John Anthony Henry (* 11. März 1939 in Greenwich; † 8. Mai 2007 in London) war ein britischer Toxikologe und Professor am Imperial College London. Er forschte zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Cannabis, Kokain und anderen Freizeitdrogen.

Leben Henry wurde am 11. März 1939 in Greenwich geboren und war das älteste von vier überlebenden Kindern seiner Eltern. Sein Vater war Allgemeinmediziner und Mannschaftsarzt des FC Millwall. Henry besuchte zunächst die St. Joseph’s Academy in Blackheath, die von den Brüdern der christlichen Schulen geleitet wurde. Er studierte Medizin am King’s College London und trat als zwanzigjähriger Medizinstudent als Numerarier dem Opus Dei bei, also als zölibatär lebendes Mitglied. Im Jahr 1969 erkrankte Henry während eines Urlaubs in Italien an einer Pharyngitis, die unzureichend behandelt wurde und zu Nierenversagen führte. Seine Ärzte hielten es für unwahrscheinlich, dass er mit Dialyse lange überleben würde, woraufhin sich Henry für fünf Jahre aus dem medizinischen Beruf zurückzog. Von 1967 bis 1970 war er Leiter eines Studentenwohnheims in Hampstead. Nach seiner erfolgreichen Nierentransplantation im Jahr 1976 gab er an, dass er diese den Gebeten von Josemaría Escrivá zu verdanken habe. Anschließend war Henry wieder als Assistenzarzt am Guy’s Hospital tätig. 1982 wurde er zum Facharzt der National Poisons Unit am Guy’s Hospital ernannt. Er betrieb toxikologische Forschung, um herauszufinden, wie giftige Haushaltsmittel wirken und wie man ihnen entgegenwirken kann.

Henry interessierte sich besonders für die Schäden, die illegale Drogen im Leben junger Menschen anrichten. Er betonte, dass Cannabis weitaus verheerender sei als Tabak, da es dem Konsumenten den freien Willen und die Würde nehme, die Persönlichkeit zerstöre und der Gesellschaft schade. Er erklärte außerdem, wie Ecstasy und Amphetamine durch Hyperpyrexie und Dehydratation zum Tod führen können. Henry wurde als Sachverständiger bei der Untersuchung zum Tod von Leah Betts hinzugezogen, die starb, nachdem sie auf der Feier zu ihrem 18. Geburtstag nach der Einnahme einer Ecstasy-Tablette zu viel Wasser getrunken hatte. Während der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2004 wies Henry darauf hin, dass der Oppositionskandidat Wiktor Juschtschenko möglicherweise mit Dioxinen vergiftet worden sei. Er war außerdem der klinische Toxikologe, der sich im November 2006 am University College Hospital mit dem Vergiftungsfall des russischen Dissidenten Alexander Walterowitsch Litwinenko befasste. Zunächst vermutete er eine Vergiftung durch das Metall Thallium, später stellte sich jedoch heraus, dass es sich bei dem Gift um Polonium-210 handelte.

Im April 2007 versagte Henrys transplantierte Niere, woraufhin er sie entfernen ließ. Schließlich starb er jedoch an inneren Blutungen. Henry trat mehrfach im Fernsehen auf, unter anderem in der Sendung Equinox auf Channel 4 und in der Sky-One-Dokumentation Poisoned, die sich vor allem mit dem Fall des ukrainischen Präsidenten Wiktor Juschtschenko befasste. Einmal trat er in Da Ali G Show auf, nachdem man ihm gesagt hatte, es handele sich um eine Bildungssendung, und sprach über die Gefahren harter Drogen, wobei er die auf seine Kosten gemachten Witze ignorierte. Zuletzt war er in einer Folge von Horizon mit dem Titel A Perfect Murder zu sehen, in der er über die Vergiftungen von Litwinenko und Juschtschenko sprach. Die Folge wurde an seinem Todestag, dem 8. Mai 2007 um 21:00 Uhr, ausgestrahlt und am Ende des Abspanns der Sendung wurde an ihn erinnert.

Einzelnachweise

Weblinks Professor John Henry. In: The Times, 14. Mai 2007. Professor John Henry. In: The Daily Telegraph, 12. Mai 2007. Litvinenko poisoning: the main players. In: The Guardian, 24. November 2006.

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