Die Zyklonsaison im Nordindik 1970 umfasste 15 vom India Meteorological Department (IMD) erfasste tropische Depressionen. Elf davon erreichten mindestens die Stufe einer Deep Depression, sieben entwickelten sich zu zyklonischen Stürmen und drei zu schweren zyklonischen Stürmen.

Der stärkste Sturm der Saison war der Zyklon in Ostpakistan 1970, der auch als Bhola-Zyklon bezeichnet wird. Er traf am 12. November auf die Küste des damaligen Ostpakistan und verursachte schätzungsweise 300.000 bis 500.000 Todesopfer. Die Weltorganisation für Meteorologie führt ihn als den tropischen Wirbelsturm mit den meisten bekannten Todesopfern.

Stürme

Schwerer zyklonischer Sturm Eins

Ende April entstand über der südlichen Andamanensee ein Tiefdruckgebiet. Es zog nordwärts und entwickelte sich am 2. Mai im Golf von Bengalen zur ersten Depression der Saison. Am folgenden Tag erreichte das System die Stärke eines zyklonischen Sturms und am 4. Mai die eines schweren zyklonischen Sturms. Die höchsten dreiminütig anhaltenden Windgeschwindigkeiten betrugen 150 km/h.

Der Sturm traf am Morgen des 7. Mai in der Nähe von Cox’s Bazar im damaligen Ostpakistan auf Land und löste sich am Abend über dem westlichen Birma auf. Zuvor brachte er den Andamanen und Nikobaren verbreitete Niederschläge. In Akyab wurden Windgeschwindigkeiten von 55 km/h gemessen.

Depression Zwei

Am Morgen des 23. Mai bildete sich im nordöstlichen Golf von Bengalen nahe der Küste Ostpakistans eine Depression. Sie zog zur Küste und traf in der folgenden Nacht südlich von Cox’s Bazar auf Land. Am 24. Mai löste sie sich über dem südlichen Assam auf.

Zyklonischer Sturm Drei

Am 27. Mai entstand vor der Küste von Karnataka und Goa im Arabischen Meer ein Tiefdruckgebiet. Es entwickelte sich am folgenden Tag zu einer Depression und am 29. Mai zu einem zyklonischen Sturm. Der Sturm erreichte Windgeschwindigkeiten von 95 km/h, bevor er nach Westen abdrehte und sich am 31. Mai zu einer Deep Depression abschwächte. Das Resttief erreichte am 2. Juni die Arabische Halbinsel und löste sich am folgenden Tag über dem südlichen Saudi-Arabien auf.

Mit dem System ging Ende Mai das Vordringen des Monsuns nach Westindien einher. Feuchte Luft aus dem Arabischen Meer führte Anfang Juni zu Niederschlägen in Gujarat, Rajasthan und im westlichen Madhya Pradesh.

Zyklonischer Sturm Vier

Am 6. Juni entstand im nördlichen Golf von Bengalen ein Tiefdruckgebiet, das sich am folgenden Tag zu einer Depression entwickelte. Das System driftete zunächst über den südlichen Bereich des Gangesdeltas, kehrte am 8. Juni jedoch in den Golf von Bengalen zurück. Dort verstärkte es sich am Morgen des 9. Juni zu einem zyklonischen Sturm. Noch am selben Tag traf es in der Nähe von Balasore im heutigen Bundesstaat Orissa erneut auf Land. Über Zentralindien schwächte sich das System ab und löste sich am 11. Juni auf.

In Orissa und Westbengalen fielen verbreitet mehr als 100 mm Niederschlag. Die Reste des Systems brachten auch Vidarbha und dem südlichen Madhya Pradesh starke Regenfälle. In Khandwa wurden am 13. Juni innerhalb eines Tages 280 mm gemessen. Örtliche Überschwemmungen behinderten den Straßenverkehr.

Deep Depression Fünf

Ein Tiefdruckgebiet über dem nördlichen Golf von Bengalen entwickelte sich am 29. Juni zu einer Depression. Auf dem Weg nach Nordwesten verstärkte sich das System zu einer Deep Depression und überquerte die Küste von Orissa. Am 2. Juli schwächte es sich über dem nordöstlichen Madhya Pradesh wieder zu einer Depression ab. Das Resttief löste sich am folgenden Abend über dem zentralen Uttar Pradesh auf.

In Paradip wurden beim Durchzug des Systems mehr als 210 mm Niederschlag und Windgeschwindigkeiten von 85 km/h gemessen. In Orissa traten Flüsse über die Ufer und überschwemmten Reisfelder. Auch Teile von Madhya Pradesh und Vidarbha waren von Starkregen betroffen. In Raipur fielen am 2. Juli innerhalb von 24 Stunden 230 mm Niederschlag.

