mini|Valentine Springer, um 1900 Valentine Noémi Springer (geborene von Rothschild am 25. Mai 1886 in Wien; gestorben am 24. Juli 1968 in Lunz am See) war eine österreichische Kunstsammlerin, Amateurfotografin und Mitglied der Familie Rothschild.
Leben Valentine genannt Valli von Rothschild wurde am 25. Mai 1886 in Wien geboren. Sie war das sechste von sieben Kindern von Albert Salomon Anselm von Rothschild (1844–1911) und seiner Frau Bettina von Rothschild (1858–1892). Als sie fünf Jahre alt war, starb ihre Mutter an Brustkrebs und Valli von Rothschild wuchs mit fünf Brüdern auf. Ihre einzige Schwester war im Alter von 6 Monaten gestorben. Valentine von Rothschild war eine aktive Sportlerin und passionierte Jägerin, sie konnte hervorragend schießen. Zudem war sie eine begeisterte Amateurfotografin und sie war gehörlos. Die Asteroiden (447) Valentine und (703) Noëmi wurden nach ihre benannt.
mini|Palais Bourgoing Kurz nach dem Tod ihres Vaters heiratete sie den Bankier Baron Sigismund Springer (1875–1928), der finanziell nicht an das Vermögen der Rothschilds heranreichte, doch durch die Heirat in hohe Positionen der Rothschild-Firmen einstieg. Die Ehe war glücklich und sie bekam zwei Kinder: Bettina (1912–1974) und Albert Adolf (1914–2008). Die Familie erwarb die britische Staatsbürgerschaft, lebte jedoch im Palais Bourgoing in der Metternichgasse in Wien. In Niederösterreich und der Steiermark besaßen sie weitere Anwesen, zu denen das Schloss Sitzenberg bei Tulln mit seinen weitläufigen Jagdgründen gehörte.
Diese Anwesen stattete sie mit antiken Möbeln sowie Kunstweken von Rudolf und Jakob von Alt, Jacob Matthias Schmutzer, Christian Brand, Laurenz Janscha und französischen sowie englischen Malern aus. Auch besaß sie eine umfangreiche Bibliothek seltener Bücher, die im Schloss Sitzenberg untergebracht war und Werke zu Kunst, Topografie, Geschichte und Wissenschaft, klassische und romantische Literatur sowie Briefe, Memoiren und Wappenbücher umfasste. Sigismund Springer starb 1928 und Valentine Springer blieb mit den Kindern zurück.
Anschluss Österreichs und Beschlagnahmungen mini|Schloss Sitzenberg Aufgrund ihres jüdischen Glaubens gehörte Valentine Springer zu den verfolgten Personen in Österreich nach dem Anschluss an das Deutsche Reich 1938. Anfang 1939 zog sie nach Paris, von dort floh sie in die Schweiz. Dort lebte sie bis zum Ende des Krieges. Aufgrund ihrer britischen Staatsangehörigkeit konnte sie von den Nationalsozialisten nicht direkt enteignet werden, da ihr Vermögen ab 1939 als „Feindvermögen“ galt und gemäß der „Verordnung über die Behandlung feindlichen Vermögens“ vom 15. Januar 1940 unter treuhänderische Verwaltung gestellt worden war. Mehrere Versuche, dennoch ihr Vermögen nach 1940 zu beschlagnahmen, scheiterten. Formell blieb Valentine Springer die Eigentümerin der Liegenschaft in der Metternichgasse und auch des Schlosses Sitzenberg. Auch im Grundbuch war sie als Eigentümerin eingetragen.
