Fanny Ben-Ami (; geborene Eyal oder Eil; * 1930 in Baden-Baden) ist eine jüdische Autorin, Malerin und Holocaustüberlebende.

Werdegang Fanny Ben-Ami wurde 1930 als Tochter von Erich Zvi „Hirsch“ (* 1889) und Yohanna-Hannah Eyal, geborene Alterman (* 1902), in Baden-Baden in der Lichtentaler Straße 42 geboren und wuchs mit ihren zwei jüngeren Schwestern Erica (* 1932) und Georgette (* 1934) auf. Ihre Eltern stammten aus Russland und waren vor den Pogromen in Litauen und Polen geflüchtet. Ihr Vater arbeitete als Orthopädieschuhmacher. Nach der Machtergreifung zog die Familie 1933 auf der Flucht vor dem wachsenden Antisemitismus nach Paris.

Leben im Versteck mini|Château de Chaumont (2019) Eine Woche vor Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde ihr Vater 1939 von der französischen Geheimpolizei verhaftet. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besetzung Frankreichs im Mai 1940 brachte ihre Mutter Fanny und ihre Schwestern im Château de Chaumont in Chaumont unter. Das zwischen den Gemeinden Mainsat und La Serre-Bussière-Vieille im Département Creuse in der Region Nouvelle-Aquitaine gelegene Kinderheim wurde vom jüdischen Hilfswerk für Kinder Œuvre de secours aux enfants (OSE) unterhalten. Fanny und ihre Schwestern lebten dort, geschützt durch die Verschwiegenheit der Dorfbewohner, fast drei Jahre. Kontakt zu ihrer Mutter konnten sie nur durch Briefe halten. Gemeinsam mit den übrigen Heimkindern besuchten sie die Dorfschule und blieben weitestgehend von den Kriegsereignissen verschont.

Im Jahr 1942 meldete der neue Dorfpfarrer die Anwesenheit der jüdischen Kinder, die dank einer Warnung der örtlichen Polizei rechtzeitig in andere Verstecke im Land gebracht werden konnten. Fanny Ben-Ami fand in Tence bei ihrer Tante im Südosten Frankreichs Unterschlupf, ihre Schwestern kamen in eine Unterkunft für untergetauchte Kinder. 1943 kamen die Schwestern, ihre Mutter und ihre Tante in einem Heim für OSE-Flüchtlinge in Megève in der italienischen Zone in den Savoyer Alpen wieder zusammen.

Flucht in die Schweiz Wegen des Vorrückens der deutschen Truppen wurden Fanny Ben-Ami, ihre Schwestern und über zwanzig weitere Kinder im Alter von vier bis 17 Jahren 1943 In Richtung der Schweizer Grenze geschickt. Die Flucht war durch die OSE, die Rettungsaktionen für jüdische Kinder in ganz Europa organisierte, geplant worden. Als ihre junge Gruppenleitung sie aus Angst im Stich ließ, übernahm Fanny Ben-Ami die Verantwortung für die Gruppe und organisierte die die weitere Flucht, sprach den Kindern Mut zu und sorgte für sie. Der geplante Weg per Zug nach Annemasse, wo sie einen Schleuser treffen sollten, war ihnen versperrt, da eine Brücke bombardiert worden war. In einem Güterwaggon gelangten sie auf einer anderen Strecke dennoch weiter. Ein Lastwagen, der sie zur Grenze mitnehmen sollte, wurde von der französischen Polizei gestoppt und die Kinder wurden festgenommen.

Sie wurden drei Tage lang ohne Essen und Trinken festgehalten und genötigt, ihre jüdische Herkunft zu offenbaren und den Aufenthaltsort ihrer Eltern zu verraten, doch alle Kinder nannten nur ihre falsche Namen und behaupteten, katholisch zu sein, wie man es sie im Heim der OSE gelehrt hatte. Schließlich konnten sie ihren Weg fortsetzen und die Schweizer Grenze passieren. Nach anderen Quellen entkamen die Kinder durch ein Toilettenfenster, gelangten zu Fuß zur Grenze und konnten sich unter Beschuss unverletzt auf die Schweizer Seite retten.

Bei Kriegsende erfuhren Fanny Ben-Ami und ihre Schwestern, dass ihre Eltern in den KZs Auschwitz und Lublin ermordet worden waren.

Weiteres Leben in der Schweiz, Frankreich und Israel Fanny Ben-Ami lebte zunächst bei dem Ehepaar Lydia und Alfred Klinger, das sie liebevoll aufnahm. Ihre Hoffnung auf ein Kunststudium in Zürich erfüllte sich nicht, da sie von den Schweizer Behörden 1946 zurück nach Frankreich geschickt wurde. Gemeinsam mit ihrer Tante Rosa war sie im Pelzhandel tätig, zog dann nach Paris und arbeitete als Kürschnerin.

