mini|Betty Schott von Braunrasch Betty Schott von Braunrasch (* 25. Dezember 1820 in Mainz als Barbara Edle von Braunrasch; † 5. April 1875 ebenda) war eine deutsche Pianistin, Musikverlegerin, Salonnière und Stifterin. Nach dem Tod ihres Ehemannes Franz Schott im Mai 1874 übernahm sie die Leitung des Musikalienverlags B. Schott’s Söhne.
Leben mini|Richard Wagner: Albumblatt (Es-dur) für das Pianoforte Frau Betty Schott gewidmet mini|Grab von Betty und Franz Schott auf dem Hauptfriedhof Mainz mini|Schottenhof Mainz, Medaillon der Stifterin Betty Schott von Braunrasch am Erker der Fassade mini|Nennung des Stifterpaares auf einem Fassadenfries am Gebäude Gaustraße 18 Barbara „Betty“ Edle von Braunrasch wurde in Mainz als Tochter des österreichischen Juristen Bernhard Franz Edler von Braunrasch (1791–1839) und der Elisabeth Bittong geboren.Eintrag Schott Franz in der Hessischen Biografie Ihre Mutter stammte aus einer Mainzer Bäckersfamilie, der Vater war Offizier und kaiserlich-königlicher (k. k.) Stabsauditor der österreichischen Armee in der Bundesfestung Mainz. Zusammen mit ihren Geschwistern wuchs sie in wohlgeordneten Verhältnissen im Älteren Dalberger Hof am Ballplatz auf. Sie war als Pianistin weit über Mainz hinaus bekannt und Sängerin im Damengesangsverein der Mainzer Liedertafel, zu dessen über 50 weiblichen Gründungsmitgliedern sie am 29. Februar 1836 gezählt hatte.
Nach Ende seiner Dienstzeit zog Bernhard von Braunrasch zusammen mit seiner Frau und den Töchtern Auguste und Johanna zurück nach Wien. Betty heiratete am 30. Juli 1844 den Musikverleger und späteren Mainzer Bürgermeister Franz Schott (1811–1874). Die Ehe blieb kinderlos.Schott Music Group: Unternehmensgeschichte Das Ehepaar wohnte in der repräsentativen Villa Schott in dem Mainzer Vorort Laubenheim. Bei ihnen lebte vor ihrer Heirat mit dem Gerichtsrat Arens auch Betty Schotts jüngere Schwester Auguste von Braunrasch, die sich einen Namen als Schriftstellerin gemacht hatte und nach dem Tod der Eltern wieder nach Mainz zurückgekehrt war.
Erst nach der Eheschließung schloss Betty Schott von Braunrasch ihre Ausbildung als Pianistin ab. Sie nahm Unterricht bei verschiedenen Lehrmeistern und begann ihre Tätigkeit als Solistin im Jahr 1850. Ihre Konzerte umfassten beispielsweise Auftritte in der Mainzer Liedertafel, im Verein für Kunst und Literatur, im Kurhaus Wiesbaden und am Hof des Großherzogs in Darmstadt. Von der Kritik wurde ihr Spiel gelobt, in dem die einzelnen Passagen „perlend ihren Fingern entsprossen“.
Ihr Gatte Franz Schott war Enkel des Verlagsgründers Bernhard Schott und ab 1855 der alleinige Inhaber des Musikverlages B. Schott’s Söhne, der vor allem durch die Edition des kompositorischen Werks von Richard Wagner Weltgeltung erreichte. Wesentlichen Anteil an den Erfolgen der Firma, wenn auch indirekt, hatte Betty Schott durch den Salon, den sie mehr als 20 Jahre in ihrem Haus unterhielt. Er stand Vertretern der Kunst-, Literatur- und Musikwelt offen, Franz Liszt, Hans von Bülow, Peter Cornelius und Richard Wagner gehörten zu den Gästen. Von Betty Schott wird das Bild einer lebhaften und geistvollen Gesellschafterin gezeichnet. Sie war eine wichtige Vermittlerin zwischen ihrem Ehemann und Richard Wagner, der sich in schwierigen Fällen mehrfach an sie wandte. Auguste Arens von Braunrasch erzählt in ihren „Erinnerungen an das Haus Schott in Mainz“ von der anfänglichen Zurückhaltung Franz Schotts, die Werke Wagners zu verlegen. Betty Schott, die das Potenzial erkannte, schaffte es durch Zureden, ihn umzustimmen. Sie schaltete sich auch maßgeblich in die Wagner-Lotterie zu Gunsten des Bayreuther Festspielbetriebs ein. Wagner widmete ihr daraufhin ein Noten-Albumblatt, eine Anlehnung an die Rheintöchter-Szene aus der Götterdämmerung.
