mini|hochkant|Wappen der Dutzeman in einem Wappenbuch aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts Deutschmann (auch Dutschmann, Dütschmann, Richter genannt Dütschmann oder Dütschmann genannt Richter von Hundsfelden sowie Zoller, Zölner, Thelonearius, Telonarius o. ä.) ist der Name eines Ende des 15. Jahrhunderts erloschenen Straßburger Patrizier- und Adelsgeschlechts.

Geschichte Das Geschlecht, das zu den ältesten Adelsgeschlechtern des Elsass zählt, hatte ursprünglich das Amt des Straßburger Richters inne und übernahm die Amtsbezeichnung als Familiennamen. Ab Ende des 13. Jahrhunderts nannten sich verschiedene Familienmitglieder auch Dütschmann/Deutschmann. Zwar zog schon ein Hans Dischmann mit Graf Rudolf von Habsburg (1218–1291), dem späteren römisch-deutschen König, nach Jerusalem, aber urkundlich erscheint zuerst ein Dietscheman im Straßburger Rat. Bei diesem handelt es sich um den späteren Stettmeister (Bürgermeister) Claus Richter.

Die Deutschmann besaßen verschiedene Lehen des Bistums Straßburg. Darüber hinaus hatten sie Lehen von den Herrschaften Lichtenberg (z. B. Jakob/Jäckel Duschman von Herzenstein 1361) und Rappoltstein. Außerdem besaßen sie Burg Nideck, Schirmeck, Werd bei Erstein und ein Stadthaus in Straßburg. Ferner waren sie ab Mitte des 13. Jahrhunderts Hausgenossen zu Straßburg: 1266 Cuno filius Cunonis ante monasterium (sein Sohn erscheint nach dem Tod des Vaters als Conrad der Richter, civ. Arg., filius quond), 1283 die Brüder Petrus und Conradus Richter (Brüder von Conradi, judicis arg.), 1300 (?) und 1376 die Brüder Henselin, Jacob und Arbogast Deutschmann genannt Richter, Söhne des Stettmeisters Claus Deutschmann genannt Richter.Hertzog (1592), S. 161 f.

Das Geschlecht stellte sieben Straßburger Stettmeister: Hug(o) Richter (1301); Claus Richter (1304, 1313, 1314); Rudolf Richter (auch: „Rudolf der Zoller“) (1309, 1316); Claus Deutschmann genannt Richter (auch: „Claus der Hüter“) (1371, 1383, 1393); Hugo Deutschmann genannt Richter (1382, 1388); Johannes/Hans Deutschmann genannt Richter (1405, 1409); Claus Burkard Deutschmann (1400) († 14. April 1417), Kanoniker von St. Thomas.Grabplatte von Claus Burkard Dütschmann (14. April 1417) (Dokumentationszentrum für Archäologie im Elsass). Außerdem war die Familie bis 1436 vielfach im Rat der Stadt Straßburg vertreten,Julius Kindler von Knobloch: Das goldene Buch von Straßburg. Teil 1. In: Jahrbuch der k. k. heraldischen Gesellschaft Adler zu Wien, 1884, S. 91 (Internet Archive). u. a. mit Sigelin und seinem Sohn, Erbo Richter oder Deutschmann (1245), Conrad (1245), Cüntzel (1297), Diter (1315), Conrad (1321), Hugo (1386, 1390) und Johannes (1413).

Vom gleichen Stamm wie die Richter genannt Dütschmann waren die Zöllner (auch Zoller, Zölner, Thelonearius, Telonarius o. ä.), die ihre Amtsbezeichnung als Zöllner zum Familiennamen machten. Da das Amt des Zöllners in den ältesten Zeiten von bischöflichen Ministerialen verwaltet wurde, stellte die Stadt Straßburg 1393 folgende Forderungen an den Straßburger Bischof Friedrich von Blankenheim († 1423):Wilhelm Wiegand: Urkunden und Akten der Stadt Strassburg, 1851–1915, Band VI, 1899, S. 419 (archive.org). Einsetzung des Reinbolt von Mülnheim und des Hug Tütschman Burg Werd sowie Wiedereinsetzung des Thoman von Endingen und des Claus Richter gen. Tütschman in ihre Burg Nideck, ferner des Letzteren Wiedereinsetzung in seinen Teil des Breuschtales. Für die Zöllner ist folgender Stammfolgenausschnitt überliefert:Kindler von Knobloch (1885), S. 79.

