulation brachte anschließend Jemen die schwersten Überschwemmungen seit Jahrzehnten. 338 Menschen kamen dort ums Leben, mindestens 1820 Häuser, 21 Brücken und mehr als 1000 km Straße wurden zerstört oder beschädigt. Der Gesamtschaden wurde auf rund 1,2 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Zyklonischer Sturm BOB 02

Eine Störung in der Monsunrinne vor der südostindischen Küste entwickelte sich am 12. Juni zu einer Depression. Sie zog zunächst nach Nordwesten, verlief danach annähernd parallel zur Küste und verstärkte sich am 14. Juni zu einem zyklonischen Sturm. Am 16. Juni erreichte BOB 02 mit Windgeschwindigkeiten von 85 km/h seine größte Stärke und traf wenige Stunden später nahe Visakhapatnam auf Andhra Pradesh.

Die schwersten Auswirkungen gingen vom Starkregen aus. In Chennai fielen am 14. Juni 350 mm, im Distrikt Khammam örtlich bis zu 680 mm innerhalb eines Tages. Überschwemmungen beschädigten Kanäle, Felder und mehr als 1500 Häuser. In Andhra Pradesh starben 68 Menschen, in anderen Teilen Indiens weitere 111. Die Schäden in Andhra Pradesh beliefen sich auf etwa 23,5 Millionen US-Dollar.

Schwerer zyklonischer Sturm ARB 01

Während BOB 02 entlang der indischen Ostküste zog, entstand am 17. Juni etwa 365 km westlich von Mumbai eine weitere Depression. Sie bewegte sich nach Nordosten und intensivierte sich rasch. In der Nacht zum 19. Juni traf ARB 01 nahe Diu auf Gujarat; kurz danach erreichte das IMD dreiminütig anhaltende Windgeschwindigkeiten von 110 km/h. Der Sturm zog nach Norden und löste sich am 20. Juni über Rajasthan auf.

Bei Bharuch wurde die Sturmflut auf fünf bis sechs Meter geschätzt. In Gujarat und Maharashtra wurden mehr als 41.000 Häuser beschädigt und rund 8000 ha landwirtschaftliche Flächen verwüstet. 47 Menschen kamen ums Leben; der Sachschaden betrug etwa 5,6 Millionen US-Dollar.

Landdepression LAND 01

Ein Tiefdruckgebiet zog Ende Juli vom nordwestlichen Golf von Bengalen über Land und entwickelte sich am 26. Juli nahe Daltonganj zu einer Depression. Das System wanderte westwärts durch Zentralindien, brachte auf seiner Zugbahn starke Monsunniederschläge und ging am 28. Juli über Rajasthan in ein Resttief über. Dieses wurde am folgenden Tag von der Monsunrinne aufgenommen.

Depression BOB 03

Am 1. Oktober entstand im westlichen Golf von Bengalen eine Depression. Sie zog westwärts und traf am folgenden Tag nahe Ongole auf Andhra Pradesh. Über Karnataka schwächte sie sich zu einem Resttief ab, das anschließend nach Norden und Nordosten durch Indien zog. Sturzfluten beschädigten Häuser und rissen Menschen in Flüsse; mindestens 22 Menschen kamen ums Leben.

Schwerer zyklonischer Sturm ARB 02

Das System ging aus einem Tief hervor, das am 17. Oktober nahe Chennai über die Küste zog. Nach der Überquerung Südindiens gelangte es am 20. Oktober in das Arabische Meer und entwickelte sich zwei Tage später zur Depression ARB 02. Der Sturm zog nordwärts, intensivierte sich und bildete ein Auge aus. Am 24. Oktober erreichte er Windgeschwindigkeiten von 110 km/h. Vor Gujarat blieb ARB 02 nahezu stehen, schwächte sich ab und zog ungewöhnlicherweise nach Südwesten davon. Am 28. Oktober verlor das System seine tropischen Eigenschaften.

Schon während der Landpassage des Vorläufertiefs verursachte starker Regen in Südindien schwere Überschwemmungen. Mindestens 112 Stauseen oder Dämme brachen, etwa 53.000 Häuser und 1,6 Millionen Hektar Anbaufläche wurden beschädigt. Rund 100.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Die Überschwemmungen forderten 388 Todesopfer und verursachten Schäden von ungefähr 128,5 Millionen US-Dollar.

Deep Depression BOB 04

Eine Störung südlich der Andamanen zog unter zunächst ungünstiger Windscherung westwärts. Das IMD klassifizierte sie am 27. Oktober als Depression und wenig später als Deep Depression. Ein herannahender Höhentrog lenkte das System nach Norden und Nordosten. Am 28. Oktober traf es nahe der Grenze zwischen Indien und Bangladesch auf Land und löste sich am folgenden Tag über Assam auf.

Rund 500.000 Menschen wurden in Bangladesch vor dem Sturm evakuiert. Eine etwa drei Meter hohe Sturmflut, Wind und Starkregen beschädigten 15.000 Hütten und große landwirtschaftliche Flächen. Mindestens 14 Menschen kamen ums Leben, mehr als 2000 wurden verletzt und etwa 100 Fischer galten als vermisst.

Sehr schwerer zyklonischer Sturm BOB 05

Die Reste eines pazifischen Tiefdruckgebiets zogen Anfang November nach Myanmar. In dessen Nähe entstand im äußersten Osten des Golfs von Bengalen eine neue Störung. Das IMD stufte diese am 4. November als Depression ein. Das System zog westwärts, verstärkte sich rasch und entwickelte ein deutliches Auge. Am 6. November traf BOB 05 etwa 50 km südlich von Kakinada auf Andhra Pradesh. Das IMD ermittelte dreiminütig anhaltende Windgeschwindigkeiten von 145 km/h; das JTWC schätzte die einminütigen Winde auf 215 km/h.

Mehr als 225.000 Familien wurden vor dem Landfall evakuiert. Der Zyklon überschwemmte über 250 Dörfer, zerstörte oder beschädigte rund 648.000 Häuser und verwüstete etwa 242.000 ha Anbaufläche. Besonders schwer betroffen war der Distrikt East Godavari. 1077 Menschen kamen ums Leben; der Sachschaden wurde auf 602 Millionen US-Dollar beziffert.

Sehr schwerer zyklonischer Sturm BOB 06

Ende November entstand nahe den Andamanen eine schlecht organisierte Zirkulation. Das System zog zunächst nach Westnordwesten, bog dann nach Norden und Osten ab und vollführte im zentralen Golf von Bengalen eine viertägige Schleife. Ab dem 2. Dezember setzte eine rasche Intensivierung ein; BOB 06 erreichte am folgenden Tag mit Windgeschwindigkeiten von 120 km/h die Stärke eines sehr schweren zyklonischen Sturms. Windscherung trennte danach die Gewitter vom Zentrum. Der geschwächte Sturm zog nach Südwesten und traf am 6. Dezember zwischen Chennai und Puducherry auf Land.

Vor dem Landfall wurden etwa 200.000 Menschen aus knapp 500 Dörfern evakuiert. Starker Regen und Wind betrafen Andhra Pradesh und Tamil Nadu; insgesamt kamen sieben Menschen ums Leben.

Einzelnachweise

Weblinks

India Meteorological Department Joint Typhoon Warning Center

Kategorie:Naturkatastrophe 1996 N1996