Die Justizkanzlei Hannover war zunächst eine Oberbehörde für Verwaltungsangelegenheiten und Rechtsprechung im Fürstentum Calenberg, dann ein Mittelgericht im Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg und zuletzt eine Justizkanzlei, also ein Gericht zweiter Instanz im Königreich Hannover mit Sitz in Hannover.
Geschichte Im Fürstentum Calenberg entstand im ausgehenden Mittelalter eine Kanzlei als oberste Behörde des Landesherren, die auch als Obergericht wirkte. In seiner Funktion als Gericht wurde sie auch als Justizkanzlei bezeichnet, zu einem späteren Zeitpunkt bildete sie ein eigenständiges Gericht. Georg, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg und Fürst von Calenberg, verlegte die Hauptstadt 1637 nach Hannover und ließ auf dem Gelände des aufgehobenen Minoritenklosters Hannover sein Residenzschloss errichten. Damit zog auch die Kanzlei dorthin. Daneben bildete sich das Hofgericht Hannover als ständisches Gericht als Konkurrenz zur landesherrlichen Justizkanzlei.
1711 entstand das Oberappellationsgericht Celle als letztinstanzliches Gericht. Nun war keine Appellation an die Reichsgerichte mehr möglich, Appellationen gegen Entscheidungen der Justizkanzlei Hannover gingen vielmehr an das Oberappellationsgericht Celle.
Nach der Franzosenzeit wurde 1814 die Justizkanzlei Hannover als Mittelgericht gebildet. Das Hofgericht wurde nach der napoleonischen Besetzung nicht wiedererrichtet. Für die Verwaltung entstand die Landdrostei Hannover. Dritte Instanz bildete das Oberappellationsgericht Celle.
Nach der Revolution von 1848 wurden im Königreich Hannover die Rechtsprechung von der Verwaltung getrennt und die Patrimonialgerichtsbarkeit abgeschafft.Gesetz über die Gerichtsverfassung vom 8. November 1850 () Die Ämter waren nun reine Verwaltungsbehörden, die Rechtsprechung in erster Instanz wurde mit der Verordnung vom 7. August 1852 die Bildung der Amtsgerichte und unteren Verwaltungsbehörden betreffend durch Amtsgerichte vorgenommen. Die zweite Instanz wurde durch das Obergericht Hannover gebildet, die Justizkanzlei Hannover wurde aufgelöst.
Gerichtsgebäude Das Gericht hatte seinen Sitz zunächst im Leineschloss. 1741 wurde dieses durch ein Feuer zerstört und die Justizkanzlei nutzte 1742 bis 1760 die Alte Kanzlei (Haus Grote).Alte Kanzlei. Um 1787 scheiterten Pläne, das (ebenfalls abgebrannte) Gebäude des Konsistoriums Brandstraße 23 durch einen Neubau für Konsistorium und Justizkanzlei zu ersetzen.
Richter Gottfried Wilhelm Leibniz Burchard Christian von Spilcker Wilhelm August von Rudloff Wilhelm Behncke Gustav Christian Hartmann August von Stralenheim Günther von Berg Carl von Wedel
Einzelnachweise
Kategorie:Gericht (Hannover) Hannover Hannover Kategorie:Gerichtsgründung 1814 Kategorie:Aufgelöst 1852