La Galatea (deutsch Die Galatea oder Galatea) ist der Debütroman„Cervantes's first published book“ – Marsha S. Collins: Befriending and being friends in Cervantes’s „La Galatea“ (1585) and Sidney’s „Arcadia“ (1593). In: Bruce R. Burningham (Hrsg.): Millennial Cervantes. New currents in Cervantes studies. University of Nebraska Press, Lincoln NE 2020. ISBN 978-1-4962-1762-2. S. 81–106.hopes Hier S. 82. von Miguel de Cervantes. Der erste Teil, dessen vollständiger Titel Primera parte de La Galatea, dividida en seis libros lautet, wurde 1585 bei Juan Gracián in Alcalá de Henares veröffentlicht und Ascanio Colonna gewidmet, mit dem Cervantes nach Italien zurückkehren wollte.„He dedicates his early pastoral romance La Galatea to Ascanio Colonna in the hope that he can return to Italy with him“ – Frederick A. de Armas: (Mis)placing the muse. Ekphrasis in Cervantes’ „La Galatea“. In: Frederick A. de Armas (Hrsg.): Writing for the eyes in the Spanish Golden Age. Bucknell University Press, Lewisburg PA 2004. ISBN 0-8387-5571-2. S. 25–41. Hier S. 25. Zur Veröffentlichung des beabsichtigten zweiten Teils kam es nicht mehr, obwohl Cervantes „noch bis wenige Tage vor seinem Tod immer wieder einen versprochen hatte“,„although he continued to promise one as late as just a few days before his death“ – Collins, Romancing Arcadia, S. 143. genau genommen vier„a second part, which Cervantes promised four times to his readers“ – Valencia, Feminine voice and masculinist aims in Miguel de Cervantes’s „La Galatea“ (1585), S. 137. oder fünf Mal. „Die erste deutsche Übersetzung – Berlin 1787 – beruht auf der Florianschen Bearbeitung“ aus dem Jahr 1783, in der der Cervantes-Stoff einerseits zusammengedrängt, andererseits ergänzt wurde: „Die Bearbeitung – eigentlich schon eine Verfälschung – entsprach aber der damals herrschenden Ansicht von ‚Empfindsamkeit‘ mehr als ein treueres Bild des Originals. […] Die erste ungekürzte, aber – F. M. Duttenhofer, der Übersetzer, hebt dies selbst hervor – stark ‚paraphrasierte‘ Übertragung erschien unter dem Titel ‚Die Galathea‘ 1842 in Stuttgart“. Kurzbeschreibung An den Ufern des Tajo werben die beiden Freunde Elicio und Erastro um ein und dieselbe Frau: Galatea. Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Ereignisse wie dem Eintreffen berühmter Dichter, einer Hochzeit oder einer Gedenkfeier wird beispielsweise über die Liebe debattiert oder es werden Geschichten erzählt oder Gedichte vortragen, die zur Liebes-Debatte beitragen können oder den Gefühlen der Romanfiguren Ausdruck verleihen. Das Werk „endet damit, dass Galatea versucht, ihre arrangierte Heirat mit einem lusitanischen Hirten zu verhindern, während Elicio ihr beisteht und dabei mit Gewalt droht“.„Part I of the Galatea ends as Galatea attempts to prevent her arranged marriage to a Portuguese shepherd while Elicio threatens force in support of her“ – Dominick Finello: The Galatea. In: Harold Bloom (Hrsg.): Miguel de Cervantes. Chelsea House, Philadelphia PA 2005. ISBN 0-7910-8138-9. S. 171–189. Hier S. 179–180.