Deep Depression Sechs

Ein Tiefdruckgebiet zog am 5. Juli von der Küste Birmas in den Golf von Bengalen und entwickelte sich am folgenden Tag zu einer Depression. Am 7. Juli erreichte es die Stärke einer Deep Depression. Das System traf am Morgen des 8. Juli auf die Küste von Orissa und ging über Land in ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet über. Das Resttief zog nach Norden und wurde am 12. Juli über dem westlichen Bihar von der Monsunrinne aufgenommen.

Vor der Küste wurden Windgeschwindigkeiten von 55 km/h gemessen. Das System verursachte in Teilen Ostindiens an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen Niederschlagsmengen von mehr als 100 mm.

Depression Sieben

Ein über Birma gelegenes Tiefdruckgebiet zog ab dem 15. August westwärts über den Golf von Bengalen. Am Abend des 17. August entwickelte es sich etwa 100 km südöstlich von Gopalpur zu einer Depression. Das System traf nahe Gopalpur auf Land und zog anschließend nach Westen. Am 20. August lag sein Resttief über dem westlichen Madhya Pradesh.

Die Depression brachte Teilen Süd- und Zentralindiens starke Niederschläge. In Maharashtra wurde der Straßenverkehr beeinträchtigt. Der Godavari überflutete Gebiete bei Bhadrachalam sowie mehrere Dörfer in Andhra Pradesh. In Telangana wurden Reisfelder beschädigt. In Bombay fielen am 19. August 200 mm Niederschlag.

Zyklonischer Sturm Acht

Ein über Westbengalen gelegenes Tiefdruckgebiet entwickelte sich am 2. September östlich von Medinipur zu einer Depression. Am folgenden Tag erreichte es nahe Ranchi die Stärke einer Deep Depression. Das System zog anschließend westwärts über Indien und schwächte sich am 7. September nahe Ahmedabad zu einer Depression ab. Danach gelangte es über den Südwesten Rajasthans und am 9. September in das Arabische Meer.

Über dem Meer verstärkte sich das System am 10. September zu einem zyklonischen Sturm. Am folgenden Tag entwickelte sich vorübergehend ein Auge. Vor der Küste Omans ging der Sturm am 14. September in ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet über.

Die mit dem System verbundenen Niederschläge führten in Westbengalen und Orissa zu Überschwemmungen. In Bardhaman fielen innerhalb von zwei Tagen 390 mm Regen. Mehrere tausend Menschen verloren in Westbengalen ihre Unterkünfte. Auch die Flüsse Narmada und Tapti traten in Madhya Pradesh und Gujarat über die Ufer. In zwei Dörfern des Distrikts Bharuch kamen zwischen 300 und 400 Menschen ums Leben.

Deep Depression Neun

Ein Tiefdruckgebiet zog am 8. September von Birma in den Golf von Bengalen und entwickelte sich dort zu einer Depression. Am folgenden Tag verstärkte es sich etwa 150 km südöstlich von Kalkutta zu einer Deep Depression. Nach dem Überqueren der Küste Westbengalens zog das System über das Chota-Nagpur-Plateau nach Nordwesten. Vom 12. bis zum 14. September blieb es nahezu ortsfest bei Lucknow. Danach zog es nach Osten und löste sich am 18. September über dem nördlichen Bihar auf.

Das System brachte Westbengalen, Orissa, Bihar, Uttar Pradesh und Madhya Pradesh verbreitete Niederschläge. In Uttar Pradesh kamen bei Überschwemmungen etwa 150 Menschen ums Leben. Der Ganges überschwemmte Teile des Distrikts Munger, während der Gandak bei Motihari über die Ufer trat. In Südbengalen verschärften die Niederschläge bereits bestehende Überschwemmungen; deren Zahl der Todesopfer stieg auf 80. Rund acht Millionen Menschen waren dort von den Überschwemmungen betroffen.

Depression Zehn

Am 20. September entstand über dem westlichen Zentralbereich des Golfs von Bengalen ein Tiefdruckgebiet. Am folgenden Morgen entwickelte es sich etwa 100 km südöstlich von Visakhapatnam zu einer Depression. Das System zog über Land durch Vidarbha und schwächte sich am 23. September über Gujarat zu einem Resttief ab.

In Hyderabad und Secunderabad wurden während eines vierstündigen Starkregens zahlreiche Häuser zerstört. In Bombay fielen etwa 130 mm Niederschlag. Durch die Überschwemmungen kamen etwa 75 Menschen ums Leben.

