mini|hochkant=0.9|Schiller-Denkmal (2022) Das Schiller-Denkmal in Leipzig erinnert an den Dichter Friedrich Schiller (1759–1805), der mehrfach in der Stadt weilte. Es steht unter Denkmalschutz.

Standort und Gestalt Das Schiller-Denkmal steht im Westteil der Lenné-Anlage, die 1857 von Peter Joseph Lenné (1789–1866) entworfen wurde. Sie bildet den Südostteil des Promenadenrings. Wegen der an ihrem Nordrand verlaufenden Schillerstraße und wegen des Denkmals wird sie auch Schillerpark genannt.

Das 4,5 Meter hohe Denkmal besteht aus weißem Laaser Marmor. Die auf einem gestuften rechteckigen Unterbau stehende quadratische hohe Stele trägt eine nach Westen blickende Büste Schillers ohne Andeutung von Kleidung und mit einem starren Gesichtsausdruck. An der Stele lehnen links und rechts etwa lebensgroß und nahezu unbekleidet ein Mann und eine Frau als Symbole für die Tragik und die Erhabenheit im Werk Schillers.Leipziger Denkmale, S. 65 Als Beschriftung ist lediglich SCHILLER an der Vorderseite der Stele eingraviert. Das Denkmal ist von einer niedrigen Rohreinfassung umgeben, deren Innenraum sommers bepflanzt wird.

Geschichte mini|x150px|Schiller-Stein in Gohlis (1910)

In Leipzig gab es lange Zeit neben dem Schillerhaus in Gohlis keine zentrale denkmalartige und bleibende Erinnerungsstätte für Friedrich Schiller. Zwar war zur Feier seines 100. Geburtstags am 10. November 1859 auf dem Markt eine riesige Büste von ihm aufgestellt worden, aber eben nur temporär.

In Gohlis hatte im Mai 1905 anlässlich des 100. Todestages des Dichters der Schokoladenfabrikant Adolph Schütte-Felsche, der Schwiegersohn von Wilhelm Felsche, auf dem Gelände des früheren Ausflugslokals Wasserschenke, wo Schiller oft einzukehren pflegte, an einem Granitstein eine von Carl Seffner (1861–1932) geschaffene Porträtplakette Schillers anbringen lassen, welche 1975 aber verloren ging.

Im Jahre 1906 hatte sich ein Ausschuss zur Errichtung eines Schillerdenkmals gebildet, dessen führender Kopf der Literaturhistoriker Georg Witkowski (1863–1939) war. Nach Klärung des Standortes des Denkmals – die Stadt hatte die Aufstellung vor dem Alten Theater untersagt – und der Frage der Finanzierung initiierte der Ausschuss zusammen mit dem Leipziger Künstler-Verein einen Wettbewerb zur Gestaltung des Denkmals. 33 Entwürfe gingen ein, aus denen die Jury unter Vorsitz von Max Klinger (1857–1920) den ersten Preis und die Errichtung des Denkmals dem Leipziger Bildhauer Johannes Hartmann (1869–1952) zusprach. Weitere Preise erhielten Werner Stein (1855–1930), Rudolf Saudek (1880–1965) und Bruno Wollstädter (1878–1940). Johannes Hartmann übertrug die Anfertigung des Denkmals an den Bildhauer August Schmiemann (1869–1918). Am 9. Mai 1914, dem 109. Todestag Schillers wurde das Denkmal eingeweiht. Die Festrede hielt Georg Witkowski. Die Gesamtkosten des Denkmals von über 43 Tausend Mark kamen zu 20 Tausend Mark aus einer bürgerlichen Stiftung, den Rest steuerte die Stadt bei.

Außer der regelmäßigen Pflege des Denkmals durch Reinigung und winterliche Einhausung wurde 2018 eine umfassende Restaurierung durch den Leipziger Bildhauer Markus Gläser (* 1960) erforderlich, da 2017 das Denkmal beschmiert und beschädigt worden war, beispielsweise wurde der Büste die Nase abgeschlagen.

Rezension Die Aufnahme des Denkmals in der Leipziger Bevölkerung war unterschiedlich. Schon einen Tag nach der Weihe protestierten aufgeregte Bürger in einem anonymen Brief an die Stadtverordneten gegen die nackten Begleitfiguren. Aber auch die Abkehr vom althergebrachten naturalistischen Personendenkmal und die Hinwendung zu einem dem Jugendstil verhafteten, die Symbolik in den Vordergrund stellenden Denkmal wurde nicht überall verstanden. Es blieb auch das einzige Denkmal der Stadt, das in stärkerem Maße Einflüsse des Jugendstils zeigt. Die Diskussion ebbte aber schnell ab, als drei Monate später der Erste Weltkrieg begann und andere Themen auf die Tagesordnung kamen.

Literatur Stefan Voerkel: Schiller-Denkmal. In: Markus Cottin, Gina Klank, Karl-Heinz Kretzschmar, Dieter Kürschner, Ilona Petzold: Leipziger Denkmale. Sax-Verlag Beucha 1998, ISBN 3-930076-71-3, Band 1 S. 64–65

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Einzelnachweise

Kategorie:Denkmal in Leipzig Kategorie:Kulturdenkmal in Leipzig Kategorie:Skulptur (1914) Kategorie:Personendenkmal (Autor) Kategorie:Kunstwerk im öffentlichen Raum in Sachsen Kategorie:Skulptur in Leipzig Kategorie:Marmorskulptur (Deutschland) Kategorie:Friedrich Schiller Kategorie:Erbaut 1914