Inhalt Erstes Buch Die an den Ufern des Tajo in einem Arkadien lebende schöne Schäferin Galatea hat zahlreiche Verehrer. Einer davon ist der Schäfer Elicio. „Da Galatea nun sah, wie Elicio sie voll der Rücksicht auf ihre Ehrbarkeit und ihr Ansehen liebte, schien es ihr allzu undankbar, die ehrbaren Absichten des Schäfers nicht dann und wann durch eine ebenso ehrbare Gunstbezeigung anzuerkennen und zu vergelten. Da Galatea solcherart die Dienste, die er ihr leistete, nicht von sich wies, dachte sich Elicio, er würde schließlich doch noch ans Ziel seiner Wünsche gelangen.“ Elicio ist jedoch befreundet mit Erastro. „Erastro war Viehzüchter, war Hirt. Die bäuerliche Herkunft und die gröbere Lebensart seines Standes schützten ihn nicht vor der zarten gebrechlichen Liebe, die ihn heimlich überkommen und von seinem nicht sonderlich empfindsamen Herzen Besitz ergriffen hatte, was bewirkte, daß Erastro die schöne Galatea mehr als sein Leben liebte und ihr, wann immer sich ihm die Gelegenheit bot, sein Herz ausschüttete und seinen Kummer klagte. […] Trotzdem nahm man die verliebten Reden des Hirten – Galatea hörte ihm geduldig zu – nicht recht ernst. Erastros Nebenbuhlerschaft bereitete Elicio nicht die geringste Sorge“. Und Erastro will kein wirklicher Rivale Elicios sein. „An ebenso vielen wie untrüglichen Zeichen hatte Erastro erkannt, daß Elicio die schöne Galatea liebte; er hatte auch begriffen, daß die Vorzüge und Anlagen Elicios ungleich größer und besser waren als die seinen“. Zur Bekräftigung ihrer Freundschaft und ihrer jeweiligen Liebe zu Galatea pausieren sie liedsingend auf einer Wiese, als ein Paar Männer „die idyllische Blase um Arkadien platzen lässt“:„bursts the idyllic bubble around Arcadia“ – Elizabeth Rhodes: Sixteenth-century Pastoral Books, narrative structure, and „La Galatea“ of Cervantes. In: Bulletin of Hispanic Studies, Jg. 66, Nr. 4, 1989, , S. 351–360. Hier S. 355. Ein Mann namens Carino bricht aus dem Gehölz hervor, „in einer Hand hielt er ein blankes Messer und bleich war er wie ein Laken“, denn ein Mann namens Lisandro verfolgt ihn, „holte ihn kurz darauf ein […] und stieß seinem Opfer den Spitzdolch einmal und noch einmal in den Leib“. Der Täter bezeichnet das Opfer als „hinterhältigen Schurken“, beruft sich für seine Tat auf eine tote Frau namens Leonida, stürzt sich ins Gehölz zurück und lässt die verblüfften Freunde Elicio und Erastro mit dem rasch seinen Verletzungen erliegenden Carino auf der Wiese. Elicio und Erastro begraben Carino, verlassen den Tatort. Elicio ist dermaßen aufgewühlt, dass er in der kommenden Nacht spazieren geht und auf Lisandro trifft. Elicio beruhigt Lisandro und bewegt ihn dazu, den Hintergrund der Tat zu schildern: die in den Rahmentext um Galatea eingebettete Erzählung um Leonida und Lisandro, „eine Geschichte von Grausamkeit, Verrat, Täuschung und blutiger Gewalt“„a story of cruelty, treachery, deception, and bloody violence“ – Collins, Befriending and being friends in Cervantes’s „La Galatea“ (1585) and Sidney’s „Arcadia“ (1593), S. 93. aufgrund „einer Familienfeindschaft, die sich in einer beklemmenden Atmosphäre von Haß und Heimtücke entlädt“.

Elicio bietet Lisandro an, bei ihm zu wohnen, so lang Lisandro das wünsche. Am nächsten Morgen versorgen Elicio, Erastro und Lisandro die Herden von Elicio und Erastro und treffen dabei auf Galatea. „Als Galatea sah, daß sich Erastros und Elicios Herden mit der ihren vermengten, ließ sie deutlich erkennen, daß sie an diesem Tage kein Verlangen nach der Gesellschaft der beiden Schäfer hegte“. Sie will sich stattdessen mit ihrer Freundin Florisa treffen, vertreibt sich allein mit dieser die Zeit, als eine junge, fremde Frau sich ihnen nähert: „Dann und wann blieb sie stehen, hob die Augen gen Himmel und stieß dabei so schmerzliche Seufzer aus, daß man nicht umhin konnte zu denken, sie rissen sich aus dem tiefsten Herzensgrund los“. Gerührt und mitleidig erkundigen sich Galatea und Florisa bei der Fremden, die Teolinda heißt, nach dem Grund ihres Kummers, und Teolinda berichtet von dem Beginn ihrer unglücklichen Liebe zu Artidoro.

