mini|rechts|Guy Pène du Bois, 1913

Guy Pène du Bois (* 4. Januar 1884 in Brooklyn, New York City; † 18. Juli 1958 in Boston, Massachusetts) war ein US-amerikanischer Maler, Kunstkritiker und Schriftsteller. Er studierte unter anderem bei William Merritt Chase und Robert Henri an der New York School of Art und gehörte zum Umfeld der amerikanischen realistischen Malerei des frühen 20. Jahrhunderts. Zu seinen Studienkollegen gehörten George Bellows, Edward Hopper und Rockwell Kent.

Pène du Bois wurde insbesondere durch seine ironisch und teilweise satirisch geprägten Darstellungen des modernen gesellschaftlichen Lebens bekannt. Seine bevorzugten Motive waren Menschen in Cafés, Theatern, Restaurants, Galerien und auf Rennbahnen, wobei er sich häufig der wohlhabenden Gesellschaft der amerikanischen Großstädte zuwandte. Charakteristisch für seine Malerei sind stilisierte, teilweise röhrenförmig aufgefasste menschliche Figuren sowie eine genaue Beobachtung gesellschaftlicher Verhaltensweisen und zwischenmenschlicher Beziehungen.

Von 1924 bis 1930 lebte Pène du Bois in Frankreich und widmete sich dort überwiegend der Malerei. Die Jahre in Frankreich waren für seine künstlerische Entwicklung von besonderer Bedeutung und führten zu einer weiteren Ausprägung seines charakteristischen Stils. Nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten schuf er unter anderem im Rahmen der staatlichen Kunstförderung während des New Deal Wandbilder für Postämter in New York und Massachusetts. Daneben blieb er als Kunstkritiker und Autor tätig und veröffentlichte unter anderem die Autobiografie Artists Say the Silliest Things (1940) sowie Monografien über amerikanische Künstler.

Leben Herkunft und Ausbildung Guy Pène du Bois wurde als Sohn des Kunstkritikers und Schriftstellers Henri Pène du Bois und dessen Ehefrau Laura geboren. Sein Vater stammte aus einer Familie mit kreolischem Hintergrund und vermittelte seinem Sohn früh eine Wertschätzung für die französische Sprache und Kultur. Pène du Bois zeigte bereits in jungen Jahren Interesse an der Kunst und begann im Alter von 15 Jahren 1899 ein Studium an der New York School of Art. Dort war zunächst William Merritt Chase sein Lehrer; später studierte er bei Robert Henri und Kenneth Hayes Miller.

Henri prägte seine weitere künstlerische Entwicklung nachhaltig. Zu Pène du Bois’ Studienkollegen gehörten George Bellows, Edward Hopper und Rockwell Kent; mit Hopper verband ihn eine lebenslange Freundschaft. Obwohl er aus demselben künstlerischen Umfeld hervorging wie die später als Ashcan School bezeichneten Realisten, entwickelte er eine eigene thematische Ausrichtung.

Frühe berufliche und künstlerische Entwicklung 1905 reiste Pène du Bois gemeinsam mit seinem Vater nach Paris. Dort studierte er kurzzeitig an der Académie Colarossi und nahm Unterricht bei Théophile Steinlen. Noch im selben Jahr stellte er erstmals im Pariser Salon aus. Nach dem Tod seines Vaters kehrte er 1906 in die Vereinigten Staaten zurück.

In New York arbeitete er zunächst als Illustrator und Karikaturist für den New York American. Ab 1909 war er dort auch als Kunstkritiker tätig. In den folgenden Jahren schrieb er für weitere Zeitungen und Zeitschriften, darunter die New York Tribune und Arts and Decoration, deren Herausgeber er zeitweise war. Seine journalistische Tätigkeit verschaffte ihm einen unmittelbaren Zugang zum New Yorker Kunst- und Kulturleben.

1913 gehörte Pène du Bois der Association of American Painters and Sculptors an und war an der Organisation der Armory Show beteiligt. An der Ausstellung stellte er sechs eigene Gemälde aus und widmete ihr als Herausgeber von Arts and Decoration eine Sonderausgabe.

Im selben Jahr begann die New Yorker Kraushaar Gallery, seine Arbeiten zu vertreten. 1918 erhielt er seine erste Einzelausstellung im Whitney Studio Club in Greenwich Village. Zu seinen frühen Förderern und Sammlern gehörten Gertrude Vanderbilt Whitney und Chester Dale.