Zuletzt lebte aus dieser Linie Else Zollerin, 1397 Äbtissin von St. Clara auf dem Wörd vor Straßburg. Auch die Zöllner waren 1231–1326 vielfach im Straßburger Rat vertreten sowie 1266 und 1283 Straßburger Hausgenossen.

Am 25. Dezember 1385 wurde Johannes genannt Dutschmann, Edelknecht zu Straßburg, Sohn des Nikolaus Richter, von Anna, der Witwe des Johannes Herrn von Schwarzenberg, und ihrem jetzigen Gatten, Boemund von Ettendorf, und den Kindern der Anna, nämlich Ulrich, Adelheid und Susa von Schwarzenberg, mit dem Zehnten von Schutterwald belehnt.Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Band 3, Heidelberg 1919, S. 526 (uni-heidelberg.de). 1401 nahm Edelknecht Hans Tuschmann mit neunzehn anderen Edelleuten aus Straßburg unter Führung von Heinrich von Mülnheim an König Ruprechts (1352–1410) Italienfeldzug teil. Aus der Gruppe wurden elf zu Rittern geschlagen.Adam Walther Strobel: Vaterländische Geschichte des Elsasses von der frühesten Zeit bis zur Revolution 1789. Band 3, 1851, S. 62 Bride Deutschmann († 1403), Schwester von Hans Richter genannt Deutschmann, war mit Kunzlin Rebstock verheiratet.Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Band 3, Heidelberg 1919, S. 366 (uni-heidelberg.de). 1419 befanden sich beim Auszug der Edlen aus der Stadt Straßburg unter den Ausziehenden u. a. Claus Dütschmann, Jakob Dütschmann, Hermann Dütschmann, Arbogast Dütschmann, Hans Dütschmann und Jakob Dütschmann.Adam Walther Strobel: Vaterländische Geschichte des Elsasses von der frühesten Zeit bis zur Revolution 1789. Band 3, 1851, S. 129 f. (Google Bücher). Im Dachsteiner Krieg verbrannten die Straßburger 1421 Jakob Dütschmanns Schloss in Herboltzheim.Adam Walther Strobel: Vaterländische Geschichte des Elsasses von der frühesten Zeit bis zur Revolution 1789. Band 3, 1851, S. 138 (Google Bücher). 1435 war Margaretha Richter genannt Duetschmann mit Heinrich Meyer von Sasbach verheiratet.Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Band 3, Heidelberg 1919, S. 83 (uni-heidelberg.de). Sybilla Dütschmann war verheiratet mit dem Edelknecht Thomas zur Megde († 1443), 1413 Mitglied des Rats in Straßburg. Nach dem frühen Tod des Ehemanns heiratete Sybilla 1447 in zweiter Ehe den Edelknecht Conrad von Wasselnheim.Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Band 3, Heidelberg 1919, S. 46 (uni-heidelberg.de). Durch Heirat waren die Deutschmann ferner mit folgenden Familien verbunden: Berer, Bock, Ellenhart, von Fegersheim, von Heiligenstein, Knobloch, Meyer von Erstein, Pfaffenlapp, Reiff, Tanz, von Utenheim, von Winterthur.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts starb das Geschlecht im Mannesstamm aus. Die letzten Familienmitglieder waren Jacob Deutschmann, Vogt zu Benfeld (1467), Ludwig Deutschmann, Portner zu Haslach, und Ursula geb. Deutschmann (Ursel Dütschmennin), die 1478 noch zusammen mit ihrem Ehemann Ludemann von Utenheim einen Zins in Capell verkaufteJulius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Band 1, Heidelberg 1898, S. 260 (uni-heidelberg.de). und 1499, als sie das Bürgerrecht kaufte, als Witwe Ludemanns erscheint. Zu diesem Zeitpunkt war der Mannesstamm bereits erloschen, denn 1496 fielen die bischöflichen Lehen der Deutschmann an die Herren von Landsberg. Im Verzeichnis der alten adeligen Geschlechter der niederelsässischen Ritterschaft sind folgende Familienlinien mit deren zeitlichen Abgang vermerkt: Kolben genant Deutschman, circa 1267Deß H. Röm. Reichs Frey-ohnmittelbahrer Ritterschafft im Undern Elsaß Adeliche Ritter Ordnung, Privilegia, und Kays. Rescripta, 1653, S. 87 (Internet Archive). Zoller von Hundsfelden, circa 1358Deß H. Röm. Reichs Frey-ohnmittelbahrer Ritterschafft im Undern Elsaß Adeliche Ritter Ordnung, Privilegia, und Kays. Rescripta, 1653, S. 104 (Internet Archive). Deutschman, circa 1417Deß H. Röm. Reichs Frey-ohnmittelbahrer Ritterschafft im Undern Elsaß Adeliche Ritter Ordnung, Privilegia, und Kays. Rescripta, 1653, S. 80 (Internet Archive). Richter genant Deutschman, circa 1450Deß H. Röm. Reichs Frey-ohnmittelbahrer Ritterschafft im Undern Elsaß Adeliche Ritter Ordnung, Privilegia, und Kays. Rescripta, 1653, S. 95 (Internet Archive).