Teolindas Bericht wird unterbrochen von dem Auftritt einiger Männer, die auf Hasenjagd sind, darunter Galateas Vater Aurelio. Die drei Frauen speisen mit den Männern, Galatea und Florisa bieten Teolinda an, „doch einige Tage in ihrer Gesellschaft zu verbringen“, und als die drei Frauen sich in Begleitung der Männer auf den Heimweg machen, treffen sie auf den Hagestolz Lenio, der einen Gesang von sich gibt. „Lenio verkündet, dass das Leiden des Liebenden vergeblich sei, da die Liebe ein sinnloses Streben nach einem stets flüchtigen Objekt des Begehrens darstelle“.„Lenio proclaims that since love is a pointless pursuit for an always-fleeting object of desire, the lover‘s suffering is futile“ – Rosilie Hernández-Pecoraro: Bucolic metaphors. History, subjectivity, and gender in the early modern Spanish pastoral. University of North Carolina Press, Chapel Hill NC 2006. ISBN 0-8078-9291-2. S. 117. Von anderer Seite treten Lisandro, Erastro und Elicio heran, von denen letzterer zum Gegengesang ansetzt. Galateas Vater Aurelio fordert die Kontrahenten auf, den Sängerkampf zu vertagen, doch zunächst droht Erastro gegen Lenio handgreiflich zu werden; auch hier vermittelt Aurelio. Lisandro, dessen Schicksal gleich zu Beginn des Romans eine „fast schon hämische Zerstörung der idyllischen Welt“ mit sich brachte,„almost gleeful destruction of the idyllic world“ – Donald Gilbert-Santamaria: Plotting imperfections in „La Galatea“. In: Donald Gilbert-Santamaria: The poetics of friendship in early modern Spain. A study in literary form. Edinburgh University Press, Edinburgh 2020. ISBN 978-1-4744-5804-7. S. 52–76. Hier S. 55. kündigt an, er möchte „in seine Heimat zurückkehren oder an einen anderen Ort“. Galatea und Florisa warten gespannt auf die Fortsetzung von Teolindas Geschichte, die davon berichtet, wie ihre Welt zerstört wurde. Zweites Buch In einem Garten, der zu Galateas Haus gehört, fährt Teolinda mit ihrem Schicksalsbericht fort.

Nach Abschluss der traurigen Liebesgeschichte geben Galatea und Florisa Teolinda „den Rat, einige Tage bei ihnen zu bleiben, vielleicht füge es der Zufall, daß sie in dieser Zeit etwas von Artidoro höre“. Am nächsten Morgen versorgen Galatea, Florisa und Teolinda die Herden von Galatea und Florisa und hören dabei nahende Musik von Drehleier und Streichinstrument. Teolinda identifiziert anhand des Klangs die Kunst von Tirsi und Damon. Das sind „Landsleute“ von Teolinda und „in jeder der Künste, in den Wissenschaften und in sonstigen lobenswerten Geschäften so erfahren, daß sie […] überall im Lande hochgeschätzt werden“. Alsbald singend, lenken Damon, ein „Herzensfreund“ von Elicio, und Tirsi, der mit Elicio noch unbekannt ist, „die Schritte in die Richtung, in der sie auf die Schäferinnen gestoßen wären. Darüber war Teolinda keineswegs sehr erfreut, denn sie fürchtete, von Tirsi und Damon erkannt zu werden“, weshalb sie mit Galatea und Florisa in ein Gebüsch flieht und die beiden Männer passieren lässt. Tirsi und Damon, die zur Hochzeit eines Paares namens Dariano und Silveria gekommen sind, treffen auf Elicio und Erastro und beginnen alsbald einen Dialog, der sich „zuletzt darauf beschränkte, Fragen der Liebe zu erörtern“. Sie machen sich auf den Weg zu einer Klause des „einsiedlerschen“ Jünglings Silerio, „der seit etwa zwölf oder vierzehn Tagen in dieser Klause wohnt und ein so hartes Büßerleben führt, daß es nach meinem Bedünken für seine zarte Jugend untragbar ist“. Sie lauschen zunächst heimlich Silerios traurigem Gesang, dessen Gegenstand „Nísida, der Schönheit Krone“ und „Timbrio, mein Geselle“ sind. Während sie anschließend mit Silerio zusammen gen Dorf gehen, lassen sie ihn mit seinem Bericht beginnen, der Geschichte von Timbrio und Silerio, „zwei jungen Edelmännern aus Jerez, die es nach Neapel verschlägt und die sich dort in die schöne Nísida verlieben“ – ein Bericht, der „sich als eine derart kraftvolle Erzählung erweist, dass sie beinahe das gesamte Geflecht der in der Galatea verwobenen Geschichten an sich reißt und im Gedächtnis des Lesers verdrängt“.„proves so powerful a narrative that the tale very nearly kidnaps the entire bundle of interwoven stories in La Galatea and supplants them in the reader‘s memory“ – Collins, Romancing Arcadia, S. 162.