Shamanism ist ein Musikalbum von Kim Jung-jae. Die am 14. August 2023 im Tune Up Studio in Seoul entstandenen Aufnahmen erschienen am 20. Juni 2025 auf Relative Pitch Records.

Hintergrund Der südkoreanische Tenorsaxophonist Kim Jung-jae interpretiert in seinem Album Shamanism koreanische Schamanenrituale neu, die traditionell von Volksmusik und jahrhundertealten Instrumenten (mit weniger kontrollierbaren Eigenschaften und einzigartigen Klangfarben) begleitet werden. Die zwölf Stücke des Albums beschreiben jeweils eine dramatische Phase dieser geheimnisvollen Zeremonie und ihrer einzigartigen Atmosphäre und tragen den Namen eines koreanischen Schriftzeichens. Das Album präsentiert ein improvisierendes Quartett: die beiden Saxophonisten Kim Jung-jae und Sunjae Lee (Sopran- und Altsaxophon) sowie die beiden Schlagzeuger Junyoung Song und Sunki Kim (der bereits mit Jung-Jae Kim im Quartett The JJ Motion spielte).

Titelliste Kim Jung-jae: Shamanism (Relative Pitch Records – RPR1230) Jeop 7:22 Cho 2:06 Sang 6:28 Je 7:36 Yeom 9:38 Gang 1:41 Bon 2:40 Gae 6:04 Chuk 2:38 Mul 16:09 Bun 8:45 Hae 5:43

Die Kompositionen stammen von Kim Jung-jae.

Rezeption Jung-Jae Kim sei bekannt dafür, die Klangästhetik des Saxophons zu erweitern und tiefer in die menschliche Wahrnehmung einzudringen, schrieb Eyal Hareuveni (Salt Peanuts). Shamanism würde ein anderes, leider noch weitgehend unbekanntes Konzept von Free Jazz und freier Musik präsentieren. Es spiegle eine tiefe Verbundenheit mit einer zeitlosen Ästhetik von Atem und Rhythmus wider, artikuliere sich aber in einer fesselnden, rohen, ursprünglichen, intensiven und rituellen Sprache, die nach und nach meditative und spirituelle Themen einführt und mit dem magischen „Hae“ endet. Es würde das Bild eines kraftvollen, lebensbejahenden Rituals entwerfen, das die alte [fern]östliche Klangästhetik mit modernen afroamerikanischen und europäischen Elementen verbinde.

Dieses Album des in Berlin lebenden koreanischen Tenorsaxophonisten Jung-Jae Kim gehört zu den absolut besten freien Improvisationen, die dieser Rezensent je gehört hat – „und nach vielen Hör- und Seherlebnissen will das etwas heißen“, lobte Andrey Henkin (Squid‘s Ear). Der Titel des Albums sei nicht nur treffend, sondern sinnbildlich. Anders als andere spontane Begegnungen, die an die Natur, eine unbeaufsichtigte Fabrik, Verkehrschaos oder andere geschlossene, chaotische Systeme erinnern, sei Shamanism rituelle Musik, nicht für den Konzertsaal oder Club, sondern für eine Guttang auf der Insel Jejudo bestimmt. Auf dem Papier sei dies „ein weiterer Stern am Himmel des interstellaren Weltraumkosmos“, doch was diese Gruppe von anderen solchen Formationen unterscheidet, sei die außergewöhnliche Kontrolle, Präzision und Disziplin, die es beibehält – sei es durch melismatische Drones, hypnotische Klangwirbel, existenzielle Klagen, minimalistische Gesänge oder feinste Gesten –, wodurch seine Länge zu einer seiner Stärken wird. Dieses Maß an Ausgeglichenheit zu erreichen, zu solch einer Klarheit zu gelangen, das Ego so vollständig zu überwinden und die Zeit so vollkommen zu transzendieren, sei eine seltene und kostbare Errungenschaft. „Jeder, der an Albert Aylers und Mary Maria Parks’ Aussage glaubt, dass Musik die heilende Kraft des Universums ist, wird dieses Album brauchen“.

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Einzelnachweise

Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album (Neue Improvisationsmusik) Kategorie:Album 2025