mini|Canaletto: Vedute von San Giovanni dei Battuti di Murano, Öl auf Leinwand, 66 mal 128 cm, zwischen 1725 und 1728, Eremitage (Sankt Petersburg) mini|Übersichtskarte mit den Kirchen auf Murano San Giambattista, auch San Giovanni Battista, hieß ein Komplex aus Kirche, Hospital und Scuola auf der venezianischen Insel Murano, der bis ins frühe 14. Jahrhundert zurückreichte. Er wurde 1837 abgerissen.

Geschichte mini|Johannes der Täufer übergibt das Banner (gonfalone) der Scuola dei Battuti, 25. Juli 1361, Museum für Glasbläserkunst, Murano mini|Das Werk Jacopo Tintorettos, das sich heute in San Pietro befindet Der in Venedig lebende Florentiner Händler Corsolino degli Ubbriachi – seine Familie war im gesamten westlichen Mittelmeer im Handel mit Elfenbeinarbeiten tätig – vermachte in seinem Testament vom 8. Juni 1337 eine Summe von 10.000 Lire zum Bau eines Hospizes oder eines Hospitals auf der Insel Murano. Schon bald entstand eine solche Einrichtung in der Gemeinde Santo Stefano. Der Prior der Einrichtung sollte, so die testamentarische Verfügung, aus der Familie des Erblassers stammen. Dies wurde vom Bischof von Torcello bestätigt, und, da der Prior eine religiöse Einrichtung leitete, sollte er auch einen Sitz in der Diözesansynode erhalten. Der neue Prior, der 1338 gewählt wurde, war Massimo Belligotti. Er erhielt vom Bischof von Torcello, Giovanni Morosini, die Erlaubnis, einen Altar für sich im Hospital zu errichten, der dem Heiligen und Märtyrer Demetrius geweiht wurde.In der Kirche wurde auch ein Jacopo beigesetzt, Patron des Hauses, der am 23. April 1371 gestorben war. Wie aus einem sehr viel späteren Testament aus dem Jahr 1418 hervorgeht, war er der Vater eines „Jovaninus quondam filius domini Jacobi Iovanis de Fijovanis de Florenzia“. Dieser Jacopo war demnach im Grab seines Bruders „Chorsolinus Iovanis“ beigesetzt worden, eben jenes Gründers von San Giambattista auf Murano, wie der Autor ausdrücklich konstatiert (Richard C. Trexler: The Magi enter Florence. The Ubriachi of Florence and Venice, in: Ders.: Church and Community, 1200-1600. Studies in the History of Florence and New Spain, Rom 1987, S. 75–167, hier: S. 113 f., Anm. 137).

Kaum zehn Jahre nach dem Ableben des Stifters ersuchte die auf Murano ansässige Bruderschaft (Compagnia oder Confraternità), genannt Fragia de'Battudi, beim Prior um die Erlaubnis nach, ihren Sitz in das Hospital verlegen zu dürfen. Am 6. April 1349 zog die Bruderschaft in das Hospital um, und sie begann zügig, unmittelbar nebenan ein Haus zu errichten. Doch bald schon wurde das Hospital für die Bruderschaft zu eng, so dass sie das Haus anbot, um im Tausch ein geeignetes Baugrundstück in der Gemeinde zu erhalten. Nicoletto Correr, der zweite Prior, stimmte dem Vorhaben zu. Ihm sollte wiederum das besagte Haus als Residenz dienen. Auch wurde dort ein Altar aufgestellt, der dem hl. Victor geweiht war. Im April 1350 wurde dies durch ein Notariatsinstrument bestätigt.

Wie es im Gründungstestament vorgesehen war, wenn es keine Erben mehr geben sollte, was 1436 eintrat, übernahm der Bischof von Torcello nunmehr das Juspatronat. Er überließ 1437 das Recht auf die Wahl des neuen Priors den Brüdern der Gemeinschaft. Der Große Rat bestätigte diese Entscheidung. Als die Einnahmen aus der Armenfürsorge nicht mehr ausreichten, durfte das Haus auch Pilger aufnehmen, die sich jedoch höchstens zwei Tage dort aufhalten durften.

Am 2. Juli 1506 beschlossen die Brüder, den Papst um Erlaubnis für einen Neubau der Kirche zu ersuchen. Nach erfolgter Erlaubnis schritt der prachtvolle Ausbau zwar schnell voran, doch wurde die Fassade erst 1569 fertiggestellt. Als Steinmetz wurde im Jahr 1589 Simone di Bartolameo aus der Kirchengemeinde San Felice vermerkt, ebenso wie ein „Angiolo tajapiera“ aus San Marcuola.

Die Kirche hatte drei Altäre, wobei nur der erste aus der Zeit der Scuola stammte, während die beiden anderen sehr viel jünger waren. Der Aufsatz des Hauptaltars stammte von Jacopo Tintoretto (Taufe Jesu), ein Werk, das später nach San Pietro Martire auf Murano gelangte. Die Orgel schuf der Muranese Antonio Barbini. Im 17. und 18. Jahrhundert zählte die Bruderschaft 700 bis 800 Mitglieder, noch um 1790 waren es mehr als 300.Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 6, Tipografia Andreola, Venedig 1853, S. 371–373. Durch Beschluss des Rates der Zehn genoss die Bruderschaft die gleichen Vorrechte, wie die Scuole Grandi der Stadt Venedig, was ihr zeitweise ein ungeheures Prestige verlieh.

Unter Napoleon erfolgte die Auflösung der Institution, wie die zahlreicher weiterer religiöser Institute. Der Komplex wurde unter den Österreichern 1837 abgerissen.

Literatur Emmanuele Antonio Cicogna: Delle Inscrizioni Veneziane, Bd. 6, Tipografia Andreola, Venedig 1853, S. 369–399 (Digitalisat) Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 662 f. (Digitalisat)

Anmerkungen

Giambattista Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Venetien Kategorie:Zerstört im 19. Jahrhundert Kategorie:Kirche auf Murano Kategorie:Murano Murano Kategorie:Bauensemble in Italien Kategorie:Aufgelöst 1806