Familie und Lehrtätigkeit 1911 heiratete Pène du Bois Florence Sherman Duncan, die bereits drei Kinder aus einer früheren Ehe hatte. Aus der Ehe gingen die 1913 geborene Tochter Yvonne und der 1916 geborene Sohn William hervor. Florence Pène du Bois arbeitete als Modedesignerin und trug wesentlich zur finanziellen Stabilität der Familie bei.

Von 1914 bis 1917 lebte die Familie in Nutley in New Jersey. 1921 zog sie nach Westport, Connecticut. Zwischen 1920 und 1924 unterrichtete Pène du Bois an der Art Students League of New York, wo unter anderem Alexander Calder und Isabel Bishop zu seinen Schülern gehörten.

Frankreich 1924–1930 1924 übersiedelte Pène du Bois mit seiner Familie nach Frankreich, um sich verstärkt der Malerei zu widmen. Die Familie ließ sich in Garnes, etwa 40 Kilometer nordwestlich von Paris, nieder. Der Aufenthalt wurde durch die New Yorker Kraushaar Gallery unterstützt, die ihm finanzielle Vorschüsse auf künftige Arbeiten gewährte.

Die Jahre in Frankreich bildeten eine besonders produktive Phase seines Schaffens. Pène du Bois widmete sich nun überwiegend der Malerei und entwickelte seinen Stil weiter. Zu den bedeutenden Werken dieser Zeit gehören Café du Dôme (1925/26), Opera Box (1926), Americans in Paris (1927), La Rue de la Santé (1928) und Pierrot Tired (um 1929).

Nach dem Börsenkrach von 1929 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Familie. 1930 kehrte Pène du Bois in die Vereinigten Staaten zurück.

Rückkehr in die Vereinigten Staaten Nach seiner Rückkehr aus Frankreich im Jahr 1930 nahm Pène du Bois seine Lehrtätigkeit wieder auf. Von 1930 bis 1932 unterrichtete er erneut an der Art Students League of New York. 1932 gründete er in Stonington, Connecticut, die Guy Pène du Bois School of Art und war später auch an der Grand Central School of Art tätig. 1938 unterrichtete er während des Sommers an einer Kunstschule in Amagansett auf Long Island.

1932 nahm Pène du Bois an den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles teil. Im Rahmen der damals ausgetragenen Kunstwettbewerbe war er in der Kategorie Malerei mit dem 1929 entstandenen Ölgemälde Approaching Storm, Racetrack vertreten.

In den 1930er Jahren erhielt er mehrere öffentliche Aufträge für Wandgemälde. Im Rahmen der staatlichen Kunstförderung während des New Deal schuf er Arbeiten für Postämter in Saratoga Springs und Rye im Bundesstaat New York sowie in Weymouth, Massachusetts. Dazu gehörten Saratoga in the Racing Season für das Postamt in Saratoga Springs, John Jay at His Home in Rye und Landing of the Weston Company für das Postamt in Weymouth.

1937 wurde Pène du Bois zum Associate Member der National Academy of Design gewählt und 1940 als ordentliches Mitglied aufgenommen.

Späte Jahre und Tod Auch in den 1940er Jahren blieb Pène du Bois als Maler tätig und stellte seine Arbeiten regelmäßig aus, unter anderem im Whitney Museum of American Art.

Nach dem Tod seiner Ehefrau Florence im Jahr 1950 hielt er sich von 1952 bis 1956 erneut in Frankreich auf. Anschließend kehrte er in die Vereinigten Staaten zurück und ließ sich in Boston nieder. Dort starb er am 18. Juli 1958 im Alter von 74 Jahren.

Werk Stil und Motive Pène du Bois entwickelte sich aus dem Umfeld der amerikanischen realistischen Malerei zu einem eigenständigen figurativen Künstler. Obwohl seine Ausbildung bei Robert Henri ihn mit den später als Ashcan School bezeichneten Malern verband, unterschied sich seine Motivwahl deutlich von deren Darstellung des Alltagslebens der Arbeiter und ärmeren Bevölkerung.

Stattdessen konzentrierte er sich vor allem auf das gesellschaftliche Leben der städtischen Mittel- und Oberschicht. Wiederkehrende Motive seiner Bilder sind Menschen in Cafés, Restaurants, Theatern, Opernhäusern, Galerien und auf Rennbahnen. Kleidung, Körperhaltung und Gestik dienten ihm dabei als Mittel zur Charakterisierung gesellschaftlicher Rollen und zwischenmenschlicher Beziehungen. Seine Darstellungen besitzen häufig einen ironischen oder satirischen Unterton.

