mini|Mühle und Mühlteich um 1905 Die Loher Mühle, auch Rahlstedter Mühle, war eine seit 1309 nachgewiesene Wassermühle an der Wandse. Von 1909 bis 2004 war hier eine Lackfabrik. Seitdem stehen die Gebäude leer und verfallen zur Ruine. 2026 begann ein Teilabriss.
Lage mini|Mühlteich der Loher Mühle in rot, 1919 Der Standort der Mühle lag westlich des Dorfes Rahlstedt am Fluss Wandse. Die Wandse erreicht auf ihrer Länge von 20 Kilometern einen Höhenunterschied von 51 Metern, was den Fluss im Mittelalter mit acht Wassermühlen zu einem wirtschaftlich bedeutenden Gewässer machte.stormarnlexikon.de: Wandse, abgerufen am 9. September 2026 Die Lage wird beschrieben mit der „günstigsten Stelle, die damals für die Anlage einer Wassermühle in Betracht kam. Es ist die Stelle des eiszeitlichen Gletschertores, wo die Wandse die Masse ihrer aufgestauten Schmelzwasser aus dieser Enge in die Ebene ergoss“Wilhelm Grabke: Wandsbek und Umgebung Verlag der Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Erziehungswesen, Hamburg 1960 S. 60. Die Mühle lag nahe dem Dorf Lohe und gehörte damit lange Zeit nicht zu Rahlstedt, sondern zum südlich gelegenen Tonndorf-Lohe.Dietmar Möller: Der Standort der 1309 urkundlich erwähnten Rahlstedter Mühle war in Tonndorf-Lohe. Rahlstedter Jahrbuch 2019, S. 78 ff. In: rahlstedter-kulturverein.de, abgerufen am 13. September 2026 (PDF). Erst mit der Preußischen Gebietsreform von 1927 kam das Gebiet wieder zu Rahlstedt. Der Standort liegt heute im südwestlichen Rahlstedt zwischen Wandse und den Straßen Altrahlstedter Kamp und Wandseredder.
Geschichte Erstmals erwähnt wird eine Mühle in Rahlstedt in einer Urkunde vom 21. Februar 1309. In der Urkunde wird bestimmt, dass Graf Gerhard II. von der Hamburger Kirche (dem Hamburger Domkapitel) 60 Mark erhielt und im Gegenzug jährlich 6 Mark aus den Einnahmen der Mühlen in Oldenfelde und Rahlstedt an die Hamburger Kirche gingen. Diese Einnahmen dienten zur Finanzierung einer vom Grafen eingerichteten Vikarie. Text der OriginalurkundeHamburger Urkundenbuch Band 2, unter Nr. 180 auf Seite 116, abgerufen am 13. September 2026 (Latein) Deutsche Übersetzung„Gherardus Dei gratia comes Holtsacie [...] vendidimus sex marcarum redditus denariorum Hamburgensium in molendinis nostris Oldenvelde et Radolvestede [...] Datum anno Domini MCCC nono, in profesto beati Petri ad cathedram.“„Gerhard, von Gottes Gnaden Graf von Holstein [...] haben wir Einkünfte von sechs Mark Hamburger Pfennigen aus unseren Mühlen in Oldenfelde und Rahlstedt verkauft [...] Gegeben im Jahre des Herrn 1309, am Vorabend des Festes Petri Stuhlfeier.“
Im August 1333 bestätigte sein Sohn Johann III. dies urkundlich und verbot die Anlage weiterer Mühlen, um die Einnahmen der Oldenfelder und Rahlstedter Mühlen zu sichern.Hamburger Urkundenbuch, Band 2, unter Nr. 914 auf Seite 706, abgerufen am 13. September 2026 Erst fast 400 Jahre später wurde 1705 in Alt-Rahlstedt eine weitere Mühle errichtet. Für das Jahr 1579 wurde als Müller Andreas Neve in einer Urkunde anlässlich der Hochzeit seines Sohnes Claus mit Anecke Sandman erwähnt. Eine weitere urkundliche Erwähnung von Claus Neve gab es 1601 und 1619 wurde Andreas Neve mit der Mühle in einer Urkunde in Verbindung gebracht. Für 1634 und 1646 war Claus Lohmann als Müller belegt.Rahlstedter Jahrbuch 2011, Seite 87, abgerufen am 13. September 2026
1645 kaufte Albert Balthasar Behrens (Gutsherr von 1645 bis 1675) das Gut Wandsbek und erwarb 1646 dafür die Dörfer Hinschenfelde und Tonndorf. Die Loher Mühle gehörte ab 1646 damit ebenfalls zu Wandsbek.abendblatt.de: „Wandsbek wie es früher war“, vom 16. November 2013, abgerufen am 13. September 2026 1647 wurde dokumentiert, dass der Rahlstedter Müller Claus Lohmann jährlich 60 Reichstaler Pacht an das Wandsbeker Gut zahlen musste. 1841 wurde die alte Lohmühle zu einer Kornmühle umgebaut und 1855 wurde sie als Schades Papiermühle erwähnt.Reiner Rump: Die Mühlen in Stormarn, Buchverlag Otto Heinevetter, Hamburg 1992, S. 118Rahlstedter Jahrbuch 2025, S. 40, abgerufen am 13. September 2026 Mit der Preußischen Gebietsreform von 1927 kam dieser Teil von Tonndorf-Lohe mit der Mühle wieder zu Rahlstedt.
