Die Ingelheimer Rheinebene oder Ingelheim-Mainzer Rheinebene ist eine naturräumliche Haupteinheit, die zum Rhein-Main-Tiefland im Oberrheinischen Tiefland gehört. Sie besitzt die Naturraum-Kennziffer 237 und erstreckt sich über gut 113 km² länderübergreifend entlang des Rheins im linksrheinischen Rheinland-Pfalz (86,21 km²) und im rechtsrheinischen Hessen (26,85 km²).
Lage
Der Naturraum erstreckt sich etwa 30 Kilometer entlang des Inselrheins. Flussaufwärts bei etwa beginnt der Naturraum östlich der Petersaue zwischen dem rechtsrheinischen Wiesbadener Ortsbezirk Mainz-Kastel und der linksrheinisch gelegenen Altstadt von Mainz. Flussabwärts bei etwa endet das Gebiet westlich der Rüdesheimer Aue zwischen dem rechtsrheinischen Rüdesheim am Rhein und dem linksrheinischen Bingen.Geographische Landesaufnahme 1:200.000 – Naturräumliche Gliederung Deutschlands. Blatt 138, Koblenz, 1971. Blatt 150, Mainz, 1964.Ingelheimer Rheinebene im Natureg Viewer. Dazwischen erreicht der Rheinstrom mit etwa einem Kilometer Breite seine größte Ausdehnung im Oberrheinischen Tiefland.
Am rechten Ufer des Rheins gehört zur Ingelheimer Rheinebene ein schmaler Streifen mit Stromauen zwischen Fluss und den Weinbergen des Rheingaus. Dazu gehören flussabwärts das Ufer von Mainz-Amöneburg sowie Wiesbaden-Biebrich mit dem Biebricher Schloss. In Wiesbaden-Schierstein wird der Ortskern mit Schiersteiner Hafen und dem dortigen Wasserwerk dem Naturraum zugeordnet. Es folgt das Naturschutzgebiet Niederwallufer Bucht und die Ufer der am Rhein liegenden Orte im Rheingau-Taunus-Kreis zwischen Niederwalluf und Rüdesheim am Rhein. Die nördlich dieses schmalen Uferstreifens gelegenen Weinberge werden dem Naturraum des Rheingaus zugeordnet (Haupteinheit 236).
Innerhalb des Rheins befinden sich Rheinauen wie Petersaue, Rettbergsaue, Haderaue-Königsklinger Aue, Mariannenaue, Winkeler Aue, Fulder Aue–Ilmen Aue und Rüdesheimer Aue, die als Teil von Naturschutzgebieten geschützt sind.
Am linken Ufer des Rheins gehört zur Ingelheimer Rheinebene die drei bis vier Kilometer breite Niederterrasse des Flusses, die sich von Mainz im Osten über die namensgebende Stadt Ingelheim am Rhein bis nach Bingen am Rhein im Westen erstreckt. Im Süden grenzt die Ebene an das ansteigende Rheinhessische Tafel- und Hügelland der Haupteinheit 227 (insbesondere an das Ostplateau).
Name und Unterteilung
In den Karten zum Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands wird die naturräumliche Haupteinheit als Ingelheim-Mainzer Rheinebene bezeichnet, was das Land Rheinland-Pfalz weiterhin verwendet. In der 1988 veröffentlichten Übersicht über die Naturräume Hessens wird wie im hessischen Natureg-Viewer die kürzere Bezeichnung Ingelheimer Rheinebene gewählt.Otto Klausing: Die Naturräume Hessens und ihre Haupteinheiten. Vorwort und Abschnitt 23 Rhein-Main-Tiefland. Wiesbaden 1988. Online im Umweltatlas Hessen, archiviert am 25. August 2019 im Internet Archive.
Der gesamte in Hessen liegende Teil ist der Teileinheit 237.0 Rheinaue (26,85 km²) zugeordnet. Die Teileinheit 237.0 setzt sich südlich des Rheins in Rheinland-Pfalz fort, wird hier allerdings als Mainz-Gaulsheimer RheinaueMainz-Gaulsheimer Rheinaue. landschaften.naturschutz.rlp.de. (34,1 km²) bezeichnet. Die im Südwesten gelegene Untereinheit 237.10 Gau-Algesheimer TerrasseGau-Algesheimer Terrasse. landschaften.naturschutz.rlp.de. (9,5 km²) zwischen Gau-Algesheim und Bingen-Kempten umfasst ein Gebiet, auf das Rhein und Welzbach Schlamm aus Ton und Kalk abgelagert haben. In der Untereinheit Mainz-Ingelheimer SandMainz-Ingelheimer Sand. landschaften.naturschutz.rlp.de. (42,6 km²) zwischen den beiden Städten ist die Niederterrasse mit Flugsand überdeckt, dort liegt das Naturschutzgebiet Mainzer Sand. Die letzten beiden Untereinheiten werden zur Teileinheit Mainz-Gaualgesheimer Terrassen (52,1 km²) zusammengefasst.
Das Bundesamt für Naturschutz betrachtet unter seinem Landschaftssteckbrief Mainz-Ingelheimer Rheinebene ein kleineres, nur 84 km² großes Gebiet, das den östlichen, städtischen Teil um Wiesbaden und Mainz nicht beinhaltet.
Geologie
Das Gebiet gehört zum Mainzer Becken, ein fossiles Sedimentbecken. Geologisch und bodenkundlich wechseln sich tonige Lehmböden mit durchlässigen Sand-Regosolen auf pleistozänen Flugsanden ab.
Klima Durch die geschützte Lage auf der Leeseite von Hunsrück und Taunus gehört die Region zu den wärmsten und trockensten Gebieten Deutschlands mit einem Jahresniederschlag von rund 500 mm und einer langen Vegetationsperiode.
Natur und Umweltschutz mini|Sandgrube am Weilersberg Der Inselrhein mit seinen Rheinauen ist von Auwaldresten, Altrheinarmen und ausgedehnten Grünlandflächen geprägt. Auf den geschützten Aueinseln (Fulder Aue–Ilmen Aue, Mariannenaue, Rettbergsaue etc.) werden Renaturierungsprojekte zur Förderung von Feuchtgrünland und Auwäldern umgesetzt. Die Auenlandschaften sowie die Binnendünen und Sandrasen (etwa in den Naturschutzgebieten Großer Sand oder Sandgrube am Weilersberg) bieten wertvolle Habitate. Das Vogelschutzgebiet Dünen- und Sandgebiet Mainz-Ingelheim schützt trockenheitsliebende Arten wie die Heidelerche, den Wiedehopf, den Neuntöter, den Ziegenmelker, den Wendehals, den Grauspecht und den Schwarzspecht.
Kulturlandschaft und Wirtschaft In Rheinland-Pfalz ist die intensiv genutzte Kulturlandschaft geprägt von Ackerbau auf Lehm sowie Sonderkulturen, Spargel- und Obstbau auf den Sandflächen. Der Weinbau konzentriert sich auf frostgeschützte Hang- und Übergangslagen.
Siehe auch Liste der naturräumlichen Einheiten in Hessen und in Rheinland-Pfalz
Einzelnachweise
Weblinks Landschaftssteckbrief des Bundesamtes für Naturschutz
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