Während seines Aufenthalts in Frankreich von 1924 bis 1930 entwickelte Pène du Bois seinen Stil weiter. Seine Farbpalette wurde heller, die Kompositionen großformatiger und die menschlichen Figuren stärker vereinfacht. Charakteristisch wurden langgestreckte, teilweise röhrenförmig wirkende Körperformen, durch die er Haltung und soziale Erscheinung seiner Figuren betonte. Dabei verband er gegenständliche Darstellung mit einer ausgeprägten formalen Stilisierung.

Wandmalerei mini|Saratoga in the Racing Season im Postamt Saratoga Springs, ca. 1937 In den 1930er und frühen 1940er Jahren schuf Pène du Bois mehrere Wandgemälde für öffentliche Gebäude. Im Zusammenhang mit den Kunstprogrammen des New Deal entstanden Arbeiten für Postämter in Saratoga Springs, Rye und Weymouth. Im Unterschied zu seinen Gesellschaftsdarstellungen behandelten diese Werke überwiegend historische und lokale Themen.

Kunstkritiker und Autor Pène du Bois war neben seiner Tätigkeit als Maler über mehrere Jahrzehnte als Journalist, Kunstkritiker und Autor tätig. Seit 1909 veröffentlichte er Kunstkritiken und schrieb anschließend unter anderem für den New York American, die New York Tribune und die Zeitschrift Arts and Decoration.

Daneben veröffentlichte er mehrere Monografien über amerikanische Künstler, darunter William Glackens, Edward Hopper, Ernest Lawson und John French Sloan. 1940 erschien seine Autobiografie Artists Say the Silliest Things, in der er seine Erfahrungen in der amerikanischen Kunstwelt schilderte.

Rezeption Pène du Bois war zu Lebzeiten ein anerkannter Künstler und regelmäßig in bedeutenden amerikanischen Ausstellungen vertreten. Werke von ihm befanden sich unter anderem in den Sammlungen von Gertrude Vanderbilt Whitney und Chester Dale. Das Museum of Modern Art zeigte seine Arbeiten bereits 1930/31 in der Ausstellung Painting and Sculpture by Living Americans; weitere Ausstellungen folgten in den folgenden Jahrzehnten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet seine gegenständliche Malerei jedoch zunehmend aus dem Blickfeld der Kunstkritik. Mit dem Aufstieg des Abstrakten Expressionismus verlor der von Pène du Bois vertretene amerikanische Realismus an Bedeutung. Der Kunsthistoriker Jack Flam beschrieb seine Stellung rückblickend als unsicher und stellte fest, dass seine Arbeiten in den Jahren nach seinem Tod zunächst nur verhalten aufgenommen wurden.

Eine umfassendere Neubewertung setzte in den 1980er Jahren ein. 1980 widmete die Corcoran Gallery of Art in Washington, D.C. seinem Werk eine Retrospektive. Weitere Einzelausstellungen folgten, darunter Guy Pène Du Bois: The 1920s im Whitney Museum of American Art im Jahr 1988 und The Talk of the Town: Guy Pène du Bois and Elie Nadelman im Jahr 2000.

In der kunsthistorischen Literatur wird Pène du Bois als eigenständiger Vertreter des amerikanischen Realismus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingeordnet. Seine Bedeutung liegt vor allem in seinen stilisierten und häufig ironisch geprägten Darstellungen des modernen gesellschaftlichen Lebens, die sich sowohl von der sozialrealistischen Motivwelt der Ashcan School als auch von den später dominierenden abstrakten Strömungen der amerikanischen Kunst unterscheiden.

Literatur (Auswahl)

Schriften (Auswahl)

Auszeichnungen 1930: Norman Wait Harris Silver Medal and Prize des Art Institute of Chicago für das Gemälde Valley of the Chevreuse. 1936: Second Altman Prize der National Academy of Design. 1937: Zweiter Preis und Silbermedaille bei der 15. Biennale der Corcoran Gallery of Art. 1942: Maynard Prize des Museum of Fine Arts, Boston. 1945: First Altman Prize der National Academy of Design für das Gemälde Cocktails.

Weblinks

Einzelnachweise 2

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