Lackfabrik und aktuelle Entwicklung mini|Mitteilung zur Eröffnung der Lackfabrik, 1909 1909 erwarb der Rahlstedter Kornwassermüller Otto Hintze die Loher Mühle samt der Staurechte.Reiner Rump: Die Mühlen in Stormarn, Buchverlag Otto Heinevetter, Hamburg 1992 S. 118 Im gleichen Jahr pachtete Eduard Hintze das Gelände der Mühle und eröffnete dort am 5. November 1909 die Norddeutsche Lackfabrik. 1935 hatte die Lackmühle einen Wasserradantrieb mit 15 PS. 1945 übernahm der Sohn Waldemar Hintze das Unternehmen und verkaufte es 1952 an Max Lichtenberg mit dem Unternehmen „Norda Lackfabrik Arostal Spirituslacke“. 1985 wurde diese zu einer Fabrik für Nitrolacke. Zum Jahreswechsel 2004/2005 stellte die Firma Arostal-Lackfabrik ihren Betrieb ein und eröffnete 2006 ein Insolvenzverfahren. 2010 wurde die Firma dann wegen Vermögenslosigkeit im Handelsregister gelöscht.buschhueter.de: Alte Lackfabrik: Einer der Eigentümer blockiert Einigung, vom 20. Januar 2021, abgerufen am 13. September 2021
Die Gebäude standen seitdem leer. Bodenuntersuchungen hatten deutlich erhöhte Messwerte bei Aromaten und Mineralöl-Kohlenwasserstoffen im Boden ergeben. Die Wandse, das Grundwasser und der Brunnen waren davon nicht betroffen.buergerschaft-hh.de: Kleine Anfrage von Ole Thorben Buschhüter vom 15. August 2013 mit Antwort, Bodenmesswerten und Lageplan, abgerufen am 13. September 2026 Eine Veräußerung an einen Investor, der hier Reihenhäuser bauen wollte, scheiterte 2018 an der Uneinigkeit der Erbengemeinschaft.Mopo: Eigentümer verhindert Sanierung: Hamburg: Riesenzoff um eine verfallene Lackfabrik, vom 11. Januar 2011, abgerufen am 13. September 2026 Es kam in den folgenden Jahren zu mehreren Bränden in den verlassenen Gebäuden. Nach einem Brand im August 2025 verpflichtete das Bezirksamt Wandsbek die Eigentümer schließlich zum Abriss der einsturzgefährdeten Brandruine. Die Eigentümer versuchten daraufhin, das Eigentum an dem Grundstück aufzugeben. Trotz der damit bestehenden Herrenlosigkeit wurde die Verantwortung für das Grundstück vom Gericht weiterhin bei der Erbengemeinschaft gesehen.Abendblatt.de: "Dieser Schandfleck in Rahlstedt verschwindet nun endlich – Ruine wird abgerissen", vom 10. April 2026, abgerufen am 13. September 2026 Die Abrissarbeiten begannen im April 2026, bezogen sich aber ausschließlich auf das 2025 beim Brand beschädigte Gebäude. Für die weiteren Gebäudeteile gibt es im Juli 2026 keine Abrissanordnung.Abendblatt.de: „Muss erst jemand sterben?“: Anwohner warnen vor gefährlicher Industrieruine, vom 23. Juli 2026, abgerufen am 14. September 2026
Künstlerische Rezeption mini|Hans von Bartels: Die Rahlstedter Mühle, 1877 Der Hamburger Maler Hans von Bartels nannte sein 1877 entstandenes Ölgemälde „Die Rahlstedter Mühle“. Das Bild wurde im gleichen Jahr im Kunstsalon bei Louis Block und Sohn auf den Großen Bleichen in Hamburg ausgestellt und wurde verkauft.Eduard Heyck: „Hans von Bartels“, Velhagen und Klasing, Bielefeld, 1903, Seite 4 und Seite 12farbige Abbildung des Gemäldes von Hans von Bartels auf dem Titelbild des Rahlstedter Jahrbuch von 2011, abgerufen am 13. September 2026
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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