Wappen

Historische Darstellungen der Wappen von Familienmitgliedern variieren insbesondere in der Tingierung. Allgemein wird das Familienwappen wie folgt blasoniert: Geteilt, oben in Gold ein roter Stier mit silber- oder rotbewehrten Hörnern, unten sechsmal von Silber und Schwarz (oder Silber und Rot) schräglinks (oder schrägrechts) geteilt. Auf dem Helm mit rot-silbernen, schwarz-silbernen oder kombiniert rechts rot-goldenen und links schwarz-silbernen Helmdecken ein roter Stierrumpf.Gritzner (1871), S. 5.

Literatur Maximilian Gritzner: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 2 (Blühender Adel deutscher Landschaften), 10. Abt.: Der Adel des Elsass, Nürnberg 1871, S. 5 (uni-heidelberg.de) und Tfl. 5 (uni-heidelberg.de/). Otto Titan von Hefner: Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland, herausgegeben von einigen deutschen Edelleuten. Band 1: A–F. Regensburg 1860, S. 276 (Google Bücher). Bernhard Hertzog: Chronicon Alsatiae. Edelsasser Chronick, 1592, S. 161 f. (Duschman oder Richter in ein Geschlecht) (Google Bücher). Julius Kindler von Knobloch: Das goldene Buch von Straßburg. In: Jahrbuch der k. k. heraldischen Gesellschaft Adler zu Wien, 1884–1885: Teil 1, 1884, S. 91 (Dütschmann, Richter genannt Dütschmann) (Internet Archive). Teil 2, 1885, S. 25 (Richter) (Internet Archive) und S. 79 (Zoller, Zölner, Theolonearius, Telonarius) (Internet Archive). Julius Kindler von Knobloch: Oberbadisches Geschlechterbuch. Band 1, Heidelberg 1898, S. 260 (Duetschmann) (uni-heidelberg.de). Band 3, Heidelberg 1919, S. 526 (Richter) (uni-heidelberg.de). Bernhard Metz: Le château de Woerth. In: Almanach Sainte-Odile, 2013, S. 96–97 (calameo.com) (französisch). Wilhelm Wiegand: Urkunden und Akten der Stadt Strassburg, 1851–1915, Band I, 1879 (Internet Archive); Band II, 1886 (Internet Archive); Band III, 1884 (Internet Archive); Band IV, erste Hälfte 1898 (Internet Archive); Band IV, zweite Hälfte 1888 (Internet Archive); Band VI, 1899 (Internet Archive); Band VII, 1900 (Internet Archive).

Weblinks Karl von Neuenstein: Wappenbuch. Heraldische Monatsschrift, Karlsruhe 1894: Wappen des Claus Deutschmann gen Richter 1371, auf www.europeana.eu. Wappen des Hug Deutschmann genant Richter 1382, auf www.europeana.eu. Johann Siebmacher: Newen Wapenbuchs II. Theil, Nürnberg 1609, S. 127 (Duschman), auf Google Bücher. Bayerische Staatsbibliothek: Wappenbuch – BSB Cod.icon. 392 d, S. 300 (Dützeman), auf digitale-sammlungen.de. Sammlung von Wappen aus verschiedenen, besonders deutschen Ländern – BSB Cod.icon.307, 1600, S. 506 (Duschman oder Richter), auf digitale-sammlungen.de. Sébald Büheler: Wappenbuch der Straßburger Stettmeister und Ammeister - Cod. Ortenau 1, Straßburg, Elsaß und Ortenau, um 1594/1595–1789: Wappen des Claus Deutschmann genant Richter 1371, auf blb-karlsruhe.de. Wappen des Hug Deutschmann genant Richter 1382, auf blb-karlsruhe.de. Wappen des Claus Deutschmann genant Richter 1383, auf blb-karlsruhe.de. Wappen des Hans Deutschmann 1405, auf blb-karlsruhe.de. Sammlung von Wappensiegeln der Familie Richter-Dütschman, auf sigilla.irht.cnrs.fr.

Einzelnachweise

Kategorie:Deutsches Patriziergeschlecht Kategorie:Elsässisches Adelsgeschlecht