mini|Markenzeichen mit Krone und Kennzeichnung H. F. Meyer auf einer Querflöte aus der hannoverschen Werkstatt Meyers
Heinrich Friedrich Meyer (geboren 30. November 1814 in Frielingen bei Neustadt am Rübenberge; gestorben 26. August 1897 in Hannover) war ein deutscher Musikinstrumentenbauer. Unter seinen mit H. F. Meyer gekennzeichneten HolzblasinstrumentenWill Jansen: Meyer, Heinrich Friedrich Sr., in ders.: The Bassoon: Its History, Construction, Makers, Players and Music, Bd. 1 (Kapitel 1–13), Buren: Uitgeverij F. Knuf, 1978, ISBN 90-6027-446-6, v. a. S. 439 war die nach ihm benannte Meyer-Flöte lange die am weitesten verbreitete Flöte in Deutschland. Von anderen Herstellern nachgebaute Modelle „nach Meyer“ werden bis in die Gegenwart vor allem in Lateinamerika gespielt.Elisabeth Weinzierl, Edmund Wächter: Die Querflöte. Geschichte, Repertoire, Flötenbau. Teil 13: Das 19. Jahrhundert. In: Flöte aktuell, Heft 1 (2025), S. 20ff.; hier: S. 23
Leben Heinrich Friedrich Meyer wurde zu Beginn des Königreichs Hannover Ende 1814 in dem kleinen Dorf Frielingen geboren als Sohn des Bauern Christoph Meyer und dessen Ehefrau Catharina Dorothea Harken.
mini|links|Dreiteilige "H.F. Meyer"-Flöte um 1850, von Robert Buechel im Olympic Theatre Orchestra in St. Louis 46 Jahre lang gespielt; Foto: Missouri History Museum
Ab 1832 war Meyer in Hannover Schüler des Hof-Instrumentenmachers und Erfinders des Fagotthorns Johann Heinrich Zetsche.Hans-Jörg Maucksch: Zu ausgewählten Querflöten der Göttinger Musikinstrumentensammlung, in: Tibia. Magazin für Freunde alter und neuer Bläsermusik, Heft 3 (1980), S. 183ff.; hier: S. 187–188; online-Digitalisat auf der Seite von Moeck Musikinstrumente + Verlag Im Hannoverschen Staatskalender wurde Meyer ab 1847 als königlicher „Hof--Instrumentenmacher“ in der Residenzstadt Hannover geführt, in der er im Folgejahr 1848 die Werkstatt des Flötenbauers Johann Adolf August Neddermann (1791–1861) übernahm und seit dem vor allem Holzblasinstrumente schuf. An Stelle der zuvor in Europa gebräuchlichen "Wiener Flöten" und den komplizierteren "englischen Flöten" entwickelte Meyer auf Basis eines konischen geformten Korpusses einen einfacheren Mechanismus mit verbesserter Bohrung: Er baute Flöten mit bis zu 12 Klappen, die bis zum H-Fuß bespielbar waren und in den besseren Varianten mit einem Kopf aus Elfenbein ausgeliefert wurden.
mini|Mehrteilige Flöte „nach Meyer“
Die „Meyer-Flöte“ wurde vor allem im 19. Jahrhundert in zahlreichen Sinfonieorchestern und Militärkapellen gespielt, fand aber auch private Liebhaber. Meyers Flöten wurde Vorbilder für Nachbauten anderer Hersteller, die dann als „Modell Meyer“ oder Flöten „nach Meyer“ sowie als „System Meyer“ bezeichnet wurden.Typologie et muséographie mit Abbildung auf der Seite des Musée historique Lausanne
Das von Meyer gegründete und geleitete Unternehmen firmierte spätestens 1873 zwar als H. F. Meyer, Pianofortefabrik,Christoph Sandler: Handbuch der Leistungsfähigkeit der gesammten Industrie Deutschlands, Oesterreichs, Elsass-Lothringens und der Schweiz, Bd. 1: Handbuch der gesammten Industrie des preussischen Staates, Leipzig: Verlag von Herm. Wölfert's Buchhandlung, 1873, S. 82; Google-Books produzierte aber zudem auch Blechblasinstrumente. Auf der Allgemeinen Gewerbeausstellung der Provinz Hannover zählten 1878 zum Beispiel Waldhörner in Messing oder Neusilber zu Meyers Exponaten sowie ein Baritonhorn, ein Piston und eine Trompete in der Tonlage B, eine Tuba in F, eine Piccolo- und eine Signaltrompete usw. Die Meyer'schen Instrumente, von Fachleuten als „makellose Arbeit [… mit] unvergleichlich schönem Ton“ bezeichnet, dienten bei Aufführungen bis hin in weit entfernten Theaterorchestern.Ferdinand Jugler (Bearb.): Die Allgemeine Gewerbe-Ausstellung der Provinz Hannover für das Jahr 1878, Hannover: Klindworth's Hof-Druckerei, 1878, S. 207; Volltextdigitalisat der Bayerischen Landesbibliothek
mini|links|Von Ernst Meyer 1898 angemeldetes Warenzeichen mit Krone und Initialen H F M für die Firma H. F. Meyer mit Sitz im Haus Marienstraße 33
mini|Grabobelisk der Familie des königlichen Hof-Instrumentenmachers auf dem Stadtfriedhof Engesohde
Bis zu seinem Tode 1897 schuf Meyer Musikinstrumente. Aus seiner 1843 in Hannover geschlossenen Ehe mit Ilse Dorothea Friederike SeemannHeinrich Friedrich Meyer auf der Seite des Vereins für Computergenealogie gingen 9 oder – nach anderer Quelle – 10 Kinder hervor, von denen zwei Söhne ebenfalls Holzblasinstrumentenbauer wurden: Sein viertes Kind, der am 22. April 1853 geborene Sohn Heinrich Friedrich Meyer junior, und sein achtes Kind, Georg Ernst Meyer (geboren 8. Januar 1860). Meyers Witwe überlebte ihren 1897 in Hannover gestorbenen Ehemann bis 1906.
Die Instrumentenmacher-Firma H. F. Meyer, eingetragen beim Amtsgericht Hannover im Handelsregister HR A 2027, hatte noch Mitte der 1920er Jahre ihren Sitz im Parterre des Hauses Arnswaldtstraße 16.Adreßbuch von Hannover, Bd. 125 (1926), S. 307; Vorschau über Google-Bücher
Erhaltene Instrumente aus Meyerscher Produktion finden sich in verschiedenen Museen und Sammlungen, darunter etwa im „Heckel Museum“, in der Sammlung des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität Göttingen, im Germanischen NationalmuseumAngaben im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek und im Metropolitan Museum of Art in New York,Piccolo Flute in C auf der Seite des Museums während beispielsweise eine auf die 1890er Jahre datierte Querflöte mit 10 Klappen „nach H. F. Meyer“ Aufnahme im National Museum of American History fand.German 10-Keyed Flute mit herunterladbaren Fotografien auf der Seite der Smithsonian Institution
Weblinks
Hörbeispiele: Kelly Nivison, Raleigh Camerata: Andante, Hörbeispiel mit Meyer-Flöte aus dem Flötenkonzert Opus 69 von Bernhard Molique auf youTube Hans-Jürgen Pincus (Flötist), Franz Doppler (Komponist): Ungarische Fantasie, mit Abbildung einer Meyer-Flöte aus Elfenbein und Grenadillholz Rick Wilson: Meyer and "nach Meyer" flutes, Fotografien und Beschreibungen auf der Seite oldflutes.com
Einzelnachweise
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