Auch wenn die Nationalsozialisten ihr Vermögen nicht beschlagnahmen konnten, wurden Teile der Inneneinrichtungen beider Objekte verkauft und auch das Schloss Sitzenberg wurde verkauft. Mit den Verkaufserlösen sollten angeblich die Verwaltungskosten gedeckt werden. Um den Wert ihrer Sammlung zu ermitteln, erstellten der Kunsthändler Robert Möder, einer der Leiter der sogenannten „Möbelaktion“, und der Architekt Franz Wilfert Schätzlisten. In diesen Schätzlisten ermittelten sie einen Wert des Mobiliars beider Häuser, der weit unter ihrem eigentlichen Wert lag. Die Kupferstiche ihrer Sammlung wurden durch den Antiquar Werner Heck geschätzt. Das Kunsthistorische Museum in Wien übernahm im November 1940 acht Gemälde bedeutender englischer und französischer Künstler in seine Restaurierungswerkstatt und erwarb sie im Februar 1941 für 35.000 Reichsmark. Bis April 1941 wurde ein Großteil der Inneneinrichtung des Palais in der Metternichgasse verkauft und das Palais wurde im Dezember 1940 an die Heeresstandortverwaltung sowie an zwei Privatparteien vermietet.
Für das Schloss Sitzenberg legte im August 1941 der Architekt und Schätzmeister des Dorotheums, Ottokar Weigel, ebenfalls Schätzlisten vor. Er taxierte den Wert der Inneneinrichtung auf 347.000 Reichsmark. Die wertvollen Gegenstände wurden durch das Dorotheum versteigert, die übrigen Stücke sollten frei verkauft werden, oder sie wurden der Hitlerjugend angeboten, die das Schloss Ende 1941 bezog. Das Denkmalamt stellte im November 1941 die Archiv- und Bibliotheksbestände des Schlosses unter Denkmalschutz, und die Reichsstatthalterei Niederdonau ordnete deren Überführung in das Gauarchiv in der Herrengasse 11 an. Die im Dorotheum gelagerten Archivbestände wurden schließlich im Oktober 1944 an das Reichsgauarchiv übergeben und Ende 1944 im Pfarrhof Ravelsbach sichergestellt. Weitere Stücke aus den Beständen von Schloss Sitzenberg wurden 1942 und 1943 verkauft oder versteigert.
Späteres Leben mini|Diana Stuart von Thomas Lawrence Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lebte Valentine Springer in Wien und in Zürich. Von der britischen Militärregierung wurde 1946 Ferdinand Maier mit der Verwaltung ihres Vermögens betraut und Valentine Springer bevollmächtigte in dem Jahr den Rechtsanwalt Karl Trauttmansdorff mit der Führung der Restitutionsverhandlungen. Gegen Robert Möder wurde eine Strafanzeige erstattet und im Zuge der Ermittlungen wurden Kunstgegenstände aus dem Palais in der Metternichgasse bei ihm sichergestellt. Diese Stücke, dabei handelte es sich um Möbel, Bilder und Porzellan, wurden an Valentine Springer zurückgegeben. Das Kunsthistorische Museum in Wien wurde durch eine 1947 genehmigte Restitutionsvereinbarung zur Rückgabe von sieben der acht Gemälde verpflichtet. Das achte Gemälde, ein Werk von Thomas Lawrence, „Diana Stuart“, musste zurückbleiben, als Gegenleistung für die Erteilung einer Ausfuhrgenehmigung. Ihr restliches, in der Metternichgasse gelagertes Mobiliar, exportierte sie 1948 in die Schweiz, und das Schloss Sitzenberg verkaufte sie 1950 an die Republik Österreich.
Das Palais in der Metternichgasse vermietete Valentine Springer 1950 an die Republik Österreich, dort wurde eine Außenstelle der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien untergebracht und 1983 erwarb diese das Gebäude. Dem Volkskundemuseum stiftete sie im Jahr 1950 eine Sammlung von 163 Objekten und im selben Jahr übergab sie der Albertina in Wien grafische Arbeiten. Auch das Österreichische Museum für angewandte Kunst erhielt Möbel und dem Heeresgeschichtlichen Museum stiftete sie Ölgemälde.
Valentine Noémi Springer starb am 24. Juli 1969 in Lunz am See. Der Kunstrückgabebeirat empfahl 2013 die Restitution des Gemäldes von Thomas Lawrence an die Rechtsnachfolger von Valentine Springer. Das Werk wurde ihnen 2014 zurückgegeben.
Weblinks
Valentine Springer in Lexikonder Provenienzforschung Valentine Springer auf der Seite der Rothschild-Archive
Einzelnachweise
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