mini|St. Johannes (2025) mini|Innenansicht St. Johannes ist eine römisch-katholische Filialkirche im Gemeindeteil Westerham der oberbayerischen Stadt Bad Aibling und der Pfarrei St. Jakobus in Willing zugeordnet. Die Kirche ist zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers, des heiligen Johannes von Nepomuk sowie des heiligen Evangelisten Johannes geweiht.
Geschichte Um das Jahr 804 wird in den Freisinger Traditionen ein weiteres Mal eine Kirche in Willing genannt: Ein gewisser Toto übergab sie mitsamt einem Herrenhaus und weiterem Besitz an die Domkirche in Freising. Diese Nennung bezieht sich eindeutig auf die spätere St. Johanneskirche von Westerham, das damals noch keinen eigenen Namen trug, sondern – ebenso wie Berbling (ursprünglich Bergwilling) – zum großen Siedlungsbereich Willing gerechnet wurde. Die Kirche wurde somit als grundherrliche Eigenkirche gegründet. Nach der Freisinger Diözesanbeschreibung von 1315 gehörte Westerham zur Pfarrei Bad Aibling und wird dort als Kapelle ohne eigenen Friedhof geführt. Während der Säkularisation sollte die Kirche abgerissen werden, blieb jedoch auf Bittgesuchen der Dorfbewohner erhalten.
Die unteren Teile der Langhauswände des heutigen Baus stammen vermutlich aus der Spätromanik (erste Hälfte des 13. Jahrhunderts). In der Gotik wurden die Langhausmauern erhöht sowie ein neuer, stark eingezogener Chor mit Dreiseitschluss und der quadratische, fünfgeschossige Turm angefügt. Im 17. Jahrhundert erhielt das Langhaus die noch bestehende Stichkappentonne, die 1751 mit Deckengemälden des Aiblinger Malers Johann Georg Gaill ausgestattet wurde.
1883 wurde der ursprüngliche Altar durch einen neugotischen ersetzt und zugleich eine große Zahl der in der Kirche befindlichen Heiligenbilder und Statuen versteigert – darunter auch die Georgsstatue von der Empore, die jedoch vor dem Ersten Weltkrieg zurückerworben werden konnte. Bei einer Renovierung 1944 wich der neugotische Altar dem heutigen barocken Altaraufbau.
Seit der Erhebung Willings zur eigenständigen Pfarrei ist die Westerhamer Kirche Filialkirche von Willing.
Architektur Am ursprünglichen, heute vermauerten Kirchenportal an der Südaußenwand befindet sich ein etwa 85×55 Zentimeter großes Feld mit „schachbrettartig“ gefügten hellen und dunklen Steinen. Die gotischen Bauteile der Langhausmauern heben sich durch eine sorgfältigere Quaderschichtung von den romanischen Partien ab.
Ausstattung Die Deckengemälde sind auf die Kirchenpatrone ausgerichtet: Im Chor ist die Taufe Jesu im Jordan dargestellt, im Langhaus Johannes der Täufer als Prediger sowie Salome mit dessen Haupt. Die nördlichen Kartuschenbilder zeigen Szenen aus dem Leben des Evangelisten Johannes, die südlichen weitere Stationen aus dem Leben des Täufers.
Auf dem barocken Hochaltar stehen gotische Figuren aus dem frühen 16. Jahrhundert, darunter ein Kruzifixus mit Maria und Johannes Evangelist sowie eine Figur des Johannes des Täufers im Auszug; die begleitenden Engel mit den Leidenswerkzeugen stammen aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Weitere Kunstwerke sind ein gotischer Johannes Evangelist mit Kelch an der südlichen Chorwand, ein barocker Johannes von Nepomuk, ein auferstandener Christus aus dem 17. Jahrhundert sowie zwei Tonbüsten aus dem Umkreis des Bildhauers Johann Baptist Straub.
Die auf die Empore versetzte Georgstatue (um 1670/80) zeigt den Heiligen als Drachentöter zu Pferd; sie stammte ursprünglich vom Hochaltar der in der Säkularisation abgerissenen Georgskapelle in Bad Aibling-Thürham und wird der Wasserburger Bildhauerfamilie Zürn zugeschrieben. Ebenfalls an der Empore befinden sich drei Tafelbilder von 1750 mit Szenen aus der Legende der Brüder Johannes und Paulus, die im Barock als „Wetterherren“ verehrt wurden. Die Freisinger Matrikel von 1738/40 belegen für den 26. Juni, den Gedenktag dieser beiden Heiligen, eine traditionelle Prozession zur Kirche.
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Einzelnachweise
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