Nachdem sie 1955 ihre mittlerweile nach Israel emigrierten Schwestern besucht hatte, ließ sie sich ebenfalls im Land nieder. Sie lebte im Kibbuz Ein Schemer und lernte dort den Musiker Benjamin Ben-Ami kennen, den sie später heiratete. Das Paar zog nach Cholon, wo Fanny Ben-Ami wieder als Kürschnerin arbeitete, und bekam zwei Kinder.

In Cholon begann Fanny Ben-Ami zu zeichnen und zu malen. Sie fertigt Zeichnungen und Aquarelle mit Landschaften, Porträts und Stillleben. Zu ihrem Werk gehören auch 27 Aquarelle, die ihre Flucht durch Frankreich während ihrer Kindheit thematisieren. 2019 entzündete sie als eine von sechs Schoa-Überlebenden eine der Fackeln bei der staatlichen Eröffnungszeremonie des Gedenktags Jom haScho’a für die Märtyrer und Helden des Holocaust in Yad Vashem.

Erinnern mini|Stolpersteine für Fanny Ben-Ami und ihre Familie Das United States Holocaust Memorial Museum bewahrt ein Interview von Fanny Ben-Ami in seiner Sammlung. Als Zeitzeuginnen sprechen Fanny Ben-Ami und ihre Schwestern regelmäßig öffentlich und in Schulen über die Zeit der Shoah.

Vor dem ehemaligen Wohnhaus der Familie in der Lichtentaler Straße 42 in Baden-Baden sind Stolpersteine verlegt.

Die Aquarelle Fanny Ben-Amis zu ihrer Flucht sind permanent im israelischen Museum Beit Ha'edut in Aschdod ausgestellt. Bilder von ihr werden seit 2025 auch im Kindermuseum Yad LaYeled im Haus der Ghettokämpfer in der Ausstellung Fanny’s Journey gezeigt und wurden Anfang 2026 in der Knesset ausgestellt.

Bücher und Film 1986 erschien das Buch "ha-Mefaḳedet ha-ketanah" der Kinder- und Jugendbuchautorin Galila Ron-Feder-Amit, das auf ihren Gesprächen mit Fanny Ben-Ami beruht, auf Hebräisch im Milo Publishing House, Israel. Das Werk thematisiert auch das „Trauma des Überlebens“ und „das zunächst schwierige Weiterleben“. Es enthält auch Zeichnungen von Fanny Ben-Ami.

Im Jahr 2015 kam von Fanny Ben-Ami das Werk Le journal de Fanny in Frankreich heraus (Livre de Poche Jeunesse. Hachette, Paris 2015, ISBN 978-2-0124-9013-0). Eine überarbeitete Fassung wurde 2016 unter dem Titel „Le Voyage de Fanny“ veröffentlicht (Seuil jeunesse, Paris, ISBN 979-1-02-350713-3).

Angelehnt an das Buch entstand der mehrfach ausgezeichnete Spielfilm Fannys Reise unter der Regie von Lola Doillon.

Weblinks Fanny Ben-Ami. Mein Leben für deine Freiheit. In der Reihe Zeuge der Zeit, 16. Juli 2022, ARD alpha (43 Minuten)

Einzelnachweise Sharon Adler: Interview mit Fanny Ben-Ami. In: Aviva – Online Magazin für Frauen vom 27. August 2018. Abgerufen am 2. September 2026

Sharon Adler: Fannys Reise. In: Aviva – Online Magazin für Frauen vom 22. August 2018. Abgerufen am 2. September 2026

Fanny’s Journey. In: Haus der Ghettokämpfer. Abgerufen am 2. September 2026

Fanny Ben-Ami. In: Humans of Tel Aviv. Abgerufen am 1. September 2026

Katrin Richter: Staatszeremonie zum Jom Haschoa. In: Jüdische Allgemeine vom 1. Mai 2019. Abgerufen am 2. September 2026

Special Committee on the Treatment of Holocaust Survivors holds special debate marking International Holocaust Remembrance Day. In: Knesset News vom 28. Januar 2026. Abgerufen am 3. September 2026

Brigid Grauman: A young heroine's long journey: When still a child in France, she saved 28 children from deportation. In: The Jewish Chronicle vom 17. November 2016. Abgerufen am 1. September 2026

USC Shoah Foundation Institute testimony of Fanny Ben-Ami. In: United States Holocaust Memorial Museum. Abgerufen am 3. September 2026

Fanny Ben-Ami. In: Yad Vashem. Abgerufen am 2. September 2026

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