2 + 2 Compositions ist ein Musikalbum von Anthony Braxton und Matt Bauder. Die am 25. Juli 2003 im Probenraum der Wesleyan University entstandenen Aufnahmen erschienen im Mai 2005 auf 482 Music.

Hintergrund Braxton nahm dieses Album mit dem Kontrabassisten Zach Wallace, dem Schlagwerker Aaron Siegel und dem Saxophonisten und Klarinettisten Matt Bauder auf, der die beiden anderen Kompositionen auf der CD beigesteuert hat.

Braxtons Kompositionen auf „2 + 2 Compositions“ mit den Titeln „324b“ und „327c“ würden eine Ausrichtung auf Textur und Klangfarbe widerspiegeln, im Gegensatz zu Melodie und Harmonie, notierte John Kelman. Tatsächlich lauteten die einzigen Worte in den Erläuterungen zu seinen Partituren für diese beiden Stücke: „Klang statt Tonhöhe“.

Bauder, dessen Werk „Dots“ von John Cages „Atlas Eclipticalis“ inspiriert wurde, überträgt dort das aleatorische System (Musik, die durch Zufall oder unbestimmte Elemente gekennzeichnet ist) in den Kontext eines Jazzquartetts – mit einer grafischen Partitur, die aus über die Seite verstreuten Punkten besteht, durch die gerade Linien verlaufen, um sie zu Notenzeilen zu gruppieren. „Scaffolding“ ist in vier Abschnitte unterteilt, die das Quartett in vier Trios aufteilen, welche eine Vielzahl von Klangklassen durchlaufen, wie beispielsweise „isolierte, nicht resonante Impulse“ und „kontinuierliche, resonante“.

Titelliste Anthony Braxton/Matt Bauder: 2 + 2 Compositions (482 Music – 482-1034) Scaffolding (Bauder) 15:46 Composition No. 324b (Braxton) Dots (Bauder) 11:49 Composition No. 327c (Braxton) 6:59

Rezeption Nach Ansicht von John Kelman, der das Album in All About Jazz rezensierte, ist Braxton einer der großen radikalen musikalischen Denker der letzten vierzig Jahre – jemand, der im Gespräch in einem Moment herzlich und klar sein kann, im nächsten ebenso warmherzig, aber auf eine verschlungene, abstrakte Art. Aber ehrlich gesagt würde er sich einfach auf einer anderen Ebene bewegen als die große Mehrheit, und seine Kompositionen spiegelten eine so reichhaltige Komplexität wider, die so weit über das Konventionelle hinausgeht, dass man sie wirklich mit anderen Ohren hören muss.

Braxton und seine Kollegen seien eindeutig in der Lage, die Art von gelenkter Improvisation zu interpretieren, für die Braxtons Kompositionen stehen. Die Beschreibung dieser Kompositionen lasse auf ein anspruchsvolles Hörerlebnis schließen, was zum Teil zutrifft. Da sie traditionelle musikalische Konstrukte vermeiden, würden diese Stücke kaum Anhaltspunkte bieten – es sei denn vielleicht, man sei bereits mit Braxtons kompositorischem Ansatz zur Improvisation vertraut. Wenn man jedoch bereit sei, den eigenen Horizont zu erweitern und diese Stücke als rein texturale Einheiten wahrzunehmen, dann repräsentiere nicht nur jedes Stück seine eigene innere Entwicklung, sondern die vier Stücke bildeten in ihrer Abfolge eine Erzählung,

François Couture verlieh dem Album in Allmusic vier Sterne und schrieb, aufgenommen an der Wesleyan University mit drei seiner Schüler (die auch als Trio unter dem Namen Memorize the Sky zusammenarbeiteten), würde Anthony Braxtons Album 2 + 2 Compositions ein weiteres Beispiel dafür bieten, wie leicht sich der Meister an neue musikalische Formen – und jüngere, aufstrebende Musiker – anpassen und mit ihnen arbeiten könne. Es handle sich um zurückhaltende Musiker, die der Textur den Vorzug vor der Dichte geben, wie Bauders zwei Beiträge zu diesem Zyklus eindrücklich belegen. Das Quartett würde in „Dots“ wunderbar zu einer Einheit verschmelzen und parallele Dialoge (F-Saxophon/Tenorsaxophon, Bass/Tenorsaxophon, Schlagzeug/Bass/F-Saxophon) vervielfachen. Braxtons zwei Kompositionen, „Nr. 324b“ und „Nr. 327c“, folgten ähnlichen ästhetischen Ideen, erforderten jedoch mehr Lautstärke und eine gewisse Intensität (insbesondere zu Beginn von „327c“). Beide Stücke würden zu seiner Reihe „Falling River Musics“ gehören, die manche Hörer als völligen Gegensatz zur Reihe „Ghost Trance Music“ wahrnehmen mögen. „Falling River Music“ verzichte auf jeglichen Beat und würde eine viel abstraktere Form annehmen, bestehend aus Klangwolken, deren scheinbare Zufälligkeit schließlich von einem übergeordneten Sinn aufgelöst werde. Und in dieser Hinsicht erreiche das kurze „327c“ in seinen sieben brillanten Minuten mehr als „324b“ in der dreifachen Länge.

Einzelnachweise

Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album (Neue Improvisationsmusik) Kategorie:Album 2005 Kategorie:Anthony-Braxton-Album