Betty Schott von Braunrasch tauschte sich in zahlreichen Briefen sowohl mit jungen Musiktalenten als auch mit bedeutenden Komponisten aus, und ihr wurden verschiedene Kompositionen dediziert. Felix Mendelssohn Bartholdy beehrte das Haus Schott mehrfach. Zu ihrem Netzwerk gehörten auch bildende Künstler wie Philipp Veit, der ihr das Bildnis der Heiligen Cäcilie widmete. Der Mainzer Maler Benjamin H. Orth und der Lithograf August Selb porträtierten Betty Schott.
Von 1870 bis 1875 war Betty Schott Präsidentin der Alice-Schwesternschaft Mainz. Über Kontakte in diesen Wohltätigkeitsverein wurde sie auf den damals noch sehr jungen Juristen Ludwig Strecker aufmerksam. Um den Fortbestand des Schottschen Verlages zu sichern, wurde Strecker auf die Übernahme des Verlages vorbereitet und als Miterbe eingesetzt.
Betty und Franz Schott legten gemeinsam testamentarisch fest, dass nach ihrer beider Tod die Schott-Braunrasch’sche Stiftung „zur Pflege und Förderung der Musik“ errichtet werden sollte.S. 14, 15. Das Vermögen der am 5. April 1876 errichteten Stiftung umfasste auch die von dem Architekten Eduard Kreyßig entworfene Wohnanlage Schottenhof (heute erhalten sind von der dreiflügeligen Anlage die Gaustraße 18 und der Stefansplatz 1), dessen Mieteinnahmen dauerhaft der Musikförderung dienen sollten. Aus den Erträgen der Stiftung konnte die Stadt Mainz unter anderem das aus 45 Mitgliedern bestehende Orchester des Stadttheaters finanzieren, aus dem später das Philharmonische Staatsorchester Mainz hervorging. Am Schottenhof erinnert heute noch ein Porträtmedaillon an Betty Schott von Braunrasch. Bis heute unterstützt die Stiftung insbesondere das Peter-Cornelius-Konservatorium der Stadt Mainz, etwa durch Zuschüsse zur Ausstattung, Bereitstellung von Wohnraum und individuelle Förderung von Musikschülerinnen und -schülern.
Der Stadt Mainz schenkte das Paar 32 Briefe Beethovens, die heute in der Stadtbibliothek bewahrt werden. Auch das heutige Landesmuseum wurde im Vermächtnis von Betty Schott bedacht. Unter den Gemäldeschenkungen befanden sich zwei Alte Meister und Landschaftsmalerei aus dem frühen 19. Jahrhundert. Weiter gehörte eine Marktszene vom Frankfurter Maler Heinrich Franz Schalk dazu, auf der bekannte Mainzer Persönlichkeiten abgebildet wurden.
Nach dem Tod ihres Ehemannes im Mai 1874 übernahm Betty Schott die Leitung des Musikalienverlags B. Schott’s Söhne.
Betty Schott von Braunrasch starb in Mainz am 5. April 1875 im Alter von 54 Jahren, knapp ein Jahr nach ihrem Ehemann. Die Grabstätte des Ehepaares befindet sich auf dem Mainzer Hauptfriedhof und wurde von Robert Cauer dem Älteren geschaffen.
Literatur Wilhelm Huber: Das Mainz-Lexikon. Schmidt, Mainz 2002, ISBN 3-87439-600-2.
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