Depression Elf

Ein im Golf von Bengalen entstandenes Tiefdruckgebiet überquerte den südlichen indischen Subkontinent und entwickelte sich am 11. Oktober vor der Küste des südlichen Maharashtra zu einer Depression. Das System driftete westwärts und ging am 13. Oktober auf dem Weg zur Arabischen Halbinsel in ein Tiefdruckgebiet über.

Die Depression brachte dem südlichen Maharashtra und Karnataka verbreitete Niederschläge. In Karwar wurden 40 mm gemessen. Auch von den Lakkadiven wurden örtlich starke Niederschläge gemeldet.

Schwerer zyklonischer Sturm Zwölf

Am 18. Oktober bildete sich im zentralen Golf von Bengalen eine Depression. Sie zog zunächst nordwärts und verstärkte sich am 20. Oktober zu einem zyklonischen Sturm. Am folgenden Tag erreichte das System die Stärke eines schweren zyklonischen Sturms. Mit dreiminütig anhaltenden Windgeschwindigkeiten von 130 km/h traf der Sturm am Morgen des 23. Oktober nahe der Grenze zwischen Westbengalen und Ostpakistan auf Land. Er überquerte Ostpakistan und löste sich am 24. Oktober über dem südlichen Assam auf.

Der Sturm brachte Tamil Nadu, den Andamanen und Nikobaren sowie nach dem Landfall Westbengalen, Assam und Ostpakistan starke Niederschläge. In Shillong fielen am 24. Oktober 220 mm Regen. In Kalkutta wurde eine Böe von 105 km/h gemessen; dort fiel zeitweise die Stromversorgung aus. In Ostpakistan kamen zwischen 200 und 300 Menschen ums Leben. Die schwersten Schäden wurden aus dem Distrikt Khulna gemeldet.

Extrem schwerer zyklonischer Sturm Dreizehn (Bhola)

Am Morgen des 8. November entstand im südlichen Zentralbereich des Golfs von Bengalen eine Depression. Sie bewegte sich zunächst langsam nordwärts und verstärkte sich am folgenden Tag zu einem zyklonischen Sturm. Am 11. November erreichte das System die Stärke eines schweren zyklonischen Sturms. Die höchsten dreiminütig anhaltenden Windgeschwindigkeiten betrugen 185 km/h. Eine Auswertung im Mariners Weather Log nennt einminütig anhaltende Windgeschwindigkeiten von 240 km/h.

Der Zyklon traf in der Nacht zum 13. November auf die Küste Ostpakistans. Über Land schwächte er sich rasch ab und löste sich am Abend über dem südlichen Assam auf. Eine Sturmflut überschwemmte niedrig gelegene Inseln und Küstenflächen im Gangesdelta. Nach Schätzung der Weltorganisation für Meteorologie kamen zwischen 300.000 und 500.000 Menschen ums Leben. Der Sachschaden wurde auf etwa 86 Millionen US-Dollar beziffert.

Deep Depression Vierzehn

Ein Tiefdruckgebiet zog von der südlichen Andamanensee westwärts über den südlichen Golf von Bengalen. Am Morgen des 19. November entwickelte es sich etwa 600 km südöstlich von Madras zu einer Depression. Auf dem Weg nach Westnordwest verstärkte sich das System zu einer Deep Depression und traf am folgenden Tag auf Tamil Nadu. Über Land schwächte es sich zu einem Resttief ab.

Die Depression brachte weiten Teilen Tamil Nadus Niederschläge. An der Küste zwischen Puducherry und Atirampattinam wurden tiefliegende Gebiete überschwemmt. Im Distrikt Thanjavur entstanden Schäden an Häusern und landwirtschaftlichen Flächen. In Madras verloren mehrere tausend Menschen ihre Unterkünfte. In Cuddalore fielen insgesamt mehr als 440 mm Niederschlag, davon 310 mm am 20. November.

Zyklonischer Sturm Fünfzehn

Das Resttief der vorherigen Depression gelangte am 21. November vor der Küste Keralas in das Arabische Meer. Am folgenden Tag entwickelte sich daraus eine neue Depression, die westwärts zog und allmählich nach Südwesten abdrehte. Südöstlich von Sokotra verstärkte sie sich am 28. November zu einem zyklonischen Sturm mit Windgeschwindigkeiten von 75 km/h. Am folgenden Tag ging das System vor der Küste Somalias in ein Resttief über.

Vom 22. bis zum 24. November brachte das System den Lakkadiven verbreitete Niederschläge. Auf Amini wurden am 23. November 60 mm gemessen.

Siehe auch Atlantische Hurrikansaison 1970

Einzelnachweise

Weblinks

India Meteorological Department Joint Typhoon Warning Center

Kategorie:Naturkatastrophe 1970 N1970